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Neurobics machen fit im Kopf

Mit Ungewöhnlichem das Gehirn trainieren

Das Fördern der geistigen Fitness ist ein wissenschaftliches Forschungsgebiet, das noch in den Kinderschuhen steckt. Ständig werden neue Erkenntnisse über die Informationsaufnahme und Verarbeitung des Gehirns gewonnen, von denen Erwachsene, aber auch Schulkinder profitieren können. Zum Beispiel die spielerischen Neurobics-Übungen. Probieren Sie die Übungen doch gleich einmal aus! 

Expertenrat von 
Dipl.-Päd. Uta Reimann-Höhn, Lern- und Erziehungsexpertin

So wie der Körper durch Sport und regelmäßiges Training fitter und leistungsfähiger wird, kann auch das Gehirn durch entsprechende Übungen seine Leistungsfähigkeit verbessern. Beim körperlichen Training werden möglichst viele verschiedene Muskelgruppen eingesetzt, um die allgemeine Fitness zu steigern. Beim Training mit den Neurobics ist dieses Prinzip übertragen worden auf die unterschiedlichen Regionen des Gehirns. Informationen oder Reize werden so  präsentiert und erlebt, dass möglichst viele, bisher ungenutzte Sinnesorgane „eingeschaltet“ werden müssen. Ihr Kind soll ausgetretene Pfade verlassen und neue Lernwege beschreiten. So wird die geistige Beweglichkeit verbessert und das Gehirn insgesamt flexibler.

Lernszenarien dürfen sich ändern

So wichtig eine positive Lernatmosphäre ist (guter Arbeitsplatz, frische Luft, Abwesenheit von Hunger und Durst etc.), so lähmend kann sich ein immer gleichbleibendes Lernszenario auf die Aktivität des Gehirns auswirken. Ein gutes Beispiel dafür sind die sich endlos hinziehenden Rechenpäckchen, die Grundschüler immer wieder als Hausaufgabe aufbekommen. Schon beim Anblick dieser lustfeindlichen, langweiligen Trainingsaufgaben schaltet das Gehirn vieler Kinder und ihrer Eltern in den Schlafmodus. Ohne Motivation und Spaß dauern die Hausaufgaben dann oft viel länger als eigentlich nötig. Anders als beabsichtigt wird bei diesen Aufgaben nicht die Rechenfähigkeit des Kindes trainiert, sondern vielmehr sein Durchhaltevermögen und seine Frustrationstoleranz.

Routine blockiert die Lernfähigkeit

Um ein Gehirn und seine verschiedenen Regionen zu fordern, muss die übliche Lernroutine immer wieder unterbrochen werden. Die Ausgangssituation für Neurobics ist daher immer die jeweilige Alltagssituation. Denken Sie einmal nach – an welche schulischen Situationen können Sie sich noch besonders gut erinnern? An die regelmäßigen Hausaufgaben oder an die unerwarteten Erlebnisse auf einer Klassenfahrt? An die üblichen Diktate oder an den Besuch der Klasse in einem Erlebnismuseum? Für Routineaufgaben braucht ein Gehirn kaum Energie, neue Herausforderungen hingegen aktivieren alle Sinne und machen hellwach. Je einmaliger und herausragender ein Erlebnis ist, desto tiefer prägt es sich ein, weil viele unterschiedliche Gehirnregionen aktiviert werden müssen. Darauf basiert das Prinzip der Neurobics. Das Gehirn wird trainiert. Viele kleine Übungen bieten sich vom Aufstehen bis zum Schlafengehen an, um diese Methode anzuwenden. Probieren Sie doch unsere Vorschläge gleich morgen einmal aus.

