Faszination Computer

18.03.09

Inzwischen sind meine Kinder in einem Alter, in dem sie gerne am PC spielen – am liebsten stundenlang, wenn ich sie nur ließe. Aber während der Schulzeit limitiert sich die Zeit von selbst (falls überhaupt Zeit dafür ist!), denn da gibt es genügend andere Dinge, die wichtiger sind.

Und auch am Wochenende haben wir doch sehr oft anderes im „Programm“, sodass sich Spielen am Computer erübrigt. Vielleicht mögen Sie mich jetzt für ein wenig komisch halten, aber ich kann mit Computerspielen überhaupt nichts anfangen. Das mag daran liegen, dass es „zu meiner Zeit“ (huch, das klingt, als wäre ich uralt!) so einen Zeitvertreib noch gar nicht gegeben hat. Meinen ersten eigenen PC legte ich mir im Jahr 1995 zu, um darauf ein Buch zu schreiben.

Und wenn ich jetzt mal spaßeshalber ausprobiere, was meine Kinder am PC spielen, stelle ich nur immer wieder fest, dass ich total unbegabt bin. Da sind mir meine Kinder haushoch überlegen. Nur bei Lern- und Wissensspielen bin ich manchmal gefragt, wenn ganz schnell mal im Kopf etwas ausgerechnet werden soll oder ihnen englische Begriffe nicht geläufig sind. Soweit ist das Spielvergnügen meiner beiden am PC doch noch recht harmlos. Überdies sitze ich währenddessen oft selbst an meinem Computer daneben und arbeite, sodass ich immer mal wieder ein Auge darauf werfen kann, was sich bei den Kindern am PC tut.

Denn man sollte schon wachsam sein und den Computerkonsum der Kids im Blick behalten. Gerade wurde eine repräsentative Studie zur Computernutzung veröffentlicht, die einen bedenklichen Trend zeigt. Für diese Studie wurden 44.600 Neuntklässler aus 61 deutschen Städten und Landkreisen befragt. Danach verbringt ein 15-jähriger Junge an einem Schultag heute im Schnitt 130 Minuten mit Computer- und Videospielen. Im Jahr 2005 waren es erst 90 Minuten. Mädchen spielen zwar deutlich weniger, doch haben sie die mit Spielen am PC verbrachte Zeit sogar mehr als verdoppelt: von täglich 19 Minuten im Jahr 2005 auf jetzt knapp 53 Minuten. Und an den Wochenenden spielen Jugendliche zum Teil noch deutlich länger.

Die Studie hat weitere Besorgnis erregende Ergebnisse zutage gebracht: Acht Prozent der männlichen Neuntklässler sind spielesüchtig oder zumindest gefährdet. Bei den Mädchen sind es weniger als ein Prozent. Und: Jungs können sich in einem Ausmaß dafür begeistern, virtuelle Menschen am Bildschirm zu erschießen, dass mir ganz mulmig wird! So führen „Killerspiele“ wie „Counterstrike“ (ich kenne es selbst nicht, aber angeblich geht es darum, in einer virtuellen Welt mit der Knarre in der Hand möglichst viele Gegner zu exekutieren) die Hitliste der Lieblingsspiele an. 27 Prozent der im Schnitt 15-jährigen Schüler gaben an, am liebsten „Counterstrike“ zu spielen – und das, obwohl das Spiel je nach Version erst für eine Altersstufe von 16 bis 18 Jahren freigegeben ist. Insgesamt nutzte knapp die Hälfte der männlichen Neuntklässler regelmäßig Spiele, die wegen der Gewaltdarstellungen erst ab 18 Jahren zugelassen sind. Bei den gleichaltrigen Mädchen lag dieser Anteil nur bei etwa 5 Prozent.

