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Mädchen lernt das Fahrradfahren

So lernt Ihr Kind sicher Fahrrad fahren

Fahrrad fahren lernen

Treten, lenken, Gleichgewicht halten – Fahrrad fahren ist gar nicht so einfach! Mit unseren Tipps lernt Ihr Kind das Fahrrad fahren leichter. 

Expertenrat von 

Erst im Alter von sieben bis acht Jahren sind Kinder in der Lage, ein Fahrrad motorisch sicher zu beherrschen (z. B. Gleichgewicht halten, auf- und absteigen, abbiegen, bremsen, lenken, Kurven fahren). Im Vorschulalter sind diese Fähigkeiten noch ungenügend ausgeprägt. Deshalb sollten Sie Ihr Kind nicht zu früh aufs Fahrrad lassen – frühestens(!) ab 3,5 Jahren, besser noch später!

Ein Laufrad kann Ihr Kind vor dem Fahrradfahren lernen unterstützen

Schon bevor Ihr Kind das erste Mal aufs Fahrrad steigt, kann es üben, das Gleichgewicht zu halten, zu lenken und zu bremsen – und zwar mit einem Laufrad (geeignet ab etwa zwei Jahren) oder einem Roller (geeignet ab etwa drei Jahren). Wird es gefährlich, kann Ihr Kind vom Roller leichter abspringen als von einem Rad, und beim Laufrad hat es ohnehin Bodenkontakt mit den Füßen. Der richtige Zeitpunkt, auf ein Fahrrad umzusteigen, ist dann gekommen, wenn Ihr Kind sehr sicher und gewandt Roller und/oder Laufrad fährt und sich sichtlich für das Fahrradfahren interessiert.

Mein Tipp für das Fahrrad fahren lernen:
Erfahrungsgemäß kommen Kinder dann anatomisch und kräftemäßig mit einem Fahrrad zurecht, wenn sie etwa 105 Zentimeter groß sind.

Bitte verzichten Sie auf Stützräder am Kinderfahrrad, denn dadurch erlebt Ihr Kind ein völlig falsches Fahr- und Gleichgewichtsgefühl. Kinder, die zuerst mit Stützrädern gefahren sind, tun sich beim „echten“ Fahrradfahren anfangs oft besonders schwer. Zudem bergen Stützräder bei Schlaglöchern oder an der Bordsteinkante eine erhebliche Sturzgefahr.

Kaufen Sie kein Fahrrad zum „Reinwachsen“

Das tollste Fahrrad wird Ihrem Kind keine Freude machen, wenn es „auf Zuwachs“ gekauft wurde und damit zunächst zu groß ist. Auf einem schweren und unhandlichen Fahrrad tut es sich schwerer und hat es das Rad nicht im Griff. Auch die Ausstattung muss auf die speziellen Bedürfnisse der kleinen Fahrer abgestimmt sein.

Größe: Kinder unter sechs Jahren sitzen gut auf einem 12- bis 16-Zoll-Rad. Ab sechs Jahren sind 18- bis 20-Zoll- Räder passend. Lassen Sie Ihr Kind vor dem Kauf immer selbst Probe fahren! Der Rahmen darf nur so hoch sein, dass es bei niedrigster Sattelstellung mit beiden Füßen fest auf dem Boden stehen kann.

Rahmen: Er sollte leicht, aber trotzdem stabil sein, z. B. aus Aluminium. Eine Querstange verleiht dem Rahmen Stabilität, darf aber zum leichteren Auf- und Absteigen nicht zu hoch sein. Das erste Kinderfahrrad sollte zum gefahrlosen Auf- und Absteigen einen möglichst tiefen Einstieg haben.

Lenker: Die Höhe des Lenkers sollte eine möglichst aufrechte Sitzposition erlauben, ohne dass die Knie beim Treten vorne anstoßen. Die Enden der Lenker sollten eine gute Polsterung aufweisen. Als zusätzliches Plus für die Sicherheit ist ein gepolsterter Schutz in der Lenkermitte empfehlenswert, der Stürze auf den Lenker mildert.

Bremse: Sie muss für Ihr Kind problemlos zu erreichen (Bremshebel nah am Lenker) und so leichtgängig sein, dass Ihr Kind sie ohne besonderen Kraftaufwand betätigen kann. Am sichersten ist eine Rücktrittbremse, denn dann reicht eine zusätzliche Felgenbremse vorne.

Pedale: Das Tretlager sollte tief liegen, die Tretkurbeln sollten eher kurz sein. Das Rad fährt sich dann zwar etwas schwerer, dafür können die Tretkurbeln beim Kurvenfahren nicht mit dem Vorderrad kollidieren und in der Schräglage nicht so schnell den Boden berühren.

Kette: Sie sollte rundum so verkleidet sein, dass Ihr Kind nicht hineingreifen kann.

Reifen und Felgen: Breitere Reifen geben mehr Sicherheit und dämpfen Stöße besser. Alufelgen sind leicht und sparen Gewicht. Eine Federgabel ist unnötig.

Gangschaltung: Kinder unter sechs Jahren brauchen keine Gangschaltung. Für Kinder ab sechs Jahren ist eine 3- Gang-Nabenschaltung mit Rücktrittbremse sinnvoll.Mehr als drei Gänge überfordern Kinder unter zehn Jahren.