Neurobic 1: Fordere deine Sinne heraus

Tue Alltägliches mit geschlossenen Augen, denn dann forderst du deinen Tast- und Geschmackssinn heraus

Sehr viele Informationen gelangen über das Auge ins Gehirn. Wenn Ihr Kind eine Banane sieht, weiß es schon, wie sie schmecken wird. Längst muss es dafür nicht mehr hineinbeißen. Beim Zähneputzen verfolgen die Augen die Zähne und die Zahnbürste, die anderen Sinne sind weitgehend ausgeschaltet. Mit dem Schließen der Augen gerät der normale Ablauf durcheinander. Das Gehirn muss nun wieder andere Sinne einsetzen, um Situationen zu bewältigen und Informationen richtig einzuordnen. Mit geschlossenen Augen kann Ihr Kind zum Beispiel:

  • sich anziehen
  • ein Brot schmieren
  • das Müsli essen
  • ein bestimmtes Buch aus dem Ranzen nehmen
  • ein Wort schreiben
  • in dem Obstkorb die Traube finden

Neurobic 2: Handtausch

Gebrauche die andere Hand, denn dann forderst du deine andere Gehirnhälfte heraus

Wenn Rechtshänder ihre linke und Linkshänder ihre rechte Hand häufiger einsetzen, muss das Gehirn umdenken. Kindern gelingen diese Übungen gut beim:

  • Zähneputzen, Zahnpastatube aufschrauben, Zahnpasta auftragen
  • die Maus am Computer benutzen
  • etwas mit einem Löffel essen
  • einen Reißverschluss zuziehen
  • ein Wort oder einen Satz schreiben

Neurobics durchbrechen die Routine

Das Durchbrechen der alltäglichen Routine ist schon alles, was Ihr Kind tun muss, um sein Gehirn herauszufordern. Wenn es mit Neurobics trainiert, verbessert es seine Aufnahme- und Leistungsfähigkeit automatisch – auch in Bezug auf die Schule und das Lernen. Viele Situationen zu Hause lassen sich mit Neurobics ganz spielerisch auflockern. Oft wirkt das viel besser, als ständige Ermahnungen, Strafen oder Wutausbrüche.

So erfinden Sie selber Neurobics

Viele der aufgeführten Beispiele passen möglicherweise gar nicht zum Lernverhalten Ihres Kindes? Kein Problem! Neurobics lassen sich kinderleicht selbst erfinden. Sie müssen nur genau beobachten und Ihre Kreativität spielen lassen. Fragen Sie auch Ihr Kind, ob es eine Idee zur Auflockerung der Routine hat, und setzen Sie dann die besten Einfälle einfach um.

4 Schritte zum Erfinden von Neurobics

  1. Nehmen Sie einfach eine typische Situation, die Sie gerne verändern möchten, zum Beispiel die Hausaufgaben. Vielleicht ist Ihr Kind schwer zu motivieren, sich an seinen Schreibtisch zu setzen und damit anzufangen.
  2. Überlegen Sie gemeinsam mit Ihrem Kind, was das Sitzen am Schreibtisch interessanter gestalten könnte. Ein neuer Stuhl, ein Fußschmeichler (Kissen, Holzrollen, Kiste mit Murmeln) unter dem Tisch oder unterschiedliche Stoff- und Papierstücke unter der Tischplatte für den Tastsinn der Finger.
  3. Setzen Sie eine oder zwei der besten Ideen gemeinsam um. Schneiden Sie beispielsweise fünf verschiedene Materialien (Wolle, Schmirgelpapier, Kunstrasen, Frottee und Plastik) in 10 x 10 cm große Stücke und kleben Sie diese nebeneinander unter die Schreibtischplatte. Ihr Kind kann jetzt beim Arbeiten als Abwechslung mit seinen Fingern über die Materialien streichen.
  4. Probieren Sie die veränderte Schreibtischsituation eine Woche lang aus und sprechen Sie dann über die Auswirkungen.
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Erfahren Sie hier anhand von Beispielen, wie Sie Neurobics zur Auflockerung von schwierigen Situationen nutzen können, wenn Sie Leser von "Lernen und Fördern mit Spaß" sind.

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