Sollte man Kindern Spielzeugwaffen verbieten?

von Jutta G.

Liebe Frau Dr. Schmelz,

wir haben zwei lebendige Jungs im Alter von vier und zweieinhalb Jahren. Wie alle Jungs finden sie das Schießen mit Gewehren oder Pistolen (Stöckchen und Fingerchen) besonders toll. Ich weiß nicht, wie ich damit umgehen soll: völlig verbieten oder „wir zielen nicht auf Menschen/Tiere“ oder völlig ignorieren?

Antwort von: Dr. med. Andrea Schmelz

Liebe Frau G.,

Waffen in der einen oder anderen Form lassen sich aus dem Leben von Kindern gar nicht ausklammern, denn wenn Jungen keine Waffen bekommen, dann basteln sie sich selbst welche aus Stöcken oder nehmen, wie Ihre Jungs, die Finger.

Aus kinderpsychologischer Sicht (siehe etwa Bruno Bettelheims „Ein Leben für Kinder“) muss man Waffen aus dem Kinderzimmer auch gar nicht verbannen. Beispielsweise kann es für Kinder erlösend sein, die Eltern, die sie als übermächtig erleben, „erschießen“ zu können, oder sich mit einem Schwert oder einer anderen Waffe vor Gespenstern zu schützen.

Und nicht nur die Eltern werden als übermächtig erlebt, auch anderes, das ohnmächtig macht: wenn sich Eltern trennen, der beste Freund wegzieht oder eine wichtige Bezugsperson stirbt. Sich dann im Spiel als Herrscher über Leben und Tod zu fühlen, ist einfach ein kleiner Ausgleich dafür. Nebenbei erwähnt wissen Kinder ja, dass es ein Spiel ist, und Eltern können, wenn sie gerade „erschossen“ wurden, einfach ihrer Beschäftigung weiter nachgehen und sagen: „Oh, jetzt bin ich tot. Sagst du mir, wann ich nicht mehr tot bin?“

Waffen sind Symbole für Stärke – und gerade deshalb sind sie bei Jungen so begehrt. Mit einer Waffe ist man stärker als andere, und Jungen definieren sich sehr stark über den Wettstreit mit anderen. Trotzdem sollten Konfliktlösungen nicht über ein einfaches „Ich bin stärker als du, und deswegen machst du jetzt, was ich sage“ erfolgen. Vielmehr müssen auch Jungen lernen, nicht durch „Draufhauen“, sondern in der Diskussion mit anderen einen Kompromiss zu erzielen.

Als mein Sohn Martin (jetzt acht Jahre alt) noch kleiner war, habe ich versucht, Waffen völlig zu vermeiden. Ich stellte jedoch fest, dass er dann eben Stöcke als Waffen einsetzte. Inzwischen sehe ich das Thema Waffen wesentlich gelassener. Er darf einige Spielzeugwaffen haben (etwa Schild und Schwert zum Ritterspielen) und bastelt sich zudem ständig selbst Waffen aus Stöcken oder schneidet sie notfalls aus Pappe aus.

Wenn er mit anderen Kindern spielt und dabei zur Verteidigung Waffen „braucht“, ist das für mich in Ordnung, so lange keine Verletzungsgefahr besteht. Ich persönlich möchte nicht von ihm „erschossen“ werden. Ich bitte ihn dann, nicht auf mich oder auf meinen Mann zu zielen. Eine Ausnahme gibt es, wenn wir mitspielen und auch Ritter, Indianer oder Cowboys sind.

Herzliche Grüße

Ihre Andrea Schmelz

Kommentare zu "Sollte man Kindern Spielzeugwaffen verbieten?"

  • Ingo schreibt am 02.12.2015

    Mit lauten Spielzeugpistolen ist nicht zu spaßen!!!!!!!
    Im Grundschulalter habe ich wie alle anderen auch Cowboy mit Spielzeugpistolen gespielt. Andere Kinder fanden es toll, die Pistole ans Ohr zu halten und abzudrücken.
    Als Resultat bin ich seitdem einseitig taub. Wären die Kinder auf die Idee gekommen das auf beiden Seiten zu versuchen, ich wäre komplett taub geworden!!!
    Ich finde es unverantortlich, dass die Industrie von selbst nicht auf die Idee kommt, welche Gefahr dies birgt, und dass man es für völlig in Ordnung hält, wenn schon 3-Jährige damit ballern dürfen.
    Wer kommt für die Folgen eines solchen "Unfalls" auf???
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