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Thema ohne neue Antworten

Hilfe mein Kind beißt, schlägt, tritt mich usw. ... (lang)

Autor Nachricht
Verfasst am: 20.08.08 [22:51]
maus0803
Newbie
Themenersteller
Dabei seit: 20.08.2008
Beiträge: 1

Hallo, meine Tochter (5) hat einen sehr starken eigenen Willen. Wir sind weitestgehend konsequent und bei uns läuft der Familienalltag überwiegend harmonisch ab. Meine Kleine akzeptiert aber keine Regeln - immer wieder versucht sie diese zu umgehen. Oft provoziert sie mich, wo sie nur kann - mir kommt es wie ein Kräftemessen vor. Nicht immer kann ich ruhig bleiben, oft sind diese Situationen auch schon escaliert und endeten in wütendem Geschrei auf beiden Seiten. In letzter Zeit jedoch schaffe ich es meistens ruhig zu bleiben. Meine Tochter jedoch wird immer aufsässiger und aggressiver. Immer öfter kommt es vor, dass sie - manchmal aus dem Nichts heraus - auf mich losgeht, haut, beißt, kratzt, kneift, tritt, mit Sachen nach mir schmeißt usw. Wenn ich versuche den Raum zu verlassen, klammert sie sich so stark an mein Bein, dass ich ihr weh tuen müsste, um den Raum verlassen zu können. Egal was ich sage, es "kommt nicht bei ihr an".

Heute Abend fing alles beim Waschen an ... ich hatte sie gebeten sich zu waschen, als sie es nicht tat fragte ich sie nach kurzer Zeit höflich: "Oder soll Mama das machen?" Daraufhin stütze sie sich (m.E. erst unbeabsichtigt!) so auf den Handtuchhalter, dass dieser schon zu knacken begann. Als ich sie bat, sich nicht darauf zu stützen, weil dieser dann kaputt geht, bekam sie einen wütenden Gesichtsausdruck und sagte: "Das soll er auch!" Ich verließ daraufhin das Badezimmer. Sie kam schreiend an mir vorbei gerannt in die Waschküche und schmiss meine Wäschehaufen, die ich für die Waschmaschine vorsortiert hatte, durcheinander. Als ich sie bat (immer noch sehr freundlich!) die Sachen wieder zusammenzuräumen, ging sie wie eine Furie auf mich los (beißen, kratzen, kneifen, treten, suchte Sachen, die sie schmeißen konnte, nahm die Wäschestücke und schlug damit nach mir usw.). Ich werte ihre Angriffe nur ab (hielt teilweise auch ihre Arme und Beine fest) und sagte ihr zwischendurch das es weh tut und dass sie damit bitte aufhören soll. Ich konnte den Raum nicht verlassen, da sie sich dann an mein Bein klammerte.

Ich blieb die ganze Zeit total gelassen, was sie nur noch wütender machte, sie versuchte mich immer fester und immer fester zu hauen. Nach ca. 10-15 Minuten fing sie an zu weinen, umarmte mich und räumte die Sachen auf meine Bitte hin wieder alle weg. Ich bin froh, dass ich so ruhig bleiben konnte, doch frage ich mich, ob das wirklich richtig war. Sie soll ja auch nicht lernen, dass sie mit mir machen kann, was sie will, ohne das Konsequenzen folgen. Aber was hätte ich für Konsequenzen folgen lassen sollen?

In dem Erziehungs-Tipps "Hilfe, mein Kind beißt!" steht u.a. folgendes:

[i][color]Wenn ein Kleinkind in der Trotzphase voller Wut auf Sie einschlägt oder zu beißen versucht, sollten Sie seinen Angriff abwehren (Hand oder Kopf festhalten). Bedrängt Ihr Kind Sie dann weiter, sollten Sie kurz auf der Toilette verschwinden, sodass Sie „in Sicherheit“ sind. Ihr Kind wird schnell lernen, dass es mit seinem Verhalten nichts erreicht: Es bekommt nicht, was es will – im Gegenteil, Mami verschwindet dann auch noch![/[/color]i]

Was mache ich aber, wenn sie so klammert und ich den Ort des Geschehens nicht verlassen kann?

Außerdem bin ich mir ganz sicher, wenn ich den Raum verlassen würde und auf die Toilette oder so verschwinde, dass sie dann versuchen würde irgendwelche Sachen kaputt zu machen bzw. kaputt machen würde. Was mache ich dann?

