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Viele Kinder bangen ob der Reaktion der Eltern auf Ihr Zeugnis.

Mit Zeugnisnoten besser umgehen

Wenn Ihr Kind mit dem Zeugnis nach Hause kommt.

Bald schon beginnen die Sommerferien. Herrliche sechs Wochen Ferien und süßes Nichtstun! Vorher allerdings steht noch die Zeugnisausgabe an. Dieser Moment wird von vielen Schülern gefürchtet: Wie werden die Eltern auf die Zeugnisnoten reagieren? Lesen Sie, wie Sie den Zeugnistag ruhig angehen und außerdem, wie Sie unangenehme Überraschungen vermeiden sowie gegen unverständliche Noten vorgehen können. 

Expertenrat von 
Annette Holl, Grundschullehrerin

Viele Eltern fragen in Elterngesprächen hauptsächlich nach den Leistungen ihres Kindes in Deutsch, Mathematik und eventuell noch im Sachunterricht. Keine Frage: Die kognitiven Leistungen sind wichtig. Loben Sie Ihr Kind ausdrücklich für gute Noten, egal ob in der Klassenarbeit oder im Zeugnis. Allerdings ist dies nur eine Facette der Persönlichkeit Ihres Kindes.

Gute Noten sind nicht alles! 

Beachten Sie auch die folgenden Fähigkeiten Ihres Kindes: 

  • Der Berichtteil über das Lern- und Arbeitsverhalten bzw. die Kopfnoten sind von genauso großer Bedeutung wie die Leistungen in den einzelnen Fächern. Zeigen Sie Ihrem Kind Ihre Freude, wenn der Lehrer Ihnen von seiner Zuverlässigkeit, Hilfsbereitschaft oder Freundlichkeit erzählt.
  • Auch die Hausaufgaben haben eine wichtige Funktion für das Zeugnis. Erledigt Ihr Kind sie regelmäßig und ordentlich? Oder führt es vielleicht manchmal sogar zusätzliche Aufgaben aus? Dann sichert es sich auf jeden Fall positive Bemerkungen oder gute Kopfnoten. Fragen Sie den Lehrer Ihres Kindes unbedingt, ob er ab und zu Hausaufgaben benotet (z.B. ein auswendig gelerntes Gedicht). So kann Ihr Kind ganz einfach seine Note in einem Fach verbessern.
  • Vielleicht hat der Lehrer freiwillige Leistungen Ihres Kindes (z.B. außerordentliche Ausführung von Klassendiensten oder die Mitarbeit im Schulgarten bzw. in der Schulbücherei) hervorgehoben? Bringen Sie Ihre Wertschätzung zum Ausdruck! Für beruflichen Erfolg sind neben fachlicher Kompetenz (sprich guten Noten in Deutsch und Mathematik) auch Engagement, Einfühlungsvermögen sowie soziale Kompetenz („soft-skills“) entscheidend.

Familienkrise? So entspannen Sie den Zeugnistag in Ihrer Familie

Jedes Jahr kurz vor den Sommerferien erschrecken Zeitungsmeldungen über Kinder, die wegen Ihres Zeugnisses von zu Hause weglaufen. Sie fühlen sich überfordert, unter Druck gesetzt und haben Angst, ihren Eltern schlechte Schulnoten zu präsentieren. Ersparen Sie Ihrem Kind diese Sorgen. Nehmen Sie dem Zeugnistag etwas von seinem Schrecken und gehen Sie folgendermaßen vor:

