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Kind mit Kuscheltieren

Teilen lernen: Anfangs gar nicht so leicht!

Erziehungstipps

Ist es Ihnen manchmal peinlich, wenn Ihr Kind sein Spielzeug partout nicht abgeben und teilen will? Warum dieses Verhalten anfangs ganz normal ist und wie Ihr Kind trotzdem teilen lernt, verraten wir Ihnen in diesem Beitrag. 

Expertenrat von 

Im Alter zwischen 18 Monaten und drei (bis vier) Jahren verteidigen Kinder ihren Besitz ganz vehement mit den Worten „Das ist meins!“ – und wehe, andere Kinder halten sich nicht daran! Dann werden die Kleinen notfalls sogar handgreiflich. Dieses Verhalten ist jedoch ganz normal, wie die psychologische Forschung zeigt.

 Warum Kleinkindern das Teilen so schwer fällt

  • Dinge in Besitz zu nehmen und gegen andere zu verteidigen, ist ein angeborenes Verhalten, das schon in der Steinzeit das Überleben der Menschheit gesichert hat. Gegen diesen Instinkt zu handeln und anderen freiwillig von seinem Besitz abzugeben, ist dagegen ein soziales Verhalten, das erst mühsam erlernt werden muss.
  • Kinder zwischen einem und drei Jahren identifizieren sich stark über Dinge, an denen sie hängen, etwa über ihr Kuscheltier oder ihr Spielzeug. Sie glauben, Dinge gehörten ihnen nicht nur, sondern sie gehörten zu ihnen. So ist ein Kleinkind der Meinung, der Teddy in seinem Arm gehöre untrennbar zu ihm. Nimmt ihm jemand den Teddy weg, fühlt sich das Kind selbst bedroht. Wenn ein fremdes Kind zum ersten Mal das eigene Kinderzimmer betritt und das Spielzeug anfasst, wird es vom Zimmerbesitzer misstrauisch beäugt oder gar mit Wutgeheul vertrieben. Der Kampf um Gegenstände wird zu einem Symbol für zentrale Fragen wie „Kann ich meine Wünsche durchsetzen?“, „Wie weit kann ich gehen?“ und „Wo ist die Grenze zwischen mir und dem anderen?“.
  • Kleinkinder sehen sich selbst als Mittelpunkt des Universums. Sie kennen zwar bereits den Unterschied zwischen Mein und Dein, legen ihn aber in ihrem Sinn aus: Wenn sie selbst der Mittelpunkt der Welt sind, gehört ihnen das, womit sie spielen – und den anderen nur das, womit sie ihnen zu spielen erlauben. Daraus ergeben sich natürlich Konflikte mit Spielkameraden und dem Teilen.
  • In den Augen eines Kleinkindes haben Dinge die gleiche Bedeutung und Macht wie deren Besitzer. Das zeigt sich beispielsweise darin, dass ein kleiner Knirps auf Opas Brille zeigt und dabei „Opa“ sagt. Und wer auch so beliebt sein will wie der tolle Junge von nebenan, der muss sich dessen Spielzeug aneignen.
  • Um freiwillig einem anderen etwas von seinem Besitz abzugeben, muss sich das Kind vorstellen können, wie sich sein Gegenüber fühlt. Ist er traurig, weil er das Spielzeug nicht haben kann? Erst wenn Kinder ein Gespür dafür entwickeln, was in einem anderen vorgeht, können sie mitfühlend handeln und z. B. freiwillig etwas abgeben. Kleinkinder sind aber gerade erst dabei, das „Ich“ zu entdecken, und sind mit dem „Du“ noch überfordert. Das zum Teilen nötige Einfühlungsvermögen entwickelt sich frühestens ab einem Alter von drei Jahren.
  • Kinder müssen sich in der Welt erst zurechtfinden und orientieren sich deshalb gerne an anderen. Wenn der Freund mit seinem blauen Auto spielt, dann muss das doch wichtiger sein als das rote Auto, das man selbst auf den Spielplatz mitgebracht hat. Und schon wollen beide das blaue Auto haben, selbst wenn es nach ausgestandenem Kampf kurze Zeit später unbeachtet in der Ecke liegt. Oft ist es auch gar nicht das Spielzeug an sich. Viel mehr sieht das Kind, wie viel Spaß ein anderer mit einem bestimmten Spielzeug hat. Natürlich möchte es gerne ebenso viel Spaß haben und glaubt, das mit dem Besitz genau dieses Spielzeuges erreichen zu können.

