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Jugendliche vor der Alkoholgefahr in der Pubertät schützen
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Pubertärer Leichtsinn: Wie schütze ich mein Kind vor Alkohol?

Kinder vor Alkohol schützen

Spätestens wenn Ihr Kind in die Pubertät kommt, wird es mit dem Thema „Alkohol“ konfrontiert. Doch wie Ihr Kind nun mit der neuen „Verlockung“ umgeht, ob es Nein sagen kann oder zum „Komasäufer“ wird, hängt von verschiedenen Faktoren ab.  

Expertenrat von 
Dr. Jan-Uwe Rogge, Familienberater und Bestsellerautor

Alkohol ist in unserer Gesellschaft allgegenwärtig. Beim Essen, auf Partys, nach der Arbeit: Anlässe zum Konsumieren von Alkohol gibt es zahlreiche. Selbst die ganze Nacht hindurch können Sie an Tankstellen Alkohol kaufen, für Autofahrer ein eher absurdes Angebot. Die Gefahr, dass Jugendliche schon früh zur Flasche greifen, liegt also nahe.

Alkohol- und Drogensucht von Pubertierenden: Fallbeispiel Tim

Tim, 18 Jahre, ist über den Alkohol in die Drogenszene gerutscht. Er ist eher schüchtern, zurückgezogen und hat Kontaktschwierigkeiten. Diese wurden durch die häufigen Umzüge der Eltern noch verschärft. Tim ist äußerlich eher klein, er neigt zum Stottern, vor allem wenn er nervös ist. Nur wenn er ein paar Biere getrunken hat, wird er ruhiger, fühlt sich stark. Er achtet sehr auf sein Aussehen, körperbetonte Kleidung, geht ins Fitnessstudio, weil er bei Freunden gut ankommen will. Er besucht das Gymnasium und zeichnet sich durch gute Leistungen aus, die er durch viel Fleiß erreicht.

Der Vater: „Tim macht das gut. Er soll es besser haben als ich. Was er jetzt lernt, braucht er später nicht zu lernen. Okay, er macht’s, wie gesagt, schon gut, aber zu viel Lob baut ihn nicht auf. Dann macht er schlapp. Er muss schon eine starke Hand spüren!“

Dazu Tim: „Wenn ich das höre. Er will doch nur mit mir angeben. Wenn ich in Mathe eine Drei habe, meint er, im letzten Jahr hätte ich eine Zwei gehabt. Der sieht immer nur das Schlechte. Er stellt sich auf ein Podest, hält sich für den Größten und hält Reden. Ich heiße Tim, aber der hat meinen Vornamen vergessen. Ich heiße für ihn: „Mein Sohn ist etwas Besonderes!“ Und dann fährt Tim fort: „Mit Alkohol ließ sich das alles aushalten. Zuletzt gab’s dann allerdings den Mix aus Alkohol, Medikamenten, Hasch und auch schon Heroin …“

Das Beispiel von Tim verdeutlicht bereits wichtige Gründe, die Jugendliche zu Alkohol und anderen Drogen greifen lassen:

  • Die Störung des Selbstwertgefühls ist hier ein wesentlicher Faktor. Sucht kann man auch als eine „Krankheit des Selbstwertgefühls“ bezeichnen. Hinzu kommt Tims starke Abhängigkeit von ständiger Anerkennung. Die leiseste Kritik erzeugt bei ihm Ohnmacht und Hilflosigkeit.
  • Bei Tim herrscht das Gefühl der Fremdbestimmung vor. Er soll Leistungen erbringen, um vorgeführt bzw. für eine imaginäre Zukunft fit gemacht zu werden. Weil er keine Annahme im Hier und Jetzt findet, fehlt ihm eine konkrete Lebensperspektive. Alles erscheint ihm weit weg.
  • Tim hat keine Fähigkeit, mit Krisen produktiv umzugehen. Er kann Unlustgefühle nicht über längere Zeit aushalten. Und es zeigt sich: Ein guter Schulabschluss ist eben kein Garant für eine Karriere. Das spürt er. Tim wird ein produktiver Umgang mit Krisen nicht gestattet. Da ihm solche Erfolgserlebnisse vorenthalten werden, verlegt er sie in den Konsum, der als Ersatz für fehlende Beziehungen, als „Lösung“ für Krisen dient.
  • Wie andere Drogen fördert Alkohol das Vermeidungsverhalten und legt Fluchttendenzen nahe. Der Drogenkonsum wird immer dann gefährlich, wenn ihm eine Ersatz- und Verdrängungsfunktion zukommt, wenn Sucht mit Flucht aus der Wirklichkeit gleichgesetzt werden kann.
  • Tims Beispiel zeigt auch: Alkohol kann der Einstieg in weiteren Drogenkonsum sein.

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Kommentare zu "Pubertärer Leichtsinn: Wie schütze ich mein Kind vor Alkohol?"

  • Sascha schreibt am 26.07.2013

    Die oben erwähnte Seite ist gut (http://www.kenn-dein-limit.de/alkohol/kinder-jugendliche-und-alkohol-die-rolle-der-eltern/) da wird unterschieden nach Alter der Kinder. Rauschtrinken ist ja Gott sei Dank nicht mehr so "in". Problematisch ist, (tut mir leid, wenn ich das so sagen muss)dass durch die Öffnung der Grenzen in Europa ziemlich viele schlechte Beispiele und falsche Vorbilder in den Stadtparks, Innenstädten, auf Kinderspielplätzen, etc.herumsitzen (nein nein NATÜRLICH gibt es auch jede Menge betrunkene Deutsche die nicht als Vorbild taugen! Ich meine lediglich, dass es unter anderem aus diesem besagten Grund einfach immer schlimmer wird).
  • Jammy schreibt am 27.06.2013

    oh mann.... jetzt sehe ich gerade dass die seite schon vorgeschlagen wurde :-( bestimmt gibt es noch wirklich wirklich gute weitere seiten. ich bin nur gerade zu faul weitere hier zu posten. im kopf hab ich die adressen nämlich leider nicht. wie dem auch sei - DANKE für den artikel hier!!

    J
  • Svenja schreibt am 12.03.2013

    die bzga hat diesbezüglich noch zwei gute seiten im netz, die noch einiges an tipps haben. schlussendlich gl... nein bin ich mir sicher, dass es nicht DIE lösung gibt (leider):

    www.null-alkohol-voll-power.de &
    www.kenn-dein-limit.de
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