Noch eine Anmerkung: In unserem Familienleben hat noch nie jemand einen anderen geschlagen, außer meine Tochter uns. Von uns kennt sie also keine Schläge o.ä., weil man immer wieder ließt, dass die Kinder das machen, die selbst mit Schlägen erzogen werden. Ich lehne Schläge o.ä. total ab. Was bei mir höchstens in Stresssituationen schon mal vorkommt, dass ich ziemlich laut werde. Auch das ist nicht ok, aber lässt sich leider nicht immer vermeiden.

Hier noch ein paar kleine Beispiele:

sie soll vom Spielen reinkommen, ich hatte es schon 10 Minuten vorher angekündigt, doch dann als ich sie rief, ging ihr Geschrei los und sie nahm beide Hände voll mit Kieselsteinen und schmiss diese gegen unsere Terrassentüre ...

wir sitzen auf der Couch, sie guckt fern, ich blättere in einem Katalog ... sie fragt mich nach Süßigkeiten, ich sage: "Nein, es gibt gleich Abendessen ...", sie greift in meinen Katalog und zerreißt eine Seite ...

Hiiiillllffeeee! Was soll ich nur tun?

LG

maus0803

Verfasst am: 21.08.08 [16:51]
malbune
Newbie
Dabei seit: 21.08.2008
Beiträge: 2

Hallo, ich kann leider keinen guten Rat geben, denn das Verhalten meines Sohnes,4 1/2, ist dem ihrer Tochter sehr ähnlich und ich bin auch mit meinem Latein am Ende....und würde gerne wissen, was hinter seinen Anfällen steckt....

Verfasst am: 22.08.08 [15:07]
olivia1507
Fleißiger Helfer
Dabei seit: 27.05.2008
Beiträge: 11

Hallo!

Ich kann da ein Buch empfehlen:

"Jedes Kind kann Regeln lernen" von Annette Kast-Zahn.

Vielleicht gibt es da Tipps? Auf jeden Fall macht es Mut, und gibt einem Kraft wirklich konsequent zu sein. Mir ist aufgefallen, dass meine Tochter anstrengender ist, wenn sie Aufmerksamkeit benötigt. Jetzt spielen wir regelmäßig nach dem Essen ein Gesellschaftsspiel zusammen oder lesen, wenn das Baby schläft, und es tut gut und es macht uns beiden Spaß!

Ich wünsche alles Gute und ganz besonders Kraft. Konsequent sein, ist leider, leider furchtbar anstrengend.

Verfasst am: 24.08.08 [20:57]
lukkki
Newbie
Dabei seit: 30.04.2008
Beiträge: 4

Hallo Zusammen,

ufff, und ich dachte meine Tochter (2) ist tempramentvoll und hat eine großen Dickkopf.

Also ich weiß natürlich nicht, ob euch das hilft, aber bei uns wird das Verhalten zwischen mir und meiner Tochter sehr angespannt, wenn ich mit den Nerven am Ende bin. Sie spürt so etwas sofort und lässt mich dann auch immer auflaufen. Da sie erst 2 Jahre ist, kann ich Schläge noch leichter abwehren. Ich stelle sie dann immer auf den Boden und sage, dass ich gehe, schließe die Tür hinter mir und nach kurzer Zeit ist sie brav wie ein Lämmchen.

Ich habe meiner Tochter auch vorübergehend die Globuli "Zappelin" gegeben. Das hat ihr geholfen die "Anfälle" bzw. Endergieschübe leichter zu ertragen. Vielleicht nehmt ihr vorher noch Kontakt mit einem Heilpraktiker auf, das der sich die Situation mal anschaut.

Ich hoffe etwas geholfen zu haben. Viel Kraft und Konsequenz schickt Euch Daniela

Verfasst am: 24.08.08 [22:56]
AndreaSchmelz
Super-Nanny
Dabei seit: 31.03.2008
Beiträge: 246

Liebe maus0803,

Sie schreiben, Sie sind "weitestgehend" konsequent, Ihre Tochter hält sich aber nicht an Regeln. Ich vermute, dass Ihre Tochter noch mehr Konsequenz braucht, als Sie jetzt schon einsetzen. Das Verhalten Ihrer Tochter, wenn etwas nicht nach ihrem Kopf geht, wäre für einen zweijährigen Trotzkopf akzeptabel, aber nicht mehr für eine Fünfjährige.

