Kommentare:
© morelia1983 - Fotolia.com

Mutterpass

Was warum drin steht

Den Personalausweis führen viele Menschen mit sich seitdem sie sechzehn waren. Wenn eine junge Frau schwanger ist, gibt es einen weiteren Ausweis, den sie ständig bei sich tragen sollte: Den Mutterpass.  

Expertenrat von 
Ingrid Neufeld, Erzieherin

Er ist übrigens keine vollkommen neue Erfindung. Schon Ihre Mutter hatte bei der Schwangerschaft mit Ihnen einen Mutterpass. Denn es gibt ihn schon seit 1961. Sie erhalten den Pass, sobald der Arzt Ihre Schwangerschaft feststellt. Von jetzt an sollten Sie ihn immer bei sich tragen und auf jeden Fall zu jeder Untersuchung mitbringen. Denn er enthält alle wichtigen Daten für Ihre Gesundheit und das Wohlbefinden Ihres Babys. Sollte es plötzlich zu einem unerwarteten Notfall kommen, wissen auch fremde Ärzte sofort Bescheid. Denn sie können die relevanten Daten sofort dem Mutterpass entnehmen.

Das steht im Mutterpass

Selbstverständlich stehen Ihr Name und Ihre Adresse im Mutterpass, genauso wie Ihr Geburtsdatum.  Auf der zweiten Seite finden sich die serologischen Untersuchungen,  Ihre Blutgruppe, der Rhesusfaktor und ein  Antikörper-Suchtest. Besonders wichtig ist der „Röteln-HAH-Test“, denn Röteln sind zwar eine harmlose Krankheit, aber in der Schwangerschaft sind sie mit einem großen Risiko mit dem Kind verknüpft. Meistens besteht jedoch schon ein Impfschutz aus einer früheren Impfung. Sollte die Immunität nicht ausreichen, müssen Sie den Kontakt zu möglich Infizierten die nächsten neun Monate meiden.  Eine Impfung in der Schwangerschaft ist nicht möglich.

Auf der nächsten Seite werden Testergebnisse eingetragen, bei denen auf Chlamydien getestet wurde. Bei einem positiven Test ist eine Antibiotika-Behandlung notwendig. Auch auf LRS, die früher gefürchtete Syphilis wird getestet. Bei unklarem Antikörper-Suchtest stehen hier Kontrollergebnisse. Bei nicht eindeutigem Rötel-Test wird ein Kontrollbefund erhoben. Das HBs Antigen weist eine eventuelle Hepatitis B Erkrankung nach, bei der das Kind durch Impfung geschützt werden kann.

Auf der folgenden Seite finden sich Eintragungen zu vorangegangenen Schwangerschaften.

Danach folgen allgemeine Befunde zur Anamnese. Auch die Anzahl der Schwangerschaften werden aufgeführt. Beinhaltet sind hier bei Gravida auch die erlittenen Fehlgeburten.  Bei Para finden sich lediglich die tatsächlichen Geburten.

Die nächste Seite beschäftigt sich mit den Befunden im Schwangerschaftsverlauf.

Dabei enthält die Seite viele Fachausdrücke, beispielsweise „Placenta praevia“, was bedeutet, dass der Mutterkuchen vor dem inneren Muttermund liegt und den normalen Geburtsweg versperrt. Das „Hydramnion“ heißt, dass sich das Fruchtwasser auf mehr als zwei Liter vermehrt hat, während „Olygohydramnion“ eine zu geringe Fruchtwassermenge bedeutet. Die „Plazenta-Infsuffizienz“ weist auf eine Funktionsstörung des Mutterkuchens hin, bei der das Baby nicht mit genügend Nährstoffen versorgt wird. Eine „Isthmozervikale Insuffizienz“ ist eine Schwäche des Gebärmutterhalses, eine „Anämie“ bedeutet mütterliche Blutarmut und ein „Indirekter Coombstest positiv“ heißt, dass im Blut der Mutter Antikörper gegen Blutgruppen gefunden wurden. „Ödeme“ sind eine Wasseransammlung im Gewebe und „Hypotonie“ ist ein zu niedriger Blutdruck.

Auch auf der nächsten Seite gibt es viele wichtige Informationen. Das „Gravidogramm“ bedeutet Schwangerschaftsaufzeichnung und enthält den genauen Schwangerschaftsverlauf.

