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Strukturiert Lernen

Informationen gehirngerecht aufarbeiten

Auch Kinder, die eigentlich eher ordentlich sind, vergessen in der Pubertät plötzlich ihre Hausaufgaben und scheinen bereits mit einfachen Planungsaufgaben überfordert. Dieses äußere und innere Chaos wirkt sich leider nur allzu oft auch auf die schulischen Leistungen der Heranwachsenden aus. Lesen Sie hier, wie Sie Ihrem Nachwuchs in dieser Zeit mit den richtigen Strukturierungshilfen unter die Arme greifen können 

Expertenrat von 

Manchen Menschen fällt es leichter, anderen schwerer, beim Lernen strukturiert vorzugehen. Sicher kann auch Ihr chaotisches Kind beim Lernen erfolgreich sein. Aber sicher ist, dass das Gedächtnis Ihres Kindes Lernstoff dann besser und langfristiger speichern kann, wenn es sich ihn zuvor strukturiert angeeignet hat.

Ein kleiner Versuch

Dass unser Gedächtnis schneller und leichter lernt, wenn es strukturiert dabei vorgeht, können Sie selbst einmal ausprobieren. Lernen Sie (oder besser noch Ihr Kind!) dazu die folgenden 20 Begriffe der Reihenfolge nach auswendig. Sie haben dazu zwei Minuten Zeit.

Übung 1

Löwe, Eidechse, Forelle, Biber, Adler, Affe, Stichling, Leguan, Giraffe, Spatz, Molch, Krokodil, Storch, Hai, Eichhörnchen, Elster, Goldfisch, Amsel, Hecht, Schildkröte

Haben Sie sich mit dem Lernen vielleicht ein bisschen schwer getan? Dann probieren Sie es doch einfach noch einmal – aber nun geordnet nach Tiergruppen. Lernen Sie (oder Ihr Kind!) wieder die 20 Begriffe der Reihenfolge nach auswendig. Sie haben erneut zwei Minuten Zeit.

Übung 2

Giraffe, Löwe, Affe, Biber, Eichhörnchen, Adler, Storch, Elster, Amsel, Spatz, Hai, Hecht, Forelle, Goldfisch, Stichling, Krokodil, Leguan, Schildkröte, Eidechse, Molch

Nun ging es sicher leichter! Geordnet sowohl nach den Tiergruppen der Säugetiere, Vögel, Fische sowie Reptilien und Amphibien als auch zusätzlich der Größe nach vom jeweils größten zum kleinsten Tier, lernt es sich einfach besser.

Was bedeutet eigentlich „Struktur“ beim Lernen?

Zunächst einmal heißt „Struktur“ nichts anderes als „Ordnung“ oder „System“. Welche Ordnung oder welches System Ihr Kind beim Lernen wählen sollte, hängt maßgeblich vom jeweiligen Lernstoff ab. So bieten sich zum Beispiel folgende Strukturierungsmöglichkeiten an:

  • Vom Einfachen zum Schweren. Was habe ich bei der neuen Grammatik in Latein schon verstanden, was verstehe ich nur schwer?
  • Vom Allgemeinen zum Besonderen. Was ist sind Reptilien, was sind Amphibien? Was ist das Besondere an einem Molch?
  • Vom Verstehen zum Vertiefen. Was habe ich in Mathe alles verstanden? Was muss ich wiederholen und üben, damit ich schneller und sicherer werde?
  • Vom Überblick zum Detail. Was muss ich alles über den Inhalt, den Autor, die Zeitpolitik etc. wissen, um die Lektüre in Deutsch zu verstehen? Wie genau entwickelt sich die Hauptfigur im Laufe des Stückes?
  • Vom Frühen zum Späten. Wie sieht der chronologische Verlauf der Französischen Revolution genau aus?
  • Vom ersten zum letzten Schritt. Welche Schritte muss ich der Reihenfolge nach beachten, damit der Versuch in Physik gelingt?

