Kommentare:
fotolia.com

Warum "das Beste" manchmal schlecht ist.

Gefährliche Erziehungshaltung

Sicher wollen Eltern für ihr Kind nur „das Beste“. Dass die Wahrnehmung zwischen Eltern und Kindern hier sehr unterschiedlich sein kann, wird oft deutlich, wenn der Nachwuchs in die Pubertät kommt und gegen die Eltern zu rebellieren beginnt und aufmüpfig wird. 

Expertenrat von 
Dr. Jan-Uwe Rogge, Familienberater und Bestsellerautor

Nicht selten verbirgt sich hinter der „Ich-will-doch-nur-dein-Bestes-Mentalität“ der Anspruch, die Erziehung des eigenen Kindes so perfekt wie möglichzu gestalten. Doch mit einer solchen Perfektionismus-Haltung befinden Sie sich als Eltern im Dauerstress. Außerdem werden Sie den wahren Bedürfnissen und tatsächlichen Kompetenzen Ihres Nachwuchses nur selten gerecht. Bei genauerer Betrachtung ist dieser Perfektionismus nämlich oft eine sich selbst schützende oder sogar egoistische Haltung der Eltern, um unangenehmen Konflikten aus dem Weg zu gehen oder eigene Bedürfnisse auf Kosten des Kindes zu befriedigen.

Die Gefahren des elterlichen Perfektionismus

Im Wesentlichen sind drei Gefahren mit einem übertriebenen Erziehungs-Perfektionismus verbunden:

Verwöhnen statt individuell fördern

Gehen Sie auch gerne Streitigkeiten aus dem Weg? Viele Eltern riskieren jedenfalls keine Konflikte. Wenn Sie jedoch Harmonie um der Harmonie willen praktizieren und Ihrem Kind keinen Frust zumuten, verwöhnen sie es grenzenlos. Ein solcher „Harmonie-Perfektionismus“ speist sich häufig aus besagter „Ich-will-doch-nur-dein-Bestes-Mentalität“.

Eltern machen utopische Pläne für die Zukunft ihres Kindes, verkennen dabei seine Neigungen und Kompetenzen, übersehen und übergehen ihre Wünsche und konkreten Interessen. Das erzeugt häufig Protest und Leistungsverweigerung auf Seiten der Heranwachsenden.

Auch wenn eine „Ich-will-doch-nur-dein-Bestes-Haltung“ zumeist im Namen des Kindes formuliert wird, verkennt sie oft dessen Einzigartigkeit („Ich weiß, welche Schule, welches Musikinstrument, welche Sportart, welche Freunde für dich richtig sind!“). Gehen Sie hingegen realistisch auf die Entwicklungsprozesse Ihres Kindes ein, dann verwöhnen Sie es nicht. Verwöhnen heißt nämlich, entweder keine Grenzen oder zu enge Grenzen zu setzen. Verwöhnen drückt Überbehütung aus oder will Beziehungslosigkeit im Zusammenleben kompensieren. Beides geschieht nicht zum Wohl Ihres Kindes.

Klammern statt Erfahrungen ermöglichen

Eine „Ich-will-doch-nur-dein-Bestes-Haltung“ lässt nicht wirklich los. Loslassen von Jugendlichen heißt: Nehmen Sie Abschied von der Vorstellung, Ihr Kind vor Krisen bewahren zu können. Manche Eltern lösen sich nur oberflächlich, wollen ihrem Kind (und damit auch sich selbst!) Misserfolge ersparen und binden ihr Kind so wieder an sich („Ich weiß, was du tun musst, um erfolgreich und glücklich zu sein!“).

Loslassen heißt aber: Klammern Sie nicht, sondern lassen Sie Ihr Kind ziehen, sich ausprobieren, eigene Erfahrungen sammeln – und begleiten Sie es dabei innerlich. Diese Begleitung, also Ihr Interesse und Ihre innere Beteiligung, ist wichtig, sonst empfindet Ihr heranwachsendes Kind die Ablösung von Ihnen als Rauswurf, gar als elterliche Abwendung oder Rückzug aus gekränkter Eitelkeit.

