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Teenager mit weißer Maske vor dem Gesicht
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Identitätssuche: Wie Sie Ihren Teenager jetzt richtig unterstützen

Persönlichkeitsentwicklung

Die Identitätsfindung ist die zentrale Entwicklungsaufgabe des Teenagers in der Pubertät. Zwar geht dieser Selbstfindungsprozess im späteren Leben weiter und hört eigentlich nie auf. Denn wir verändern uns, wir wachsen und reifen ja weiter. Die Basis für unsere Identität jedoch wird in der Pubertät gelegt. Identität wird dabei verstanden als die Gesamtheit dessen, was das einzelne Individuum auszeichnet und was es unverwechselbar macht. Lesen Sie hier, warum die Identitätssuche für Jugendliche eine heikle Angelegenheit ist, warum Teenager dabei auf die Unterstützung der Eltern angewiesen sind und wie Sie ihm diese geben können. 

Expertenrat von 
Felicitas Römer, Paar- und Familientherapeutin

Die Identitätsfindung ist eine komplexe und störanfällige Angelegenheit. Immerhin muss der Jugendliche nun sein kindliches Ich überwinden und hinter sich lassen, um langsam sein ganz individuelles erwachsenes Ich entwickeln zu können. Diese Zwischenphase ist naturgemäß eine diffuse Zeit der Ungewissheit, der Verunsicherung und der Irritation: Das, was war, gilt nicht mehr. Und das Neue ist noch nicht gewachsen. Kein Wunder, dass diese Umbruchzeit häufig mit Stimmungsschwankungen und Krisen einhergeht. Die Psyche des Jugendlichen ist in dieser Zeit ebenfalls sehr anfällig, seine junge und zarte Persönlichkeitsstruktur ist verletzbar: Das ist der Grund, warum die Pubertät auch eine sensible Lebensphase ist, in der viele psychische Störungen entstehen oder ausbrechen können.

Identitätssuche als Entwicklungsaufgabe:

Was der Teenager jetzt für sich klären muss

  • Es geht bei der Identitätssuche darum,
  • ein einheitliches und differenziertes Kernselbst zu entwickeln, also ein stabiles „Ich“ auszubilden;
  • sich seiner selbst bewusst werden, also seine Stärken, Schwächen, Vorlieben, Fähigkeiten, Wünsche etc. kennenzulernen und in die eigene Persönlichkeit zu integrieren;
  • eine erwachsene geschlechtliche Identität auszubilden;
  • eine sexuelle Identität auszubilden.

Folgende Fragen muss der Jugendliche nun für sich beantworten:

  • Wer bin ich, was macht mich aus? Was unterscheidet mich von anderen?
  • Was möchte ich anders machen als meine Eltern? Was ähnlich?
  • Was ist mir besonders wichtig?
  • Wie will ich sein?
  • Wie sehen mich die anderen? Wie möchte ich gesehen werden?
  • Wie möchte ich leben?
  • Welcher Beruf reizt mich/käme eventuell in Betracht?
  • Welche geschlechtliche Ausrichtung habe ich?
  • Wie möchte ich meine Sexualität/Beziehung/Familie leben?
  • Was für ein Mann/was für eine Frau möchte ich sein? usw.
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Warum liebevolle und verlässliche Eltern jetzt so wichtig sind

Die Beantwortung der oben genannten Fragen geschieht natürlich nicht, indem sich der Teenager hinsetzt, pausenlos nachdenkt und sich dann bewusst für etwas entscheidet. In der Regel sammelt der Jugendliche viele Infos über sich selbst in dem Kontakt zu anderen Menschen, insbesondere den Eltern, Freunden, ersten Liebespartnern bzw.-partnerinnen und den Freunden und Freundinnen (= „peer group“). In Beziehungen prägen wir unser Selbst aus; nur in Beziehungen können wir uns zu demjenigen Menschen weiterentwickeln, der wir sein wollen. Daher ist es wichtig, auch in der Pubertät einen guten Kontakt zu dem Jugendlichen zu pflegen und die Auseinandersetzung mit ihm nicht zu scheuen. Genauso wichtig ist es aber, ihm auf gütige, freundliche und verlässliche Weise zu begegnen, damit er diese positive Grundhaltung in sein Selbstbild einfügen kann („Ich bin es wert, dass man liebevoll zu mir ist und zu mir steht, also bin ich auch wichtig – auch dann, wenn ich mal schlechtgelaunt oder anderer Meinung bin!“). Wer ständig nur hört, wie nervig oder lästig er sei, dem fällt es schwer, sich selbst als liebenswert und wertvoll zu erleben und eine stabile Persönlichkeitsstruktur zu entwickeln. Er beginnt dann womöglich an sich selbst zu zweifeln oder sogar Depressionen zu entwickeln. Seien Sie also für Ihren Teenager da, er braucht Sie jetzt mehr, als Sie vielleicht glauben.

