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Lehrerin steht hinter ihrer Klasse
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Fallbeispiel Gymnasium Steinmühle: So gelingt eine gute Schüler-Eltern-Lehrer-Beziehung

Kommunikation mit Lehrern

Am besten lernen Schüler in einem harmonischen Miteinander der gesamten Schulgemeinde. Damit das so ist, müssen auch Schulen ihre Hausaufgaben machen und ihrerseits entsprechende Rahmenbedingungen schaffen. Das Gymnasium Steinmühle aus Marburg an der Lahn verfolgt seit Jahren das Ziel, Schülerinnen und Schülern auf Augenhöhe zu begegnen, mit der Elternschaft konstruktiv zusammenzuarbeiten sowie das positive Klima zwischen Schülern, Eltern und Lehrern in den Vordergrund zu rücken. 

Expertenrat von 

Dazu wurden im Laufe der Zeit etliche Maßnahmen umgesetzt, mit dem Ergebnis, dass (fast) alle Schülerinnen und Schüler sowie die Eltern ihrer Schule die Note 1 geben. Einige auch in anderen Schulen leicht umsetzbare Ideen möchten wir Ihnen in diesem letzten Teil vorstellen. Da etliche Leserinnen und Leser unseres Pubertäts-Überlebensbriefs selbst Lehrer sind oder über ihre Arbeit im Elternbeirat aktiv am Schulleben teilnehmen, könnte diese „Best Practice“ für die Schule Ihres Kindes vielleicht wertvolle Anregungen liefern.

„Wir verstehen Schule als eine Gemeinschaft, die alle Beteiligten im Rahmen ihrer Möglichkeiten und Kompetenzen mitgestalten. Besonderen Wert legen wir dabei auf ein Lehrer-Schüler-Verhältnis, das von gegenseitigem Respekt und Fürsorge geprägt ist.“ Ausgehend von diesen Grundsätzen, hat die Steinmühle eine Form der Gemeinschaft geschaffen, in der nur selten schwierige Gespräche zwischen Schüler und Lehrern oder Eltern und Lehrern geführt werden müssen.

Morgenkreis, Klassenrat, Mediationstage und Feiern

In den Klassen 5 und 6 werden im Morgenkreis zu Beginn und im Klassenrat am Ende der Woche Gruppenprozesse angeleitet sowie Impulse zum sozialen Lernen gegeben. Die Schüler lernen, Probleme offen anzusprechen und eigenverantwortlich zu lösen. Im Rahmen der Mediationstage der Klasse 5 erfahren die Schüler spielerisch und mit vielfältigen Selbsterfahrungsmöglichkeiten auf intensive Weise, dass und warum Konflikte normal sind, welche Möglichkeiten es gibt, sie einzugrenzen und zu lösen oder abzumildern, und wie befreiend eine solche Kultur des Umgangs wirkt. In der Jahrgangsstufe 7 wird dieses Anliegen verstärkt im Hinblick auf die Kooperation in der Gruppe im Rahmen eines dreitägigen Projekts wieder aufgegriffen.

Feiern im Rhythmus der Jahreszeiten sind darüber hinaus wichtige Elemente des Schullebens wie Klassenaktionen, Weihnachtsfeier, Faschingsfest oder Lesenacht.

Hausaufgaben werden zu Schulaufgaben

„Hausaufgaben sind Hausfriedensbruch“ – so lautet der Titel eines Beitrags von Spiegel-Online vom 12.November 2015.Autor Armin Himmelrath findet Hausaufgaben pädagogisch sinnlos, sozial ungerecht und ein Ärgernis. Mit dieser Meinung steht er nicht allein da. In vielen Familien führen Hausaufgaben zu einem Kampf am Nachmittag, abends und sogar am Wochenende. Um diesen Stress aus der Familie zu nehmen, werden in der Steinmühle Hausaufgaben zu Schulaufgaben. In den Klassen 5 und 6 werden überhaupt keine Hausaufgaben aufgegeben, in den höheren Klassen werden die Hausaufgaben im Rahmen der Studiums-Stunden in der Schule erledigt. Natürlich bleibt Schülern auch in der Steinmühle das häusliche Lernen nicht ganz erspart. Dann sind es jedoch neben dem üblichen Vokabellernen zielgerichtete Aufgaben, wie die Vorbereitung auf Klassenarbeiten oder das Vorbereiten von Vorträgen sowie das Erstellen von speziellen Facharbeiten und Praktikumsberichten

Transparenzpapier

Viel Unmut kommt häufig bei Eltern auf, wenn eine Klassenarbeit ansteht und das Kind nicht weiß, was es dafür lernen bzw. wie es sich darauf vorbereiten soll. Spätestens wenn Eltern beginnen, die Verantwortung für das Gelingen der Arbeit zu übernehmen, Bücher und Hefte studieren oder gar im Internet recherchieren, ist Frust vorprogrammiert. An der Steinmühle verpflichtet sich jeder Lehrer dazu, spätestens eine Woche vor der Klassenarbeit allen Schülern ein Transparenzpapier auszuhändigen. Dieses Papier listet alle für die Klassenarbeit relevanten Themen auf, in den unteren Klassen machen die Lehrer zusätzlich zu den Themen entsprechende Übungsvorschläge in Büchern und Heften sowie Links zu Übungsseiten im Internet. Auf diese Weise wissen sowohl Schüler als auch deren Eltern, welche Anforderungen gestellt werden und worauf die Kinder sich gezielt vorbereiten können.