Die Methoden, mit denen Ihr Kind seinen Lernstoff strukturiert aufbereiten kann, sind vielfältig. Allerdings kommt nicht jeder Mensch mit allen Methoden gleich gut zurecht. Zudem sind gerade die unstrukturierten Schüler oft der Meinung, dass die systematischen Methoden „einfach zu viel Zeit kosten“. Dieses Argument stimmt aber nur vordergründig: Vielleicht dauert eine systematisch saubere Textarbeit zunächst länger, dafür hat Ihr Kind aber anschließend auch alle wichtigen Textinhalte verstanden und nachhaltig im Gedächtnis gespeichert.

Im Übrigen steigert sich auch beim strukturierten Lernen das Tempo mit der Übung.

Aufgaben Schritt für Schritt lösen: Die LEGUAN-Strategie

Ursprünglich für jüngere Schüler entwickelt, aber deswegen nicht weniger wichtig für pubertierende „Chaos-Lerner“ ist die LEGUAN-Strategie.

Diese Strategie hilft grundsätzlich dabei, Aufgabenstellungen nicht überstürzt und ungenau, sondern strukturiert und damit konzentriert und genau anzugehen. Dabei steht jeder Buchstabe für einen systematischen Schritt auf dem Weg zur Lösung.

Schritt 1: L wie Lesen

Zunächst soll Ihr Kind die Aufgabenstellung genau lesen und eine möglichst genaue Vorstellung davon entwickeln, um was es bei dieser Aufgabe geht. Das ist wichtig, denn ab der Mittelstufe werden die Aufgabenstellungen zunehmend komplexer, sodass eine Aufgabe gerne auch einmal zwei oder drei verschiedene Arbeitsaufträge beinhalten kann. Zur Verdeutlichung kann Ihr Kind kleine Skizzen anfertigen, und wenn Ihm nicht alles klar ist, sollte es nun nachfragen.

Schritt 2: E wie Erklären

Erst wenn Ihr Kind in der Lage ist, mit eigenen Worten zu formulieren, was die Aufgabenstellung von ihm fordert, dann hat es die Aufgabe verstanden.

Schritt 3: G wie Geduld

Bevor es losgeht, sollte Ihr Kind sich vor seinem geistigen Auge ein Stoppschild vorstellen, einen Moment lang verharren und bewusst ruhig werden. Manchmal kommt in solchen Momenten noch ein kluger Gedanke.

Schritt 4: Ü wie Überlegen

Nun sollte sich Ihr Kind eine genaue Lösungsstrategie überlegen. Wie gehe ich vor? Welcher Lösungsschritt kommt zuerst, welcher anschließend? Welche Regeln oder Gesetzmäßigkeiten benötige ich dazu? Wie übertrage ich die Lösung ins Heft?

Schritt 5: A wie Ausarbeiten

Nun beginnt Ihr Kind in Ruhe und dem zuvor überlegten Lösungsplan entsprechend die Aufgabenstellung auszuarbeiten. Auch hier sollte Ihr Kind beim Schreiben oder Rechnen auf Übersichtlichkeit achten – also Absätze oder Zeilenabstände berücksichtigen, Überschriften hervorheben, Arbeitsschritte beziffern, mit Farben arbeiten, etc.

Schritt 6: N wie Nachprüfen

Um „dumme“ Fehler zu vermeiden, sollte sich Ihr Kind am Ende jede Aufgabe Zeit nehmen, das Ergebnis zu überprüfen. Sinnvoll ist es, wenn Ihr Kind sich dabei zunächst auf solche Fehler konzentriert, die es häufiger macht oder die ihm bei Prüfungen viele Wertungspunkte kosten.

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Als Leser des "Pubertäts-Überlebensbriefes" lesen Sie hier noch, wie Ihr Kind systematisch einen Text erfassen kann.

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