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Gruppe von Teenager im Klassenzimmer
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Null Lust auf Lernen: Wie Sie Ihrem Kind aus der Krise helfen können

Motivation

Wenn Sie an Ihre eigene Schulzeit zurückdenken, können Sie sich bestimmt auch an Zeiten erinnern, in denen Sie wenig oder gar keine Lust mehr auf Schule und Lernen hatten. Gründe, warum es in der Schule plötzlich nicht mehr rund läuft, gab und gibt es früher wie heute viele: vom „unfreundlichen“ Lehrer, über das „langweilige“ Unterrichtsthema, bis hin zu Streitigkeiten mit Klassenkameraden oder vermehrten außerschulischen Interessen. Die Ursachen können sehr unterschiedlicher Natur sein. Hinzu kommt, dass Schüler im Pubertätsalter die Prioritäten sowieso oft neu verteilen und Schule und Lernen dann meist eher auf den hinteren Plätzen rangieren. 

Expertenrat von 

Wichtig bei diesem Thema ist jedoch, dass Ihr Kind nicht in eine dauerhafte Schulkrise hineinläuft. Lesen Sie daher in diesem Beitrag, wie Sie Ihr Kind in der Krise richtig unterstützen können, damit es sich aus eigener Kraft bald wieder daraus befreien kann.

Als Eltern empfinden Sie eine solche Schulkrise Ihres Kindes sicher als belastend, wirklich bedenklich ist das Verhalten Ihres Kindes aber zunächst noch nicht. Doch jetzt hängt es auch an Ihrer Art der Unterstützung, ob Ihr Kind schulisch bald wieder auf die Füße kommt.

Zwei wichtige „Grundpfeiler“: Zuwendung und Verantwortung

Egal, ob sich die Schulkrise Ihres Kindes gerade erst anbahnt oder ob Ihr Kind bereits mittendrin steckt – zwei „Grundpfeiler“ Ihres Verhaltens sind wichtig, wenn Sie Ihrem Kind nun hilfreich zur Seite stehen wollen:

1. Trennen Sie zwischen schulischem Misserfolg und persönlicher Zuwendung!

Kinder und Jugendliche, die erfahren, dass ihr schulisches Versagen geringere Wertschätzung, Beschämung („Du bist dumm und faul“) oder sogar Liebesentzug der Eltern zur Folge hat, fühlen sich gerade in der Krise zusätzlich verletzt und entkräftet. Statt weiterer Demütigungen benötigt Ihr Kind in dieser Zeit die Gewissheit, dass Sie es trotz bzw. unabhängig seiner schulischen Leistungen lieben und wertschätzen. Sie können Kritik üben und dürfen Ihren Unmut deutlich kundtun, aber immer bezogen auf ein konkretes Verhalten oder eine bestimmte Sache und nicht grundsätzlich auf die Persönlichkeit Ihres Kindes.

2. Übertragen Sie die Verantwortung für das Gelingen der „Schulkarriere“ Ihrem Kind!

In der Grundschulzeit sind noch viele Eltern aktiv an den schulischen Aufgaben ihrer Kinder beteiligt. Da werden z.B. die Hausaufgaben mitbetreut, Haushefte verschönert und Unterrichtsmappen vervollständigt oder die ersten kleinen Referate gemeinsam vorbereitet. Eine solche Unterstützung ist durchaus sinnvoll, wenn Ihr Kind dabei schrittweise zum selbstständigen Lernen geführt wird. Dazu ist es aber wichtig, dass Sie nicht für Ihr Kind das Referat vorbereiten oder für Ihr Kind die Englischmappe vervollständigen, sondern Ihrem Kind zeigen, was es selbst zu tun hat und es ermutigen, dies dann auch zu tun. Mit dem Eintritt ins Pubertätsalter sollten Sie Ihrem Kind nun zügig immer mehr bzw. vollständig die Verantwortung für seinen „Job“ übertragen. Wenn es hier in „Sachen Selbstverantwortung, Selbstregulierung und Selbstdisziplin“ schon positive Erfahrungen gesammelt hat, umso besser. Nur wenn Ihr Kind sich eindeutig in der Verantwortung weiß, kann es in Schulkrisen auch selbst aktiv werden, statt passiv in der Opferrolle zu verharren und auf Hilfe von außen zu warten.

