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Kühe auf einer Weide
© Paul Grecaud– 123rf.com

Die Bundesregierung plant das Tierwohl-Label: Das sollten Sie wissen

„Tiergerechtheit“

Vielleicht haben Sie es schon gehört: Bundesagrarminister Christian Schmidt will in Kürze ein freiwilliges staatliches „Tierwohl-Label“ einführen. Damit soll Fleisch von Tieren gekennzeichnet werden, deren Haltungsbedingungen über dem gesetzlichen Standard liegen. Das klingt vielversprechend, doch ob das Label das Leben der Tiere tatsächlich nachhaltig verbessern kann, wird von Verbraucherschutzorganisationen wie foodwatch bezweifelt. 

Expertenrat von 
Dipl. oec. troph. Marion Jetter, Ernährungsberaterin & Chefredakteurin "Mein Kind - fit & gesund!"

Diese Initiativen gibt es bisher:

  • Das „Tierschutz-Label“ kennzeichnet Hühner- und Schweinefleisch von Betrieben, die den Tieren bessere Aufzuchtbedingungen und eine sanftere Schlachtung garantieren.
  • Bei der „Initiative Tierwohl“ zahlen Supermarktketten wie Aldi, Edeka, Kaufland, Kaiser’s, Lidl oder Rewe von jedem verkauften Kilo Schweine- und Geflügelfleisch 4 Cent an einen Fonds. Der Fonds unterstützt Landwirte, die sich um das Wohl ihrer Tiere über die gesetzlichen Vorgaben hinaus kümmern. 85 Millionen Euro kommen so im Jahr zusammen, über 2.200 Schweinemäster oder -aufzuchtbetriebe sowie 927 Geflügelhalter machen bei der Initiative mit. Weitere 2.300 Schweinehalter würden das gern auch tun, wenn der Fonds genug Mittel hätte; sie stehen auf einer Warteliste.

Wie sehen die Haltungsbedingungen der Tiere aus

„Bei der Haltung von landwirtschaftlichen Nutztieren sind Verhaltensstörungen, Krankheiten und Schmerzen nach wie vor an der Tagesordnung“, kritisiert foodwatch. Die meisten Tiere stehen in überfüllten Ställen. Schweine knabbern sich gegenseitig aus Stress die Schwänze ab, Kühen wird Milch aus kranken Eutern abgepumpt, und in Geflügelställen ist Kannibalismus „normal“.

Können wir als Verbraucher mangelhafte Tierbetreuung überhaupt erkennen?

Nein! Beim Einkauf von Fleisch und Milch haben wir als Verbraucher lediglich die Wahl zwischen bio oder konventionell. Nur bei losen Eiern erkennen wir anhand des Stempelaufdrucks (0, 1, 2, 3), nach welchem Verfahren die Tiere gehalten wurden: ob in ökologischer oder konventioneller Freilandhaltung, in Boden- oder in Käfighaltung.

Doch auch das sagt noch nichts darüber aus, wie es den Tieren tatsächlich ergeht.

Denn neben dem zur Verfügung stehenden Platz oder der Ausgestaltung der Ställe und Ausläufe ist ein entscheidender Faktor für den gesundheitlichen Zustand der Tiere das „Management“ durch die Tierhalter, also die Tierbetreuung, die Betriebshygiene, das Stallklima und vieles mehr.

Warum ein freiwilliges Tierwohl-Label nichts bringt

Das geplante Label soll freiwillig sein. Für mich ist das keine Lösung. Experten schätzen, dass lediglich 20 Prozent der Produkte künftig das „Tierwohl-Label“ tragen dürfen. Also gelangen nach wie vor viele Produkte in den Handel, die nicht tiergerecht erzeugt wurden. Und was bedeutet das für den Verbraucher? Wir können uns entscheiden zwischen Tierqual und „Tiergerechtheit“? Das kann nicht sein. Aus diesem Grund unterstütze auch ich die Initiative von foodwatch, die fordert, dass die „an die Bedürfnisse der Tiere angepassten Haltungsverfahren zum allgemeinen gesetzlichen Standard werden“ und dass es „gesetzliche Zielvorgaben für die Tiergesundheit“ gibt, die für alle Tiere gelten.

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