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Die Qual der Schulwahl

02.12.09

Mir ist momentan überhaupt noch nicht richtig adventlich zumute und da helfen auch Adventskranz, Adventskalender und der Türkranz mit dem Weihnachtsmann nichts. Denn ich quäle mich gerade mit Überlegungen zur richtigen Schulwahl für Martin und Hanna. Nanu, so früh im Schuljahr, werden sich jetzt viele von Ihnen sicher denken. Aber wie Sie wissen, wohnen wir im tiefsten Oberbayern direkt an der österreichischen Grenze und haben somit auch die Möglichkeit, unsere Kinder an ein Gymnasium nach Salzburg zu schicken. Und die dortigen Gymnasien haben alle im November und Anfang Dezember ihren Tag der offenen Tür.

Heute habe ich mir ein musisches Gymnasium angesehen, einen gymnasialen Zweig, den es in einem für uns erreichbaren Umkreis in Deutschland gar nicht gibt. Aber Salzburg hat gleich zwei musische Gymnasien, die jedoch sehr bestürmt werden – auch von uns Bayern. Von all den Schülern, die dort angemeldet werden, werden nach Aufnahmeprüfungen nur 20 bis 25 Prozent genommen.

Seit wir in Deutschland das G8, also das achtjährige Gymnasium haben, haben die Salzburger Gymnasien einen ganz besonderen Charme für mich. Dort hat man immer schon nach nur acht Jahren das Abitur (bzw. die Matura) erreicht und die Lehrpläne sind entsprechend ausgerichtet. Aber an deutschen Gymnasien wurde durch das G8 gerade in der Unterstufe der Druck enorm verschärft. Schon in der sechsten Klasse kommt die zweite Fremdsprache hinzu. Salzburger Schüler fangen damit erst in der siebten Klasse an. Das ist für mich ein entscheidender Vorteil! Geschenkt wird den Schülern hier wie da nichts und fleißig lernen müssen sie überall, aber dieser unnötige G8-Druck fehlt in Österreich wenigstens!

Ein Gymnasium in Salzburg würde mir für meine Kinder gut gefallen, aber ob wir einen Platz bekommen, ist natürlich überhaupt nicht sicher – musikalische „Wunderkinder“ sind Hanna und Martin zumindest nicht! Es will ja nicht nur überlegt sein, ob Gymnasium in Deutschland oder in Salzburg, sondern auch welcher Zweig. Ein sprachlicher Zweig mit mehr als den obligatorischen zwei Fremdsprachen kommt für beide Kinder nicht in Frage, denn Hanna mit ihrer Legasthenie hat mit jeder Fremdsprache wieder die gleichen Probleme wie in Deutsch. Martin ist auch kein Ass im Rechtschreiben und zudem (ich gestehe) auch nicht unbedingt der Fleißigste, sodass Vokabelpauken für drei und mehr Fremdsprachen (im Europagymnasium sind beispielsweise vier Fremdsprachen Pflicht!) nicht gerade ideal ist.

Die totalen Mathe-Cracks sind meine Kinder nun aber auch nicht, sodass ich auch beim mathematisch-naturwissenschaftlichen Zweig so meine Bedenken habe. Mathe kapiert man – oder eben nicht, da kann man nicht wirklich lernen. Ich habe zwar früher, als ich noch ans Gymnasium ging, selbst Mathe-Nachhilfe gegeben, aber immer nur für Schüler zwei oder mehr Jahrgangsstufen unter mir. Denn es hat immer zwei Jahre gedauert, bis ich den Mathestoff wirklich bombensicher beherrschte – dafür konnte ich ihn dann auch prima erklären. Aber beim aktuellen Mathestoff hat es immer nur für eine Drei gereicht…

Deswegen schiele ich derzeit eben nach dem musischen Gymnasium, weil Hanna und Martin zumindest musikalisch sind, beide mehrere Jahre im Chor gesungen haben, jeder ein Instrument spielt und weil es im musischen Gymnasium nur zwei Fremdsprachen gibt. Doch dann steht man schon wieder vor der Frage: Welche Fremdsprachen? Englisch und Französisch oder Englisch und Latein oder doch besser die Kombi Latein plus Englisch?

Ich habe damals am Gymnasium mit Englisch begonnen und in der siebten Klasse Latein genommen, weil ich dachte, das wäre sinnvoll wegen des geplanten Medizinstudiums. Dafür hätte ich aber gar kein Latinum gebraucht und ich bereue es bis heute, dass ich kein Französisch kann! Französisch ist aber nun eine Sprache, die man völlig anders schreibt als man sie spricht – also „Gift“ für Kinder mit Legasthenie wie Hanna! Da wäre Latein wesentlich günstiger, da die Wörter so geschrieben werden wie sie gesprochen werden. Nur kann man sich auf Lateinisch nun mal nicht unterhalten…

Gerade für Hanna überlege ich, ob nicht die Mädchenrealschule am Ort bei uns vielleicht doch die bessere Alternative ist. Einerseits hat die Schule einen sehr guten Ruf und andrerseits muss sie dort nur eine Fremdsprache, nämlich Englisch, lernen. Doch Abitur wäre – sofern es zu schaffen ist – schon schön, weil sich meine Kinder dann später in alle Richtungen entscheiden können…

Sie sehen, ich zermartere mir jetzt schon den Kopf, obwohl Hanna und Martin noch gar kein Übertrittszeugnis in der Tasche haben. Aber in dem musischen Gymnasium, das ich mir heute angesehen habe, muss man die Kinder bis 23.12. anmelden, um einen Termin für die Aufnahmeprüfungen Anfang Februar zu bekommen.