Wiedergutmachung von Erziehungsfehlern der eigenen Eltern statt selbstbewusstes Erziehungshandeln

Eine weitere Facette des Perfektionismus finden Sie in einer Haltung wieder, die alles anders machen will. Mir fällt auf: Viele Eltern nehmen die eigenen Eltern wenig distanziert wahr. Dabei denken sie meist als Erstes daran, was schlecht war, und wollen durch die Erziehung ihrer eigenen Kinder dann Wiedergutmachung leisten, Versäumtes nachholen, den eigenen Eltern nachträglich zeigen, wie man richtig erzieht. Die Folgen sind in der Regel kontraproduktiv. Mit einer solchen Haltung geraten Sie nämlich schnell in ein therapeutisches Verhältnis zu Ihrem pubertierenden Kind: Sie machen sich unverzichtbar, inszenieren sich als Person, die Ihrem heranwachsenden Kind alle Wünsche von den Lippen abliest und dabei die eigenen Bedürfnisse vergisst. 

Oder aber Ihr Kind muss Sehnsüchte und Wünsche, die Sie früher nicht ausleben oder umsetzen konnten, nun erfüllen – und das ungeachtet seiner individueller Voraussetzungen und Kompetenzen. Wenn Sie nur anders als Ihre Eltern erziehen wollen, machen Sie es nicht automatisch besser. Besser erziehen Sie, wenn Sie dabei Ihren echten Überzeugungen folgen. 

Dass gerade Eltern, die alles anders machen wollen, manchmal vom Regen in die Traufe geraten, also von einem Extrem ins andere schlittern und dabei die Balance verlieren, sodass am Ende die selbstmitleidige Erkenntnis: „Wie man’s macht, macht man es verkehrt!“ steht, zeigt das folgende Beispiel:

Diesen Artikel weiterlesen?
mehr erfahren...

Als Leser des "Pubertäts-Überlebensbriefes" lesen Sie hier noch ein anderes Fallbeispiel, das sich mit der Einsicht beschäftigt, dass verstellen meist in die gegenteilige erwartete Reaktion führt.

Diesen Artikel freischalten

Dies ist ein Premium-Inhalt auf Elternwissen.com, der nur Abonnenten unserer monatlichen Eltern-Ratgeber angezeigt wird.

Wenn Sie diesen Artikel weiterlesen möchten, können Sie hier ein 30-tägiges Test-Abonnement abschließen.

Bitte wählen Sie Ihr Wunsch-Produkt aus:

Sie sind bereits Premium-Mitglied?

Geben Sie hier Ihren Benutzernamen und Passwort ein:

Mehr zum Thema von unseren Elternwissen-Experten

Kommentare zu "Warum "das Beste" manchmal schlecht ist."

Sagen Sie Ihre Meinung und schreiben Sie einen Kommentar!




Warum stellen wir so dumme Fragen?
Hinweis: aus rechtlichen Gründen erscheint Ihr Kommentar nicht sofort, sondern muss zuerst durch einen Moderator freigeschaltet werden.
Spamschutz

Der Grund, weshalb wir Sie nach der Geburt fragen, ist die Vermeidung von Spam durch automatisierte Spam-Bots.

Solche Spam-Bots versuchen durch massenhafte Einträge von Links in Kommentarfeldern und Gästebüchern Traffic für ihre Angebote zu erzeugen. Daher stellen wir einfache Fragen, die ein echter Nutzer ohne Probleme beantworten kann, während automatisierte Spam-Bots daran meist scheitern (Captcha-Test).

Eine Alternative zu solchen individuellen Fragen sind Bild-Captchas, bei denen verzerrt dargestellte Buchstaben oder Zahlen abgetippt werden müssen. Aufgrund des erhöhten "Nerv-Faktors" dieser Bild-Captchas haben wir uns für aber für erstere Variante entschieden.

Kostenlose Tipps zum Thema "Eltern-Kind-Kommunikation" per E-Mail

Sollen wir Sie mit neuen Tipps und Artikeln zum Thema "Eltern-Kind-Kommunikation" kostenlos per E-Mail auf dem Laufenden halten?