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Rechtschreibung im Diktat testen

10 häufige Rechtschreibfehler vermeiden

8 hilfreiche Tipps

Wenn sich in den Aufsätzen, Diktaten oder freien Texten Ihres Kindes immer wieder Rechtschreibfehler befinden, ist das zunächst ganz normal. Im Laufe der Schulzeit sollten sich diese Fehler allerdings verringern, denn die Rechtschreibung beeinflusst nicht nur die Schulnoten, sondern sie wirkt auch später noch wie eine Visitenkarte. Strotzen die Texte Ihres Kindes vor Fehlern, macht das keinen guten Eindruck. 

Expertenrat von 
Dipl.-Päd. Uta Reimann-Höhn, Lern- und Erziehungsexpertin

Steht Ihr Kind mit der Rechtschreibung auf Kriegsfuß, oder halten sich seine Fehler in Grenzen? Erkennbar ist das nicht nur an seinen Diktatnoten, sondern auch in allen Schreibproben, die es verfasst. Sehen Sie sich doch bitte mal die kurzen Mitteilungen, Postkarten, Briefe, die SMS oder E-Mails an, die Ihr Kind schreibt. Hält es Rechtschreibregeln ein, verwendet es Schreibstrategien und korrigiert es Fehler? Markieren Sie nun die Stellen, an denen das richtige Schreiben noch nicht gelingt. Erstellen Sie dann eine Liste der Fehler, die Ihr Kind am häufigsten macht. Falls Sie keinen Text zur Hand haben, können Sie Ihrem Kind auch die folgenden Zeilen diktieren. Die Wörter sind angelehnt an die Hamburger Schreibprobe, einem standardisierten Test zur Ermittlung der Rechtschreibkompetenz.

Diktat zur Fehlererkennung (Klasse 3 und 4) - Bitte langsam und ohne besondere Betonung einzelner, schwieriger Rechtschreibstellen vorlesen.

Der Briefträger trägt ein Handtuch über dem Arm.
Auf dem Fahrradschloss sitzt ein Schmetterling.
Die Verkäuferin klagt über das Fernsehprogramm, denn die Blätter fallen auf den Quarkkuchen.
Der Bankräuber wohnt in der Windmühle.
Ein Staubsauger fährt Rollschuh.
Das Eichhörnchen knackt Nüsse, wenn es Hunger hat.

Auswertung: Bitte überprüfen Sie die Sätze, die Ihr Kind geschrieben hat, auf die in der Tabelle (siehe unten) aufgeführten Fehlerschwerpunkte in der Rechtschreibung. Zu jedem Fehlerbereich stellen wir Ihnen im Folgenden sinnvolle Übungen vor.

FehlerartBeispielBeispielBeispielFehlerhäufigkeit
(1 bis 10)
Lerntipp Übung Nr.
GroßschreibungBriefträgerArmWindmühle1
Komposita Hand / TuchQuark / KuchenWind / Mühle2
Ableitungen (a/ä)Briefträger
(tragen)
Verkäuferin
(verkaufen)
Bankräuber
(raub)
3
Dehnung z.B. mit hWindmühleRollschuhFernsehprogramm4, 5
SchärfungNüsseknacktFahrradschloss4, 5
Dopplungwenn, dennfallen, BlätterSchmetterling4, 5
Punkt am Satzende...dem Arm....ein Schmetterling....in der Windmühle.6
b oder pBrief......programmStaubsauger7
g oder kklagtträgtknackt7
falsche TrennungSchmet-ter-lingVer-käu-fer-in8

So üben Sie richtig

Beginnen Sie mit dem Üben bei dem Fehler, der von Ihrem Kind am häufigsten gemacht wird. So wird es den schnellsten Erfolg verzeichnen können, weil gleich viele falsche Schreibweisen auf einmal korrigiert werden. Sehr deutlich wird das bei der Großschreibung. Kann Ihr Kind die Regel sicher und schnell richtig anwenden, schreibt es alle Satzanfänge und Nomen künftig richtig.

