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schlimme Wutanfälle. Bitte ein Rat frau Schmelz.


Autor Nachricht
Verfasst am: 15.02.2010 [08:46]
Tariagirl
Junior
Themenersteller
Dabei seit: 02.02.2010
Beiträge: 8
Liebe Frau Schmelz,

seit ca. 3 Monaten haben wir immer wieder mit schlimmen Wutanfällen meiner knapp 3 jährigen Tochter zu kämpfen.

Gestern wars wieder ganz schlimm. Wir hatten vormittags Besuch von einer Freundin mit ihrer Tochter. Wir haben unsere Tiere auf unserem Bauernhof besucht. Beide Kinder haben super miteinander gespielt. Alles war harmonisch. Dann mußten sie wieder heim, doch meine Tochter wollte nicht mit rein gehen. Hose und Schuhe waren vom Schnee nass. Ich kann sie ja nicht alleine draußen lassen.
Disskusionen, dann wollte sie ihren Kinderwagen den ich aber nicht dabei hatte. Ich versuche den diesen langsam ab zu schaffen. Ich konnte sie nicht überzeugen, dass sie nur noch ein paar Meter laufen muss und ich sie nicht tragen kann. Ich bin im 4. Monat schwanger und es geht beim besten Willen nicht mehr. Es war wirklich nicht weit. Spielerisch ablenken, einen Wettlauf machen oder irgend wasn ging nicht. Dann hab ich vorgeschlagen, dass ich den Schlitten hole und sie sich drauf setzt. Durch den Schnee mit den Kinderwagen kämpfen ist echt schwer. Sie wollte den Schlitten nicht, dann ist sie wieder aus getickt. Hat sich in den Schnee geworfen, gebrüllt, um sich geschlagen, war nicht ansprechbar. Die andere Mutter stand neben ihr und hat nur die Augenbraun gerunzelt. Sie war auch völlig ratlos. Geschrei ohne Ende. Dann hab ich ihr angeboten doch den Kinderwagen zu holen. Den wollte sie dann auch nicht mehr. Dann hab ich ihn einfach geholt und sie rein gesetzt. Das Geschrei ging dann weiter im Haus. Ich mußte sie die Treppen hoch schleppen und sie hat sich total hängen lassen wie ein Sack. Die anderen sind dann gegangen. Sie wollte dann auf der Treppe weiter toben. Da wäre sie aber runter gefallen. Also hab ich sie in die Wohnung rein. Sie wollte wieder raus, also hab ich abgeschlossen und den Schlüssel weg. Sie ist ja dann eine Gefahr für sich selbst und steht voll neben sich. Dann ist sie erst ins Schlafzimmer. Hat sich nicht anfassen oder ausziehen lassen, hat die Türen geknallt. Später hat sie dann sich ins Kinderzimmer verzogen und hat da noch ein paar Mal die Türen geknallt und wollte nur alleine sein. Ich bin immer mal wieder hin, hab ihr gesagt, dass ich in der Küche bin und wenn sie will kann sie zu mir kommen. Sie Nein!!! geh raus!!!! Ich hab immer mal wieder nach ihr geschaut, versucht mit ihr ganz ruhig zu reden. Nichts. Sie wollte mir auch nicht sagen, warum sie so wütend ist. Sie wollte ständig