Gepäckträger: Achten Sie auf eine stabile Ausführung mit mindestens zwei Streben.

Licht: Ideal sind Leuchtdioden (LED) mit Standlichtfunktion für hinten und ein Halogen-Scheinwerfer für vorne. Der Dynamo sollte am Hinterrad sitzen, das ist sicherer. Besonders praktisch und sicher, aber teurer ist ein Nabendynamo.

Mein Tipp: Schweißnähte am Rahmen sind Schwachpunkte. Überprüfen Sie den Rahmen des Fahrrades regelmäßig auf Risse. Da diese oft schwer zu sehen sind, sollten Sie vor allem die Nahtstellen mit dem Finger abtasten.

Ihr Kind sollte niemals ohne Helm Fahrrad fahren

Ein absolutes Muss ist ein gut sitzender Fahrradhelm. Nehmen Sie Ihr Kind zum Kauf mit, und probieren Sie verschiedene Helme an. Kaufen Sie kein Modell „auf Zuwachs“. Zum Schutz vor Schürfwunden sollte Ihr Kind für die ersten Fahrversuche eine lange Hose und geschlossene Schuhe tragen. Sinnvoll sind auch Kinder-Fahrradhandschuhe, denn sie können die Hände bei Stürzen schützen und sehen außerdem einfach „cool“ aus. Verzichten Sie bitte auf Knie- oder Ellbogenschoner. Diese schränken Ihr Kind in seiner Bewegungsfreiheit ein und behindern es daher mehr, als dass sie nützen.

Bei den ersten Versuchen sollte Ihr Kind nur auf großen Flächen Fahrrad fahren

Damit die ersten Fahrversuche nicht in einem Fiasko enden, sollten Sie einige Tipps beachten. Sorgen Sie dafür, dass Ihr Kind satt und ausgeschlafen aufs Rad steigt und auch Sie ausgeruht und geduldig sind. Ein geeigneter Übungsplatz sollte eben (nicht abschüssig!) und verkehrsfrei sein, z. B. ein großer leerer Parkplatz am Wochenende oder ein verlassener Schulhof am Nachmittag. Bürgersteige und schmale Radwege überfordern Kinder anfangs, da sie für die ersten Versuche zu schmal sind. Lassen Sie Ihr Kind nur unter Ihrer Aufsicht radeln. Berücksichtigen Sie bei der Wahl der Strecke immer auch die Persönlichkeit Ihres Kindes. Ist es z. B. sehr spontan und leicht abzulenken, müssen Sie besonders behutsam herangehen und länger im Schonraum (z. B. auf dem Parkplatz) bleiben, bevor Sie mit Ihrem Kind auf Radwegen oder verkehrsarmen Straßen fahren. Dann ist es jedoch gut, Ihrem Kind häufig die Möglichkeit zum Üben zu geben und die Fahrten zum Einkaufen, zum Spielplatz oder zum Kindergarten mit dem Fahrrad zu machen. Lassen Sie Ihr Kind auf Geh- oder Radwegen und auf der Straße vorausfahren, damit Sie es im Blick haben. Bis zu einem Alter von acht Jahren MUSS Ihr Kind auf dem Bürgersteig fahren.

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Kommentare zu "So lernt Ihr Kind sicher Fahrrad fahren"

  • Alex schreibt am 29.07.2015

    Ich stimme im Großen und Ganzen zu. Aber ein 3- oder 4-jähriges Kind braucht keine Beleuchtung am Fahrrad und kommt meist ohne Rücktrittbremse besser klar, wie der vorige Beitrag zeigt. Das Gewicht des Fahrrads ist auch wichtig.
  • Marlene schreibt am 25.04.2013

    Zum Thema Lenker:
    Man sieht so viele überbreite Lenker, mit denen die Kinder häufig unsicher und wackelig umgehen. Sollte der Lenker nicht besser Schulter-Breite haben (also nicht so über-breit), damit sie ihn sicherer in der Hand haben?
  • Anonym schreibt am 23.04.2010

    Bei uns hat es sich bewährt zusätzlich ein \"Tretfahrzeug\" zu haben. So lernte Tim auf dem Laufrad Gleichgewicht und Bremsen mit der Handbremse und auf dem Trettrecker das Treten. Der Umstieg mit 3,5 Jahren auf ein 12-Zoll Puky-Rad hat dann genau 1/2 Stunde gedauert, das Bremsenlernen mit der Rücktrittbremse allerdings länger, hier war es hilfreich einen größeren Jungen beim \"Bremsstreifen-machen\" zu beobachten :-D
    Zum 4. Geburtstag gabs dann ein 18-Zoll-Rad, tatsächlich für den Anfang etwas zu schwer und unhandlich, nach 6 Monaten hat sich das nun ausgewachsen. Aber: Es gibt kaum Fahrräder im Bereich 12-18 Zoll, die mit Licht ausgestattet sind. In dieser Größe zählen die Räder noch als \"Spielzeug\" und müssen nicht verkehrssicher sein. Sehr ärgerlich, denn die Dinger zum ranklicken mit Batterie sind nervig :-(
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