Kommentare:
Vater hilft seinem Sohn bei den Hausaufgaben
© goodluz - 123rf.com

Erste Hilfe bei typischen Jungenfehlern

Starke Eltern – starkes Kind

In den letzten Jahren rückte das unterschiedliche Lernverhalten von Mädchen und Jungen in den Fokus der Forschung. Jungen gelten als die Verlierer des deutschen Bildungssystems. Ist es wirklich so schlimm? Ich habe Studienergebnisse gesichtet und mit meinen Eindrücken aus dem Unterricht kombiniert. Daraus entstanden ein paar erhellende Tipps für Sie und Ihren Sohn 

Expertenrat von 
Annette Holl, Grundschullehrerin

Fakten über das Lernverhalten von Jungen

Mädchen sagt man nach, dass sie angepasst und fleißig sind. Jungen hingehen gelten als unangepasst, vorlaut, unordentlich und faul. Was ist tatsächlich erwiesen?

 

  • Mehr Jungen als Mädchen sind verhaltensauffällig (z. B. hyperaktiv oder aggressiv).
  • Jungen bilden zunächst die Grobmotorik aus, die Feinmotorik kommt erst später in der Pubertät.
  • Ihre Verhaltens- und Mitarbeitsnoten sind schlechter.
  • Im Alter von 15 Jahren hinken sie in ihrer Leseleistung um ein Jahr hinterher.
  • Ihr soziales und emotionales Vermögen ist weniger entwickelt.
  • Sie haben einen größeren Bewegungsdrang und mögen meist das Fach Sport.
  • Sie zeigen häufiger ein kräftemessendes und wettbewerbsorientiertes Verhalten.
  • Jungen brauchen ein höheres Maß an Ordnungen und Regeln.
  • Sie können sich schlechter selbst organisieren als Mädchen.
  • Sie haben bessere Noten in Mathematik.
  • Sie neigen zu Selbstüberschätzung und haben Probleme damit, Kritik anzunehmen.
  • Sie interessieren sich im Unterricht eher für technische und naturwissenschaftliche Themen.
  • Mehr als doppelt so viele Jungen wie Mädchen verlassen die Schule ohne Abschluss.
  • Nur 44,5% der Abiturienten sind männlich.

 

6 Tipps für den Umgang mit Ihrem Sohn

Inzwischen gilt es als sicher, dass viele Eigenschaften tatsächlich in der „Natur des Mannes“ begründet liegen. Sie können nicht bekämpft oder gar ignoriert werden. So diskutieren Mädchen gern ausführlich über ein Problem („Mama, warum bist du so gemein und kaufst mir das neue Wii-Spiel nicht, das alle meine Freundinnen haben?“), während Jungen versuchen, das Problem effektiv und zeitsparend zu lösen („Mama, kann ich ab und zu für ein bisschen Geld Jobs im Haushalt machen, um mir bald das neue Wii-Spiel kaufen zu können?“). Wie können Sie möglichst gut auf die geschlechtsspezifischen Besonderheiten Ihres Sohnes eingehen?

1. Stillsitzen muss nicht sein!

Klar, Hausaufgaben machen muss Ihr Sohn. Aber warum unbedingt im Sitzen? Hat er einen Schreibtisch mit einer Platte, die sich schräg stellen lässt (z. B. von Moll), kann er während des Arbeitens auch stehen. Lassen Sie ihn beim Lernen einen Radiergummi kneten oder Kaugummi kauen. Oder: Was ist dagegen einzuwenden, wenn er auf dem Trampolin hüpfend Vokabeln aufsagt?

2. Seien Sie ein starkes Erwachsenenvorbild!

Gestern führte ich ein langes Telefonat mit einer Freundin. Ihr Sohn schaltet auch nach mehrmaligem freundlichen Bitten die Playstation nicht aus, bei ihrem Mann hingegen funktioniere das schon nach der ersten Ansage. Jungen fällt es schwer, zwischen den Zeilen zu lesen. Sie reagieren gut auf ein selbstsicheres, souveränes und vor allem gleichbleibendes Auftreten. Stellen Sie klare Regeln auf, geben Sie ihm genaue Zeitvorgaben, und ahnden Sie Verstöße konsequent. Im Falle meiner Freundin wäre es beispielsweise angebracht, die Dauer der Playstation Nutzung zeitlich zu beschränken, die Bitte nur ein weiteres Mal zu wieder - holen und bei Nichtbefolgen einen Tag Spielpause anzuordnen.

