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Machen Sie Ihr Kind schlagfertig

Schlagfertigkeit: So kann Ihr Kind sie lernen

So wird Ihr Kind schlagfertig

Kommt Ihr Kind auch manchmal von der Schule oder aus dem Hort nach Hause und beschwert sich bitterlich darüber, dass es von anderen schlagfertig mit dummen Sprüchen geärgert wurde? Lesen Sie im folgenden Beitrag, wie Ihr Kind schlagfertig werden und lernen kann, sich gegen dumme Sprüche und Hänseleien durch Schlagfertigkeit zu wehren. 

Expertenrat von 
Dipl.-Päd. Uta Reimann-Höhn, Lern- und Erziehungsexpertin

Die einfache Feststellung „Na, da hättest du doch gut etwas Passendes antworten können!“ oder die Aufforderung „Dann wehr dich doch mal!“ bringt den schüchternen Nachwuchs ohne Schlagfertigkeit nicht weiter, denn gerade Kinder mit wenig Selbstbewusstsein wissen einfach nicht, was sie in solchen Situationen ohne Schlagfertigkeit tun sollen. Und genau hier liegt auch das Problem. Kinder, die immer wieder geärgert und gehänselt werden, strahlen diese „Opferrolle“ meistens auch aus und sind nicht schlagfertig genug. Sie bieten sich als Objekt der Grausamkeiten quasi an, denn sie haben den Hänseleien der anderen nichts durch Schlagfertigkeit entgegenzusetzen. Häufig findet man bei ihnen eine schlechte Körperspannung, sie schauen den anderen ungern in die Augen und hören sich die wiederkehrenden Hänseleien hilflos bis zum Ende an, weil sie nicht schlagfertig sind. Im schlimmsten Fall brechen sie noch in Tränen aus und laufen weg.

Schlagfertigkeit: Ein Witz kann Wunder wirken

Damit sich solche belastenden Situationen in Zukunft nicht ständig wiederholen, müssen diese Kinder lernen, Mut zu zeigen und durch Schlagfertigkeit aktiv mit dem Spott umzugehen. Das heißt aber nicht, dass Ihr Kind schlagfertig eine Schlägerei anzetteln soll, um seine Kraft zu beweisen. Vielmehr soll es lernen, sein Verhalten durch Schlagfertigkeit zu ändern und Strategien zu entwickeln, sich mit dummen Sprüchen gekonnt und schlagfertig auseinander zusetzen. Wenn es andere Kinder mit seinen schlagfertigen Antworten überrascht, verunsichert, verwirrt oder zum Lachen bringt, hat es bereits die Opferrolle verlassen und wird für die Täter durch seine Schlagfertigkeit bald uninteressant.

Kennen Sie die Schlagfertigkeit Ihres Kindes?

Die meisten Hänseleien spielen sich nicht zu Hause, sondern in der Schule oder in der Freizeit der Kinder ab. Daher wissen viele Eltern gar nicht, ob sich ihr Kind in solchen Situationen schlagfertig verhält. Mit unserer Checkliste zum Thema Schlagfertigkeit können Sie zum einen überprüfen, ob Sie auf die Fragen überhaupt die Antworten kennen. Zum anderen gibt die Liste ein deutliches Bild über die Verhaltensmuster Ihres Kindes ab. Falls Sie feststellen, dass der Großteil der Fragen für Schlagfertigkeit von Ihnen nicht beantwortet werden kann, sollten Sie Ihr Kind in Gruppensituationen genauer beobachten beziehungsweise mit Lehrkräften oder Erzieher/-innen über das Thema sprechen. 

Checkliste: Wie schlagfertig reagiert Ihr Kind auf Hänseleien? (ja / nein)

  • Klagt Ihr Kind manchmal darüber, von anderen Kindern mit Schlagfertigkeit gehänselt zu werden?              
  • Weint Ihr Kind schnell, wenn es gehänselt wird?   
  • Läuft Ihr Kind eingeschüchtert davon, wenn es geärgert wird?                
  • Fühlt Ihr Kind sich wehrlos, wenn es Konflikte mit anderen Kindern hat?                      
  • Geht Ihr Kind den anderen Kindern aus dem Weg, die es hänseln?             
  • Zieht Ihr Kind beim Geschwisterstreit stets den Kürzeren?           
  • Wirkt Ihr Kind oft eingeschüchtert und verängstigt?         
  • Fühlt Ihr Kind sich klein und wehrlos?                   
  • Fühlt Ihr Kind sich schnell ausgegrenzt?                 
  • Hat Ihr Kind Probleme damit, seine Einstellung oder seine Wünsche deutlich zu äußern?          
  • Ist Ihr Kind sehr schüchtern?                       
  • Wirkt die Körperhaltung Ihres Kindes defensiv (kein gerader Rücken, Blick nach unten, wenig Körperspannung)?      

