Kommentare:
© Sandra van der Steen - Fotolia.com

Religion in der Schule

Ist Ethik eine Alternative?

Religion ist für viele Menschen Privatsache. Darum wird das Fach Religion von vielen Eltern nicht ernst genommen. Trotzdem wollen sie ihr Kind zu Toleranz erziehen. Geht das nicht auch ohne Religion? 

Expertenrat von 
Ingrid Neufeld, Erzieherin

Die Frage „Glaubst Du an Gott?“ erschrickt Menschen mehr, als die Frage „Welches Verhütungsmittel benutzt Du?“ Glaube ist Privatsache. Mein Glaube geht niemanden etwas an. Wenn ich bete, dann zu Hause im stillen Kämmerchen. Die Kirche brauche ich dazu nicht. Das ist weit verbreitetes Gedankengut. Darum sind viele Menschen auch der Meinung das Schulfach „Religion“ sei unnötig, veraltet und ohne jegliche Relevanz.
Doch es gibt durchaus Gründe für den Religionsunterricht.

Wertevermittlung

Der Religionsunterricht unterscheidet nach Konfessionen. Trotzdem vermittelt das Fach in beiden großen christlichen Konfessionen christliche Werte. Das Gebot „Liebe deinen Nächsten wie dich selbst“, ist für evangelische Christen genauso relevant wie für katholische Christen. Toleranz und Rücksichtnahme sind wichtige Bausteine für jegliches Zusammenleben. Denn der Umgang mit schwachen, behinderten und kranken Menschen wird anhand von biblischen Geschichten sehr lebendig veranschaulicht. Randgruppen sind Dauerthema in der Bibel. So bekommen Kinder einen frühen Einblick in den rücksichtsvollen Umgang mit anderen.

Glaubensvermittlung

Eltern für die der eigene Glaube wichtig ist, werden sich über einen gut gestalteten Religionsunterricht freuen. Denn damit erhält die eigene Erziehung einen zusätzlichen Rahmen. Insbesondere wenn es um die verschiedenen christlichen Feste geht. Die Kinder erfahren, weshalb Weihnachten und Ostern wichtige Feiertage sind und warum diese gefeiert werden. Sie hören die Geschichten um Weihnachten und die Erzählungen zur Passionszeit. Die Kinder erhalten Hintergrundinformationen über ihren eigenen Glauben. Das ist für sie vor allem auch dann wichtig, wenn sie zur Kommunion gehen, sich firmen lassen, oder zur Konfirmation gehen wollen.

Geschichtsverständnis

Religionsunterricht bietet zudem die Basis für geschichtliche Zusammenhänge, die deutlich machen, wie unser heutiges Europa überhaupt entstanden ist. Wer sich nie mit christlichen Religionen beschäftigt hat, begreift nicht, was eigentlich zu den Kreuzzügen geführt hat, wie es zum Dreißigjährigen Krieg kam, was Aufklärung bedeutet und wie sich der säkulare Staat herausgebildet hat. Was haben Gerechtigkeit und Menschenrechte mit christlichen und jüdischen Traditionen zu tun? Doch es sind christliche Wertvorstellungen, die die Wurzeln unserer Kultur bilden.

Der Religionsunterricht ist im Grundgesetz als ordentliches Lehrfach festgelegt.  Darum haben die Schüler auch ein Recht darauf.  In den Schulen, in denen Religionsunterricht der jeweiligen Konfession angeboten wird, ist der Schüler auch automatisch für den Religionsunterricht angemeldet. Eine Anmeldung durch die Eltern ist nicht erforderlich. Die Eltern können ihr Kind allerdings vom Religionsunterricht abmelden.  Mit Erreichen der Religionsmündigkeit, nämlich mit 14 Jahren, können sich die Kinder auch schon selbst abmelden. Ausnahme: Bayern. Hier gilt die Abmeldemöglichkeit erst für den volljährigen Schüler. In den meisten Schulen ist in im Fall einer Abmeldung der Besuch von Ethik verpflichtend vorgesehen.