  1. Nehmen Sie sich genügend Zeit für ein Gespräch.
    Signalisieren Sie Ihrem Kind, dass Ihnen der Moment, wenn es mit seinem Zeugnis nach Hause kommt, wichtig ist. Nehmen Sie sich ausreichend Zeit, um mit ihm gemeinsam sein Zeugnis anzuschauen. Haben Sie mehrere Kinder, sollten Sie auf jeden Fall Einzelgespräche führen. Besprechen Sie dabei jede einzelne Schulnote, und beachten Sie alle Bemerkungen.
Mein Tipp
Ein gutes Zeugnis wird von vielen Eltern häufig lapidar mit „Das habe ich von dir ja nicht anders erwartet!“ quittiert. Das kann von Ihrem Kind als Nichtanerkennung seiner Anstrengungen empfunden werden. Zeigen Sie unbedingt durch ein ausdrückliches Lob oder eine Belohnung Ihre Freude und Anerkennung! 
  1. Besprechen Sie gute Noten zuerst.
    Achten Sie darauf, unbedingt mit einem Erfolg zu beginnen. Wo hat Ihr Kind sich verbessert, oder wo wurde es vom Lehrer gelobt? Es geht dabei nicht darum, die schlechteren Noten schönzureden, sondern die besonderen Fähigkeiten Ihres Kindes hervorzuheben. Ob Sie die guten Noten und Verbesserungen mit Gesten (z.B. das Leibgericht zum Mittagessen), gemeinsamen Unternehmungen (wie z.B. ein Kinobesuch) oder Geld belohnen, bleibt Ihnen überlassen. Wichtig ist, dass Sie Ihre Wertschätzung sichtbar zeigen.
  2. Schauen Sie sich dann die schlechteren Leistungen an.
    Zeigen Sie Ihrem Kind, dass schlechte Noten keine Katastrophe sind. Vielmehr erfahren Sie so, in welchen Fächern Ihr Kind noch Schwierigkeiten oder Probleme hat. Schimpfen Sie nicht, denn Druck oder Zwang führen erwiesenermaßen nicht zu einer Leistungssteigerung. Außerdem ist Ihr Kind sicherlich sowieso enttäuscht oder traurig und muss durch Ihre Kritik nicht zusätzlich bestraft werden. Zeigen Sie ihm stattdessen mit einer Umarmung, dass es auch mit Fehlern angenommen ist und Ihre Liebe nicht von guten Schulnoten abhängt.
  3. Suchen Sie nach den Ursachen.
    Überlegen Sie zusammen mit Ihrem Kind, woran es gelegen hat, dass es eine Verschlechterung gegeben hat. Achten Sie darauf, dass Ihr Kind nicht beim Jammern bleibt (z.B. „Die anderen haben mich immer abgelenkt“), sondern eigene Schwächen eingesteht (z.B. „Ich habe meine Hausaufgaben nicht immer gemacht“ oder „Ich habe die Vokabeln nicht abfragen lassen“).
  4. Besprechen Sie Lösungswege.
    Erarbeiten Sie Wege, die zu einer Verbesserung führen könnten (z.B. Hausaufgaben machen mit einer befreundeten Studentin, konsequentes tägliches Lesetraining oder auch Nachhilfe). Halten Sie diese am besten schriftlich fest, damit sie nach den Ferien nicht in Vergessenheit geraten. Lassen Sie Ihr Kind durch seine Unterschrift bestätigen, dass es mit diesen Vorsätzen einverstanden ist.
  5. Legen Sie das Zeugnis und das Blatt mit den Vereinbarungen dann weg.
    Jetzt sind Ferien! Gestalten Sie den Tag positiv weiter. Spielen Sie zusammen, oder machen Sie einen kurzen Ausflug. Ihr Kind wird den Tag immer mit etwas Angenehmen verbinden.
Mein Tipp 
Gerade Kinder mit Lernschwierigkeiten sind vom Schulalltag, von den oftmals zeitaufwändigen Hausaufgaben, zusätzlichem Üben zu Hause und/oder eventuellen Nachhilfestunden sehr angestrengt. Dennoch möchten Sie vielleicht, dass Ihr Kind in den Ferien etwas übt? Gönnen Sie Ihrem Kind unbedingt eine zweiwöchige Lernpause und ein paar lernfreie Tagen am Ferienende! In den anderen Wochen kann Ihr Kind an drei oder vier Tagen lernen. So wird es entspannt und frei von sonstigen Verpflichtungen wie Sportverein oder Klavierstunde schulische Lücken füllen. 
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Kommentare zu "Mit Zeugnisnoten besser umgehen"

  • Franz Josef Neffe schreibt am 08.02.2013

    Ist das nicht geradezu haarsträubend, dass jedes Jahr zweimal die Pädagogikprofis den Laien = Kindern + Eltern ihre eigenen ungelösten Probleme in Form eines sog. Zeugnisses aufnötigen?
    Als Ich-kann-Schule-Lehrer tät ich mich doch schämen, mein Gehalt dafür zu nehmen, dass ich die Probleme nicht lösen kann und die Eltern das dann mit den Kindern irgendwie in den Ferien für mich machen sollen.
    Also, entweder kann ich LEHREN (= in der Ich-kann-Schule ein mitreißendes Vorbild für LERNEN SEIN), dann bin ich Lehrer, oder ich kann es nicht, dann bin ich der übliche Unterrichtsvollzugsbeamte.
    Wenn ich Kinder über Jahre hinweg zuschaue, wie sie "in ihren Leistungen absacken", dann muss ich SCHULE ZUMACHEN. Eine Werkstatt, die keine Autos reparieren kann, muss das auch.
    Bei meinen jahrzehntelangen Recherchen für die neue Ich-kann-Schule ist mir etwas besonders aufgefallen: Immer wo die Probleme wachsen, macht die Pädagogik immer mehr DRUCK. Von Druck werden die Talente nicht satt sondern matt und platt.
    In der neuen Ich-kann-Schule gilt das SOG-Prinzip. Dafür lässt man sich was einfallen, was ZIEHT.
    SOG richtet auf, macht wachsen und man kann die Kräfte damit mühelos punktgenau lenken. Außerdem LÖST Sog - das ist die Grundbedingung für echte LÖSUNG.
    Mit Zeugnis und Zeugnisnoten sollten erst mal die Lehrer umgehen lernen. Und die Medien sollten aufhören, durch das Wiederkäuen von Stansdardfloskeln für Eltern, mit denen noch nie Probleme gelöst wurden, von diesem wichtigen und grundlegenden Schritt abzulenken.
    Ich grüße freundlich.-
    Franz Josef Neffe
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