Auswertung: Wenn Sie bei zwei oder mehr Fragen mit einem eindeutigen „ja“ antworten, dann lohnt es sich schon, die folgenden Übungen für Schlagfertigkeit mit Ihrem Kind durchzuführen. Und auch wenn Ihr Kind bisher noch keine Probleme mit Hänseleien hatte, ist dies doch eine gute Vorbeugung, gegen solche unliebsamen Attacken schlagfertig zu sein.

So reagiert Ihr Kind schlagfertig

Natürlich kann eine Verhaltensänderung für Schlagfertigkeit nicht von einem Moment auf den anderen geschehen. Eltern, Großeltern oder größere Geschwister können jedoch das schlagfertige und selbstsichere Verhalten mit dem betroffenen Kind trainieren. Dabei sollte für die Schlagfertigkeit ganz deutlich gemacht werden:

  1. Dumme Sprüche muss sich niemand bis zum Ende anhören. Entweder dreht Ihr Kind dem „Täter“ schlagfertig den Rücken zu und geht langsam davon, oder es fällt dem anderen durch Schlagfertigkeit sofort ins Wort. Wichtig ist, schon zu Beginn der Hänseleien deutlich zu machen: „Mit mir nicht!“ Ein aktives Verhalten durch Schlagfertigkeit, also dass Dazwischenreden oder Weggehen, ist ein erstes schlagfertiges Signal.
  2. Ihr Kind muss lernen zu akzeptieren und auszuhalten, dass andere Kinder es nicht immer mögen. Sich schlagfertig gegen die Angriffe anderer Kinder zu stellen, setzt nämlich voraus, zumindest zeitweise ihre Freundschaft aufs Spiel zu setzen. Hier muss Ihr Kind einen Konflikt auszuhalten üben. Es darf sich nicht aus falsch verstandenem Harmoniebedürfnis den Hänseleien beugen. Freunde sind wichtig für die Schlagfertigkeit, aber nicht jeder muss ein Freund sein.
  3. Auch die Körperhaltung ist enorm wichtig für die Schlagfertigkeit, um zu signalisieren, dass das Kind kein Opfer ist. Eine gerade Haltung und der Blick in die Augen des anderen zeigen auch ohne Worte, dass es sich nicht alles gefallen lässt.

Schlagfertigkeit: Dumme Sprüche sind oft gar nicht dumm

Am wirkungsvollsten ist es jedoch, wenn ein Kind auf dumme Bemerkungen sofort eine schlagfertige Antwort bereithält. Das verunsichert den verbalen Angreifer und nimmt ihm den Wind aus den Segeln. Doch Schlagfertigkeit muss unbedingt zu Hause eingeübt werden, bevor ein Kind sich damit sicher fühlt und sie mutig anwenden kann. Dabei gibt es verschiedene Techniken, die dem einen Kind mehr und dem anderen weniger liegen. Probieren Sie dies mit Ihrem Kind für eine bessere Schlagfertigkeit regelmäßig aus:

  • maßloses Übertreiben
  • direkt nach einer Lösung fragen
  • ohne Zögern zurückweisen
  • unerwartete Zustimmung

Beispiel für Schlagfertigkeit: Sara ist etwas zu dick

Sara geht in die vierte Klasse und ist etwas übergewichtig. Für das Mädchen ist ihr Gewicht seit einiger Zeit ein großes Problem, denn sie hat durchaus erkannt, dass die anderen Mädchen in der Klasse alle schlanker sind. Nun mag sie sich seit kurzem auch im Sport nicht mehr gerne vor den anderen umziehen. Auch sonst versteckt sie ihren Körper gerne unter weiten Pullovern, damit die Pölsterchen nicht gesehen werden können. Anstatt sich aktiv mit ihrem Übergewicht auseinanderzusetzen, verdrängt Sara das Problem. Nicht so aber ihre Klassenkameradinnen. Sie bemerken schnell, wie unwohl Sara sich fühlt und dass sie keine Schlagfertigkeit hat. Eine herrliche Gelegenheit für Hänseleien. Doch Sara lernt nach und nach, sich schlagfertig zu wehren. Sie nutzt dazu vier verschiedene Techniken für eine bessere Schlagfertigkeit

1. Schlagfertigkeit: Maßloses Übertreiben

Angriff: "Du bist ja so dick wie eine Tonne!"

