Kommentare:
Lernen mit der Loci-Technik

Faktenlernen mit der Loci-Technik

Viele Fakten schnell lernen

Unser Gehirn löst in der Regel lieber Probleme, als dass es auswendig lernt. Wenn es schon Wissen dauerhaft abspeichern soll, dann tut es das schnell und unkompliziert zum Beispiel nur dann, wenn das Lernen Spaß macht, es dabei strukturiert zugeht, der visuelle Lernkanal (das Sehen) daran beteiligt ist, nicht zu viele Informationen auf einmal gelernt und diese ausreichend oft wiederholt werden. Manchmal ist dann auch die Zeit sehr knapp, weil gerade viele Arbeiten geschrieben werden. Ausführliches Wiederholen geht dann gar nicht. Dieser Einwand ist sicher berechtigt. Deshalb möchten wir Ihnen nun eine Technik vorstellen, die Ihrem Kind in solchen Fällen das Lernen erleichtern und beschleunigen können. 

Expertenrat von 
Dr. Jan-Uwe Rogge, Familienberater und Bestsellerautor

Doch Achtung: Die folgende Turbotechnik ist kein Allheilmittel und eignet sich daher nicht als Lerntechnik für jeden Schulstoff – auch weil die Tricks nicht überall einsetzbar sind. Grundsätzlich funktionieren Turbotechniken dann hervorragend, wenn viele einzelne Informationen zu lernen sind, die partout nicht in den Kopf hinein wollen. Deshalb eignet sich die folgende Technik zum Beispiel sehr gut zum Lernen und Behalten von

  • einzelnen Begriffen und Vokabeln (wenn etwa 30 Vokabeln für den morgigen Vokabeltest zu lernen sind),
  • „kleinen Mistwörtern“, zum Beispiel von Fremdwörtern oder Vokabeln, die absolut nicht „hängen bleiben“ wollen,
  • Fakten für eine Klassenarbeit oder mündliche Prüfung,
  • Reihenfolgen, beispielsweise bei geschichtlichen Abläufen, Vorgangs- oder Versuchsbeschreibungen in Physik und Chemie,
  • Stichpunkte für ein frei vorzutragendes Referat und
  • Argumentationspunkte für eine Diskussion.

Lernen wie die alten Griechen

Herkunft der Lernmethode
Laut Cicero wurde die Loci-Technik um 500 vor Christus von dem griechischen Dichter Simonides rein zufällig entwickelt. Es wird erzählt, dass Simonides bei einer Gesellschaft zu Ehren des Gastgebers ein Gedicht vortragen sollte. Nach seinem Vortrag wurde er weggerufen – zum Glück, denn unmittelbar danach stürzte der Festsaal ein, und alle Gäste kamen ums Leben. Da nach dem Unfall die Toten nicht identifiziert werden konnten, aber ein würdiges Begräbnis bekommen sollten, rief man Simonides, der sich noch daran erinnern konnte, wer auf welchem Platz gesessen hatte. Erstaunt über sein Gedächtnis, entwickelt er daraufhin die Methode der Orte (lateinisch loci: die Orte). 

Die Technik, die wir Ihnen hier vorstellen wollen, ist die Loci- Technik. Von dieser Technik weiß man, dass Sie bereits von den alten Griechen benutzt wurde, um ihr Gedächtnis zu Spitzenleistungen zu bewegen.

Bei dieser Methode werden die zu lernenden Informationen mit markanten Orten (zum Beispiel mit bestimmten, festen Gegenständen in einem Raum) oder mit bestimmten festen Punkten auf einer Wegstrecke (zum Beispiel auf dem Weg zur Schule) verbunden. Viele Gedächtniskünstler nutzen auch heute noch die Loci-Technik (manchmal auch in Verbindung mit anderen Techniken). Sie laufen dabei in Gedanken vorher festgelegte Routenpunkte in Räumen oder auf Wegstrecken ab und verknüpfen diese mit den zu lernenden Informationen zu jeweils einem einprägsamen Bild.