So fördern Sie die Identitätsfindung Ihres Teenagers

1. Fördern Sie die Neugier und die Interessen Ihres Kindes

  • Der Teenager erfährt viel über sich selbst und seine Fähigkeiten, wenn er seinen Neigungen folgen und auch mal etwas Neues ausprobieren kann
  • Der Teenager erfährt viel über sich selbst und seine Fähigkeiten, wenn er seinen Neigungen folgen und auch mal etwas Neues ausprobieren kann
  • Unterstützen Sie Ihren Teenager bei der Suche nach neuen Interessen oder Hobbys.
  • Ermöglichen Sie ihm, sich möglichst oft in seiner freien Zeit mit Dingen zu beschäftigen, die ihn interessieren.
  • Zeigen Sie sich interessiert an den Hobbys oder Beschäftigungen Ihres Kindes und zollen Sie dieser Aktivität Anerkennung und Respekt. Das gilt übrigens auch für besondere Geschicklichkeit bei PC-Spielen oder Programmierfähigkeiten!

2. Reden Sie mit Ihrem Kind über Gefühle, Wünsche und Bedürfnisse

  • Sich über seine Gefühle und Bedürfnisse klar zu werden, ist wichtig, um sich verantwortungsbewusst um sich selbst kümmern zu können.
  • Gefühle ausdrücken zu können, ist für die Bildung der eigenen Identität wichtig.Nur dann kann man sich von anderen abgrenzen und gegebenenfalls auch distanzieren („Ich fühle anders als du“ ª„Ich bin ein anderer Mensch“).
  • Wünsche benennen zu können, ist die Voraussetzung dafür, um sich Ziele setzen zu können.
  • Fragen Sie Ihr Kind öfter mal nach seinen Empfindungen: „Wie fühlst du dich? Was fühlst du, wenn du …“ Das schult die Wahrnehmung und sensibilisiert den Jugendlichen für seine Bedürfnisse und Gefühle.
  • Fragen Sie Ihren Teenager auch nach seinen Wünschen, Visionen, Ideen für die Zukunft etc. Dadurch fordern Sie Ihr Kind auf, sich klarer über sich selbst zu werden. Auch wenn es zurzeit vielleicht noch keine Antworten zu geben vermag: Ein konstruktiver Gedankenanstoß wird es auf jeden Fall sein!

3. Helfen Sie Ihrem Kind dabei, sich eine eigene Meinung zu bilden

  • Eine eigene Meinung zu haben und diese vertreten zu können, hilft dabei, ein klareres Bild von sich selbst zu bekommen und dies auch nach außen vermitteln zu können. Dabei muss diese Meinung nicht unumstößlich sein, sondern kann mit der Zeit modifiziert und differenziert werden.
  • Fragen Sie Ihren Teenager öfter mal nach seinen Ansichten.
  • Diskutieren Sie mit Ihrem Teenager bzw. der ganzen Familie tagespolitische Geschehnisse, soziale Fragen oder auch philosophisch-ethische Themen.
  • Nehmen Sie die Aussagen Ihres Teenagers ernst und respektieren Sie diese. Vertreten Sie trotzdem Ihre Meinung, ohne den Teenager allerdings von irgendetwas überzeugen zu wollen.