Erwiderung: "Hey, ich gratuliere dir, du bist die erste, die das erkannt hat! Was für ein grandioser IQ!"

2. Schlagfertigkeit: Lösungsorientiert sein

Angriff: "Du bist ja so dick wie eine Tonne!"

Erwiderung: "Dann sag mal, wie viel wiegt denn eine Tonne? Du hattest doch in der letzten Mathe-Arbeit eine 4, weißt du das überhaupt?"

3. Schlagfertigkeit: Konsequente Zurückweisung

Angriff: ´"Du bist ja so dick wie eine Tonne!"

Erwiderung: "Ich wiege genau 52 Kilo, das ist noch okay und mit dem Wachstum reguliert sich das sowieso."

4. Schlagfertigkeit: nerwartete Zustimmung

Angriff: "Du bist ja so dick wie eine Tonne!"

Erwiderung: "Stimmt, und du bist so blöd wie eine Banane, die versucht, Fahrrad zu fahren."

Schlagfertigkeit muss geübt werden

Seien Sie mal ehrlich: Wären Ihnen solche Antworten für Schlagfertigkeit eingefallen, wenn Sie gehänselt worden wären? Ich denke mal, nicht. Wird man verbal angegriffen, hat der Gegner das Überraschungsmoment auf seiner Seite und man kann oft nicht schlagfertig reagieren. Der Angriff wurde geplant, hat also Zeit in Anspruch genommen. Die Gegenwehr soll nun jedoch spontan und schlagfertig kommen – das gelingt nur wenigen. Für das Schlagfertigkeitstraining sind daher zwei Strategien wichtig:

  1. Eine schlagfertige Antwort für alle Fälle, sozusagen für alle Angriffe, die wie aus der Pistole geschossen kommt, ohne lange darüber nachzudenken. Diese Antwort muss allgemein gültig sein, also auf möglichst viele Hänseleien als Schlagfertigkeit passen.
  2. Passende schlagfertige Antworten auf dumme Sprüche finden, die immer wieder geäußert werden. Diese Schlagfertigkeit gelingt gut bei Hänseleien wie in unserem Beispiel, in dem es immer wieder um das Gewicht des Mädchens geht.

Übungsmaterial sammeln und schlagfertig loslegen!

Sammeln Sie eine Reihe von dummen Sprüchen, denen Ihr Kind oder auch andere Kinder ausgesetzt sind. Überlegen Sie sich dann gemeinsam mit Ihrem Kind mehrere passende Sprüche für die Schlagfertigkeit, die als schlagfertige Erwiderung durchgehen. Nun können Sie die Situation zu Hause immer mal wieder durchspielen, damit Ihr Kind sich daran gewöhnt, entsprechende Antworten mit seiner Schlagfertigkeit zu geben. Folgende Situationen sind denkbar, sicher finden Sie noch einige mehr:

  • Du bist ja so dünn wie ein Spargel, du Schwächling!
  • Du bist ja schwul!
  • Deine Klamotten sind uncool!
  • Mit den Noten landest du auf der Dummenschule!

Überlegen Sie nun gemeinsam mit Ihrem Kind, welche lustige oder unerwartete Äußerung den „Angreifer“ durch Schlagfertigkeit zum Verstummen bringen könnte.

Schlagfertigkeit für Extremsituationen

Für den Notfall, dass Ihrem Kind auf einen blöden Spruch überhaupt nichts einfällt, müssen Sie sich auch mindestens eine passende Reaktion für die Schlagfertigkeit überlegen. Wenn gar nichts mehr geht, ist es immer noch besser, schlagfertig einen Vogel zu zeigen und hoch erhobenen Hauptes wegzugehen, als das stumme Opfer zu spielen. Passende Äußerungen für die Schlagfertigkeit könnten aber auch sein.

  • Wo hast du denn denken gelernt?
  • Hast du heute einen Clown gefrühstückt?
  • Hat die Wand neben mir gerade was gesagt?

