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wütender Teenager
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Die richtigen Fragen stellen: So helfen Sie Ihrem Kind im Umgang mit seinen „Aggressionen“

„Aggressionen“

Am besten helfen Sie Ihrem Teenager im Umgang mit seinen Aggressionen, wenn Sie ihn dazu bringen, sich und sein Verhalten zu reflektieren. Das gelingt am besten, indem Sie ihm hilfreiche Fragen stellen und sich seine Antworten genau anhören. Beachten Sie darüber hinaus unbedingt folgende Aspekte: 

Expertenrat von 
Felicitas Römer, Paar- und Familientherapeutin

Wichtig bei allen Fragen ist, dass Sie die Antwort auch wirklich hören wollen und offen für möglicherweise unbequeme Aussagen Ihres Kindes sind. Wenn das nicht der Fall ist, wird Ihr Kind sich nicht wirklich öffnen können.

Prüfen Sie also vorher, ob Sie die „Wahrheit“ Ihres Kindes wirklich hören wollen und bereit sind, sich womöglich auch Kritik oder Vorwürfe anzuhören und sich damit diesen auseinanderzusetzen.

Außerdem sollten Sie unbedingt einen interessierten und warmherzigen Tonfall haben, da sich Ihr Kind sonst ausgequetscht oder gar verhört fühlt. Sorgen Sie für eine ruhige Atmosphäre. Ein Gespräch über Wut und Aggressionen ist nur dann sinnvoll, wenn das Kind gerade relativ entspannt ist. Wichtig ist auch, dass Sie Ihrem Kind erst mal einfach nur zuhören. Korrigieren Sie nichts, stellen Sie nichts in Frage, kritisieren Sie nichts. Lassen Sie das Gesagte einfach so stehen – nehmen Sie es möglichst freundlich und gelassen zur Kenntnis. Denn zunächst ist es einfach wichtig, dass Ihr Kind sich mit seiner Wut gedanklich beschäftigt. Machen Sie sich immer wieder klar, dass Ihr Kind ein Recht auf seine Gefühle und Wahrnehmungen hat, auch dann, wenn sie Ihnen nicht gefallen oder unangemessen zu sein scheinen. Halten Sie sich auch mit emotionalen Reaktionen möglichst zurück. Sie können dann mit Worten reagieren wie „Ah, so ist das für dich. Das war mir bis jetzt noch gar nicht so klar“ oder auch „Ich danke dir für deine Offenheit. Ich werde mal darüber nachdenken“. Damit gewinnen Sie nicht nur Zeit und etwas Distanz, sondern Sie nehmen dem Teenager auch die Lösung seines Problems nicht ab. Vermeiden Sie bitte im Gespräch mit Ihrem Teenager den Begriff „aggressiv“. Er ist extrem negativ besetzt und wird von fast allen Menschen abgewehrt: „Ich bin nicht aggressiv, ich bin nur wütend!“, heißt es dann oft. Sprechen Sie also lieber von Ärger, Wut, Entrüstung, Empörung etc. Das erleichtert es, über dieses heikle Thema ins Gespräch zu kommen.

Mein Tipp: Wenn Ihr Kind unter wiederkehrenden, auffällig heftigen Wutausbrüchen leidet oder sogar gewalttätig wird und Sie sich als Eltern damit überfordert fühlen, sollten Sie sich professionelle Hilfe in einer Familientherapie holen. Zusätzlich könnte Ihr Kind eventuell ein Anti-Aggressivitäts-Training bzw. ein Anti-Gewalt-Training absolvieren. Wo solche Kurse angeboten werden, erfahren Sie im Internet, aber auch beim zuständigen Jugendamt. Meistens sind es Jugendhilfeträger, die solche speziellen Kurse anbieten.

10 Fragen, die Sie Ihrem Kind jetzt stellen sollten – und warum diese Fragen so wichtig sind

1. In welchen Situationen wirst du wütend/ärgerlich?

Bei dieser Frage ist der Jugendliche aufgefordert zu reflektieren, worauf er emotional heftig reagiert. Oft sind das Situationen, in denen er sich nicht ernstgenommen, herabgewürdigt oder missverstanden fühlt. Wenn der Teenager weiß, worauf er wütend oder ärgerlich reagiert, ist das Grundproblem benannt. Eine weitere Reflexion und tiefere Beschäftigung mit dem dahintersteckenden Problem wird dadurch ermöglicht.

2. Was genau macht dich denn so wütend/ ärgerlich?

Auch diese Frage dient dazu, das eigentliche Problem oder Thema des Jugendlichen herauszufinden. Haben Sie bei dieser Frage Geduld mit Ihrem Teenager, denn oft ist das gar nicht so leicht zu benennen.

3. Kannst du in Zeitlupe beschreiben, was genau in deinem Kopf und deinem Körper passiert, wenn du wütend wirst?

Mithilfe dieser Frage können die Teenager herausfinden, was ihrer Wut/Aggression vorausgeht. Oft sind das Gefühle von Kränkung, Hilflosigkeit und/oder Ohnmacht. Die Wut/Aggression ist dann eigentlich eine Art Hilfeschrei der Seele. Diese Fragesoll den Jugendlichen auch ermutigen, in einer entsprechenden Situation mal genauer hinzuspüren, welcher innerliche Prozess gerade abläuft. Das macht ihn achtsamer und feinfühliger im Umgang mit sich selbst, aber auch handlungsfähiger: Denn indem man einen Zugang zu seinen emotionalen Reaktionen findet, kann man diese dann auch besser beeinflussen.