Ein Beispiel aus dem Fach Erdkunde

Emilia möchte zehn Lernwörter für ihren anstehenden Erdkundetest zum Thema „Klima“ mit Hilfe ihrer Routenpunkte lernen. Dazu verknüpft sie jeweils einen Begriff mit einem Ort zu einem einprägsamen Bild. Die wichtigen Stichwörter sind:

Erdatmosphäre, Kontinentalplatten, Richter-Skala, Erdkruste, Magma, Ozonschicht, Orkan, Seismologe, Treibhauseffekt, Meteorologe

So verbindet Emilia schließlich die Begriffe mit den Routenpunkten:

  1. Drücke ich auf den Lichtschalter, dann erwärmt sich die Erdatmosphäre.
  2. Auf dem CD-Spieler der Musikanlage lasse ich die sechs Kontinentalplatten abspielen: die Pazifische Platte, die Indisch-Australische Platte, die Afrikanische Platte, die Eurasische Platte, die Amerikanische Platte und die Antarktische Platte.
  3. Auf meinem Sofa hat ein Richter Platz genommen. Der Richter langweilt mich und sinkt in meiner Beliebtheits-Skala.
  4. Der Lautsprecher ist verkrustet. Ich versuche, ihn von der Erdkruste zu befreien.
  5. Vom Bücherregal fließt heißes Magma.
  6. Auf dem Schreibtisch befindet sich eine dicke, klebrige Schicht. Das ist bestimmt eine Ozonschicht.
  7. Draußen wütet ein heftiger Sturm. Schaue ich aus dem Fenster, kann ich den Orkan beobachten.
  8. Mein Bett wackelt. Ach ja, der Seismologe hat ja auch ein Erdbeben vorausgesagt.
  9. Ich mache mich so klein, dass ich in den Heizkörper schlüpfen kann. Dort fühle ich mich bestimmt wie in einem Treibhaus (Treibhauseffekt).
  10. Zur Tür hinein kommt klatschnass vom Regen ein Meteorologe, der mir eine Menge über das Wetter erzählen kann.

Vielleicht erscheint Ihnen diese Vorgehensweise mühseliger und zeitaufwändiger als die bisherige Art und Weise, wie Ihr Kind Wortlisten oder Begriffe gelernt hat. Sie werden aber schnell merken, wie effektiv die Loci-Technik ist und wie viel Spaß Sie bereitet. Probieren Sie es doch einmal selbst aus: 

Aktivieren Sie Ihren eigenen Routenplaner!

Legen Sie zunächst in einem Zimmer Ihrer Wohnung zehn markante Routenpunkte im Uhrzeigersinn fest. Das können zum Beispiel Möbelstücke, Türen, Fenster oder Bilder sein. Am besten wählen Sie Orte, die sich auch in Zukunft an gleicher Stelle befinden, damit Sie diese auch später zum Lernen wichtiger Informationen verwenden können. Verbinden Sie anschließend Ihre Routenpunkte mit den zu lernenden Fakten.

Diesen Artikel weiterlesen?
mehr erfahren...

Als Leser des "Pubertäts-Überlebensbriefes" finden Sie hier noch wertvolle weitere Tipps zur Loci-Technik.

Diesen Artikel freischalten

Dies ist ein Premium-Inhalt auf Elternwissen.com, der nur Abonnenten unserer monatlichen Eltern-Ratgeber angezeigt wird.

Wenn Sie diesen Artikel weiterlesen möchten, können Sie hier ein 30-tägiges Test-Abonnement abschließen.

Bitte wählen Sie Ihr Wunsch-Produkt aus:

Sie sind bereits Premium-Mitglied?

Geben Sie hier Ihren Benutzernamen und Passwort ein:

Mehr zum Thema von unseren Elternwissen-Experten

Kommentare zu "Faktenlernen mit der Loci-Technik"

Sagen Sie Ihre Meinung und schreiben Sie einen Kommentar!




Warum stellen wir so dumme Fragen?
Hinweis: aus rechtlichen Gründen erscheint Ihr Kommentar nicht sofort, sondern muss zuerst durch einen Moderator freigeschaltet werden.
Spamschutz

Der Grund, weshalb wir Sie nach der Geburt fragen, ist die Vermeidung von Spam durch automatisierte Spam-Bots.

Solche Spam-Bots versuchen durch massenhafte Einträge von Links in Kommentarfeldern und Gästebüchern Traffic für ihre Angebote zu erzeugen. Daher stellen wir einfache Fragen, die ein echter Nutzer ohne Probleme beantworten kann, während automatisierte Spam-Bots daran meist scheitern (Captcha-Test).

Eine Alternative zu solchen individuellen Fragen sind Bild-Captchas, bei denen verzerrt dargestellte Buchstaben oder Zahlen abgetippt werden müssen. Aufgrund des erhöhten "Nerv-Faktors" dieser Bild-Captchas haben wir uns für aber für erstere Variante entschieden.

Kostenlose Tipps zum Thema "Sachunterricht" per E-Mail

Sollen wir Sie mit neuen Tipps und Artikeln zum Thema "Sachunterricht" kostenlos per E-Mail auf dem Laufenden halten?