In einem Artikel der „Ärztezeitung“ vom 17.03.09 sieht der Diplompsychologe Florian Rehbein vom Kriminologischen Forschungsinstitut Niedersachsen, einer der Autoren der Studie, „Killerspiele“ als Aggressionsverstärker: „Die Spieler sind angespannt, erregt, werden beim Spiel wütend. Gleichzeitig gewöhnen sie sich an Gewalt. Es spritzt Blut, Gliedmaßen reißen ab, effizientes Töten wird belohnt: Ein gezielter Schuss in den Kopf spart wertvolle Munition. Selbst wenn die Jugendlichen sehr wohl wissen, dass dies ein Spiel ist, gewöhnen sie sich auch in der Realität stärker an Gewalt.“

Bei den Mädchen geht es am Computer hingegen ganz friedlich zu, wenn sie spielen. Das beliebteste Spiel bei den 15-jährigen Mädchen war „Die Sims“: Die Spieler bauen Häuser, gründen Freundschaften oder eine Familie. Hier wird quasi das „ganz normale Leben“ simuliert.

Ich weiß nicht, ob es mir einmal gelingen wird, meinen pubertierenden Sohn von Computerspielen wie „Counterstrike“ (oder was an Killerspielen dann vielleicht „in“ sein wird) abzuhalten. Aber ich nehme mir zumindest vor, es zu versuchen, auch wenn ich damit dann vermutlich schwer „anecken“ werde…

 

Die neuesten Kommentare zum Artikel "Faszination Computer":

Anzeige: 1 - 3 von 3.
Nicolina schreibt am Montag, 13.04.09 21:20:

Habe einen Sohn mit 11 Jahren und 2 Töchter mit 14 und 9. Die Mädchen sind kein Problem, sie spielen nie lange Computer. Aber mein Sohn ist fasziniert von diesem Medium und würde ohne Unterbrechung spielen, wenn wir es erlauben würden. Er darf 1,5 Stunden täglich spielen, da seine Noten in der Schule recht gut sind. Werden seine Noten schlechter wie 3, wird seine Spielzeit gekürzt. Eigentlich klappt es ganz gut, aber er hat Freunde, die ältere Brüder haben und wenn er bei diesen zu Besuch ist, weiß ich nicht, was für Spiele es dort gibt. Angeblich keine schlimmen, aber ich finde schon das Spiel "Empire Earth", das mein Sohn leidenschaftlich auch mit anderen in seinem Alter spielt, schlimm genug, weil es bei Jungs hauptsächlich darum geht Krieg zu spielen !

Marlene schreibt am Mittwoch, 01.04.09 15:44:

Ergänzung zu vorhin:
Frau Uta Reimann-Höhn sagt, dass Süchten (welcher Art auch immer) "von klein auf" vorgebeugt werden kann: Durch eine gute Mutter-Kind-Bindung, natürlich auch vom Vater!, besonders bei Buben. Man braucht sein Kind eigentlich nur (unauffällig) beobachten, dann weiß man, ob ihm jetzt etwas fehlt oder nicht.
Wenn das Kind der Mutter im Alltag zuschaut, fördert es das "logische Denken", wenn man seine eigene Tätigkeit beschreibt, auch zeigt, wie das Gemüse vorher aussieht, nach dem Schälen, nach dem Hobeln oder nach dem Pürieren etc. Daran können die Kinder (unter anderem natürlich) lernen, Zusammenhänge zu erkennen und dadurch auch besser selbstständig werden. Und ein selbstständiger Mensch wird überall gerne genommen. Maria Montessori: "Hilf mir, es selbst zu tun."
Auch Musik machen, musizieren, eventuell sogar mit einem kleinen oder größeren Konzert, ist von unschätzbarem Wert. Es vernetzt die beiden Hirnhälften, Singen z. B. verbessert die Laune, stärkt das Immunsystem, regt den Kreislauf an. Darüber hat Frau Dr. Schmelz ja auch schon berichtet.
Oder gemeinsam backen, auch wenn es dann etwas länger dauert - diese "Investition" bekommt man zurück geschenkt!!

Marlene schreibt am Mittwoch, 01.04.09 14:57:

Ein kurzer Satz aus dem Radio gerade gestern:
"Gewalt ist bei Kindern so interessant, weil sie spannend ist."
Meine Beobachtung von Kindern heute:
Sie spielen nicht mehr fangen und verstecken etc. wie wir früher. Man kann die Kinder aber sehr leicht dazu 'anstecken'. Auch andere Spiele, die sie als "langweilig" oder "uncool" herabsetzen, kann man durch eigene Begeisterung, oder anderes, ganz leicht interessant bzw. spannend machen. Selbst wenn erst einmal nur ein oder zwei Kinder mitmachen, kommen bald andere dazu.

 
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