4. Auf wen bist du dann wütend/sauer?

Mithilfe dieser Fragesoll geprüft werden, ob wirklich ein anderer schuld an dem eigenen Ärger ist. Oft werden andere als „Täter“ benannt („Du hast mich provoziert!“), die Wut richtet sich aber eigentlich gegen sich selbst („Ich fühle Wut auf mein Gegenüber, aber in Wirklichkeit fühle ich mich geradeschwach und hilflos. Daher bin ich auch wütend auf mich, denn ich will mich so nicht fühlen!“).

5. Wenn die Wut nicht wäre, was für ein Gefühl wäre dann da?

Bei dieser Frage geht es darum, aufzuzeigen, dass Wut oft erst eine emotionale Reaktion auf ein anderes Gefühl ist bzw. ein anderes Gefühl ersetzt. Bei vielen Menschen entsteht Wut, weil sie ihre Traurigkeit nichtspüren wollen bzw. Sorge haben, diese nicht zu ertragen.(Umgekehrt gilt übrigens dasselbe.) Bohren Sie bei dieser Frage nicht nach. Es reicht, wenn Sie Ihrem Kind dadurch signalisiert haben, dass da noch andere unerkannte Gefühle schlummern könnten. Es wird sich später immer mal wieder an diesen Hinweiserinnern und dem nachspüren.

6. Was könntest du noch machen, außer andere Menschen anzuschreien/Gegenstände zu zerstören …?

Diese Fragezielt darauf ab, sich konkrete Verhaltensveränderungen zu überlegen. Wenn Ihr Kind keine Ideen dazu hat, könnten Sie Vorschläge machen,(etwa auf ein Kissen schlagen, weggehen, den Raum verlassen, tief einatmen etc.). Überlegen Sie selbst, wie Sie mit Ihrer Wut umgehen, und erzählen Sie Ihrem Kind von Ihrer Strategie.

7. Wie schaffst du es eigentlich, dich nach einem Wut-/Aggressionsausbruch wieder zu beruhigen?

Mit dieser Frage betonen und fördern Sie die Kompetenz des Kindes, sich nach einem Wut-/ Aggressionsausbruch möglichst rasch wieder zu beruhigen. Damit nehmen Sie ihm auch die Sorge, seinen Gefühlen hilflos ausgeliefert zu sein. Es kann nämlich durchaus etwas tun, um sich zu beruhigen, oder tut das auch schon. Es ist ihm aber sicher nicht bewusst, wie es das tut. Daher lohnt es sich, darüber nachzudenken. Manchmal helfen z.B. Sport, Ablenkung und/oder das Gespräch mit einem Freund.

8. Wer oder was hilft dir, dich wieder zu beruhigen?

Diese Frage lenkt das Augenmerk auf die Tatsache, dass das Kind sich in einer Wutsituation Hilfe holen oder beschaffen kann. Das beruhigt und stellt die Handlungsfähigkeit des Kindes wieder her: „Ich bin nicht hilflos, auch wenn es sich so anfühlt, ich kann meinen emotionalen Zustand beeinflussen, bin selbst Herr(in) im Haus.“ Geben Sie sich nicht mit der Antwort „Mir kann dann niemand helfen“ zufrieden. Es gibt immer etwas, was helfen kann, ein positives Mantra etwa („Ich bin stark“) oder ein Gegenstand, mit dem man positive Erinnerungen verbindet etc. Suchen Sie gemeinsam solange, bis sie mindestens eine Sache gefunden haben, die Ihr Teenager als Hilfe erleben kann.

9. Was könntest du tun, damit du nicht so schnell/heftig wütend wirst?

Diese Frage zielt auf die Tatsache ab, dass der Teenager nicht zwangsläufig „ausflippen“ muss, auch wenn er das in einem solchen Moment so empfindet. Schon die Erkenntnis, dass er sich auch anders verhalten könnte, ist wichtig. Noch besser ist es natürlich, wenn er eine Idee davon entwickelt, wie er eine heftige aggressive Reaktion gegenüber anderen Menschen vermeiden kann (Raum verlassen, tief atmen, in einen Gegenstand zwicken etc.).

10. Wie könnten wir dir helfen, dich wieder zu beruhigen? Was tut dir in einer solch aufwühlenden Stimmung gut?

Mit diesen Fragen versichern Sie Ihrem Kind, dass Sie bereit sind, ihm zu helfen, und es „trotz seiner Ausbrüche“ immer noch lieb haben. Sie signalisieren damit: „Wir sind auf deiner Seite! Sag uns, wie wir dir helfen können!“ Das ist insofern sehr wichtig, als Kinder sich oft abgelehnt fühlen, wenn ihnen aggressives Verhalten vorgeworfen wird.

 

 

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