dann doch den Schlitten haben. Ich hab ihr ruhig erklärt, dass das nicht geht in der Wohnung und wir Nachmittags gerne Schlitten fahren können. Sie ist dann immer in einer Art Endlosschleife, aus der sie nicht raus kommt. Der ganze Spass ging dann über eine dreiviertel Stunde, also sehr sehr ausdauernd. Das ist immer so. Sie war hundemüde hat sich ständig die Augen gerieben, aber wollte nicht zu mir. Ich hab sie in Ruhe gelassen und bin selbst ruhig geblieben. Mittlerweile weiß ich wie ich damit umgehen muss. Und dann auf einmal "Mama kuscheln...." Und dann wars wieder gut und alles wie weg geblasen. Danach hab ich sie nur noch umgezogen, ihr was zu trinken gegeben und ab ins Bett. Das wollte sie dann selber und hat 3 Stunden geschlafen. Nach dem Mittagschlaf erzählt sie mir dann, dass sie vorhin geweint hat, weil sie nicht mit heim wollte. Dann weiß sie genau warum.
Wenn ich nur wüßte, wie ich solche Eskalationen verhindern kann. Vielleicht mache ich/wir auch was falsch. Ich hab mir vor Jahren immer so gedacht bei Kindern die so austicken, oh du arme Mama und nun gehts mir genauso. Ich mache mir voll die Gedanken, was bei uns wohl schief laufen könnte. Mein Mann ist eben auch nicht konsequent genug und sie macht oftmals was sie will mit ihm. Am meisten stört es mich Abends wenn sie ins Bett geht. Es läuft meistens harmonisch und ruhig ab wenn ich mit ihr alleine bin. Wir gehen noch raus, dann gibts Abendbrot, wir schauen Sandmann und dann machen wir aus, dass sie noch mal aufs Klo geht und sich dann umziehen läßt. Das würde alles super klappen, doch dann kommt Papa vom Stall rein und es sprengt alles. Sie dreht auf und kaspert nur rum. Vielleicht wäre es besser, wenn er beim Abendbrot dabei wäre, aber da ist keine Zeit dafür. Schecklich. Und dann zieht sie erst mal wieder mit Papa los und dann wirds wieder spät mit ins Bett gehen und oftmals macht Papa das Kasperletheater schön mit. Sowas nervt mich und ich habs ihm schon oft genug gesagt. Ach ja. Ich hab schon überlegt, obs vielleicht jemanden gibt (Ergotherapie oder ne Kinderpsychologin) die uns allen weiter helfen kann, dass wir alle zusammen dazu lernen und vielleicht mal gesagt wird, was falsch läuft.. Oder ist es vielleicht doch normal? Andere Kinder ticken doch auch nicht so schlimm aus....
Keine Ahnung.
Antworten Profil
Verfasst am: 15.02.2010 [17:43]
AndreaSchmelz
Super-Nanny
Dabei seit: 31.03.2008
Beiträge: 1612
Liebe Tariagirl,
Ihre Tochter ist jetzt in der berühmt-berüchtigten Trotzphase und deshalb sehr anstrengend (Informationen zur Trotzphase finden Sie hier: www.elternwissen.com/erziehung-entwicklung/erziehung-tipps/art/tipp/trotzanfall-wie-viel-nein-darf-sein.html)