Unser Rat: Lassen Sie auch mal eine Bauchlandung zu!

Vor allem Jugendliche, die es gewöhnt sind, immer wieder rechtzeitig „gerettet“ zu werden, müssen manchmal das wirkliche Ausmaß ihres Verhaltens spüren, um zu begreifen, dass sie selbst aktiv werden müssen. Überlegen Sie daher gut, ob Sie Ihr heranwachsendes Kind noch immer an seine Klassenarbeiten erinnern wollen, ob sie es vor Tests zum Lernen antreiben, ihm vielleicht sogar den Lernstoff dazu aufbereiten … Eine verdiente 5 im Zeugnis spornt manchen Schüler mehr zum Lernen an als eine „geschenkte“ bzw. nicht selbstverdiente 4!

Nicht an Leistungserwartungen geknüpfte Wertschätzung und Zuwendung sowie das eindeutige Signal „Du bist verantwortlich für das Gelingen deiner Schulkarriere“ sind also die beiden „Grundpfeiler“ für das Überwinden einer Schulkrise. Darüber hinaus können Sie Ihrem Kind durch folgende weitere Verhaltensweisen unter die Arme greifen:

Analysieren Sie gemeinsam die kritische Situation!

Statt den Schwierigkeiten weiter auszuweichen, die Probleme zu erkennen und endlich mal beim Namen zu nennen – das ist einerseits nicht einfach, andererseits aber die Voraussetzung dafür, dass Ihr Kind seine Schulkrise richtig angehen kann. Helfen Sie ihm, Klarheit in die Dinge zu bringen, indem Sie Ihr Kind mit den richtigen Fragen selbst zum Denken bringen: „Seit wann hast du Schwierigkeiten in Mathe und Physik?“, „Liegen dir manche Themen mehr als andere?“, „Welche Rolle spielen die Lehrer bei deinen Fachproblemen?“, „Was hast du bisher ausprobiert, um die Probleme in den Griff zu bekommen?“, „In welchen weiteren Fächer könnte es kritisch werden?“

Entwickeln Sie zusammen einen Strategieplan!

Auch hier sollten Sie Ihrem Kind nicht das Denken abnehmen, sondern es gezielt dabei unterstützen. So kann Ihr Kind durchaus selbst überlegen, welche konkreten Maßnahmen ihm aus der Krise helfen sollen, z.B.: mit dem Mathelehrer sprechen, zweimal pro Woche zusätzliche Lernzeiten für Mathe, regelmäßige Hausaufgaben plus mündliche Beteiligung in Physik und darüber Buch führen, eine Woche vor Physik- und Mathearbeiten mit dem Lernen beginnen, zusätzliches Referat in Physik etc. Ihre Aufgabe ist es dabei weniger, diese Maßnahmen zu bewerten, als darauf zu achten, dass Ihr Kind

sich ein konkretes, zeitlich festgelegtes und realistisches (Noten-)Ziel setzt, z.B.: „Am Ende des Schuljahres habe ich in Mathe und Physik eine 4“,

die erforderlichen Maßnahmen genau beschreibt, z.B.: „Zusätzliche Mathelernzeit ist ab sofort jeden Donnerstag von 17.00 bis 18.00 Uhr und Samstag von 11.00 bis 12.00 Uhr“ und