Ethik als Alternative

Ethik wurde in den 1970er Jahren als Alternative zum Religionsunterricht eingeführt.  Ethik ist aber kein Wahlfach. Denn jeder Schüler, der einer Konfession angehört, ist zunächst verpflichtet,  den jeweiligen Religionsunterricht zu besuchen. Die Frage, ob er Ethik besucht, stellt sich gar nicht. Nur durch Abmeldung vom Religionsunterricht kommt die automatische Verpflichtung zustande, den Ethik-Unterricht zu besuchen.

Inhalte des Ethikunterrichts

Unabhängig von einer Religion sind philosophische Betrachtungen Unterrichtsgegenstand. Wertefragen werden ebenfalls behandelt, aber ohne sich an religiösen Wertmaßstäben zu orientieren. Moralische Überzeugungen werden diskutiert, es werden Fragen nach einem optimalen Zusammenleben gestellt und es wird auch über Sinnvorstellungen gesprochen. Die ethische Urteilsfähigkeit von Kindern soll durch diesen Unterricht gefördert werden und ethische Maßstäbe vermittelt werden. Damit sollen Kinder befähigt werden, Moralvorstellungen zu entwickeln und möglichst dahin kommen, dass sie Gut und Böse unterscheiden lernen.

Gründe für den Ethikunterricht

Berlin hat 2006 Ethikunterricht für die Kinder der 7. Bis 10. Klasse verpflichtend eingeführt.  Grund dafür war, dass 2005 eine junge Türkin durch ihren jüngsten Bruder ermordet wurde. Die 23-jährige war mit 16 Jahren mit ihrem Cousin zwangsverheiratet worden, hatte sich dann mit der Familie überworfen und war nach Berlin zurückgekehrt, wo sie nach westlichen Regeln lebte bis ihr Bruder sie ermordete.

Daraufhin verstärkte sich der Druck der Öffentlichkeit,  westliche Wertvorstellungen wie Gewaltfreiheit und Toleranz sollten verstärkt vermittelt werden. Daraus wurde als Konsequenz ein verpflichtender Ethikunterricht  eingeführt.

Es steht außer Frage, dass dort, wo ein Religionsunterricht nicht in Frage kommt, auch ein guter Ethikunterricht einiges zu leisten vermag. Das Berliner Beispiel zeigt, dass es im Sinne eines guten Miteinanders wichtig ist, dass auch unsere ausländischen Mitbürger die Werte unserer Gesellschaft kennenlernen.

Für Eltern mit einer christlichen Weltanschauung wird der Religionsunterricht immer erste Wahl bleiben, während Nichtchristen sicher sein dürfen, dass ihr Kind auch im Ehtikunterricht wichtige Werte kennen lernt.

Mehr zum Thema von unseren Elternwissen-Experten

Kommentare zu "Religion in der Schule"

Sagen Sie Ihre Meinung und schreiben Sie einen Kommentar!




Warum stellen wir so dumme Fragen?
Hinweis: aus rechtlichen Gründen erscheint Ihr Kommentar nicht sofort, sondern muss zuerst durch einen Moderator freigeschaltet werden.
Spamschutz

Der Grund, weshalb wir Sie nach der Geburt fragen, ist die Vermeidung von Spam durch automatisierte Spam-Bots.

Solche Spam-Bots versuchen durch massenhafte Einträge von Links in Kommentarfeldern und Gästebüchern Traffic für ihre Angebote zu erzeugen. Daher stellen wir einfache Fragen, die ein echter Nutzer ohne Probleme beantworten kann, während automatisierte Spam-Bots daran meist scheitern (Captcha-Test).

Eine Alternative zu solchen individuellen Fragen sind Bild-Captchas, bei denen verzerrt dargestellte Buchstaben oder Zahlen abgetippt werden müssen. Aufgrund des erhöhten "Nerv-Faktors" dieser Bild-Captchas haben wir uns für aber für erstere Variante entschieden.

Kostenlose Tipps zum Thema "Sachunterricht" per E-Mail

Sollen wir Sie mit neuen Tipps und Artikeln zum Thema "Sachunterricht" kostenlos per E-Mail auf dem Laufenden halten?