Wie lange und wie heftig ein Kind trotzt, ist individuell sehr unterschiedlich. Es hängt auch vom Charakter des Kindes ab. Ich bin mir sicher, dass Sie überhaupt nichts falsch machen bzw. gemacht haben. Wie Sie mit einem Trotzanfall umgehen, ist vollkommen in Ordnung.

Sie haben selbst auch schon einen Knackpunkt für heftige Trotzanfälle genannt: die Übermüdung Ihrer Tochter. Da hilft leider kein guter Rat - mal abgesehen davon, darauf zu achten, dass Ihre Tochter ausreichend schläft. Sie sollten wissen, dass Sie von Ihrer Tochter dann keine Einsicht erwarten dürfen, wenn sie müde ist. Sie können lediglich versuchen, solchen Situationen vorzubeugen (was aber im Alltag nicht immer gelingt!).

Das "Papa-Problem", dass Ihr Mann leider nicht konsequent mit Ihrer Tochter ist, ist schwer zu beheben, wenn Ihr Mann keinen Handlungsbedarf sieht. Mir fallen da zwei Dinge dazu ein: Tauschen Sie und lassen Sie einige Tage lang Ihren Mann das abendliche Zu-Bett-Bringen übernehmen. Vielleicht klappt es dann eher.

Oder versuchen Sie den Ablauf des Abends umzustellen. Wenn Abendessen zusammen mit dem Papa organisatorisch nicht möglich ist, sollten Sie mit Ihrem Mann besprechen, dass er erst dann dazukommen sollte, wenn Ihre Tochter schon komplett bettfertig ist. Es wäre beispielsweise ein schönes Ritual, wenn er abends die Gute-Nacht-Geschichte übernehmen würde. Besprechen Sie mit Ihrem Mann, dass er nicht mehr mit ihr herumtoben soll (das kann er tagsüber/morgens bzw. am Wochenende machen!), sondern sich ruhig mit ihr beschäftigt. Er könnte auch mit ihr Lego oder Bauklötze bauen - darin sind Papas in der Regel sehr gut!

Hier noch ein paar allgemeine Tipps zum Umgang mit Trotzanfällen:

Bitte bedenken Sie stets, dass Trotzanfälle nicht gegen Sie als Mutter gerichtet sind, sondern Ihrem Kind dazu dienen, Ihre und ganz besonders seine eigenen Grenzen auszuloten!
Trotzdem können selbst die besten Eltern bei Trotzanfällen nicht immer geduldig und verständnisvoll bleiben. Sie dürfen ruhig auch mal wütend oder „böse“ werden, wenn Sie wichtige Grenzen durchsetzen. Das kann Ihr Kind wesentlich leichter aushalten als wenn Sie sich von ihm abwenden oder es auslachen würden. Sie dürfen auch Ihre Gefühle wie Ärger und Enttäuschung ausdrücken. So kann Ihr Kind sie nicht nur erkennen lernen, sondern übt durch Ihr Vorbild auch den konstruktiven Umgang damit.

• Sie müssen bei Trotzverhalten nicht immer konsequent reagieren! Auch wenn häufig empfohlen wird, sich ruhig, freundlich, aber konsequent durchzusetzen, ist dies im Erziehungsalltag alles andere als praktikabel. Reagieren Sie so, wie Sie „gerade drauf sind“, das ist am ehrlichsten und meist auch am wirkungsvollsten. Sie sind nun mal kein vorprogrammierter „Erziehungsroboter“, der immer gleich reagiert.

• Bitte bestrafen Sie Ihr Kind nicht für Trotzverhalten! Ihr Kind würde sich dadurch unverstanden fühlen und den Eindruck gewinnen, dass es nicht akzeptiert wird, wenn es sich abzugrenzen versucht. Natürlich können Sie logische Folgen einsetzen. Weigert sich Ihr Zweijähriges im Dezember standhaft, die Winterstiefel anzuziehen und will unbedingt in Sandalen raus, kann es eben nicht spazieren gehen.

• Nachgeben oder Einlenken sind erlaubt. Vermeiden Sie dann aber, erst nach dem großen Wutanfall den Wünschen Ihres Kindes zu entsprechen. Besser ist es in diesen Fällen, nachdem die Positionen klar sind, umgehend einen Kompromiss zu schließen oder nachzugeben, etwa: „Also gut, dann bleiben wir noch etwas auf dem Spielplatz und du kannst noch mal schaukeln und noch mal rutschen.“

• Ablenken hilft oft, ist aber nicht immer sinnvoll. Natürlich können Sie Ihr Kind mit einem kleinen Auftrag beschäftigen oder auch etwas entscheiden lassen (bitte möglichst nur zwischen zwei akzeptabeln Alternativen entscheiden lassen), etwa „Ziehst du heute den roten oder den blauen Pulli an?“, um Theater beim Anziehen zu vermeiden. Da es in der Trotzphase jedoch nicht um die Sache an sich, sondern um Abgrenzung geht, wird Ihr Kind sicher bald eine neue Gelegenheit finden.

• Bitte nicht lachen! Auch wenn Sie den Zwergenaufstand ausgesprochen komisch finden, Ihrem Kind ist es wirklich ernst.

• Halten Sie den Trotzanfall aus. Sind Sie gerade ausgeglichen, bleiben Sie bei Ihrem Kind und versuchen Sie es nach einigen Minuten wieder zu beruhigen, indem Sie es in den Arm nehmen oder streicheln. Zeigen Sie ihm, dass Sie es trotzdem lieben.