 1. Lerntipp: Übungen für die Großschreibung        

Dass Namenwörter (Nomen) groß geschrieben werden, kann Ihnen sicher auch Ihr Kind sagen. Doch es ist für Ihr Kind nicht immer ganz leicht, die Nomen auch zu erkennen. Ein einfacher Trick leuchtet vielen Kindern ein. Neben dem Artikel, der zu einem Nomen gehört, lassen sich Namenwörter auch zählen. Sprechen Sie Ihrem Kind den folgenden Satz vor. Ihr Kind soll ihn nun wiederholen – aber dabei vor jedes Nomen eine Zahl, zum Beispiel die Fünf, setzen.

Sie: „Meine Lehrerin schreibt am Computer.“

Ihr Kind: „Meine fünf Lehrerinnen schreiben an fünf Computern.“

Aber Achtung: Auf Namen oder abstrakte Nomen wie Luft, Geruch oder Atem ist diese Regel nicht anwendbar! Hier muss Ihr Kind noch überlegen, ob ein Artikel (der, die, das) davorpasst.

 2. Lerntipp: Übungen für Komposita (zusammengesetzte Hauptwörter)

Bei langen Wörtern wie Handtuch oder Staubsauger hilft es Ihrem Kind, die einzelnen Nomen zu erkennen und zunächst deren richtige Schreibweise zu überlegen: Hand und Tuch gibt Handtuch, Staub und Sauger gibt Staubsauger. Um das zu üben, können Sie eine Art Stadt-Land-Fluss mit Komposita (zusammengesetzten Hauptwörtern) spielen.

Einer zählt leise das Alphabet durch, bis der andere Stopp sagt. Mit dem Buchstaben müssen jetzt Komposita gebildet werden. Dabei sollen beide (oder auch mehr) Hauptwörter mit diesem Buchstaben beginnen, z.B. Auto-Antenne oder Katzen-Klo. Wer zuerst ein, zwei oder drei (altersgerechte) Komposita gefunden hat, bekommt einen Punkt für ein Zweiwort und zwei Punkte für ein Dreiwortkonstrukt. Die Wörter müssen aufgeschrieben werden, damit sich die Schreibstrategie erschließt.

 3. Lerntipp: Übung für die Ableitungsregeln

Es gibt viele Wörter, bei denen Ihr Kind nicht hören kann, ob sie mit ä oder eu geschrieben werden. Hilfreich ist dabei die Ableitungsregel. Mit dem folgenden Spiel wird sie geübt, ohne gleich einen ernsthaften Leistungsdruck wie im Unterricht, bei Diktaten oder bei den Hausaufgaben zu erzeugen.

Mindestens zwei Teams spielen gegeneinander. Jeder bekommt ein Blatt, auf dem ein Kreis in der Mitte eingezeichnet ist. Von diesem Kreis gehen viele kleine Kreise nach außen ab. 

Der Spielleiter diktiert nun ein Wort, das alle Mitspieler in den mittleren Kreis schreiben sollen, zum Beispiel „die Gefahr“. Wichtig ist, dass die Kinder dieses Wort alle richtig schreiben. Jetzt gilt es, innerhalb einer festgelegten Zeit (drei bis fünf Minuten) so viele Wörter wie möglich zu finden, die zur Wortfamilie „die Gefahr“ gehören. Das wären beispielsweise gefährlich, Gefahrenzone, Gefährdung, gefahrlos, Gefährlichkeit, gefährden. Hier wird beim Schreiben deutlich, dass die entsprechenden Wörter mit „ä“ geschrieben werden (und mit Dehnungs-h), weil sie von dem Ursprungswort „Gefahr“ abzuleiten sind.

 4. Lerntipp: Übungen für die Dehnung

Dehnungen sind ein ganz schwieriges Kapitel der Rechtschreibung und werden von vielen Kindern auch in der 5. Klasse noch nicht beherrscht. Das Problem dabei ist, dass es so viele unterschiedliche Formen der Dehnung gibt. Da wären das Dehnungs-h (Mühle), der doppelte Vokal (Haar), das lang gesprochene i ohne Dehnungszeichen (Tiger), das lang gesprochene e ohne Dehnungszeichen (lesen), das lange i mit Dehnungs-e (Liebe) und das lange i mit Dehnungs-h (ihm). Ganz schön schwierig! Auch hier ist es sinnvoll, mit Wortgruppen zu üben, die sich Ihr Kind beim Nachdenken und Schreiben automatisch einprägt.

