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Geschwisterstreit
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Geschwisterstreit in der Pubertät

Streit zwischen Geschwistern

Bei der Geburt des zweiten Kindes stellt man sich noch auf die Idylle von 2 friedlich miteinander spielenden Geschwistern ein. Nicht zwangsläufig immer, aber doch in vielen Fällen weicht dieses harmonische Bild schon bald der Erkenntnis, dass Geschwister eben auch Rivalen sind. Vor allem in der Pubertät sind solche Rivalitätskämpfe unter Geschwistern nicht selten und außerdem normal. 

Expertenrat von 
Dr. Jan-Uwe Rogge, Familienberater und Bestsellerautor

Je geringer der Altersunterschied zwischen den Geschwistern ist, umso eher konkurrieren sie in der Regel miteinander. Handelt es sich zusätzlich um gleichgeschlechtliche Geschwisterpaare, gibt es normalerweise noch mehr Geschwisterstreit. Haben Sie zwei Söhne, die beide in der Pubertät sind, dann sollten Sie viel entspannen und sich regelmäßig etwas Gutes tun.

Geschwisterstreit kommt gerade in der Pubertät häufig vor

Eltern sehen in der Geschwisterrivalität nicht selten einen Erziehungsfehler und führen die Streitereien der Kinder auf ihr eigenes Versagen zurück. Dabei sind die „Eifersüchteleien“ zwischen Geschwisterkindern in der Mehrheit aller Fälle normal. Jedes Kind will in der Geschwisterreihe seine Position einnehmen, seine Einzigartigkeit beweisen und darstellen. Ein Geschwisterstreit bei dem um die Rangordnung und die „Gunst“ der Eltern gekämpft wird, ist also normal. Das mag im Streit ein Trost für Sie sein – wenn auch vielleicht nur ein kleiner! Die Auseinandersetzungen zwischen Geschwisterkindern sind normal und zunächst nicht die Folgen eines Erziehungsfehlers.

Der „entthronte“ Erstgeborene – der beleidigte Zweitgeborene: Auf in den Geschwisterstreit!

Es war der Individualpsychologe Alfred Adler, der zu Beginn des letzten Jahrhunderts auf die Bedeutung der Geschwisterkonstellation hingewiesen und gleichzeitig deutlich gemacht hat, dass jede Position ihre Vorteile, aber auch ihre Nachteile hat. Das gilt insbesondere für das ältere Kind. Jedes erstgeborene Kind ist zunächst, wenn es auf diese Welt kommt, geschwisterlos, es fühlt sich einzigartig, von allen an- und ernstgenommen.
Dann kommt ein Geschwisterchen dazu. Es wird vom Sockel gestoßen, empfindet dies als „Entthronung“, als Herabwürdigung, ja geradezu als Geringschätzung seiner Persönlichkeit. Um die gewohnte Aufmerksamkeit zu erhalten, bleiben dem älteren Kind nun zwei Strategien: entweder es weist mit allen ihm zur Verfügung stehenden Mitteln auf sich hin, indem es das jüngere Kind – im wahrsten Sinne des Wortes – unterdrückt, um so den gebührenden Altersabstand herzustellen. Oder es macht sich selber wieder klein, so klein wie das jüngere Kind, weil es an ihm beobachtet: Wenn man hilfebedürftig ist, erhält man schnell Zuwendung.
Aber auch das jüngere Kind hat und spielt seine Rolle. Es ist das „Unterlegene“, eben das „Zweite“, das „Zu-kurz-Gekommene“. Immer darf das „Ältere“ mehr, hat das „Größere“ mehr Möglichkeiten.

Zum Geschwisterstreit gehören immer beide Geschwister!

Betrachten Sie den Geschwisterstreit Ihrer Kinder genauso, dann stellen Sie schnell fest, dass jedes Kind – sowohl das „Ältere“ als auch das „Jüngere“ – seinen Anteil an den Streitereien hat. Oder, um es in den Worten eines indischen Philosophen auszudrücken: „Zum Klatschen gehören zwei Hände.“

Kurt Tucholsky, der deutsche Dichter, formulierte dazu vor etwa 100 Jahren: „Geschwisterkinder sind wie Indianer. Entweder sie rauchen die Friedenspfeife, oder sie befinden sich auf dem Kriegspfad. Es gibt kein Dazwischen.“

Geschwister streiten mal mehr, mal weniger – je nach Entwicklungsphase

Und es kommt noch ein weiterer Aspekt beim Geschwisterstreit hinzu: Es existieren Entwicklungsphasen, in denen es zu besonders heftigem Streit zwischen Ihren Geschwisterkindern kommen kann, in denen selbst kleine Auseinandersetzungen und Rivalitäten schnell eskalieren. Das sind Phasen, in denen es Ihrem älteren Geschwisterkind besonders wichtig ist, als der „Große“, der mehr darf, wahrgenommen zu werden.

So können Sie folgende Beobachtung machen: Besucht ein Kind den Kindergarten, das Geschwisterkind durchlebt aber noch das Säuglingsalter, so fordert das „Ältere“ mehr Rechte ein. Geht ein Kind in die Schule, der Bruder und/oder die Schwester sind aber noch im Kindergartenalter, dann blickt das Schulkind geringschätzig auf die „Kleinen“ herab. Und Ähnliches gilt dann auch für den nächsten Abschnitt in der Entwicklung. Der oder die Pubertierende versucht sich vom Geschwisterkind möglicherweise mit viel Nachdruck und Überheblichkeit im Geschwisterstreit abzugrenzen.

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