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Was halten Sie von G8?

25.03.09

Unsere Kinder sollen im vereinten Europa wettbewerbsfähig bleiben. Aber nach neun Jahren Gymnasium sind sie mit 18 oder gar 19 Jahren im Vergleich zu unseren Nachbarn schon ziemlich „alt“, wenn sie ein Studium beginnen. Das muss sich ändern, meinten unsere Politiker und verordneten allen Gymnasiasten den Turbo: Statt wie bisher nach neun müssen jetzige Schülergenerationen das Abitur schon nach acht Jahren in der Tasche haben.

Leider hat man aber wohl vergessen, den Lehrplan entsprechend zu entrümpeln. Deswegen sind die Stundepläne viel zu voll gepackt und die Hausaufgaben sind reichlich. Meine Kinder gehen erst in die 3. Klasse, sodass uns das Thema selbst noch nicht betrifft. Aber wenn ich sehe, was in befreundeten Familien los ist, die ein oder gar mehrere Kinder auf dem Gymnasium haben, kann einem himmelangst werden.

Einer von Martins Freunden geht in die 6. Klasse Gymnasium. Es ist eigentlich egal, wann Martin anruft und fragt, ob er Zeit hat, mit ihm zu spielen. Fast immer kommt eine bedauernde Absage. Entweder muss der arme Kerl noch Hausaufgaben machen (obwohl es schon spätnachmittags ist) oder er muss noch Vokabeln oder für die nächste Schulaufgabe lernen. Dabei ist der junge Mann beileibe kein Trödler, sondern war in der Grundschule immer sehr flott mit seinen Hausaufgaben. Es liegt also sicherlich nicht am Arbeitstempo, sondern an der Menge der Hausaufgaben.

Ich frage mich dann immer im Stillen, wann und wo da noch die Kindheit stattfinden soll, wenn bereits 12-Jährige einen Acht-Stunden-Tag haben! Welche Erfahrungen haben Sie mit G8 gemacht? Gibt es in Ihrem Bundesland ein sinnvolles Konzept (z. B. Ganztagsschule) oder eine Alternative (z. B. wahlweise auch neunjähriges Gymnasium)? Diskutieren Sie mit und schreiben Sie mir!

 

Die neuesten Kommentare zum Artikel "Was halten Sie von G8?":

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Alecto schreibt am Freitag, 03.04.09 11:37:

Ich finde, dass man das ganze Schulsystem reformieren müsste. Ich bin in Serbien ein paar Jahre zur Schule gegangen, es war eine Dorfschule wohlgemerkt. Manche Familien hatten nicht einmal eine Toilette im Haus. Ab der achten Klasse erst gab es die Möglichkeit eine Lehre zu machen oder noch vier Jahre weiter auf die Schule zu gehen und Abitur zu machen. Mit Abschluss einer Lehre hatte man automatisch einen höheren Schulabschluss und konnte, wenn man wollte, fachbezogenes Abitur machen und danach studieren. Bis zur achten Klasse waren alle zusammen in einer Schule. In Deutschland finde ich die Aufteilung sehr unproduktiv und diskriminierend. Wer eine Empfehlung für die Hauptschule bekommt, muss sich darauf einstellen, sehr schwer eine Lehrstelle zu bekommen, falls er überhaupt den Abschluss schafft.
Als ich wieder nach Deutschland zurückkam, bin ich direkt auf das Gymnasium in die sechste Klasse gegangen. Ich war und bin immer noch sehr erstaunt, wie wenig die Kinder hier in Deutschland lernen! Denn vieles von dem, was ich dort in der vierten und fünften Klasse gelernt habe, kam zum Teil erst in der siebten Klasse des Gymnasiums vor! Alle Kinder in der Dorfschule sind mehr oder weniger gut mitgekommen, natürlich gab es Klassenbeste und solche, die nicht so gut waren, aber die schlechten Schüler haben von den besseren immer Hilfe bekommen. Ausserdem gab es den Begriff Streber nicht bei uns. Jedes Jahr wurden die besten Schüler einer Klasse ausgezeichnet, so dass eine hohe Motivation immer da war.
Ich bin auf jeden Fall für eine komplette Reform des Schulsystems und einer Überarbeitung der Lehrpläne. So, wie es jetzt ist, ist kein Wunder, dass Jugendliche, wenn man sie fragt, wer Goethe war, fragen, in welchem Film er mitgespielt hat!
In Serbien hat jeder einfache Handwerker eine höhere Allgemeinbildung!
Einer der Gründe, warum die Kinder Schwierigkeiten in der Schule haben, ist, meiner Ansicht nach, mangelnde Disziplin. Manche Lehrer müssen Repressalien befürchten, wenn sie den Schülern schlechte Noten geben.
Ich bin der Ansicht, dass Kinder ein hohes Potential haben, welches in diesem Schulsystem falsch genutzt wird und somit nicht ausgeschöpft werden kann.

