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„Ihr versteht mich doch sowieso nicht!“ Wie Sie mit Vorwürfen Ihres Kindes umgehen

Eltern-Kind-Kommunikation

Jugendliche provozieren gerne. Sie lassen nicht nur gerne coole Sprüche ab und diskutieren jede Kleinigkeit bis zur Erschöpfung, sondern überhäufen ihre Eltern auch gelegentlich mit heftigen Vorwürfen. Oft treffen sie dabei genau deren wunde Punkte. Das kann Empörung und Wut oder auch Traurigkeit und das Gefühl von Hilflosigkeit auslösen. Lesen Sie hier, wie Sie es schaffen, einerseits die Vorwürfe Ihres Kindes ernst zu nehmen und sich andererseits nicht zu sehr davon beeinträchtigen zu lassen. 

Expertenrat von 
Dr. Jan-Uwe Rogge, Familienberater und Bestsellerautor

„Jetzt redest du schon wieder so oberschlau und pseudopädagogisch daher!“, schreit Nina (13) ihre Mutter an. Ihre Augen blitzen vor Zorn: „Das hört sich immer alles ganz toll an, was du so sagst. Aber in Wirklichkeit meinst du das gar nicht so. Du tust zwar total tolerant, aber eigentlich gönnst du mir überhaupt keinen Spaß, weil du selbst nämlich immer nur schuftest und schuftest und selber überhaupt keinen Spaß am Leben hast!“ Ninas Mutter ist entsetzt. Wie kommt ihre Tochter dazu, so etwas Freches zu behaupten? Da gibt man dem Kind immer nur das Beste – und dann so was Undankbares? In ihr regt sich leise Wut: „Das habe ich wirklich nicht verdient!“,

Vorwürfe als Druckmittel und Ausdruck einer Befindlichkeit

Sabrina (15) hingegen setzt Vorwürfe geschickt dazu ein, unliebsamen Gesprächen aus dem Weg zu gehen: „Ich sag dazu gar nichts mehr. Ich hab keinen Bock, mich ständig zu rechtfertigen. Ihr versteht mich doch sowieso nicht!“ Und Leons (12) Lieblingsvorwurf an seine Eltern lautet  derzeit: „Meine Freunde dürfen alle viel länger Playstation spielen als ich. Ihr seid voll spießig!“ Insgeheim hofft er dann natürlich, dass seine Eltern ein Auge zudrücken, um in seinen Augen nicht mehr als „spießig“ zu gelten.
Vorwürfe sind aber nicht immer nur Mittel zum Zweck, sondern oft auch ein hilfloser Ausdruck einer Gefühlslage. So wie bei Felix (14), der seinem Vater eines Tages beim Abendessen lautstark an den Kopf wirft: „Früher warst du nie für mich da, immer nur Job, Job, Job! Warst du ein einziges Mal mit auf einem Fußballturnier? Nein! Und jetzt, wo ich bald erwachsen bin und mein eigenes Ding machen will, meinst du, mir noch mal eben dies und das verbieten und  vorschreiben zu können? Nee danke. Lass mal stecken. Da hab ich null Bock drauf.“

Entschlossen springt er auf, rennt zur Haustür und zieht sie mit einem heftigen Ruck hinter sich zu. Die Familie sitzt fassungslos am Tisch. Schweigen macht sich breit. Vorwürfe sind eine Methode, sich Gehör zu verschaffen Vorwürfe und Anklagen von Pubertierenden sind keine Seltenheit. Nahezu seismographisch nehmen sie jede noch so kleine vermeintliche Ungerechtigkeit wahr und reagieren mitunter sehr heftig darauf. Dabei werden sie oft laut, grob und stark verallgemeinernd. Kein einziges gutes Haar lassen sie in diesem Moment an ihren Eltern, was die oft vorübergehend sprachlos, wütend oder traurig macht. Auch was  Tonfall und Wortwahl angeht, sind Jugendliche oft wenig zimperlich. Sie „hauen“ einfach alles nahezu ungefiltert heraus, was ihnen gerade so durch den Kopf geht. Das ist aber nicht mal bewusst böse gemeint. Vielmehr befindet sich Ihr Kind in einer Art dauerhaften emotionalen Ausnahmesituation. Das rechtfertigt kein ungehobeltes oder aggressives verbales Benehmen, kann es aber erklären und damit für seine Eltern erträglicher machen.

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