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Zwei trotzige Geschwister sitzen Rücken an Rücken
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Strafe: Welche wirklich sinnvoll ist

Das richtige Maß für eine Strafe

Kinder testen immer wieder ihre Grenzen bis zu einer Strafe aus und möchten die Welt nach ihren Vorstellungen gestalten. Gelingt ihnen das nicht, reagieren sie je nach Situation und Temperament mit Wutanfällen, die eine sinnvolle Strafe als Folge haben sollten. Im Erziehungsalltag kann das Finden einer sinnvollen Strafe ganz schön anstrengend werden. Lesen Sie, welche Strafe in welchem Fall für Ihr Kind angemessen ist. 

Expertenrat von 
Dipl.-Päd. Uta Reimann-Höhn, Lern- und Erziehungsexpertin

Felix kann schlecht verlieren und kippt mitten im „Monopoly“ das Spielbrett um, so dass alle enttäuscht sind und das Spiel zumindest unterbrochen werden muss. Julia stibitzt sich wiederholt Schokolade aus der Küchen-Schublade; Maximilian und Lena streiten sich im Flur so laut, dass das Baby aufwacht und schreit. In all diesen Fällen reagieren die Kinder egoistisch und kümmern sich nicht um die Belange der anderen, was eine sinnvolle Strafe als Folge haben sollte. Sie folgen ihrem Gefühl und denken nicht über die Konsequenzen nach. Das ist eigentlich ganz normal, und wenn es nicht Regeln und Gesetze gäbe, würden wir Erwachsenen uns wahrscheinlich ebenso ohne Strafe verhalten. Doch wir haben irgendwann gelernt, dass ein harmonisches Zusammenleben nur gelingt, wenn alle zufrieden sind. Aber durch welche Strafe reagieren Eltern richtig?

Strafe: Darf der Kochlöffel auf den Po?

Es gehört in der Erziehung schon ein großes Maß an Fingerspitzengefühl dazu, Kindern Schritt für Schritt die Regeln des Zusammenlebens in der Familie und der Gesellschaft, machmal auch durch eine Strafe zu vermitteln. Es ist noch gar nicht solange her, dass körperliche Gewalt ein anerkanntes Erziehungsmittel und eine gängige Strafe gewesen ist. Diese Zeiten der Strafe sind aber Gott sei Dank vorbei, denn inzwischen ist es bei dieser Strafe sogar gesetzlich vorgeschrieben, dass Kinder ein Recht auf gewaltfreie Erziehung haben. §1631 Abs. II BGB (November 2002) besagt:

"Körperliche Bestrafungen, seelische Verletzungen und andere entwürdigende Maßnahmen sind unzulässig."

Welche Strafe ist denn sinnvoll?

Es ist fast schon eine kleine Wissenschaft für sich, für jedes Vergehen eine sinnvolle Strafe zu finden, wobei das Wort Strafe besser durch die Bezeichnung logische Konsequenz ersetzt werden sollte. Schließlich geht es bei der Strafe nicht darum, dem anderen weh zu tun oder die elterliche Macht zu demonstrieren, sondern es soll durch die Strafe das Fehlerhafte oder Problematische am Verhalten des Kindes aufgedeckt werden. Und zwar möglichst so, dass ein Kind diesen Fehler kein zweites Mal nach dieser Strafe begeht. Sinnvoll ist also nur eine Strafe, die sich direkt auf das unerwünschte Verhalten des Kindes beziehen. Eine Strafe darf das Kind nicht „klein machen“ sowie körperlich oder seelisch verletzen.

Sinnvolle Strafe: Stellen Sie sicher, dass Ihr Kind wirklich etwas Unerlaubtes getan hat

Strafen oder logische Konsequenzen sind nur dann wirkungsvoll, wenn sie sich auf ein falsches Verhalten beziehen. Daher sind neben der Überlegung, ob eine Strafe überhaupt angemessen ist, auch die folgenden Fragen von Bedeutung:

  • Sind Sie bei der Strafe ganz sicher, dass Ihr Kind wirklich der „Täter“ war?
  • Sind Sie bei der Strafe ebenso sicher, dass Ihr Kind die Regel, die es übertreten hat, kannte?
  • Sind Sie bei der Strafe sicher, dass Ihr Kind nicht vielleicht gar nicht anders handeln konnte?
  • Kennen Sie für die Strafe wirklich alle Fakten des Vorgangs, oder gibt es noch ungeklärte Fragen?
  • Hat Ihr Kind vor der Strafe Gelegenheit gehabt, sich zu dem Vorwurf oder Vergehen zu äußern?
  • Haben Sie Ihrem Kind vor der Strafe die Gelegenheit gegeben, sein Fehlverhalten selber wieder gutzumachen?