Gaby1903 schreibt am Freitag, 27.03.09 16:30:

Ich kann die o.g. Ausführungen nur unterstreichen und bestätigen. Unsere Familie ist im letzten Jahr aus Sachsen nach Bayern gezogen. (Nein wir sind keine Sachsen, wir haben nur über 10 Jahre dort gelebt und es sehr schätzen gelernt.Hier zählen auch noch andere Ideale.) Hätten wir es nur niemals gemacht. Unsere Kinder, besuchen jetzt die 10. Klasse und 5. Klasse des Gymnasiums. Wie schon angeführt, gab und gibt es in den neuen Bundesländern das Abitur nach 12 Jahren, mit guten Leistungen, aber nicht mit diesem Leistungsdruck. Hier wird der Schüler auch als Kind bzw. Jugendlicher gesehen und nicht nur als Informationsempfänger auf Gedeih und Verderb. Was unsere Kinder nun hier erleben ist die reinste Sklaverei. Bereits unsere 10jährige Tochter in der 5. Klasse hat häufig einen 10-Stundentag. Sie besucht ein Ganztagsgymnasium, schafft aber bei der Menge der Hausaufgaben diese nicht immer und hat noch Vokabeln zu lernen oder sich vorzubereiten. Zeit für andere Freundinnen oder Hobbies bleibt wenig. Doch das ist noch nicht alles. Unser Sohn, jetzt zur 1. Generation des G8 gehörend, wechselte mit einem Notendurchschnitt von 2,5 nach Bayern und ist nun versetzungsgefährdet. Er ist nicht dumm und auch nicht faul. Aber was hier den Schülern zugemutet wird, empfinde ich schon fast als Frechheit. Zeit für lange Ausführungen oder Nachfragen im Unterricht gibt es nicht, der Lehrplan muss ja eingehalten werden. Man wundert sich auch nicht über Exen mit einem Klassendurchschnitt schlechter als 5. Wer verliert da nicht die Lust oder bekommt Frust! Welcher Lehrer würde heute noch das Abitur unter diesen Voraussetzungen und mit diesem Leistungsdruck schaffen? Ich frage mich wirklich, warum informiert man sich nicht in den neuen Bundesländern? Muss man das Rad neu erfinden -auf dem Rücken unserer Kinder?
Eine sinnvolle Überarbeitung der Lehrpläne wäre notwendig, nicht nur eine Verkürzung der Schuljahre. Auch sollte grundsätzlich überlegt werden, die Schulbildung sollte in allen Bundesländern gleich sein. Warum gibt es eine Nord-Süd-Schiene? Doch war zählt zum Schluß ist die Abi-Note, egal wo es absolviert wurde. Ungerecht ? !

AnnaMaja schreibt am Freitag, 27.03.09 11:04:

Bei der immer wieder aufflammenden und immer wieder in unkonstruktives Aneinander-vorbei-Reden abgleitenden Diskussion um das sogenannte Turbo-Abitur wird in den meisten Fällen etwas durcheinander gebracht. Ich bin froh, daß meine Vorgängerin schonmal darauf hingewiesen hat, daß das Abitur nach 12 Jahren möglich ist, und zwar nicht nur in der ehem. DDR, sondern auch in vielen Bundesländern und anderen europäischen Ländern! Ich selbst habe 13 Jahre zur Schule gehen müssen(!) und kann aus eigener Erfahrung sagen, daß in meinem Falle das 11. Jahr komplett überflüssig war, weil es als eine Art Vorbereitung auf die Abschlußphase verstanden wurde, jedoch eher eine bloße Verzögerung darstellte. Das Problem liegt also absolut nicht bei der Verkürzung auf 12 Jahre, sondern vielmehr (wie von Frau Schmelz bereits angesprochen) bei der dringend erforderlichen UMSTRUKTURIERUNG DER LEHRPLÄNE UND UNTERRICHTSFORMEN anstelle einer einfachen Umschichtung der gleichen Menge an Kursen in einen kürzeren Zeitraum. Ich finde es für diese Diskussion unabdingbar, daß diese Unterscheidung gemacht wird, denn ein ABITURABSCHLUSS NACH 12 JAHREN IST GRUNDSÄTZLICH KEIN TURBO und sollte meines Erachtens überall angestrebt werden. Dass gerade die Gymnasialanfänger dabei nicht überfordert werden dürfen, müßte eigentlich selbstverständlich sein, ist aber offenbar nicht im geringsten gelungen. Und das ist tatsächlich ein Skandal, denn es geht um den Alltag unserer Kinder, der auf diese Weise niemals zu einer gesunden Lust am Lernen und Leben führen kann, sondern nur allzu schnell zu Frustration, Selbstzweifeln, Angst und ähnlichen diese Gesellschaft krank machenden Symptomen führen wird.
Dies ist übrigens für viele, viele Schüler sowieso schon der Fall - das gesamte staatliche Schulsystem bedürfte seit langem einer gründlichen Überholung!
PRO: VERNÜNFTIG und ANREGEND GESTALTETE 12 JAHRE!
KONTRA: LEISTUNGSDRUCK und ÜBERFORDERUNG!

annettchristine schreibt am Freitag, 27.03.09 09:21:

So wie das G8 Abitur ausgeführt wird, halte ich es für eine Unverschämtheit den Kindern gegenüber. Jeder Lehrer besteht darauf auch weiterhin das zu unterrichten wie bisher, faktisch geht das ja aber wegen des verkürzten Zeitraumes nicht. Warum man vor allem den Kleinen so viel zugemutet und nicht erst in Klasse 10 Gas gibt (die Kinder sind da ja schon etwas gefestigter und haben auch das Lernen gelernt) verstehe ich nicht.
Auf der anderen Seite...in der ehemaligen DDR gab es auch das Abitur nach 12 Jahren... warum ging es denn da und hier nicht...vieleicht weil damals nur die wirklich "abitur-reifen" Kinder diesen Weg gegangen sind. Damals brauchte man für eine Banklehre auch kein Abitur, wie jetzt!!! Das ist auch ein Punkt über den man nachdenken muss.

 
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