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Junges Mädchen mit Finger vor dem Mund
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Tabu-Wörter: Was Sie als Eltern niemals sagen sollten

Erziehung & Entwicklung

Können Sie sich noch an prägnante Sprüche Ihrer Eltern erinnern? Manche davon haben Ihr Leben bereichert, aber andere ärgern Sie vielleicht heute noch oder blockieren bzw. hemmen als sogenannte Bannbotschaften wichtige Entscheidungen. Das möchten Sie bei Ihrem Kind gerne vermeiden? Im folgenden Beitrag zeigen wir Ihnen, mit welchen Ausdrücken oder Zurechtweisungen Sie vorsichtig sein sollten, um Ihr Kind nicht unbewusst in seiner Entwicklung zu bremsen. 

Expertenrat von 
Dipl.-Päd. Uta Reimann-Höhn, Lern- und Erziehungsexpertin

Als wichtigste Bezugsperson und prägendes Vorbild hat das Verhalten von Müttern und Vätern immer Auswirkungen auf die Entwicklung ihrer Kinder. Jedes Wort, jede ablehnende Geste, jede Umarmung und jede Diskussion hat einen mehr oder weniger starken Einfluss auf das Kind. Dabei sind manche Aussprüche von Eltern bedeutender als andere und richten unter Umständen sogar ernsten Schaden an. Das bedeutet aber nicht, dass Sie jedes Wort auf die Goldwaage legen müssen, bevor Sie sich äußern. In den meisten Situationen ist der Kontakt zwischen Eltern und Kindern von Zuneigung und gegenseitigem Respekt geprägt.

In Konfliktsituationen müssen Eltern aufpassen

In jedem Erziehungsalltag gibt es allerdings auch Konflikte, Enttäuschungen und Auseinandersetzungen zwischen  Eltern und Kind. In solchen Situationen besteht die Gefahr, dem eigenen Kind etwas zu sagen, was es in seiner Entwicklung negativ beeinflussen kann. Meist sind solche Tabu-Wörter gar nicht so gemeint. Den Eltern ist oft nicht klar, was sie bewirken können. An fünf Beispielen möchten wir Ihnen das verdeutlichen.

5 Situationen, in denen Sie als Eltern mit Tabu-Wörtern aufpassen müssen

Wenn die Emotionen hochkochen und sich Ärger oder Wut ihren Weg bahnen, rutschen auch Eltern manchmal Dinge raus, die sie besser nicht gesagt hätten. Solche Tabu-Wörter oder Bannbotschaften können dazu führen, dass Kinder sich vieles nicht mehr zutrauen. Die Aussprüche der übermächtigen Eltern wirken dann möglicherweise ein Leben lang als Erfolgsverhinderer, obwohl das meistens so überhaupt nicht beabsichtigt war. Lesen Sie in den folgenden Beispielen, wie solche entmutigenden Botschaften ein Kind blockieren können.

1. Beispiel: Die Erwartungen an das Kind sind unrealistisch hoch

Alexander ist ein durchschnittlich begabter Junge, der mit vertretbarem Aufwand in seinen Arbeiten Noten zwischen 2 und 4 mit nach Hause bringt. Für den Übertritt auf das Gymnasium reicht das nicht ganz. Das wollen seine Eltern nicht akzeptieren und versuchen, ihr Kind anzuspornen.

Tabu-Bemerkungen:

„Du könntest viel, viel besser sein, wenn du dich nur anstrengen würdest. So ein kluger Junge, wie du schafft es doch aufs Gymnasium.“

Auswirkungen auf das Kind:

Alexander ist verunsichert und sucht die Schuld für seine mittelmäßigen Noten bei sich. Ständig hat er das Gefühl, sich nicht genug ins Zeug zu legen.Wenn er für eine Arbeit lernt, weiß er nicht, wann es genug ist. Er glaubt, er könnte besser sein, wenn er sich nur richtig anstrengen würde. Der realistische Blick auf sein Leistungspotenzial bleibt ihm verstellt.

Besser wäre:

„Mit deinen soliden Noten kannst du es auf der Realschule weit bringen und später eventuell noch das Abitur machen.“
Durch ein individuelles Gespräch mit den Lehrern oder durch einen Leistungstest können Eltern recht gut klären, welches Potenzial in ihrem Kind steckt. Daran müssen sich dann auch die Erwartungen orientieren. Ein hoch motivierter Realschüler hat bessere Chancen als ein mäßig begabter Gymnasiast, der in jedem Jahr aufs Neue um seine Versetzung kämpft.

2. Beispiel: Der Ärger über das eigene Fehlverhalten wird auf das Kind übertragen

Die Familie möchte am Wochenende gemeinsam etwas unternehmen. Mutter würde gerne auf dem Weiher Bötchen fahren, und Vater möchte mit allen auf eine Reptilienmesse. Nach einer Diskussion entscheiden sie sich für beide Ziele nacheinander. Damit ist aber keiner der beiden so richtig glücklich und die Stimmung getrübt. Als Leon dann anfängt zu trödeln und noch ein Spiel beenden möchte, gibt es Streit, weil die Reptilienmesse bald schließt.

Tabu-Bemerkungen:

„Du bist schuld daran, dass ich mich jetzt mit Papa/Mama so streite.“

Auswirkungen auf das Kind:

Leon hat sich nicht anders verhalten als sonst auch. Durch die eingetrübte Stimmung wird dieses Verhalten aber zum Streitauslöser der Eltern. Die gestehen sich den faulen Kompromiss nicht ein, sondern schieben die Schuld auf Leon. Der Junge könnte sich künftig oft schuldig fühlen, wenn seine Eltern sich streiten.

Besser wäre:

„Der Tag ist wirklich blöd gelaufen, daran sind wir alle irgendwie schuld.“
Das Eingeständnis des eigenen Fehlverhaltens hat entspannende Auswirkungen auf die ganze Familie. Die unglückliche Entwicklung kann als einmaliges Ereignis abgehakt werden, und niemandem wird daran allein die Schuld zugeschoben.

3. Beispiel: Eltern trauen ihrem Kind nichts zu

Bianca möchte mit ihrer Freundin Mara zum Kinderballett. Weil Bianca aber ein sehr impulsives Kind ist, das bei keiner Beschäftigung lange verweilt, lehnen die Eltern ihren Wunsch ab. Sie können sich nicht vorstellen, dass Bianca die Anforderungen des Kinderkurses bewältigt.

Tabu-Bemerkungen:

„Das brauchst du gar nicht erst zu probieren, das schaffst du sowieso nicht.“

Auswirkungen auf das Kind:

Obwohl Bianca kein stabiles Durchhaltevermögen hat, möchte sie es im Ballett probieren. Das ist lobenswert und die einzige Möglichkeit, ihre Ausdauer auf Dauer zu verbessern. Dieses von Bianca selbst gewählte „Training“ blockieren die Eltern durch ihre negative Sichtweise. Das könnte dazu führen, dass Bianca künftig lieber auf neue Herausforderungen verzichtet, weil sie glaubt, sie sowieso nicht bewältigen zu können. Ihre Entwicklung ist gebremst.

Besser wäre:

„Das kannst du ausprobieren, aber lass uns mal zusammen überlegen, wie das am besten klappen kann. Du weißt ja, dass dir das Durchhalten etwas schwer fällt.“
Dem Kind wird die Idee nicht ausgeredet, aber die Problematik auch nicht verleugnet. Gemeinsam können Hilfen erdacht werden, die das Durchhalten leichter machen.

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