Erst wenn Sie diese Fragen allesamt beantwortet haben, sollten Sie in Betracht ziehen, Ihr Kind angemessen, also mit einer logischen Konsequenz, zu bestrafen. In den oben genannten Beispielen könnte das so für eine Strafe aussehen:

Felix, der beim Spiel mit Freunden oder der Familie immer wieder alle Figuren wütend auf die Erde schmeißt, sobald er verliert, könnte wie folgt bestraft werden:

  • Felix muss als Strafe jedes Mal die Figuren aufsammeln, das Spiel ordentlich einordnen und wegräumen.
  • Felix wird als Strafe vom aktuellen Spiel ausgeschlossen, während die anderen bis zum Ende weitermachen.
  • Felix wird als Strafe beim nächsten Mal nicht mehr gefragt, ob er mitspielen möchte.
  • Es gibt immer auch eine humorvolle oder unerwartete Variante für eine Strafe, die jedoch viel Selbstbeherrschung und eine gewisse Distanz voraussetzt. Jedes Mal wenn Felix die Spielfiguren vom Tisch wirft, stimmen alle Mitspieler als "Strafe" ein lustiges Lied an. Dadurch, dass Felix die anderen nicht aus der Ruhe bringen kann, sondern sogar noch zum Singen animiert, gelingt es ihm möglicherweise, sein eigenes Verhalten durch diese andere Strafe auch mit Humor zu betrachten und kritisch zu hinterfragen.

Julia, die sich verbotenerweise immer wieder Schokolade aus der Küchenschublade nimmt, muss lernen, anderen nichts zu stehlen und sich an die Familienregeln zu halten. Das könnte wie folgt funktionieren:

  • Julia erhält beim Essen keinen Nachtisch, weil sie ja schon Schokolade hatte.
  • Julias Bruder (Schwester) bekommt an diesem Tag eine Tafel Schokolade geschenkt, Julia aber nicht.
  • Julia muss die entwendete Schokolade von ihrem Taschengeld neu kaufen.

Humorvolle oder unerwartete Variante: Julia wird zum Familien-Sheriff ernannt. Sie ist ab jetzt dafür zuständig, dass sich alle in der Familie an die Regeln halten sollen. Sie bekommt einen Sheriff-Stern und die Befugnis, „Täter“ bei der Familienpolizei zu melden. Begründung: Julia weiß ja am besten, wie Diebe vorgehen, und kann sie daher schnell fangen. So wird ihr Verhalten gespiegelt, und sie kann es kritisch überdenken. Maximilian und Lena, die sich ohne Rücksicht auf ihr schlafendes Geschwisterchen laut streiten, sollen lernen, dass die Ruhezeiten in der Familie einen Sinn haben. Das kann so funktionieren:

  • Weil das Baby nun wach ist, kann ihre Mutter den beiden Großen nicht mehr vorlesen oder etwas mit ihnen spielen. Sie muss sich um das Baby kümmern. Das macht die Geschwister nachdenklich.
  • Maximilian und Lena müssen in getrennte Zimmer gehen, damit sie sich nicht weiter streiten können. Das finden Sie langweilig, weil sie nun keinen Spielpartner mehr haben.
  • Maximilian und Lena müssen auf das nun aufgewachte Baby aufpassen, während ihre Mutter das Essen zubereitet.

Humorvolle oder unerwartete Variante: Wenn Maximilian und Lena wieder ruhig spielen, fangen die Eltern im Kinderzimmer laut an zu diskutieren, singen, streiten etc., so dass die Kinder sich nicht konzentrieren können. So wird ihnen in humorvoller Weise ihr Verhalten gespiegelt und sie können es kritisch überdenken.

Checkliste: Finden Sie das richtige Maß?

In den folgenden Situationen ist Ihr Fingerspitzengefühl gefragt. Welche der jeweils drei Antworten passt, weil es eine sinnvolle Konsequenz auf das Verhalten des Kindes darstellt? Florian, 9 Jahre, soll seine Hausaufgaben im Hort machen, damit er abends nicht mehr lernen muss. Er spielt dort aber lieber, und daher gibt es jeden Nachmittag zu Hause Streit um die Hausaufgaben. Welche logische Konsequenz ist sinnvoll, damit Florian sein Verhalten ändert?


