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Nun bedank dich mal schön!

14.03.09

Kleine Kinder lernen es schon an der Wursttheke: Wenn die freundliche Verkäuferin ein Wiener Würstchen oder eine Scheibe Wurst herüberreicht, erinnern viele Mütter ihren Nachwuchs: „Und, wie sagt man?“ Klar sollen Kinder lernen sich zu bedanken und einem Geschenk auch Wertschätzung entgegenzubringen. Aber übertreiben muss man es auch nicht!

Meine Schwiegermutter hatte diese Woche ihren 75. Geburtstag und wir feierten ihn heute alle zusammen nach. Bei Geburtstagen von Omas und Opas bitte ich meine Kinder immer, ein hübsches Bild zu malen oder eine Kleinigkeit zu basteln. Martin hatte für seine Oma ein Mandala ausgemalt und anschließend als Deckchen ausgeschnitten.

Hanna aber saß vor einem leeren Blatt Papier und jammerte verzweifelt: „Ich weiß nicht was ich malen soll!“ Weil die Zeit schon drängte und wir bald los wollten, machte ich verschiedene Vorschläge von Blumenwiese über Prinzessin bis hin zu diversen Tieren. Sie entgegnete bei allen: „Aber das kann ich nicht so gut malen!“ Ich redete ihr gut zu, dass es gar nicht so drauf ankäme, dass sie perfekt malt, sondern mehr darauf, dass es mit Liebe gemalt und möglichst auch schön bunt ist.

Dabei kam mir in den Sinn, dass ich als Kind selbst oft auch in einer ähnlichen Situation war und mir nichts einfiel. Meine Mutter legte großen Wert darauf, dass wir Kinder uns bei Großeltern oder Tanten immer standesgemäß bedankten, wenn wir etwas geschenkt bekommen hatten. Wir sollten so die Geschenke wirklich schätzen lernen und nicht alles als selbstverständlich ansehen.

Leider hieß das dann jedes Mal für uns, einen Brief zu schreiben und etwas dazu zu malen. Dafür mussten wir den Brieftext erst mal auf ein Schmierblatt schreiben (da fehlten mir als Kind oft die Worte und meine Texte kamen mir nicht „gut genug“ vor), dann wurde er von meiner Mutter korrigiert und anschließend mussten wir ihn ins Reine schreiben. Und wehe, der Brief war nicht schön genug geschrieben oder hatte zu viele Fehler! Dann mussten wir ihn nochmal neu schreiben.

Ich habe dadurch (oder vielleicht eher trotzdem?) gelernt, mich immer artig zu bedanken. Aber als Kind war ich oft so weit, dass ich mich über Geschenke gar nicht mehr richtig freuen konnte, weil ich wusste, dass jetzt wieder dieser mühsame Bedank-Brief von mir verlangt wurde. Speziell bei den Namenstagspäcken einer sehr lieben Großtante, die häufig nützliche Dinge wie Handtücher oder Kleidung statt Spielzeug oder Büchern schickte, dachte ich mir oft, dass ich darauf gerne verzichtet hätte, nur um mir den Brief zu ersparen.

Auch ich lege großen Wert darauf, dass sich meine Kinder bedanken, wenn sie etwas geschenkt bekommen. Aber einen Brief schreiben müssen sie deswegen nicht! Wir rufen lieber an und bedanken uns. Da ist die Freude der Kinder am Telefon echt und nicht so hölzern-gequält wie in meinen früheren Bedank-Briefen. Wenn das Geschenk etwas größer ausgefallen ist, bitte ich meine Kinder, dem Schenkenden etwas Hübsches zu malen. Und dabei kommen oft ganz tolle Gemälde heraus, die den Großeltern, Onkeln und Tanten garantiert viel mehr Freude bereiten als ein abgequälter Brief!

So hat Martin letztes Jahr seiner Großtante im Gegenzug für ein Osterpäckchen einen sehr originellen Osterhasen gemalt: Der Hase stand aufrecht und hatte – wie ein Cowboy – ein Pistolenhalfter um den Bauch. Und in jeder Pfote hielt er eine gezückte Möhre, an der noch das Möhrengrün dranhing! Ich musste sehr schmunzeln, als ich das Bild in den Brief steckte und der Tante ging es ebenso, als sie den Brief öffnete.

 

Die neuesten Kommentare zum Artikel "Nun bedank dich mal schön!":

Anzeige: 1 - 1 von 1.
Viper08 schreibt am Mittwoch, 25.03.09 10:15:

hallo,
ja das mit dem bedanken kenne ich nur zu gut,
o.k. mir blieb erspart das ich einen dank-brief schreiben mußte,
aber auf das einfache "danke" wurde sehr viel wert gelegt.
wenn ich ehrlich bin,
dann ertappe ich mich auch immer wieder dabei,
das ich auf das "danke" bei miener tochter (fast3.) warte. aber so genau nehme ich es auch nicht, denn blicke sagen mehr als worte.
bei uns auf dem dorf ist es eben anders als in der stadt.hier reicht ein lächeln als danke schon aus, gerade bei kleinen kindern, reicht der blick der zufriedenheit aus um zu wissen: sie freuen sich.
das mit dem bild haben wir auch angefangen, jett zu ostern basteln wir osterdeko aus tonpapier und verschenken diese dann als "danke" oder "entschuldigung".
ich persönlich denke es kommt immer besser an, wenn man ein bild oder etwas selbstgemachtes schenkt als danke oder entschuldigung, da da doch etwas mehr mühe dahinter steckt als ein "danke" "entschuldigung", man denkt etwas länger an die sache.

über den letzten abschnitt mußte ich schmunzeln, un dachte: typisch junge ^^.

so, das ist mein komentar dazu.

gruß
manuela

 
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