• Trotzen Sie mit. Sind Sie voll Power und haben das ewige Theater einfach satt, dürfen Sie Ihrem Kind ruhig auch mal Konkurrenz machen. Stampfen und toben Sie ruhig auch und bringen Sie Ihre Gefühle in der „Ich-Form“ zum Ausdruck: „Ich will das jetzt aber so haben! Ich hab dein Theater heute einfach satt!“

• Entfernen Sie sich vom Schauplatz. Sind Ihre Nerven schon arg strapaziert, verlassen Sie am besten den Raum und lassen Ihr Kind alleine trotzen. Warnen Sie aber vor und sagen Sie ihm, dass Sie jetzt leider rausgehen müssen, weil Ihnen sein Anfall heute einfach zu viel ist. In Stresssituation wie im Supermarkt klemmen Sie sich das wütende Kind unter den Arm und verlassen Sie so ruhig wie möglich das Geschäft. Die räumliche Entfernung ist meist recht schnell wirksam und Ihr Kind beruhigt sich wieder.

• Suchen Sie das Gespräch mit Ihrem Kind. Selbst Zweijährige sind oft schon in der Lage, nachdem sich die Situation wieder beruhig hat, beim Kuscheln oder vor dem Zu-Bett-gehen über ein Konfliktthema zu sprechen. Vielleicht erhalten Sie auch eine erstaunlich einfache oder weise Antwort wie „In den Arm nehmen.“, wenn Sie fragen, was Sie denn in der betreffenden Situation hätten tun sollen.

Herzliche Grüße und gute Nerven!
Ihre
Andrea Schmelz

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Chefredakteurin von "Gesundheit und Erziehung für mein Kind"
Antworten ProfilWWW
Verfasst am: 15.02.2010 [18:51]
muttis
Super-Nanny
Dabei seit: 19.10.2009
Beiträge: 85
Ich hab mich in letzter Zeit mit dem Thema Wut auseinander gesetzt und dazu einiges geschrieben. Schau mal rein, vielleicht ist was Hilfreiches dabei: http://muttis.wordpress.com/2010/02/03/wut/
http://muttis.wordpress.com/2010/02/09/management-der-gefuhle-eine-herausforderung-fur-gros-und-klein/
http://muttis.wordpress.com/2009/10/26/frustration-wut-und-weinen/

Und weil bei euch ein Geschwisterchen ansteht, darf ich dir auch gleich meine Artikel zum Thema Geschwister ans Herz legen: http://muttis.wordpress.com/category/geschwister/ - speziell:
http://muttis.wordpress.com/2010/01/27/ratz-fatz-das-zweite-kind-ist-flott/
http://muttis.wordpress.com/2009/12/29/ich-will-auch-geschwister-haben/
http://muttis.wordpress.com/2010/01/29/probleme-wenn-das-geschwisterchen-da-ist/
Alles Gute!
Antworten ProfilWWW
Verfasst am: 16.02.2010 [10:02]
Tariagirl
Junior
Themenersteller
Dabei seit: 02.02.2010
Beiträge: 8
Hallo,

vielen lieben Dank für die vielen Tipps. Im Großen und Ganzen mache ich es eh schon so. Manchmal kann man eben einen Trotzannfall nicht vermeiden und dann platzt die Bombe. Da hilft nichts mehr. Man lernt mit jedem Anfall dazu besser damit umzugehen. Ich weiß auch, dass es nicht gegen mich gerichtet ist und sie einfach eben neben der Kappe ist und ihre kleine Welt in dem Moment nicht mehr passt.
Gestern Abend hats mit Papa super geklappt. Was war anders....? Er war etwas früher da und hat in aller Ruhe mit ihr zusammen den Sandmann geschaut. Er hatte einfach nur 10min mehr Zeit für sie.
Ich will meinen Mann nicht nur schlecht machen. Er hat widerrum viel mehr Ausdauer und Geduld mit ihr. Gerade bei uns mit dem Bauernhof läßt er sie viel mit Rumfummeln und "Mithelfen". Auch wenns dann dreifach solange dauert, er läßt sie machen. Da hab ich nun wieder weniger Geduld.

Ach irgend wann kommen sicher wieder bessere Zeiten. Nur eben kurz nach solchen Eskalationen zweifelt man an seinen Fähigkeiten. icon_rolleyes.gif
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