Hier sehen Sie in welcher Schwangerschaftswoche Sie sich befinden. Die Schreibweise 16 + 2 heißt beispielsweise Sie befinden sich sechzehn Wochen und zwei Tage lang in der Schwangerschaft. Die Schwangerschaftswoche ist also die 17. SSW.  Der Fundusstand N/0 heißt beispielsweise, dass das Kind am Nabel getastet werden kann. Auch die Lage des Kindes wird jedes Mal aufgezeichnet.  SL heißt Schädellage, der Kopf liegt unten und kommt am häufigsten vor. BEL bedeutet Beckenendlage, auch als Steißlage bekannt. QL ist eine Querlage. Das Kind liegt im Wortsinne quer im mütterlichen Bauch. Die Herztöne sind ab der 7. Schwangerschaftstöne zu hören. Der Arzt trägt ein Pluszeichen ein. Ab der 17. Woche spürt die Mutter Kindsbewegungen. Diese werden ebenfalls als Pluszeichen registriert. Doch auch das Gewicht der Mutter wird regelmäßig kontrolliert und eingetragen. Genauso wie die Blutdruckwerte. Bei einer Urinuntersuchung werden Zucker, Eiweiß, Nitrit und Blut bestimmt. Bei der vaginalen Untersuchung wird überprüft, ob der Muttermund geschlossen ist.

Auf der nächsten Seite werden Besonderheiten, stationäre Behandlungen und cardiotokographische Befunde notiert.

Das Kind wird auch durch regelmäßige Ultraschalluntersuchungen überwacht. Die Untersuchungsergebnisse werden auf einer eigenen Seite festgehalten. Dabei werden Fruchtwassermenge, die körperliche Entwicklung,  der Körperumriss, die Herztätigkeit, die Bewegung und die fetalen Strukturen, also die kindlichen Organe festgehalten.
Wenn zusätzliche Untersuchungen notwendig werden, sind diese auf der nächsten Seite eingetragen.

Auf der nächsten Seite kann der Wachstumsverlauf des Babys auf einem Blick festgestellt werden.

Wenn Verdachtsmomente für Abweichungen bestehen, können weitergehende Untersuchungen vorgenommen werden, die auf der nächsten Seite festgehalten werden.

Auf der folgenden Seite gibt es abschließende Eintragungen zur Geburt, wie Schnittentbindung, (S) oder Spontangeburt (SP), oder auch Zangen- oder Saugglockengeburt (Vag.Op.) Weiterhin ist es auch von Interesse, wie die Kindslage war, also SL für Schädellage, oder BEL (Beckenendlage), oder QL (Qerlage. Doch auch Angaben zur Erstuntersuchung des Babys finden sich hier. Die Apgar-Zahl gibt Auskunft über die Lebensfrische des Babys und der Ph-Wert über den Säuregrad des Nabelschnurblutes.

Auf der letzten Seite werden nachgeburtliche Untersuchungen eingetragen. Die Angaben zum Wochenbett und den ersten U-Untersuchungen fürs Baby beschließen den Mutterpass.

Mehr zum Thema von unseren Elternwissen-Experten

Kommentare zu "Mutterpass"

Sagen Sie Ihre Meinung und schreiben Sie einen Kommentar!




Warum stellen wir so dumme Fragen?
Hinweis: aus rechtlichen Gründen erscheint Ihr Kommentar nicht sofort, sondern muss zuerst durch einen Moderator freigeschaltet werden.
Spamschutz

Der Grund, weshalb wir Sie nach der Geburt fragen, ist die Vermeidung von Spam durch automatisierte Spam-Bots.

Solche Spam-Bots versuchen durch massenhafte Einträge von Links in Kommentarfeldern und Gästebüchern Traffic für ihre Angebote zu erzeugen. Daher stellen wir einfache Fragen, die ein echter Nutzer ohne Probleme beantworten kann, während automatisierte Spam-Bots daran meist scheitern (Captcha-Test).

Eine Alternative zu solchen individuellen Fragen sind Bild-Captchas, bei denen verzerrt dargestellte Buchstaben oder Zahlen abgetippt werden müssen. Aufgrund des erhöhten "Nerv-Faktors" dieser Bild-Captchas haben wir uns für aber für erstere Variante entschieden.

Kostenlose Tipps zum Thema "Geburt und Geburtsvorbereitung" per E-Mail

Sollen wir Sie mit neuen Tipps und Artikeln zum Thema "Geburt und Geburtsvorbereitung" kostenlos per E-Mail auf dem Laufenden halten?