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Kinder denken nicht daran aufzuräumen

Mein Kind räumt nicht auf! Was kann ich tun?

Erziehungstipps für Eltern

Das Problem mit dem Aufräumen: Welche Eltern kennen das nicht! Die ersten Streitereien beginnen meist schon im Kindergartenalter. So richtig auf Konfrontationskurs gehen die lieben „Kleinen“ bei diesem Thema aber meist erst in der Pubertät. Nicht nur weil das Aufräumen an sich lästig ist, sondern vielmehr, weil es ein Thema ist, was die Eltern hundertprozentig auf die Palme bringt und sich so prima zum Reiben und Kräftemessen eignet. 

Expertenrat von 
Dr. Jan-Uwe Rogge, Familienberater und Bestsellerautor

Rita S., allein erziehende Mutter zweier pubertierender Söhne, Lars (16 Jahre) und Noah (14), schildert mir auf einem Elternseminar ihr Problem:

„Die Unordnung im Zimmer meiner Kinder nervt mich nicht besonders“, berichtet sie. „Aber wenn die durch die Haustür kommen, bleiben sie stehen, ziehen die Schuhe aus und lassen sie kreuz und quer im Flur stehen. Und die würden dort bis in alle Ewigkeit liegen bleiben, wenn es nicht eine Person gäbe, die sich im Schuhe aufräumen verwirklichen würde.“

Sie schnauft, deutet auf sich: „Ich!“ Und dann erzählt sie die Geschichte ihrer pädagogischen Versuche.

Problem Inkonsequenz

„Letztlich blieb ich in den endlosen Streitereien um die Schuhe im Flur inkonsequent. Die haben mich auch richtiggehend erpresst damit, was andere Mütter alles für ihre Kinder tun würden. Und dann mein schlechtes Gewissen wegen der Trennung von meinem Mann. Manchmal lief es tageweise gut, dann ging alles wieder von vorne los! Wenn sie sich mal positiv verhalten haben, habe ich das auch nicht besonders verstärkt. Das war wohl mein Fehler!“ Sie sieht mich an: „Ich will endlich konsequent sein!“

Ob sie eine Idee habe, fragte ich. Sie habe mal bei mir über einen Zaubersack gelesen, der helfen solle, wenn Kinder ihre Klamotten überall herumliegen lassen. Aber wie das umzusetzen sei…Doch dann hatte sie einen Einfall. „Wenn die beiden Rabauken wieder nicht reagieren, wenn ich sie einmal an die herumliegenden Schuhe erinnert habe, dann stecke ich die Schuhe in einen Sack, und den öffne ich erst nach einer Woche.“ „Gut“, sage ich, „dann haben beide ein Paar Schuhe weniger. Und was passiert am folgenden Morgen?“ Sie überlegt: „Die haben doch ein weiteres Paar, das sie gerne anziehen!“ „Und wenn die auch nicht aufgeräumt werden?“ „Dann verschwinden die auch“, antwortet sie spontan und lacht. „Und wie läuft das am dritten Morgen ab?“, will ich wissen. Kurzes Nachdenken. „Sie haben ja noch mehr Schuhe, die müssen sie dann anziehen!“, schmunzelt sie.

„Wenn Lars und Noah das aber einfach nicht machen? Weil die zum Beispiel unmodisch oder dreckig sind. Wenn Ihre Kinder dann nicht in die Schule wollen? Die meisten in dem Alter hängen nur an ihren Lieblingsklamotten, die ziehen gar nichts anderes an. Da können sie sehr engstirnig sein.“ Rita S. sagt mit forscher Stimme: „Gut, dann müssen sie das mit der Schule selber klären. Ich ruf den Lehrer an, klär ihn auf, was ich vorhabe. Der hat auch Chaoten zu Hause, ich denke, der ist einverstanden.“

Ich nicke: „Wer könnte Sie am stärksten von den beiden provozieren?“ Sie überlegt kurz: „Lars!“

„Und was könnte die stärkste Provokation sein? Wann könnten Sie schwach werden?“ „Wenn er in Strümpfen in die Schule geht. Damit hat er schon mal gedroht!“ „Stellen Sie sich vor, wir haben jetzt Winter, es liegt Schnee. Er geht in Strümpfen hinaus…“ „... dann soll er sich drei Paar anziehen oder sich Flügel umschnallen“, meint sie entschlossen. „Der wird sich wundern!“

Konsequenzen erklären und anwenden!