4. Geben Sie Ihrem Teenager Rückhalt

  • Die Pubertät ist eine Zeit voller Fragen und Irritationen. Eltern sollten daher ihrem Teenager ein Fels in der Brandung sein. Das heißt nicht, dass Sie für jedes Problem gleich eine Lösung parat haben müssen, sondern nur, dass Sie Ihrem Teenager hin und wieder Mut machen und ihm den Rücken stärken sollten. Das braucht er jetzt, um ein stabiles und positives Selbstbild zu entwickeln.
  • Helfen Sie Ihrem Teenager, wenn er mal nicht weiter weiß oder in der Patsche sitzt, und zwar möglichst ohne ihm Vorwürfe zu machen. Nehmen Sie ihm dabei nicht die ganze Arbeit ab,sondern helfen Sie ihm lieber dabei, passende Problemlösungsideen zu entwickeln, die er dann selbst umsetzen kann.
  • Unterstützen Sieihn auf dem beruflichen Weg, den ereinschlagen möchte
  • Wertschätzen Sie die Leistungen und Errungenschaften Ihres Kindes.
  • Signalisieren Sie Ihrem Kind, dass Sie für es da sind,was immer auch geschehen mag. So fühlt es sich sicher.Das kann verbal oder nonverbal geschehen – Hauptsache, Ihr Kind versteht die Botschaft! 

5. Geben Sie Ihrem Teenager Feedback

  • Ihr Kind erhält durch Ihr Feedback wertvolle Informationen über sich selbst und seine Wirkung. Das regt ihn zum Nachdenken an und/oder bestärkt ihn. Voraussetzung dafür ist allerdings, dass er sich nicht angegriffen fühlt.
  • Benennen Sie die Fähigkeiten und Qualitäten Ihres Teenagers.
  • Besonderes Feingefühl ist geboten, wenn es sich um Kritik handelt. Hiermit sollten Sie vorsichtig sein. Bleiben Sie klar und freundlich, und senden Sie Ich-Botschaften. So kommt Ihre Aussage am ehesten an: „Ich fühle mich nicht gut, wenn du so mit mir sprichst. Ich würde mich freuen, wenn du etwas freundlicher wärst.“ statt: „Dein Tonfall ist mal wieder unmöglich. Reiß dich gefälligst etwas zusammen!“
  • Spiegeln Sie Ihr Kind: „Ich habe den Eindruck, dass du nicht so besonders fröhlich bist in letzter Zeit, stimmt das?“

6. Helfen Sie Ihrem Kind, ein eigenes Wertesystem zu entwickeln

  • Ihr Teenager braucht von Ihnen die ausdrückliche Erlaubnis, eigene Werte zu entwickeln, die von Ihren abweichen dürfen. Das ist wichtig, damit Ihr Jugendlicher sich ohne schlechtes Gewissen weiterentwickeln und ganz er selbst werden kann.
  • Respektieren Sie die Werte und Prioritäten Ihres Kindes, auch wenn Sie diese nicht unbedingt gutheißen, z.B. wenn es bestimmte Kleidung mag, die Sie unmöglich finden, oder mehr Zeit vor dem Spiegel verbringt, als eigentlich nötig wäre.
  • Fragen Sie Ihren Teenager immer mal wieder, was ihm selbst in seinem Leben wichtig ist. Das hilft ihm dabei, Klarheit über sich selbst zu gewinnen.

7. Setzen Sie sich mit Ihrem Kind auseinander

  • Wenn Sie sich ernsthaft mit den Bedürfnissen, Themen und Belangen des Jugendlichen auseinandersetzen, merkt er, dass er wichtig ist. Das ist eine gute Grundlage für eine gesunde Persönlichkeitsentwicklung.
  • Zeigen Sie sich interessiert an dem, was Ihr Kind interessiert.
  • Diskutieren Sie viel miteinander, besonders über lebensphilosophische Themen.
  • Lassen Sie sich etwas von ihm zeigen odererklären
  • Bleiben Sie aufmerksam und achtsam im Umgang mit Ihrem Teenager. Dann bekommen Sie auch mehr Zwischentöne mit und Sieerfahren mehr über Ihr Kind.

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