Anschließend sollte Ihr Kind unbedingt stolz, schlagfertig und selbstbewusst weggehen und sich nicht mehr umdrehen. Damit signalisiert es durch seine Schlagfertigkeit, dass die blöden Sprüche es nicht treffen. Dadurch wird der Spaß am Spiel immens verringert, und die Hänseleien werden bald aufhören.

Mein Tipp
Bitte verwechseln Sie nicht spielerische Hänseleien mit echtem Mobbing. Wenn sich mehrere andere Kinder gegen Ihr Kind „verschwören“ und es wiederholt zu verbalen oder sogar körperlichen Übergriffen kommt, dann hilft auch keine Schlagfertigkeit mehr. Schalten Sie dann unbedingt die Schule ein, denn in diesem Fall braucht Ihr Kind Hilfe durch Lehrer und Eltern.

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Kommentare zu "Schlagfertigkeit: So kann Ihr Kind sie lernen"

  • Agnes schreibt am 02.12.2014

    Hallo,
    meine Tochter geht in die 2 Klasse und wir haben seid kurzem wirklich das Problem dass sie wegen ihrem Gewicht gehänselt wird. Es sind wirklich gute Übungen,die wir jetzt zu Hause üben müssen. Sie sagt nämlich nicht besonders viel zu den Hänseleien sondern ist eher traurig und erzählt erst Tage später davon zu Hause.
    Habe aber noch ein weiteres Problem und weiß ihr nicht zu helfen!
    Sie hat ein Mädchen in der Klasse mit der sie bis vor kurzem recht nett befreundet war. Es gab auch oft Streit aber sie haben es irgendwie geregelt gekriegt. Am Anfang des 2 Schuljahres sind neue Kinder dazu gekommen weil eine Lehrerin die Schule verlassen hat und die eingangsklassen an der Schule abgeschaft wurden. Meine Tochter wird oft von den neuen Kindern gehänselt. Eins der neuen Mädchen hat sich mit meiner Tochter und deren Freundin zu Anfang angefreundet aber jetzt wird sie oft von den beiden ausgeschlossen. Beim Sport schimpfen die Kinder mit meiner Tochter dass sie zu langsam ist. Bei Partnerkreis beim Sport muß sie sich immer mit einem jungen zusammenstellen weil keins der Mädchen die Übungen mit ihr machen wollen. Habe schon mit den Müttern der Mädchen und der Klassenlehrerin gesprochen aber es hat sich bis jetzt nichs verändert. Um jeden weiteren Rat wäre ich sehr dankbar!
    Gruß
    Agnes
  • Ronja schreibt am 30.09.2014

    Hallo...
    Ich bin Mutter von zwei Töchtern.
    Die große geht in die 2. Klasse und wird auch manchmal geärgert. Sie ist sehr sozialkompetent, tolerant und lieblich aber auch sehr verspielt.
    Mit den Mädchen in ihrer Klasse spielt sie kaum, bzw. spielen sie kaum mit ihr...
    Manchmal erzählt sie es mir... Für mich als Mutter ist es schon traurig das zu hören, da sie ein tolles Mädel ist.
    Ich bin selbst Pädagogin in einer Jugendeinrichtung und bin oft mit der Stärkung des Selbstbewusstseins dieser Jugendlichen beschäftigt.
    Bei meinem eigenen Kind ist es jedoch was anderes...
    Diesen Artikel hier zu lesen lies mich sehr schmunzeln und unkomplizierter denken.
    Klar. Meine Tochter muss lernen sich nicht davon beeindrucken zu lassen...
    Ich sehe es vor meinem inneren Auge, wie sie vor ihrer Klassenkameradin steht und kontert. Ein sehr schöner Artikel.
    Meine Tochter ist, wie sie ist und so wird sie in unserer Familie geliebt und von Jungs, vorallem von ihrem besten Freund gemocht.
    Denn mit Jungs teilt sie die Leidenschaft die Natur zu erkunden, auf Bäume zu klettern und Höhlen zu bauen. Sie hasst malen und basteln. :)
    Sie weiß sich zu benehmen und würde wohl niemals ein Kind von sich aus hänseln. Komischerweise mag sie jeden und hat ein unglaubliches Gespür für die Befindlichkeiten anderer....
    Liebe Mamas... Nicht vergessen... Euer Kind ist das Tollste.
    Danke für die schöne Veranschaulichung im Artikel.
    Beste Grüße
    Mama Ronja
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