Wirbelwind

19.04.09

„Was denn – habt ihr jetzt zwei?“ wurde ich in den vergangenen beiden Wochen immer wieder gefragt. Denn seit zwei Wochen haben wir einen neuen Hund. Obwohl es eigentlich ein ziemlich alter Hund ist. Immerhin ist unser neuestes Familienmitglied schon 13 oder 14 Jahre alt. Aber das merkt man ihr (es handelt sich um eine Hundedame namens Anais) überhaupt nicht an.

Im Gegenteil, so viel Temperament sind wir von Schnuffi, unserem ersten Hund (und der ist jetzt sechs Jahre alt), überhaupt nicht gewöhnt. Bei meinen wiederholten, teilweise eher erfolglosen Erziehungsversuchen drängte sich mir ständig der Vergleich zu einem leicht hyperaktiven Kleinkind auf. Eigentlich ist es nicht so schwer, einem Hund den Befehl „Sitz“ beizubringen: Man nehme ein Leckerli und führe es mit der Hand langsam über den Kopf des stehenden Hundes in Richtung Rücken und sage dabei „Sitz“. Bei dem Versuch, dem Leckerli mit der Schnauze zu folgen, setzen sich die meisten Hunde automatisch hin.

Aber nicht Anais! Sie bleibt gar nicht erst lange genug an einer Stelle stehen, um sich beim Verfolgen des Leckerlis hinsetzen zu können. Nein, wenn das Leckerli nicht gleich zu haben ist, springt sie innerhalb 10 Sekunden dreimal an mir hoch, dreht sich viermal um die eigene Achse (irgendwie muss das Leckerli doch zu fangen sein!) und umrundet mich zweimal, wenn ich mich wegdrehe, weil sie mich anspringt. Sie ist so überschwänglich, dass sie gar nicht stillhalten kann. Und das Üben klappt ohnehin nur allein mit ihr in einem kleinen, langweiligen Raum ohne jede Ablenkung – deswegen mache ich es im Vorplatz.

Das ist bei hyperaktiven Kindern ja so ähnlich. Die können beispielsweise auch kaum zuhören, wenn man ihnen etwas erklärt, weil sie alle naselang etwas anderes, womöglich Interessanteres sehen oder hören und ständig abgelenkt sind. Da muss man sich dem Kind richtiggehend „aufdrängen“, damit man wahrgenommen wird: dem Kind in die Augen sehen beim Sprechen und möglichst auch Körperkontakt herstellen (z. B. eine Hand auf die Schulter des Kindes legen). Außerdem sollte man jede Ablenkung von außen so gut es geht ausschalten.

Und man darf keinesfalls zu viel verlangen. Sowie man mehrere Aufgaben auf einmal verteilt („Zuerst machst du … und dann … und zum Schluss …“), bekommen kleine Chaoten das nicht mehr auf die Reihe und vergessen irgendwas. Also muss man eine Aufgabe in kleinere Teilschritte zerlegen und den nächsten Teilschritt erst ankündigen, wenn der vorhergehende ausgeführt ist.

Ich bin immer wieder erstaunt, wie sehr sich Kindererziehung und Hundeerziehung doch ähneln. In beiden Fällen muss man konsequent sein, Motivation schaffen (durch Lob bzw. Belohnung oder Leckerli) und freundlich, aber bestimmt auftreten. Und wenn etwas nicht klappt, nicht gleich schimpfen, sondern einfach immer wieder üben… Den Befehl „Sitz“ werde ich auf alle Fälle noch eine ganze Weile mit Anais trainieren müssen.

 

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