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Vater und Sohne beim Autofahren
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Wertschätzung und Anerkennung: So loben Sie Ihren Teenager richtig

Eltern-Kind-Kommunikation

Loben, loben, loben! Immer wieder hört man, dass man Kinder oft und ausgiebig loben soll, weil sie die Anerkennung und Bestätigung der Eltern benötigen. Das stimmt natürlich. Jugendliche jedoch erleben das klassische Elternlob manchmal eher als nervig, „pseudo“, „pädagogisch“ oder „von oben herab“. In der Tat ist es gar nicht so leicht, Teenager so zu loben, dass es bei ihnen auch ankommt. Lesen Sie in diesem Artikel, welche Fehler Sie beim Loben unbedingt vermeiden sollten, was Sie stattdessen machen können und warum Wertschätzung, Annahme und Rückfragen manchmal sinnvoller sind als ein klassisches „Das hast du aber toll gemacht!“. 

Expertenrat von 
Felicitas Römer, Paar- und Familientherapeutin

Teenager befinden sich in einer zwiespältigen Situation. Einerseits wollen sie autonom und unabhängig von unserer Meinung werden. Andererseits sind sie natürlich immer noch auf unsere Bestärkung und Unterstützung angewiesen. Ein Kind, das sehr wenig bestätigt wird, hat es tatsächlich schwer, ein gesundes Selbstwertgefühl zu entwickeln. Außerdem wird es unsicher: „Was ist gut und richtig von dem, was ich tue? Ist es überhaupt wichtig, was ich tue? Ist es egal, ob ich etwas gründlich oder schlampig erledige?“ Es fehlt ihm in gewisser Weise die Orientierung, es verliert die Motivation und das Interesse daran, sich anzustrengen und etwas gut hinzubekommen. Es ist ja ohnehin „egal“, weil es keine Bestätigung bekommt. Beim Loben eines Teenagers den richtigen Ton zu treffen, ist nicht immer ganz leicht. Allzu oft verpuffen Komplimente im Eltern-Teenager-Dialog. Lesen Sie in der Tabelle auf Seite 2 und 3, welche Fehler beim Loben häufig gemacht werden und worauf Sie unbedingt achten sollten, wenn Sie Ihrem Teenager etwas Positives rückmelden wollen.

5 Tipps: Teenager anerkennen und bestätigen – so geht’s!

1. Nehmen Sie Ihr Kind von ganzem Herzen an!

 

  • Annahme ist das Wichtigste, was Ihr Kind braucht. Das Gefühl, ganz grundsätzlich gemocht und geschätzt zu werden, ist die Basis, auf der sich Selbstbewusstsein und Selbstliebe entwickeln und entfalten kann.
  • Einen Teenager ganz anzunehmen bedeutet nicht, alles, was er tut, richtig oder gut finden zu müssen. Jeder Mensch zeigt auch manchmal ein Verhalten, das uns nicht gefällt. Ein Teenager muss nicht immer lieb und nett sein, um ihn grundsätzlich lieb haben zu können. Jemanden wirklich anzunehmen bedeutet vielmehr, ihn mitsamt seiner „Fehler“, Eigenarten und Probleme anzuerkennen und wertzuschätzen.

 

2. Würdigen Sie, was gut läuft. Und benennen Sie das auch

 

  • Auch wenn es in der Pubertät oft hoch hergeht und Streitereien nicht selten sind: Es gibt immer auch etwas, was gut läuft und was Ihrem Kind und Ihnen gut gelingt.
  • Machen Sie sich immer wieder klar, was das ist, und kommunizieren Sie das auch: „Ich staune immer wieder, wie du es schaffst, gute Noten zu schreiben, ohne zu lernen/ trotz Müdigkeit so fröhlich zu sein/ so viele Tore zu schießen...“

 

3. Erkennen Sie ernsthafte Bemühungen des Kindes an – ganz unabhängig von dem Ergebnis!

 

  • Wenn Ihrem Jugendlichen etwas leichtfällt, ist es für ihn keine Kunst, darin Erfolge zu erzielen. Muss er sich hingegen um etwas ernsthaft bemühen, so ist das natürlich viel anstrengender und bisweilen auch frustrierender. Und genau solche Bemühungen verdienen Anerkennung, und zwar ganz gleichgültig, was daraus dann resultiert.
  • Hat Ihr Kind z. B. Probleme mit Mathe und übt fleißig, bekommt aber trotzdem keine besonders gute Zensur, dann sollte es nicht heißen: „Na dann hat sich das Ganze ja nicht gelohnt, die Note ist ja ziemlich schlecht!“, sondern: „Ich finde es toll, dass du dir so viel Mühe gegeben hast, obwohl es dir so schwergefallen ist.“ Das Kind fühlt sich in seinen Bemühungen wahrgenommen und lernt so auch, sich selbst die Anstrengung anzuerkennen.