Als Rita S. vom Seminar nach Hause kommt, bittet sie ihre Söhne zu einem Gespräch und stellt ihnen ihren Ärger mit den achtlos ausgezogenen Schuhen ganz ruhig dar. Dann fragt sie Lars und Noah, wie sie die Sache sehen würden. Und sie verstehen den Ärger der Mutter schon. Dann stellt Rita ihre Idee mit dem Zaubersack vor, in den sie die Schuhe stecken würde, wenn sie nach einmaliger Aufforderung nicht in den Schrank geräumt sind.

„Was für einen Zaubersack?“ „Na, einen einfachen Sack. Da kommen die hinein. Nach einer Woche habt ihr eure Schuhe wieder!“ Beide lachen. „Habt ihr alles kapiert?“ Beide nicken, Lars meint: „Und das probieren wir zunächst für eine Woche aus.“ Damit erklärt sich Rita einverstanden.

Am nächsten Abend. Noah und Lars haben die Absprache schon vergessen, und die Schuhe liegen wie üblich herum. Rita erinnert sie zweimal, doch nichts passiert. Die Schuhe verschwinden im Zaubersack. Der folgende Morgen: Noah und Lars sind irritiert, sie ziehen ein anderes Paar Schuhe an, gehen in die Schule. Noah räumt am Abend seine Schuhe ohne weitere Ermahnung auf. Lars vergisst seine Schuhe wieder, und auch sie verschwinden nach dreimaliger Erinnerung – „Ich wollte ihm eine Chance geben!“, so die Mutter – im Sack. Die Situation am folgenden Tag: Beide Lieblingspaare sind einkassiert, Lars flucht, zürnt, poltert, droht, will nicht in die Schule gehen. Rita S. bleibt ruhig: „Du hast genügend andere Schuhe!“ „Die sind blöd. Da sehe ich aus wie ein Clown.“

Dann wechselt er die Strategie: Er schmeichelt, raspelt Süßholz. Die Mutter bleibt konsequent. Dann wieder Drohgebärden: „Ich entzieh dir das Sorgerecht. Oder ich geh zu Papa. Der mag mich sowieso mehr als du.“

Als auch diese Vorwürfe ins Leere laufen, schreit er: „Gut, dann geh ich nur mit Strümpfen zur Schule.“ „Zieh drei Paar an! Draußen liegt Schnee.“ „Du willst wohl, dass ich sterbe?!“ Lars' Stimme ist eine Mischung aus Weinerlichkeit und Trotz.

„Dann zieh fünf Paar an“, schlägt die Mutter vor. Lars rennt in sein Zimmer, zieht sich Strümpfe über, dann geht er zur Haustür. „Ich geh jetzt…“,meint er zur Mutter gewandt. „Tschüs!“ „Ich geh jetzt wirklich“, wiederholt Lars. „Tschüs!“ Rita geht in die Küche, lacht laut los, klopft sich innerlich auf die Schulter. Lars verlässt – die Tür laut zuknallend – das Haus, kommt am Bauernhof der Großmutter vorbei, die gerade Schnee wegfegt. Sie sieht ihren Enkel, seinen Aufzug, die fehlenden Schuhe, wie er wie ein gescheiterter Held durch den Schnee schlurft.

„Lars“, ruft sie. „Mein Kind, wie siehst du denn aus!“ Sie nimmt ihn in ihre Arme, drückt ihn ganz fest. „Deine Tochter“, säuselt er mit leiser, Mitleid erheischender Stimme. „Deine Tochter will, dass ich sterbe.“

„Mein Junge“, tröstet ihn die Oma. „Komm, zieh Opas Gummistiefel über.“ Lars wandert mit Stiefeln in die Schule, findet die Aufmerksamkeit seiner Freunde und kreiert so eine neue Mode. Auf dem Nachhauseweg kauft er seiner Mutter ihre Lieblingspralinen und eine rote Rose. Er legt dies an ihren Platz. „Für mich?“, fragt sie vorsichtig. Er nickt. „Und warum?“ „Weil ich dich mag!“

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Als Leser des "Pubertäts-Überlebensbriefes" erfahren Sie hier noch wie Sie optimal Konsequenzen finden können.

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