Kontrollmechanismen einsetzt und zeitliche Fristen bestimmt, mit denen es sich selbst zum Einhalten der gewählten Maßnahmen diszipliniert, z.B.: „Mit einem Meldeplan (Strichliste) dokumentiere ich jede Physikstunde, ob ich mich mindestens dreimal gemeldet habe. Bis zu den Osterferien in zwei Wochen habe ich mit meinem Mathelehrer ein klärendes Gespräch geführt.“

Falls Ihrem Kind tatsächlich keine oder nur wenige Maßnahmen zur Behebung seiner Misserfolge einfallen, dann dürfen Sie Vorschläge machen. Doch auch hier sollte Ihr Kind entscheiden, welche Vorschläge es umsetzen möchte. Für die Entstehung einer Eigenmotivation ist es wichtig, dass Ihr Kind aus freien Stücken entscheidet, wie es handeln möchte. Geben Sie Ihrem Kind hingegen vor, was es zu tun hat, befolgt es möglicherweise Ihre Anweisungen, aber ohne innere Überzeugung oder verweigert sich ganz.

Kooperieren Sie mit den Lehrern!

In vielen Fällen sinnvoll ist, die Lehrer Ihres Kindes bei der Lösung der Schulkrise mit einzubeziehen und zusammen zu besprechen, wie Ihr Kind am besten unterstützt werden kann. Besser wäre es noch, wenn Ihr heranwachsendes Kind sein Problem eigenverantwortlich in die Hand nimmt und selbst das Gespräch mit seinen Lehrern sucht. So lernt es am besten, mit seinen Krisen aktiv umzugehen.

Fördern Sie die außerschulischen Fähigkeiten Ihres Kindes!

Wenn es in der Schule viele Misserfolge hagelt, dann leidet Ihr Kind. Keinen Schüler lassen schlechte Noten kalt, auch wenn viele Pubertierende versuchen, solche Niederlagen möglichst „cool“ abzutun. Falsch wäre es nun, wenn Sie Ihrem Kind zusätzlich diejenigen Tätigkeiten streichen, die seinem Selbstwert gut tun, z.B.: „Solange deine Noten nicht besser werden, spielst du auch nicht mehr Fußball.“ Sicher sollte Ihr Nachwuchs seine außerschulischen Aktivitäten nicht übertreiben, aber gerade während einer Schulkrise sind solche Hobbys besonders wichtig, um das Selbstbewusstsein aufrechtzuhalten und die Persönlichkeit zu stärken. Hat Ihr Kind noch kein solches Hobby gefunden, dann begeben Sie sich jetzt auf die Suche, um ihm zu zeigen, welche Talente und Fähigkeiten in ihm schlummern.

Entwickeln Sie gemeinsam Zukunftsperspektiven!

Gerade wenn Ihr Kind sich in einer Schulkrise befindet, kann es motivierend wirken, über berufliche Zukunftspläne nachzudenken. Vielleicht können Sie auch schon bestimmte Bildungsangebote konkreter recherchieren. Manchmal kann auch ein gutes Praktikum als praktische Lernerfahrung der Lernmotivation in Krisenzeiten wieder auf die Sprünge helfen. Wenn Ihr Kind weiß, wozu es lernt, lernt es meist auch lieber.

Schenken Sie Ihrem Kind Vertrauen und machen Sie ihm Mut!

Um das Motivationsloch zu überwinden und den Weg aus seiner Schulkrise zu finden, benötigt Ihr Kind aber vor allem Ihr Vertrauen, dass es das auch schaffen kann. Schrauben Sie Ihre Ansprüche und Wünsche gegebenenfalls auf ein realistisches Maß herunter und machen Sie Ihrem Kind Mut, wenn es Misserfolge verdauen muss. Sprechen Sie mit ihm über seine Stärken und Talente, bieten Sie ihm Ihre Hilfe an. Signalisieren Sie Ihrem Kind, dass Sie immer ein offenes Ohr haben, ohne sich ihm aufzudrängen. So bieten Sie Ihrem Kind einen sicheren Halt, wenn es selbst ins Wanken gekommen ist.

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