 

4. Senden Sie liebevolle „Ich-Botschaften“, statt über Ihr Kind oder seine Leistung zu urteilen

 

  • Es ist ein erheblicher Unterschied, ob ich zu einem Teenager sage: „Das hast du ziemlich gut gemacht!“ oder ob ich ihm sage: „Ich bin beeindruckt von dem, was du da gemacht hast!“ Im erstgenannten Satz beurteilen Sie aus einer (vermeintlich) kompetenten Perspektive aus die Leistung Ihres Kindes, im zweiten Satz äußern Sie, was Ihr Kind Positives bei Ihnen auslöst. Die Erfahrung „Mama/ Papa ist beeindruckt davon, was ich mache“ wird eher hängen bleiben und besser stärken als die Erfahrung „Ich werde gelobt, wenn ich etwas gut mache.“ Es berührt einfach tiefere Wesensschichten.

 

5. Nehmen Sie dem Kind das Erfolgserlebnis nicht weg, sondern fördern Sie seine eigene Freude darüber

 

  • „Mama, ich habe eine 2+ in Englisch geschrieben.“
  • „Das ist ja wunderbar! Toll! Ich bin stolz auf dich!“
  • So eine Reaktion ist typisch. Viele Eltern reagieren auf diese Weise, wenn Ihr Kind einen Erfolg vermeldet. Es ist auch prinzipiell nicht verkehrt, auf eine positive Art seiner Freude Ausdruck zu verleihen. Es ist aber weniger wichtig, dass Eltern auf Ihre Kinder stolz sind. Wichtiger ist, dass die Kinder auf sich selbst stolz sein können. Fragen Sie also doch mal Ihr Kind nach seinen Gefühlen, bevor Sie laut urteilen. Wie wäre es also mal mit: „Ui! Und wie fühlt sich das für dich an?“ Dann kann das Kind sehr viel bewusster erleben, ob und wie es sich selber freut. Dann lernt der Teenager: „Wenn ich Erfolg habe, fühlt sich das für mich gut an!“ Das ist ein wichtiger Schritt auf seinem Weg zur Selbstständigkeit!

 

Typische Fehler beim Loben:

Warum Sie diese vermeiden und was Sie stattdessen machen sollten

Zu viel und zu übertrieben loben

Ein Kind, das für jede Kleinigkeit ausgiebig gelobt und niemals auf eine konstruktive Weise kritisiert wird, wird dieses Lob nicht mehr richtig wertschätzen können. Es wird sich daran gewöhnen und für jede kleine Selbstverständlichkeit Anerkennung einfordern.

Ein ständig gelobtes Kind wird ein verzerrtes Selbstbild entwickeln und sich wundern, wenn esz.B.in der Schule oder von anderen nicht immer nur Bestätigung erfährt. Es lernt dann nur sehr schwer, ein realistisches Selbstbild zu entwickeln und ist daher krisenanfällig. („Mama fand mich immer toll, warum mögen mich aber manche aus der Klasse nicht, wenn ich doch so toll bin? Vielleicht hat Mama gar nicht recht, und ich bin gar nicht so großartig, wie sie immer gesagt hat?“)

Loben Sie Ihr Kind nur für etwas, was es vorher noch nicht getan hat oder noch nicht konnte. Oder wenn es etwas auf eine besondere Weise tut, die Sie kreativ oder auf andere Weise gut finden. Loben Sie Ihr Kind nicht ständig für Selbstverständlichkeiten. Bleiben Sie beim Loben authentisch, übertreiben Sie nicht.

Unangemessenes, unklares bzw. beliebiges Lob

Wenn Teenager für etwas wahnsinnig gelobt werden, was sie selbst für normal halten oder nicht verstehen, verpufft der Effekt häufig. Das Lob prallt dann ab und verfehlt sein Ziel.