Wörter bilden mit verlorenen Buchstaben: Bilde aus den Buchstaben rechts und links vom Kreis jeweils neue Wörter mit (ah).

W                    t

B                     r           Lösung:

J          ah        l           Wahl, Bahn, Jahr, Draht

Dr                   n

Wörter bilden mit verlorenen Buchstaben: Bilde aus den Buchstaben rechts und links vom Kreis jeweils neue Wörter mit (ie).

W                    be

L                     b          Lösung:

D         ie         ge        Wiege, Liebe, Dieb, Siegel

S                     gel

 5. Lerntipp: Hörübungen für kurze oder lange Vokale

Um die Schärfung in einem Wort zu erkennen, muss Ihr Kind das genaue Hinhören trainieren. Wenn es hört, dass ein Vokal kurz gesprochen und somit oft durch einen doppelten Konsonanten oder ein -ck- markiert wird, verringern sich seine Fehler. Schön üben lässt sich das mit einem selbst gemachten Memory. Der Aufwand lohnt sich, denn schon nach kurzer Zeit fällt es Ihrem Kind leichter, einen kurzen Vokal von einem lang gesprochenen zu unterscheiden.

Bereiten Sie ca. 20 Kärtchen vor (einfach mit der Tabellenfunktion in Word in der besten Größe erstellen und ausschneiden), und beschriften Sie diese gut lesbar in Druckschrift mit den unten stehenden Wörtern. Natürlich können Sie auch die Anzahl erweitern. Die Karten werden gemischt und verdeckt auf dem Tisch ausgebreitet. Nun dreht jeder Spieler eine Karte um und spricht das darauf stehende Wort LAUT aus. Nur wenn der lange oder kurze Vokal richtig ausgesprochen wird, darf er eine zweite Karte umdrehen.

Ist diese Karte das entsprechende Pendant, bekommt er das Pärchen und darf weiterspielen.

Wörter für das Memory:

im – ihm / wen – wenn / parken – packen / Lamm – lahm / Floß – Flosse / Höhle – Hölle / Wall – Wahl / den – denn / Saat – satt / Pute – Putte / Staat – statt / wirr – wir / Miete – Mitte usw.

 6. Lerntipp: Übungen für Punkte am Ende des Satzes

Wenn Kinder lesen und schreiben lernen, müssen sie auch erkennen können, wann ein Satz endet. Beim Vorlesen und Zuhören spielt das keine Rolle, beim Schreiben und Selberlesen sehr wohl. Das Setzen eines Punktes am Satzende gelingt nur, wenn das Satzende auch erkannt wird. Lesen Sie Ihrem Kind die folgenden Sätze, ohne die Stimme zu heben oder zu senken, vor. Es soll jeweils entscheiden und begründen, wo die Punkte hingehören und welcher Buchstabe deshalb groß geschrieben werden muss.

a) Am Abend schneit es         das Auto fährt zu schnell

b) Bald ist Ostern        auf der Wiese blühen Blumen

c) Auf dem Tisch steht ein Glas         der Ball ist rund

 7. Lerntipp: Übungen für die Unterscheidung von harten und weichen Konsonanten

Beim Üben der so genannten Plosivlaute (Laute, die beim Sprechen sofort verklingen) und der weichen Laute müssen Sie zwischen dem visuellen (Gesehenes abschreiben) und dem auditiven (Gehörtes schreiben) unterscheiden. Manche Kinder sehen den Unterschied zwischen den Buchstaben schlecht, manche hören ihn schlecht. Um diese Fehler zu vermeiden, sind unterschiedliche Übungen notwendig.

