Aua, mein Kopf!

10.02.09

Uns Frauen wird ja gerne mal nachgesagt, dass wir Kopfschmerzen als Ausrede vorschieben. Geeignet wären sie ja: Von außen sieht man nichts, aber innen tut es höllisch weh! Da ich selbst vor allem früher unter schweren Migräneanfällen gelitten habe, ärgert mich das „Drückeberger-Image“ dieser unangenehmen und äußerst schmerzhaften Krankheit ganz besonders. Leider tritt nun auch meine Tochter Hanna in meine Fußstapfen. Ungewöhnlich ist das nicht, denn sogar Kleinkinder können schon von Migräne geplagt sein.

Gestern kam sie von der Schule nach Hause und klagte über Kopfweh („Mama, da rechts in der Schläfe tut es weh!“). Da gerade die Grippe umgeht, habe ich erst einmal Fieber gemessen. Hatte sie aber nicht. Also machte ich ihr eine große Tasse Tee und steckte sie ins Bett. Wussten Sie, dass Migräneanfälle häufig durch Unregelmäßigkeiten beim Essen (Unterzucker) und Trinken (Flüssigkeitsmangel) ausgelöst werden? Und dass bei Kindern ein bis zwei Stunden Schlaf am allerbesten wirken? Danach ist die Migräne vorbei und der kleine Patient fühlt sich wieder fit. Glücklicherweise war es auch bei Hanna so und sie konnte danach ihre Hausaufgaben erledigen.

Bei Erwachsenen dauern die Anfälle in der Regel deutlich länger (bis zu 72 Stunden) und lassen sich mit Schlaf allein leider meist nicht bekämpfen. Aber das ist nicht die einzige Besonderheit der Migräne im Kindesalter. Manchmal wird sie daher gar nicht richtig erkannt. Deswegen hier die wichtigsten Unterschiede und Anzeichen im Vergleich zum Erwachsenen:

  1. Bis zur Pubertät sind Mädchen wie Jungen gleichermaßen häufig betroffen. Erst danach trifft es vorwiegend das weibliche Geschlecht.
  2. Im Fall einer Migräneattacke unterbrechen Kinder ihre Tätigkeit (hören z. B. auf zu spielen), sind blass und wollen sich hinlegen. Oft schlafen sie dann ein und wachen nach kurzer Zeit meistens beschwerdefrei wieder auf.
  3. Die Anfälle sind bei Kindern kürzer als bei Erwachsenen und dauern oft nur zwei Stunden oder sogar weniger.
  4. Migränekopfschmerzen sind bei Kindern häufig beidseitig und auch auf der Stirn. Bei Erwachsenen ist der Schmerz in der Regel einseitig.
  5. Auch Kinder können eine so genannte Aura mit neurologischen Ausfällen (Sprachstörungen, Gefühlsstörungen in den Händen, Flimmern vor den Augen, Lichtblitze) bekommen. Typisch ist auch das Alice-im-Wunderland-Syndrom. Dann sehen die Kinder „phantastische Bilder“.
  6. Oft stehen gar nicht die Kopfschmerzen im Vordergrund, sondern die Begleitsymptome wie Übelkeit und Erbrechen oder auch Schwindelattacken.
  7. Es gibt sogar eine reine „Bauch-Migräne“. Die betroffenen Kinder haben anfallsartige Bauchschmerzen um den Nabel herum oder im gesamten Bauch, die zwischen einer und 72 Stunden dauern. Den Kindern ist übel und in der Hälfte der Fälle müssen sie auch erbrechen. Sie wollen sich hinlegen, sind meist auch empfindlich gegenüber Lärm und Licht.


Mein jüngster Migränepatient war übrigens ein zweieinhalbjähriger Junge mit schweren und häufigen Anfällen – das war echt ein armer Kerl! Und leider behalten etwa 60 Prozent der betroffenen Kinder die Migräne auch nach der Pubertät noch. Bei erblicher Vorbelastung in der Familie liegt die Rate sogar noch deutlich höher. Da hat Hanna also eher schlechte Chancen…

 

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