Wenn Eltern einfach mal sehr allgemein „drauflosloben“, ohne sich wirklich klar darüber zu sein, was sie genau wichtig finden, kann das einen Teenager irritieren. Dann hört man in Beratungen Sätze wie „Meine Eltern loben mich schon manchmal, aber ich weiß trotzdem nicht genau, was sie von mir halten und was sie von mir erwarten. Oft glaube ich ihnen auch das Lob gar nicht. Das sagen sie nur so, um mal was Nettes zu sagen.“

Loben Sie Ihr Kind so, dass es etwas damit anfangen kann. Also: Bleiben Sie konkret. Sagen Siestatt „Du bist so ein tolles Mädchen“ lieber „Ich mag deine Art, du kannst so lustig sein, bist aber auch oft kritisch und ernsthaft.“

Sagen Sie Ihrem Kind lieber öfter einfach mal, was Sie an ihm mögen. Das ist insgesamt viel wichtiger, als es für etwas zu loben. Überlegen Sie also immer mal wieder: Was macht mein Kind liebenswert? Was schätze ich an ihm?

Lob als Machtinstrument

Lob kann schnell als hierarchisches Machtinstrument missbraucht oder erlebt werden. Es ist nämlich stets der Klügere, Erfahrenere oder Mächtigere, der den Unterlegenen lobt. Das kann gerade bei Teenagern auf Widerstand oder Ärger stoßen. Immerhin wollen sie ja aus ihrer Rolle als Kind herauswachsen und wünschen sich Kontakt auf Augenhöhe.

Gewöhnen Sie sich das leicht gönnerhaft wirkende „Das hast du aber schön gemacht!“ ab.

Ersetzen Sie es durch wertschätzende Äußerungen wie etwa: „Mir gefällt es, wie du …/ Mich beeindruckt …/Ich mag es, wenn …“ Das ist gleichberechtigter, nicht von „oben herab“ und wird den Teenager deshalb bessererreichen.

Eingeschränktes Lob: Lob als verschleierter Vorwurf oder verdeckte Kritik

„Schön, dass du eine 3 geschrieben hast, aber eine 2 wäre natürlich noch bessergewesen.“ Eine solche Aussage ist kein wirkliches Lob. Die positive Aussage wird nämlich durch den zweiten Satz gleich wieder relativiert. Hängen bleiben wird bei Ihrem Kind die Botschaft: „Ich wünschte, du hättest eine 2 geschrieben!“ oder sogar: „Ich bin nicht zufriedenmit deiner Leistung!“ Das anfängliche Lob wird nur benutzt, um etwas Kritisches nachzuschieben. Das tut Ihrem Teenager nicht gut, ist nicht konstruktiv.

Vermeiden Sie solche Doppelbotschaften.

Sagen Sie etwas ausschließlich Positives: „Super, viel besser als die letzte Arbeit!“

Machen Sie Erwartungen deutlich und verschleiern Sie diese nicht als Komplimente: „Es würde mich freuen, wenn es bei der nächsten Arbeit eine 2 werden würde!“

Vermeiden Sie „Aber“-Konstruktionen! Sie relativieren und machen das vorher Gesagte wieder (mehr oder weniger) ungültig.

Lob als Ersatz für den Ausdruck von Zuneigung

Manchen Eltern fällt es leichter, ihr Kind zu loben, als ihm ihre Liebe und Zuneigung zu zeigen. Lob ist jedoch nicht dasselbe wie Zuneigung und auch nicht immer ein Ausdruck davon. Man kann auch jemanden loben, den man gar nicht besonders mag.

Jeder Mensch möchte aber um seiner selbst geliebt und gemocht werden, es ist also viel wichtiger für einen Teenager zu hören „Ich hab dich lieb“ als „Das hast du tollgemacht“ oder „Ich bin stolz auf dich und deine Leistung!“

Achten Sie bewusst darauf, Ihre Zuneigung zu Ihrem Teenager zu spüren und ihm diese auch zu zeigen, entweder verbal und/oder nonverbal durch Körperkontakt oder liebevolle Gesten und Zuwendung. Das stärkt Ihren Jugendlichen emotional und mental mehr als jedes Lob

Ergebnisbezogenes bzw. leistungsorientiertes Lob

Wer immer nur dann gelobt wird, wenn er etwas Tolles geleistet hat, wird schnell lernen, dass er nur dann gewürdigt wird, wenn er einen Erfolg vorzuweisen hat. Niederlagen und Krisen sind für solche erfolgsorientiert erzogenen Kinder schwer zu verkraften und könnten sogar zu psychischen Beeinträchtigungen führen.

Loben Sie Ihr Kind vor allem, wenn es seinen inneren Schweinehund überwunden und sich Mühe gegeben hat. Und zwar ganz unabhängig von dem Resultat. Hat es viel Mathe gelernt und trotzdem keine gute Zensur geschrieben? Dann loben Sie es für sein Lernen: „Du hast sehr gut gelernt, das finde ich toll.“ Wichtig ist doch, dass es die Motivation nicht verliert, sich anzustrengen.

 

 

 

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