a) Übung für das bessere Unterscheiden beim Hinsehen

Zunächst muss Ihr Kind die Buchstaben eindeutig und schnell zuordnen können, also wissen, dass beim b der Strich nach oben weist, beim p aber nach unten. Erst dann kann es sich auf das korrekte Abschreiben konzentrieren. Dabei hilft es dann, mit der anderen Hand (der Nicht-Schreibhand) die Strichrichtung nachzuvollziehen. So verdeutlicht Ihr Kind sich, ob ein Strich nach oben (b) oder nach unten (p) weist, und das verringert die Verwechslungsgefahr.

b) Übung für das bessere Unterscheiden beim Hinhören

Legen Sie Ihrem Kind einen Wattebausch auf die geöffnete Hand. Nun soll es abwechselnd Wörte mit Plosivlauten und mit weichen Lauten aussprechen und dabei seine Hand dicht vor seinen Mund halten. Es wird merken, dass bei den Plosivlauten ein starker Luftstrom entsteht, der die Watte von seiner Hand bläst (Papier, Tanne, Kanal). Bei den weichen Lauten hingegen bleibt die Watte liegen (Buch, Dose, Garten). So kann Ihr Kind harte und weiche Laute mit der Zeit immer besser unterscheiden.

Achtung: Wenn Kinder häufig Wörter falsch abschreiben und im Diktat etwas falsch aufschreiben, kann auch eine Störung der Augen oder der Ohren die Ursache sein! Eine Abklärung beim Kinderarzt ist schnell gemacht.

 8. Lerntipp: Trennung von Wörtern

Lehrer hören es nicht gerne, aber im Zweifelsfall sollte Ihr Kind einfach vermeiden, ein Wort trennen zu müssen. Für den Ernstfall ist die folgende Vorgehensweise sinnvoll.

  1. Trennen nach Gehör und Gefühl: Ball-wurf, Ha-sen-fuß, A-horn, Kat-ze …
  2. Einsilbige Wörter werden nicht getrennt: Moos, ein, aus, Huhn …
  3. Doppelbuchstaben werden aufgeteilt, wenn es Sinn macht: Af-fe, Kan-ne, Mot-te …
  4. Doppelbuchstaben werden NICHT aufgeteilt, wenn es keinen Sinn macht, zum Beispiel bei zusammengesetzten Nomen: Fass-deckel, Kuss-mund, Nuss-ecke …
  5. Das ck bleibt zusammen: Ha-cke, Ba-cke, De-cke …

Motivation hilft auch beim richtigen Schreiben

Natürlich ist es wichtig, dass Ihr Kind das richtige Schreiben übt und mit der Zeit immer sicherer wird. Dieses Üben wird aber nur zum Erfolg führen, wenn Ihr Kind auch motiviert ist und den Sinn der Schreibens nachvollzieht. Nutzen Sie daher jede sich bietende Gelegenheit, um Ihrem Kind das Schreiben schmackhaft zu machen. Die folgenden Tipps helfen Ihnen dabei:

  1. Machen Sie den Wert eines geschriebenen Textes Ihres Kindes deutlich, in dem Sie sich darüber offensichtlich freuen, ihn anderen zeigen oder sogar aufhängen.
  2. Wünschen Sie sich E-Mails, Postkarten oder kleine Briefe von ihrem Kind.
  3. Fördern Sie eine E-Mail-Freundschaft, indem Sie Ihrem Kind erlauben, am Familiencomputer zu schreiben.
  4. Betonen Sie nie die Schreibfehler, sondern immer die richtig geschriebenen Wörter in einem Text.
  5. Schreiben Sie selber an Ihr Kind, vielleicht ein Quiz, ein Backrezept oder einfach einen kleinen Brief für einen Tag, an dem Sie mal einige Stunden weg sind.

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Eine Alternative zu solchen individuellen Fragen sind Bild-Captchas, bei denen verzerrt dargestellte Buchstaben oder Zahlen abgetippt werden müssen. Aufgrund des erhöhten "Nerv-Faktors" dieser Bild-Captchas haben wir uns für aber für erstere Variante entschieden.

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