Folgende Alternativen haben Sie:

  • Florian muss am nächsten Tag ohne Hausaufgaben in die Schule gehen, was ihm sehr unangenehm ist.
  • Florian darf nicht mehr an den Computer, bevor er nicht die Aufgaben im Hort erledigt.
  • Florian bekommt kein Taschengeld mehr.

Lösung: In diesem Fall ist es am sinnvollsten, dass Florian ohne Hausaufgaben in die Schule gehen muss. Das ist eine wirksame Strafe, weil Florian nicht generell die Hausaufgaben verweigert. Im Gegenteil: Es ist ihm sehr unangenehm sie in der Schule nicht vorzeigen zu können, aber im Hort hat er stets anderes im Sinn. Er nutzt seine Zeit dort nicht zum Arbeiten, sondern spielt lieber mit seinen Freunden. Abends ist er dann müde und braucht für die Aufgaben viel länger als sonst. Taschengeld- oder Computerverbot treffen das problematische Verhalten bei Florian nicht. Bei anderen Kindern könnte das allerdings durchaus anders aussehen Michelle, 8 Jahre, kommt vom Spielen oft unpünktlich nach Hause, obwohl sie extra eine Uhr bekommen hat. 

Mein Tipp

Verhängen Sie keine Strafe ungeprüft, ohne sich zu fragen, ob Ihr Kind den Sinn nachvollziehen kann. Jedes Kind ist anders und braucht eine ganz individuelle Reaktion auf fehlerhaftes Verhalten. Wichtig: Sie sollten nicht nachtragend sein und Ihrem Kind jeden Tag eine neue Chance geben, sich richtig zu verhalten.

Folgende Alternativen haben Sie:

  • Michelle muss zusätzlich für die Schule lernen, wenn sie zu spät kommt.
  • Michelle darf sich nur noch in Sichtweite entfernen. Klappt das auch nicht, darf sie vorerst nicht mehr draußen spielen.
  • Michelles Freundin darf nicht bei ihr übernachten.

Lösung: In diesem Fall scheint es am sinnvollsten, dass Michelle sich nur noch auf Sichtweite entfernen darf, solange sich ihre Eltern nicht darauf verlassen können, dass sie pünktlich nach Hause kommt. Als Strafe für die Schule zu lernen ist immer ungünstig, weil dadurch das Lernen negativ besetzt wird. Auch das Verbot der Übernachtung trifft nicht wirklich den Kern des problematischen Verhaltens.

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Kommentare zu "Strafe: Welche wirklich sinnvoll ist"

  • Steffken schreibt am 11.10.2016

    Das klingt gut. Und wie soll diese pädagogische Theorie praktisch aussehen?
  • Ewa schreibt am 19.02.2016

    Hallo,ich habe 2 Jungs im Alter von 9 Jahren und 7 sie prügeln sich auf dem Schulweg beleidigen sich und streiten sehr oft ich bin mit der Situation überfordert und weiß nicht was ich noch tun kann?? Habe so oft mit beiden gesprochen es nützte nichts
  • Harald schreibt am 07.05.2013

    Also ich finde man sollte die Strafen für Kinder schon bis zum 14 Lebensjahr durchführen aber mit 14 sollte man wissen was man tun soll und was nicht.
  • Anonym schreibt am 18.01.2011

    Der STRAFER gibt mit seiner STRAFE immer zu, dass er weder das Kind noch seine Talente & Kräfte verstanden hat, dass er auf sie EINFLUSS nehmen könnte. Strafe ist immer ein Zeichen dafür, dass man nicht dazulernen sondern DUMM DIE WELT VERÄNDERN möchte. Strafe führt daher gerechterweise zu noch mehr VERLUST VON EINFLUSS. Man kann mit Strafe zwar SCHEIN erzwingen aber nicht SEIN. Jeder erzwungene Schein kostet SEINSverlust. Strafe ist ein Verlustgeschäft.
    Die neue Ich-kann-Schule will viel mehr erreichen als durch Strafe zu erreichen ist; ihr Ziel ist EINFLUSS AUF DAS SEIN. Dazu muss ich den DRUCK der Strafe austauschen durch den FEINEN SOG geistiger Lenkung. Der Ich-kann-Schule-Satz 2008 sagt es so: \"Wenn ich mit deinen Kräften BESSER umgehe als du, mögen sie mich und folgen mir lieber als dir.\" Mit SOG kann man die Kräfte punktgenau lenken. Das ist sehr viel mehr als man mit jeder Strafe erreichen kann. Ich wünsche guten Erfolg.
    Franz Josef Neffe
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