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Fröhliche Weihnachten!

23.12.09

Uns „Großen“ läuft ja vor dem Heiligen Abend oft buchstäblich die Zeit davon, aber die „Kleinen“ warten schon voll Ungeduld und Vorfreude auf die Bescherung. Und diese Vorfreude ist glücklicherweise ansteckend!

Weihnachten entfaltet erst mit Kindern seinen ganzen Zauber: Es ist einfach herzerwärmend, wenn die Kleinen mit strahlenden Augen den Christbaum bestaunen und sich nach dem Auspacken der Geschenke auf ein Spielzeug stürzen, um dann voll Begeisterung damit zu spielen…

Um die Wartezeit aufs Christkind ein wenig zu verkürzen, will ich Ihnen heute eine wunderbare Weihnachtserzählung des Schriftstellers Karl Heinrich Waggerl (1897 – 1973) ans Herz legen. Waggerl, der im österreichischen Wagrain im Salzburger Land lebte, beschäftigte sich immer wieder mit der Weihnachtsgeschichte. Vielleicht deshalb, weil er über ein Vierteljahrhundert beim Salzburger Adventssingen mitwirkte. Doch nun zu seiner Erzählung „Warum der schwarze König Melchior so froh wurde“:

Allmählich verbreitete sich das Gerücht von dem wunderbaren Kinde mit dem Schein um s Haupt und drang bis in die fernsten Länder. Dort lebten drei Könige als Nachbarn, die seltsamerweise Kaspar, Melchior und Balthasar hießen, wie heutzutage ein Rossknecht oder ein Hausierer. Sie waren aber trotzdem echte Könige, und was noch merkwürdiger ist, auch weise Männer. Nach dem Zeugnis der Schrift verstanden sie den Gang der Gestirne vom Himmel abzulesen, und das ist eine schwierige Kunst, wie jeder weiß, der einmal versucht hat, hinter einem Stern herzulaufen.

Diese drei also taten sich zusammen, sie rüsteten ein prächtiges Gefolge aus, und dann reisten sie eilig mit Kamelen und Elefanten gegen Abend. Tagsüber ruhten Menschen und Tiere unter den Felsen in der steinigen Wüste, und auch der Stern, dem sie folgte, der Komet, wartete geduldig am Himmel und schwitzte nicht wenig in der Sonnenglut, bis es endlich wieder dunkel wurde. Dann wanderte er von neuem vor dem Zuge her und leuchtete feierlich und zeigte den Weg.

Auf diese Art ging die Reise gut voran, aber als der Stern über Jerusalem hinaus gegen Bethlehem zog, da wollten ihm die Könige nicht mehr folgen. Sie dachten, wenn da ein Fürstenkind zu besuchen sei, dann müsse es doch wohl in einer Burg liegen und nicht in einem armseligen Dorf. Der Stern geriet sozusagen in Weißglut vor Verzweiflung, er sprang hin und her und wedelte und winkte mit dem Schweif, aber das half nichts. Die drei Weisen waren von einer solchen Gelehrtheit, dass sie längst nicht mehr verstehen konnten, was jedem Hausverstand einging. Indessen kam auch der Morgen heraus, und der Stern verblich. Er setzte sich traurig in die Krone eines Baumes neben dem Stall, und jedermann, der vorüberging, hielt ihn für nichts weiter als eine vergessene Zitrone im Geäst. Erst in der Nacht kletterte er heraus und schwang sich über das Dach.

Die Könige sahen ihn beglückt, Hals über Kopf kamen sie herbeigeritten. Den ganzen Tag hatten sie nach dem verheißenen Kinde gesucht und nichts gefunden, denn in der Burg zu Jerusalem saß nur ein widerwärtiger fetter Bursche namens Herodes.

Nun war aber der eine von den dreien, der Melchior hieß, ein Mohr, baumlang und tintenschwarz, dass selbst im hellen Schein des Sternes nichts von ihm zu sehen war als ein Paar Augäpfel und ein fürchterliches Gebiss. Daheim hatte man ihn zum König erhoben, weil er noch ein wenig schwärzer war als die anderen Schwarzen, aber nun merkte er zu seinem Kummer, dass man ihn hierzulande ansah, als ob er in der Haut des Teufels steckte. Schon unterwegs waren alle Kinder kreischend in den Schoß der Mutter geflüchtet, sooft er sich von seinem Kamel herabbeugte, um ihnen Zuckerzeug zu schenken, und die Weiber würden sich bekreuzigt haben, wenn sie damals schon hätten wissen können, wie sich ein Christenmensch gegen Anfechtungen schützt.

Als letzter in der Reihe trat Melchior zaghaft vor das Kind und warf sich zur Erde. Ach, hätte er jetzt nur ein kleines weißes Fleckchen zu zeigen gehabt oder wenigstens sein Innerstes nach außen kehren können! Er schlug die Hände vors Gesicht, voll Bangen, ob sich auch das Gotteskind vor ihm entsetzen würde.

Weil er aber weiter kein Geschrei vernahm, wagte er ein wenig durch die Finger zu schielen, und wahrhaftig, er sah den holden Knaben lächeln und die Hände nach seinem Kraushaar ausstrecken. Über die Maßen glücklich war der schwarze König! Nie zuvor hatte er so großartig die Augen gerollt und die Zähne gebleckt von einem Ohr zum anderen. Melchior konnte nicht anders, er musste die Füße des Kindes umfassen und alle seine Zehen küssen, wie es im Mohrenlande der Brauch war.

Als er aber die Hände wieder löste, sah er das Wunder; – sie waren innen weiß geworden! Und seither haben alle Mohren helle Handflächen, geht nur hin und seht es und grüßt sie brüderlich.

(aus Karl Heinrich Waggerl „Und es begab sich… Inwendige Geschichten um das Kind von Bethlehem“; Otto Müller Verlagsgesellschaft 2005, 51. Auflage – das Buch ist also ein echter Klassiker!)

Ich wünsche Ihnen einen harmonischen Heiligen Abend mit leuchtenden Kinderaugen im Kerzenschein und frohe, erholsame Weihnachtsfeiertage!


 

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