Jedes Kind kann teilen lernen

Zugegeben, freigiebig zu teilen oder Dinge zu verleihen, ist nicht nur eine Frage des sozialen Trainings, sondern auch der Persönlichkeit – der eine ist eben großzügiger, während der andere mit dem Verleihen seiner Habe recht pingelig ist. Es kommt aber auch auf die frühkindlichen Erfahrungen an. So können Kinder, die sich von Anfang an darauf verlassen konnten, dass ihre Eltern sie mit allem, was sie gerade brauchen, versorgen, mehr Sicherheit aufbauen und sind meist großzügiger.
Einzelkinder haben übrigens genau aus diesem Grund – entgegen der landläufigen Meinung – oft sogar weniger Probleme mit dem Teilen als Geschwisterkinder. Schließlich müssen sie ihre Sachen nicht ständig gegen andere verteidigen und teilen und haben meist Spielzeug im Überfluss, finden es aber langweilig, alleine damit zu spielen.

So bringen Sie Ihrem Kind das Teilen bei

Wie schafft man es nun, einem kleinen Kind das Teilen beizubringen? Ihm das Spielzeug kurzerhand abzunehmen und es dem Rivalen zu überreichen, ist die denkbar schlechteste Lösung. Wenn Sie Ihr Kind zum Teilen zwingen wollen, wird es seinen Besitz zukünftig nur umso vehementer verteidigen.
Streiten zwei kleine Kampfhähne um ein Spielzeug, sollten Sie erst einmal abwarten, ob die Kinder nicht selbst zu einer Lösung kommen. Das wird, wenn es unter den Kindern keinen zu großen Altersunterschied gibt, oft auch gelingen. Dies gilt auf dem Spielplatz mit fremden Kindern genauso wie im Kinderzimmer mit Geschwistern.
Schaffen die Kinder es jedoch nicht und reißt einer dem anderen das Spielzeug mit Gewalt aus den Händen, sollten Sie einschreiten. Nehmen Sie dem „Spielzeug-Klauer“ den ergatterten Besitz wieder ab und geben Sie ihn dem rechtmäßigen Eigentümer zurück. Erklären Sie, dass es so nicht geht. Will das andere Kind mit dem Sandeimerchen Ihres Kindes spielen, so muss es vorher fragen, ob es ihn haben darf. Und es muss gegebenenfalls ein Nein akzeptieren, wenn der Besitzer es nicht teilen will – auch wenn es schwerfällt. Doch das ist Übungssache.
Gibt es ständig Streit um ein bestimmtes Spielzeug, können Sie dieses für eine gewisse Zeit aus dem Verkehr ziehen, sodass keines der Kinder damit spielen kann.

 Mein Tipp:

Um Ihr Kind mit der Idee des Teilens vertraut zu machen, eignen sich die folgenden Bilderbücher:

  • „Alles meins! Oder 10 Tricks, wie man alles kriegen kann“ von A. Rudolph und N.Moost (Esslinger Verlag Schreiber 1996; 26 Seiten; 12,90 €; für Kinder ab drei Jahren)
  • „Beste Freunde teilen ALLES, Buddy Bär!“ von G. Carolat und S.Mais (Arena 2002; 32 Seiten; 12,95 €; für Kinder ab drei Jahren)
  • „Fabian teilt mit Marie. Geschichten vom Behalten und Abgeben“ von A. Bröger, I. Paule und S. Seyffert (Arena 2006; 31 Seiten; 9,95 €; für Kinder ab vier Jahren)
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