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So klären Sie, ob eine Privatschule für Ihr Kind die bessere Wahl ist

Check

Es gibt unterschiedliche Gründe, warum sich Eltern für eine Privatschule entscheiden. Ausschlaggebend können die Unterrichtszeiten, die Klassengrößen, muttersprachlicher Unterricht in einer Fremdsprache oder eine besondere Betreuung sein. Was für das eine Kind passt, muss für das andere noch lange nicht gut sein. Wir haben die Vor- und Nachteile von Privatschulen für Sie aus unterschiedlichen Blickwinkeln beurteilt. So erkennen Sie schnell, ob eine Privatschule für Ihr Kind eine gute Entscheidung ist. 

Expertenrat von 
Dipl.-Päd. Uta Reimann-Höhn, Lern- und Erziehungsexpertin

Manche Eltern machen sich schon vor der Einschulung ihres Kindes viele Gedanken, andere lassen alles ganz entspannt auf sich zukommen. Spätestens dann, wenn es wiederholt Probleme gibt, denken jedoch alle Eltern (auch) über einen Schulwechsel nach. Privatschulen, eigentlich Schulen in freier Trägerschaft, versprechen eine individuellere Betreuung und kleine Klassen. Ihre Vorteile sind nicht von der Hand zu weisen, und immer mehr Eltern möchten ihre Kinder dort unterbringen. Längst sind die Anmeldezahlen gigantisch hoch, und nicht mehr nur Besserverdienende gönnen ihren Kindern diesen Luxus. Aber nicht in jedem Fall sind Privatschulen die bessere Wahl.

Das sind die bekanntesten Vorteile von Privatschulen

Nicht alle müssen immer zutreffen – und natürlich gibt es einiges davon auch an „normalen“ Schulen:

  • kleinere Klassen
  • Ganztagsbetreuung
  • bessere Bildungschancen
  • häufig muttersprachlicher Unterricht
  • bessere Ausstattung
  • motivierte Kinder
  • Hausaufgabenbetreuung
  • stärkeres Mitspracherecht der Eltern
  • engagierte Lehrer
  • Ferienkurse
  • positives Lernklima

Diese Vorteile klingen überzeugend: Besonders im Hinblick auf marode Gebäude öffentlicher Schulen, Lehrermangel im mathematisch-naturwissenschaftlichen Bereich und qualifizierten Fremdsprachenunterricht. So schlecht wie ihr Ruf sind öffentliche Schulen jedoch nicht. Wie so oft gilt es, im Einzelfall genau hinzusehen und die Situation vor Ort genau zu prüfen. In einer 2011 für die Friedrich-Ebert-Stiftung erstellten Studie kam heraus, dass sich private und staatliche Schulen in Bezug auf die Schulleistung kaum unterscheiden.

Haben Sie ein Kind, das vor der Einschulung steht?

Viele Eltern entscheiden sich schon vor der Einschulung für die private Variante, weil sie den öffentlichen Schulen nichts Gutes zutrauen. Dabei zeigen

Checkliste Einschulung: Privatschule oder öffentliche Schule?

  • Ist das pädagogische Konzept der Privatschule, die Sie für Ihr Kind wählen würden, in Ihrem Sinne?
  • Überprüfen Sie, ob die Familie mit den Grundsätzen konform geht. Wie wichtig ist Ihrem Kind der Zusammenhalt mit seinen Freunden aus dem Kindergarten? Werden es auf die Privatschule einige Freunde begleiten?
  • Ist die Länge des Schulweges vertretbar?
  • Im Laufe der Grundschulzeit sollte Ihr Kind die Möglichkeit haben, nachmittags seine Freunde zu besuchen. Stimmt das Schulklima?
  • Lernen Sie die Lehrkraft kennen, denn in einer Waldorfschule bleibt Sie beispielsweise viele Jahre lang die maßgebliche Bezugsperson. Sind die Kosten für die Privatschule für Ihre Familie auch langfristig tragbar?
  • Können Sie die Anforderungen des geforderten Elternengagements erfüllen?

Untersuchungen immer wieder, dass besonders die Grundschulen in Deutschland sehr gut sind und vielen Privateinrichtungen durchaus das Wasser reichen können. Die folgenden Fragen sollten Sie vor der Entscheidung prüfen, um die richtige Schule für Ihr Kind zu finden.

Achtung: Privatschulkonzepte sind sehr unterschiedlich!

Die rund 3.500 allgemeinbildenden Privatschulen in Deutschland warten mit unterschiedlichen Schwerpunkten und Konzepten auf. Neben bestimmten Ausrichtungen wie Musik, Kunst, Naturwissenschaft, Sport, Sprachen oder Soziales haben auch die Lehrer häufig größere Spielräume bei der Stoffvermittlung. Individualität und Spaß am Lernen werden großgeschrieben, ohne Leistung gibt es aber auch an Privat schulen keine guten Noten. Die Lehrpläne sowie insbesondere die Abschlussprüfungen sind für alle Schüler verbindlich und werden zentral gestellt, ganz gleich ob sie an einer öffentlichen oder an einer Privatschule lernen.

Checkliste Schulwechsel:Von der öffentlichen Grundschule in die private Grundschule oder private Sekundarschule

  • Verkraftet Ihr Kind den Verlust seiner Freunde und Lehrkräfte in der Klasse?
  • Ist es kontaktstark?
  • Findet Ihr Kind den Anschluss an den Lernstand der Klasse beispielsweise in der Fremdsprache?
  • Kann es Lücken leicht aufholen?
  • Kann sich Ihr Kind anderen pädagogischen Konzepten leicht anschließen, zum Beispiel jahrgangsgemischter Unterricht oder Eurythmie (Waldorfschule)?
  • Kann Ihr Kind in der neuen Klasse/Schule probeweise am Unterricht teilnehmen?
  • Gibt es Hilfe und Unterstützung, falls Ihr Kind Probleme mit dem Schulwechsel hat, beispielsweise Schulpaten oder eine individuelle Förderung?
  • Sind ein eventuell weiterer Schulweg und höhere Kosten für die Familie auch langfristig tragbar?

Fakten: Privatschulen in Deutschland

Laut einer Untersuchung des Statistischen Bundesamtes besuchten im Schuljahr 2013/2014 rund 731.000 (10 %) Schüler eine der allgemeinbildenden Privatschulen, und auch die Anzahl der Einrichtungen nimmt weiter zu. In Brandenburg und Berlin haben sich die Privatschulanmeldungen innerhalb von zehn Jahren fast verdoppelt.

Mein Fazit: Privatschulen

Privatschulen sind nicht generell die bessere Wahl, auch wenn der Trend eindeutig zur individuellen Betreuung geht. Die vermeintlichen Vorteile können sich als Illusion entpuppen, beispielsweise bei der Klassenstärke oder beim Fächerangebot. Auch generiert eine hochwertige Ausstattung nicht zwangsläufig einen besseren Unterricht. Neuste Untersuchungen haben gezeigt, dass die Persönlichkeit des Lehrers noch immer der wichtigste Faktor beim Schulerfolg ist. Als Alternative zu einer problematischen öffentlichen Schule sind sie unverzichtbar, ein Garant für den Schulerfolg des Kindes sind sie jedoch nicht

Mein Tipp!

Prüfen Sie immer sowohl die öffentlichen als auch die Privatschulen im Einzugsgebiet, und wägen Sie die Konzepte gegen - einander ab. Stellen Sie dazu eine Plus-Minus-Liste auf.

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