3. Lesen muss sein!

So hart es für Ihren Sohn auch sein mag: Probleme beim sinnerfassenden Lesen oder stockenden Vorlesen bekommt er nur in den Griff, wenn er täglich übt. Suchen Sie nach interessanten Wissens- oder Sachbüchern. Wenn Sie einen Roman wählen, sollte die Hauptperson oder der Erzähler männlich sein. Abenteuer-, Fantasy- oder Kriminalgeschichten werden ihn faszinieren. Und wenn das alles fehlschlägt, abonnieren Sie eine Zeitschrift wie den „Kicker“, „Mein Spiegel“ oder „Leo“, da sind die Texte vom Umfang her überschaubarer.

4. Setzen Sie sinnvolle Maßstäbe!

„Muss ich das Bild auch ausmalen, Frau Holl?“ Nur die Jungs in meiner Klasse stellen mir regelmäßig diese Frage, wenn auf ihren Arbeitsblättern neben Text noch etwas zu sehen ist. Die meisten Mädchen malen die Sonne oben rechts unaufgefordert aus. Denken Sie daran, dass Ihr Sohn entwicklungsbedingt weniger „von selbst kann“, wenn es um die Heftführung oder das Ordnungmachen geht. Setzen Sie hierbei sinnvolle Maßstäbe: Ein vollständiges, lesbares und inhaltlich richtiges Heft entspricht dem männlichen Anspruch voll und ganz.

5. Kämpfen erlaubt!

Bei der Pausenaufsicht passiert es mir nicht selten, dass ich einer Gruppe kämpfender Kinder zu Hilfe eile und mit einem empörten „Wir spielen doch nur!“ wieder weggeschickt werde. Akzeptieren Sie „Raufen und Rangeln“ als spielerisches Kräftemessen Ihres Sohnes. Es trainiert sowohl das Gespür für seinen eigenen Körper als auch für den seines Gegners. Besprechen Sie unbedingt, wo der Spaß aufhört (Stöße in den Kopf-, Bauch- und Genitalbereich sind absolut tabu!), und schreiten Sie gegebenenfalls ein.

6. Wettbewerb spornt an!

Gilt es, Lernlücken aufzufüllen, kaufen Sie Ihrem Sohn Lernspiele für den PC oder die Spielekonsole. Wecken Sie seinen Ehrgeiz, indem Sie gegen ihn antreten. Steigern Sie seine Hilfsbereitschaft mit einem „Pfadfinder-Plakat“, auf dem er jeden Tag eine gute Tat eintragen kann (z. B. Müll wegbringen, sich bei seiner Schwester entschuldigen)

 

 

Mehr zum Thema von unseren Elternwissen-Experten

Kommentare zu "Erste Hilfe bei typischen Jungenfehlern"

Sagen Sie Ihre Meinung und schreiben Sie einen Kommentar!




Warum stellen wir so dumme Fragen?
Hinweis: aus rechtlichen Gründen erscheint Ihr Kommentar nicht sofort, sondern muss zuerst durch einen Moderator freigeschaltet werden.
Spamschutz

Der Grund, weshalb wir Sie nach der Geburt fragen, ist die Vermeidung von Spam durch automatisierte Spam-Bots.

Solche Spam-Bots versuchen durch massenhafte Einträge von Links in Kommentarfeldern und Gästebüchern Traffic für ihre Angebote zu erzeugen. Daher stellen wir einfache Fragen, die ein echter Nutzer ohne Probleme beantworten kann, während automatisierte Spam-Bots daran meist scheitern (Captcha-Test).

Eine Alternative zu solchen individuellen Fragen sind Bild-Captchas, bei denen verzerrt dargestellte Buchstaben oder Zahlen abgetippt werden müssen. Aufgrund des erhöhten "Nerv-Faktors" dieser Bild-Captchas haben wir uns für aber für erstere Variante entschieden.

Kostenlose Tipps zum Thema "Motivation" per E-Mail

Sollen wir Sie mit neuen Tipps und Artikeln zum Thema "Motivation" kostenlos per E-Mail auf dem Laufenden halten?