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Mutter und Tochter lächeln gemeinsam
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Einmal Mutter – immer Mutter?

Wie Sie ein neues Selbstverständnis entwickeln

Wenn die Kinder älter und selbstständiger werden, verändert das das gesamte Familienleben. Die Kinder wachsen langsam aus der Position der Abhängigen und zu Beschützenden heraus. Das bedeutet zwangsläufig, dass auch die Rolle der Mutter sich verändern muss. Lesen Sie in diesem Beitrag, wie Sie mit Ihren Kindern zusammenwachsen und wie Sie am besten zu einem neuen mütterlichen Selbstverständnis finden. 

Heidi ist 50 Jahre alt und berichtet: „Ich bin heilfroh, dass meine beiden Jungs jetzt aus dem Gröbsten raus sind. Der eine ist schon ausgezogen, der andere ist auch sicher bald so weit. Ich muss schon sagen, dass die beiden mich zwischenzeitlich einige Nerven gekostet haben.“ Sie lacht. „Aber ich finde, die Arbeit hat sich gelohnt. Ich bin wirklich stolz auf sie.“ Sie hält einen Moment inne, bevor sie fortfährt: „Aber ich bin auch ein bisschen stolz auf mich und meinen Mann. Wir haben gerade nochmal die Kurve gekriegt! Puh, ich glaube, das war wirklich knapp.“ Sie lacht wieder. „Als die Jungs beide heftig in der Pubertät waren, lagen unsere Nerven oft blank, und wir haben uns auch häufig gestritten. Da war eine sehr anstrengende Zeit für uns. Erst nachdem sich alles wieder etwas beruhigt hatte, haben wir gemerkt, wie sehr wir unsere Partnerschaft aus den Augen verloren hatten. Wir haben dann beschlossen, dass es so nicht weitergehen kann, und uns wieder ganz bewusst zusammengerauft. Seitdem hat sich vieles bei uns verändert – positiv!

Und Marina (53) erzählt: „Es ist mir zwar peinlich, das so zu sagen, aber es ist mir schon schwergefallen zu sehen, dass die Kinder nach und nach unabhängiger wurden und mich nicht mehr so brauchten. Beim ersten und zweiten ging es ja noch, aber als dann meine jüngste Tochter in die Pubertät kam und verkündete, sie werde auch bald ausziehen, war ich nervlich am Ende. Ich hatte keine Fantasien, wie es dann weitergehen sollte, denn ich hatte mich ja die ganze Zeit auf die Kinder konzentriert. Ich eierte eine ganze Weile herum, bis ich mich entschloss, mein Schicksal nicht mehr zu bedauern – ich meine, es ist ja normal, dass die Kinder irgendwann ausziehen! Und wir wollten sie doch auch zur Selbstständigkeit erziehen! –, sondern es in die Hand zu nehmen. Ich habe dann noch mal kurzerhand ein Fernstudium angefangen. Das hat mir sehr gutgetan und mir viel Bestätigung gegeben. Mittlerweile kann ich den Gedanken gut ertragen, dass auch die ‚Kleine‘ irgendwann das Nest verlassen wird. Traurig werde ich bestimmt sein, aber Angst macht mir diese Vorstellung nicht mehr.“

Heidi, Marina und viele andere Mütter haben es bereits geschafft: Ihnen ist es gelungen, sich nach der Kinderphase neu zu definieren und neu zu orientieren. Dazu gehört nicht nur die Bereitschaft, die Kinder loszulassen, sondern auch, sich mit sich selbst, seinen Gefühlen und seinen Wünschen zu beschäftigen. Marina und Heidi haben das getan und gut für sich gesorgt.

Warum Trauer und Irritation normal sind

Viele Mütter, deren Kinder sich der Volljährigkeit nähern, durchlaufen eine Phase der Irritation und Trauer. In dieser Phase gibt es das Alte, Gewohnte nicht mehr, etwas Neues, das dessen Platz einnehmen könnte, ist aber auch noch nicht gefunden. In dieser schwierigen Phase fühlen sich viele Mütter unsicher oder traurig, manchmal auch wütend. Das ist ganz normal und kein Grund zur Sorge. Abschied zu nehmen von einem wichtigen Lebensabschnitt tut manchmal einfach weh. Wichtig ist es in dieser Phase, aufkeimende Gefühle von Traurigkeit oder Verwirrung ernst zu nehmen und auch zuzulassen. Wenn wir diese Gefühle nämlich dauerhaft unterdrücken oder überspielen, wird es zunehmend schwerer, sie auf gesunde Art zu verarbeiten. Ein gewisses Maß an Trauerarbeit ist also nötig, um den nächsten Schritt gehen zu können. Dann kann nämlich ein Umdenken einsetzen, mit der die Phase der Neuorientierung einhergeht. Diese Phase kann sehr spannend und belebend sein, aber auch aufwühlend. Viele Mütter suchen sich dann neue Herausforderungen – etwa im Job – oder setzen endlich Pläne in die Tat um, die sie bislang nicht realisieren konnten. Im besten Fall werden sie in diesem Prozess von ihren Partnern liebevoll begleitet und unterstützt.

Mein Tipp: Schreiben Sie doch einmal eine Wunschliste. Wie wünschen Sie sich den Kontakt, wenn Ihr Kind erwachsen ist? Etwa so: Ich wünsche mir, dass mein Kind sich ab und zu meldet, wenn er/ sie Lust dazu hat, sich mein Kind vertrauensvoll an mich wenden kann, wenn es Probleme hat und Unterstützung braucht, wir viele interessante Gespräche miteinander führen werden, mein Kind mir seine Freundin/seinen Freund vorstellt etc. Überlegen Sie dann (eventuell mit Ihrem Partner zusammen), was Sie jetzt ganz konkret dazu beitragen können, damit Ihre Wünsche später erfüllt werden könnten. Wenn Sie sich z. B. wünschen, dass Ihr Kind sich auch später noch vertrauensvoll an Sie wendet, sollten Sie darauf achten, ihm keine Vorwürfe zu machen. Denn wer befürchten muss, mit Vorwürfen bombardiert zu werden, wenn er „Mist“ gebaut hat und sich damit outet, wird lieber seinen Mund halten, als sich zu offenbaren. Au

Wichtig: Ihr Kind ist natürlich nicht verpflichtet, Ihre Wünsche zu erfüllen. Es hat auch das Recht, Nein zu Ihren Erwartungen zu sagen, ebenso wie Sie nicht alle Erwartungen Ihres Kindes erfüllen müssen!

 

 

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