Schüler-Lehrer-Gespräche

Einmal im Halbjahr führen die Klassenlehrer und Tutoren mit jedem Schüler einzeln ein intensives Beratungsgespräch zur Lernsituation. Hier erhält der Schüler ein detailliertes Feedback zum Lernstand und bespricht mit dem Klassenlehrer oder Tutor weitergehende sinnvolle Ziele und Maßnahmen. Vom Schüler wird erwartet, dass er sich gründlich auf dieses Gespräch vorbereitet. Dazu erhält er vorab einen persönlichen Fragebogen

Schüler-Eltern-Lehrer-Sprechtag

Die Steinmühle hat erkannt, dass Gespräche zwischen Eltern und Lehrern im Rahmen eines Elternsprechtags oft wenig produktiv sind. Statt mit dem Kind wird dort über das Kind gesprochen, und die Eltern geben ihre persönlichen Eindrücke bzw. Erkenntnisse aus dem Gespräch schließlich an ihr Kind weiter. Dieses Stille-Post-Prinzip führt nicht selten zu Missverständnissen und Unmut. Daher treffen sich an der Steinmühle Schüler, Eltern und Lehrer am Sprechtag. Vor den Augen der Eltern erhält das Kind eine Rückmeldung. So können mögliche unterschiedliche Standpunkte gemeinsam geklärt werden. Wenn die Gesprächszeit auf dem Sprechtag nicht ausreicht, um alle Fragen zu beantworten, wird vor Ort ein neuer Termin vereinbart.

Evaluation und Feedbackverfahren

Die Form des Sprechtags als Schüler-Eltern-Lehrer-Sprechtag wird von Schülern, Eltern und Lehrern durchweg positiv beurteilt. Das ergab eine entsprechende Evaluation. Umfrage- und Feedbackverfahren sind an der Steinmühle ein wesentlicher Teil des Qualitätsmanagements, um Prozesse in der Schule sicht- und messbar zu machen. Die Schüler- und Elternzufriedenheit spielt bei vielen Evaluationen eine zentrale Rolle. Von den Eltern der Klassen 5 und 6 erhält die Schule so eine konkrete Rückmeldung, wie gut ihr Kind „in der Schule angekommen ist“, wie wohl es sich in der Klasse fühlt und wie stark die außerschulische Belastung ist. Die Eltern der Klassen 7 bis 10 werden gefragt, wie stark und auf welche Weise sie sich in die schulischen Belange, z.B. vor Klassenarbeiten oder zum Schließen stofflicher Lücken, einmischen müssen. Auch interessiert es die Schule, ob zusätzlich Nachhilfe in Anspruch genommen werden muss. Die Lehrer der Schule selbst erhalten darüber hinaus von ihren Schülern mit Hilfe eines Feedbackbogens eine Rückmeldung über ihren Unterricht. Diese Befragung ist anonym und lediglich für den jeweiligen Lehrer bestimmt, der anschließend selbst seine Schlüsse daraus ziehen kann

Unterrichtsgarantie

Konflikte zwischen Eltern, Lehrern und der Schulleitung entstehen nicht selten, wenn aufgrund einer Erkrankung Unterricht häufiger und sogar über einen längeren Zeitraum ausfällt. Eltern jüngerer Kinder müssen nicht nur kurzfristig die Betreuung sicherstellen, auch macht sich hin und wieder die Befürchtung breit, dass durch den Unterrichtsausfall größere stoffliche Lücken entstehen, die vor der kommenden Klassenarbeit nicht mehr geschlossen werden können. Die Steinmühle versteht sich in diesem Fall als „verlässliche Schule“, in der es keinen Unterrichtsausfall in den Klassen 5 bis 10 gibt. Abwesende Lehrkräfte werden durch andere Lehrer vertreten. Die Schule organisiert dazu mit dem Kollegium ein festes Bereitschaftssystem. Die Unterrichtsgarantie wird außerdem sichergestellt durch den Einsatz eines Teams von pädagogisch qualifizierten Lehrerassistenten, in der Regel Lehramtsstudenten höherer Semester. Auch in der Oberstufe organisiert die Schule einen Vertretungsunterricht, für den Nachmittagsunterricht der Oberstufe werden im Falle erkrankter Lehrer selbstständig zu Hause zu erarbeitende Arbeitsaufträge gegeben

Schulinterne Lehrerfortbildung

Im Rahmen eigener Fortbildungstage bietet die pädagogische Leitung der Steinmühle dem Kollegium regelmäßig Fortbildungen unter anderem zu den Themen Resilienz und Lehrergesundheit an. Das Thema „Führen von Elterngesprächen“ fand ebenfalls starkes Interesse im Kollegium. Befragt man Lehrerinnen und Lehrer unterschiedlichster Schulformen nach ihren größten Stressfaktoren, nennen viele übrigens das Thema „Gespräche mit Eltern“. Dass ein gutes Klima zwischen Schülern, Lehrern und Eltern eine wichtige Voraussetzung für erfolgreiches Arbeiten ist, darüber sind sich alle einig.

 

 

 

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