Möglicherweise haben Sie auch gerade ein Kind in der vierten Klasse und schlagen sich mit ähnlichen Überlegungen herum. Vielleicht wollen Sie mir Ihre Gedanken dazu als Kommentar schreiben?
 

 

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Die neuesten Kommentare zum Artikel "Die Qual der Schulwahl":

Anzeige: 1 - 2 von 2.
SosiPK schreibt am Donnerstag, 10.12.09 20:36:

Liebe Frau Dr. Schmelz,
es tut so gut, Ihre ehrlichen Selbstberichte zu lesen, denn Sie sprechen mir sehr oft aus dem Herzen.
Nun bin ich zwar noch nicht in Ihrer Zwickmühle, meine Jungs sind noch nicht mal in der Schule, aber auch bei uns stellt sich zum einen die Frage, Kita bis zur Schule oder Vorschule ab 5 Jahre. Und dann noch das leidige Schulthema. Es gibt m.E. keine Eltern, die nicht das Beste für ihre Kinder wünschen und dies auch durch die richtige Schulwahl unterstützen wollen. Aber wie Sie richtig ausführen, ist der gymnasiale Abschluß mit G8 - wie ja aktuell in Deutschland eingeführt - für die Kinder die Hölle auf Erden. Ich habe schon sehr viel darüber gehört und gelesen, aber übereinstimmend nicht einen positiven Kommentar.
Ihr Bericht über die österreichische Variante bestärkt mich mal wieder in meiner Verzweiflung, dass andere Länder gute und richtige Dinge umsetzen und realsieren mit Sinn, Verstand, Konzept und Vorbereitungszeit - wann auch immer das war. Bei uns wird wie so oft in blindem Aktionismus eine gute Idee einfach in bestehende Systeme gepreßt, ohne zu schauen, wie es denn realisierbar ist, ob genügend Ressourcen vorhanden sind und die Konzepte auch passen. Schade, dass damit gute Ideen zu unrecht ein schlechtes Image bekommen.
Bzgl. Ihrer Überlegungen zur Ausrichtung kann ich nur auf meine eigenen schulischen Erfahrungen zurückgreifen, die dann doch schon etwas zurückliegen. Ich habe in einem altsprachl. Gymnasium mit Latein angefangen - und es gehaßt. Aber es hat mir definitiv nicht geschadet. Dann kam Englisch und als 3. Sprache habe ich mich für Französisch und gegen Altgriechisch entschieden - und das war auch absolut richtig. Mit Legastenie habe ich keine Erfahrungen, kann nur sagen, wenn man sich für Sprache, Land und Leute interessiert, kann man jede Sprache lernen. Und ich pflichte Milagres bei: Englisch wird mit der Zeit immer schwieriger aufgrund der vielen Ausnahmen, Französisch immer einfacher und logischer.
Ich wünsche Ihnen gute Entscheidungen und Ihren Kindern viel Spaß mit Ihrer Wahl.

Milagres schreibt am Montag, 07.12.09 17:56:

Hallo,
dieses Vorurteil gegenüber Französisch habe ich schon oft gehört. Aber in der französischen Sprache gibt es für den Unterschied zwischen Schreiben und Sprechen wenigstens klare Regeln, während es bei der englischen Sprache, die immer als so supereinfach angepriesen wird völlig beliebig zugeht.
Mein Pflegesohn hatte die Möglichkeit ab der 1. Klasse freiwillig Französisch zu lernen, und ab der 3. Klasse hatte er Englisch als Pflichtfach. Er sagte dann immer, dass Französisch leichter wäre als Englisch und ihm auch besser gefallen würde. Sein Verhältnis zu Englisch besserte sich dann in der 4. Klasse, als seine Englischlehrerin und deren Tochter (beide als Anfänger) gemeinsam mit ihm Französisch lernten und er ihnen noch so manchen Aussprachetip geben konnte. Das hilft ihm jetzt in der 5. Klasse auch für den Englischunterricht, der ihm inzwischen gut gefällt, während er mit der deutschen Rechtschreibung große Probleme hat. Und obwohl er nicht gerade der fleißigste Schüler ist, würde er gern zusätzlich weiter Französisch lernen, was aber im Moment leider nicht möglich ist.
Übrigens sagte eine meiner früheren Französischlehrerinnen mal: "Englisch ist auch nur schlecht gesprochenes Französisch."
Und auch in Bezug auf unsere Nachbarschaft zu Frankreich sollten eigentlich viel mehr Kinder Französisch lernen, weil man es im Gegensatz zu Latein jederzeit praktisch gebrauchen kann - bei einem bisschen guten Willen.
Nun noch kurz zu der Frage der Wahl des Schultyps nach der 4. Klasse. Ich finde das einfach viel zu früh, auch aus meiner eigenen Erfahrung. Obwohl ich immer gut in der Schule war, hat es mir nicht geschadet, bis zur 8. Klasse mit allen Kindern gemeinsam zu lernen und erst dann in die Vorbereitungsklasse fürs Abitur zu gehen, was ja dann auch mit täglichen Zugfahrten und dadurch Freizeitverlust verbunden war.
Und Felix wäre auch gern noch lieber mit seinen Freunden von der Grundschule zusammen geblieben, anstatt an einer (privaten) Mittelschule wieder völlig neu anzufangen. Dasselbe höre ich auch von anderen Eltern seiner ehemaligen Klasse, auch wenn die Kinder "gut genug" fürs Gymnasium waren. Auch die Erfahrungen vieler anderer Länder zeigen ja, dass das frühzeitige Aussortieren für die Kinder gar nicht nötig bzw. gut ist, höchstens fürs Ego der Eltern, wie ich hier in Deutschland schon oft mitbekam).
Trotzdem wünsche ich allen Kindern viel Spaß beim Lernen, egal an welcher Schule und mit oder ohne Französisch.

 
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