Sobald sie sich danebenbenimmt, würde ich ihr eine Auszeit verordnen, also sie in einen anderen Raum bringen (am besten einen, in dem man wenig kaputt machen kann!), wo sie bis zu 5 Minuten bleiben soll oder so lange, bis sie sich wieder beruhigt hat. Oder Sie verlassen den Raum und gehen - notfalls zur Toilette, denn da könnne Sie absperren und Ihre Tochter muss draußen bleiben. Wenn sie sich an Ihnen festklammert, dürfen Sie sich ruhig gegen den Willen Ihrer Tochter von ihr freimachen - natürlich so schonend wie möglich, aber wenn Sie ihr dabei versehentlich weh tun, ist es das Problem Ihrer Tochter - niemand zwingt sie, sich an Ihnen festzuklammern...

Ihre Tochter ist im Kindergartenalter und muss lernen, dass nicht immer alles nach ihrem Kopf geht und dass es nicht in Ordnung ist, sich mit Gewalt durchzusetzen. Wie verhält sie sich übrigens im Kindergarten? Ist sie da auch so wild?

Ich könnte mir vorstellen, dass es für Sie unterstützend sehr gut wäre, sich professionelle psychologische Hilfe bei einer Erziehungsberatungsstelle zu holen. Die Beratung dort ist kostenlos. Die nächstgelegene Beratungsstelle finden Sie im Internet unter www.bke.de ("Für Ratsuchende").

Herzliche Grüße und gute Nerven!

Ihre

Andrea Schmelz



Verfasst am: 26.08.08 [09:38]
Immi27
Newbie
Dabei seit: 26.08.2008
Beiträge: 4

Hallo,

ich kann es gut nachempfinden,wie Sie sich fühlen, auch unsere Tochter , 3 1/2 hat diese, ja ich sag mal Ausraster. Es ist einfach manchmal so, als würde sie extra weghören oder es gar ignorieren. Sie versteht wenn ich oder mein Mann ihr sagen, dass das was sie tut nicht ok ist, uns wehtut und sie ja auch nicht so behandelt wird, wenn wir unseren Willen nicht bekommen. Sie ist eigentlich ein ganz tolles und liebes Kind, und sie ist auch schon recht weit für ihr Alter, laut Erzieherin im KG.

Ach ja , das Buch, Jedes Kind kann Regeln lernen ist wirklich wirklich gut, ich habs mir zugelegt. Es stehen gute Tipps drin.

Was ich sagen will ist, Konsequenz und Liebe schließen sich nicht aus und vor allem, Sie müssen sich nicht alles gefallen lassen und vielleicht sollten Sie noch konsequenter werden, ich bin es auch geworden. Ist zwar nicht immer einfach aber es wird sich auszahlen.

Ich wünsche Ihnen viel Geduld, weiterhin Ruhe und viel Glück

Verfasst am: 02.09.08 [11:35]
Nica
Fleißiger Helfer
Dabei seit: 09.05.2008
Beiträge: 13

Liebe Maus,

das ist aber bestimmt super anstrengend immer so höflich zu Ihrer Tochter zu sein. So wie Sie es schreiben bitten Sie sie dieses oder jenes zu tun bzw. bleiben zu lassen. Wenn Sie reinkommen soll, dann sollten Sie Ihr das auch sagen und sie nicht darum bitten. Eine Bitte kann abgelehnt werden. Und nichts anderes tut sie. Wenn Sie wollen das sie reinkommt, dann sagen Sie es ihr, ohne bitte. mir rutscht auch immer wieder das "Bitte" raus, wenn ich es als Aufforderung formuliere, dann klappts plötzlich.

Und wenn die Kleine Sie angreift, wie können Sie dann noch höflich sein und bitten damit aufzuhören? Hey, sie tut Ihnen weh, sagen Sie ihr das, seien Sie authentisch. Es kann nicht authentisch sein, wenn jemand getreten wird und dann noch nett ist. Vielleicht will sie nur Ihre echten Emotionen sehen. Es gibt Tage, da prallt mein Sohn locker mit seinem Rumgewüte ab, an anderen Tagen sind meine Nerven nicht so stabil, da platze ich schon mal und werde laut. Aber unsere Kinder lernen doch erst den Umgang mit Ihren Emotionen und Wut ist nunmal eine ganz wichtige Emotion, die viel zu oft unterdrückt wird. Vielleicht mal versuchen die Wut auf etwas anderes umzulenken, ein großes Kissen, auf das eingedroschen wird.

Ganz wichtig: Niemals schlagen!!!!! Niemals das Kind beleidigen oder herabwürdigen.

Zum Lesen würde ich Jesper Juul "Was Familien trägt" empfehlen, da er nicht nur das Kind betrachtet, sondern die ganze Familie. Ansonsten mal "Jesper Juul" ausgooglen.



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