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Warum Babys so sind, wie sie sind

11.11.09

Ich lese momentan ein sehr interessantes Sachbuch – über Kinder, wie könnte es auch anders sein. Der Autor, ein Kinderarzt und selbst Vater von vier Kindern (endlich mal jemand, der wirklich weiß, wovon er spricht!), hat einen ganz interessanten Ansatz, sich das Verhalten von Kindern anzuschauen: aus dem Blickwinkel der Evolution. Dabei kommt er immer wieder zu dem Schluss, dass Verhaltensweisen, die Eltern heute das Leben schwer machen, früher das Überleben des Nachwuchses gesichert haben.

Warum wacht das Baby nachts bloß immer wieder auf und kann nicht mehr alleine einschlafen? Das raubt müden Eltern heute den Schlaf und da dem Kleinen im Kinderbettchen keine Gefahr droht, ist das nur lästig. Früher aber, als die Menschheit noch in zugigen Höhlen hauste und hungrige Raubtieren nach einem leckeren Häppchen Ausschau hielten, war das ganz was anderes. Da war ein Baby nur in der unmittelbaren Nähe der Mutter, die es schützte und warm hielt, überlebensfähig. Alleine schlafen wäre tödlich gewesen! Und dieses „Wissen“ steckt auch noch in den Babys von heute! Kein Wunder, dass viele von ihnen vehement Mamas Nähe einfordern und eben nicht friedlich allein im Bettchen einschlafen wollen.

Das leidige „Gemüseproblem“ stammt auch aus der Steinzeit. Alle Eltern wissen heute, wie wichtig das gesunde Gemüse mit seinen Vitaminen und Nährstoffen für ihr Kind ist. Bloß die lieben Kleinen sind da ganz anderer Meinung. Im Babyalter klappt es ja mit dem Gemüsebrei noch ganz gut, aber im Kleinkindalter bleibt der Mund hartnäckig zu, wenn Brokkoli und Co auf dem Teller liegen. Und auch das hat seinen Sinn.

Stellen Sie sich eine Steinzeitfamilie vor, die Savannen und Wälder durchstreifte. Was wäre da wohl passiert, wenn ein Kleinkind mal hier und mal da aus reiner Neugier eine Beere in den Mund gesteckt oder irgendwelche Blätter verspeist hätte? Es hätte mit Sicherheit nicht lange überlebt, wenn es sich für unbekanntes Grünzeug begeistert hätte. Damals war es höchst sinnvoll, dass Kinder eine gewisse Abneigung gegen unbekannte Nahrung gehabt haben. Da war es nur gut, wenn die Kleinen insbesondere leicht bitter schmeckende Dinge (Pflanzengifte sind meist bitter) nicht angerührt haben.

Dieses „Überlebensprogramm“ steckt auch heute noch in unseren Kleinkindern drin: Kommt etwas Unbekanntes auf dem Löffel daher und schmeckt das auch nur ein bisschen bitter, bleibt der Mund sicherheitshalber zu! Ganz schön clever von der Evolution eingerichtet. Nur liegen heute eben keine Tollkirschen im Supermarkt-Regal, sondern nur gesundes Gemüse…

Wenn Sie jetzt neugierig geworden sind und noch mehr evolutionären Geheimnissen auf die Spur kommen wollen, kann ich Ihnen das Buch „Kinder verstehen. Born to be wild: Wie die Evolution unsere Kinder prägt.“ von Herbert Renz-Polster (Kösel-Verlag 2009; 512 Seiten; 19,95 Euro) besten Gewissens empfehlen. Glücklicherweise vermittelt das Buch nicht nur interessante neue An- und Einsichten, sondern liest sich auch noch sehr kurzweilig – das ist bei einem Umfang von 512 Seiten auch ganz wichtig!


 

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Die neuesten Kommentare zum Artikel "Warum Babys so sind, wie sie sind":

Anzeige: 1 - 1 von 1.
Adine schreibt am Montag, 16.11.09 20:06:

Hallo, ich habe von besagtem Autor das Buch "Gesundheit für Kinder". Ein sehr empfehlenswertes Nachschlagewerk zu allen Kinderkrankheiten bzw. wie die Kinder gesund bleiben. Ich schmökere immer wieder gerne, auch wenn die Kinder gesund sind, hinein, weil es eben auch so kurzweilig geschrieben ist. Darüber hinaus findet man schnell Hilfe und Rat zu den Krankheiten. Dieses Buch erscheint auch im Kösel Verlag und es sind noch 2 andere Autoren daran beteiligt.

 
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