Liebe Elli,
Ihr Sohn befindet sich gerade in der Trotzphase und will deswegen oft anders als Sie. Und es scheint auch so zu sein, dass er es toll findet, wenn er Sie provozieren kann - schließlich ist er gerade dabei, seine - und Ihre - Grenzen auszuloten.
Wenn Ihr Sohn Spielzeug und Bücher an die Wand wirft, machen in der akuten Situation Erklärungen meist wenig Sinn:
1) Ist Ihr Sohn gerade wütend, kann er gar nicht aufnehmen, was Sie ihm sagen.
2) Er dürfte längst wissen und verstanden haben, dass er das nicht soll.
Beser wäre, so ruhig wie möglich zu bleiben und wenig zu sagen, aber schnell zu handeln. Wirft er Dinge an die Wand, gehen Sie zu ihm hin, sagen ruhig und bestimmt: "Nein! Wenn du nicht damit spielen möchtest, räume ich das jetzt weg." Damit nehmen Sie ihm den Gegenstand ab und legen ihn unerreichbar für ihn weg. Dann wird er wahrscheinlichden nächsten Gegenstand nehmen - und Sie verfahren wieder genauso. Bleiben Sie ruhig und konsequent.
Entweder hört er auf, wenn er sieht, dass Sie sich nicht provozieren lassen und er nur immer das Spielzeug abgenommen bekommt. Oder er macht so lange weiter, bis er nichts mehr zum Werfen hat - dann ist automatisch Ruhe! Er kann seine Spielsachen nach 10 oder 20 Minuten wieder haben. Und wenn er erneut damit herumwirft, bekommt er sie wieder abgenommen, diesmal schon etwas länger.
Geht Ihr Sohn auf Sie los, darf er mit diesem Verhalten nicht durchkommen. Wehren Sie seinen Schlag ab und halten Sie seine Hand fest. Schlägt er wütend um sich, können Sie ihn entweder in sein Kinderzimmer bringen, bis er sich wieder beruhigt hat, oder Sie halten ihn auf dem Schoß so lange fest, bis er ruhig geworden ist. Der Körperkontakt vermittelt ihm Ruhe und Sicherheit.
Wichtig ist, dass Sie entschlossen und ruhig handeln, aber wenig reden und vor allem in der Akutsituation nicht diskutieren oder viel erklären. Sie können später mit ihm über den Vorfall sprechen, wenn er sich wieder beruhigt hat. Dann können Sie ihn fragen, was Sie hätten tun können, damit er nicht hätte ausrasten müssen. Besprechen Sie auch, welche akzeptablen Alternativen Ihr Sohn hat, wenn er wütend ist oder etwas nicht so geht, wie es das möchte. Er könnte beispielsweise in sein Kopfkissen boxen, alte Zeitungen zerreissen oder auf ein paar Plastikschüsseln trommeln.
Geben Sie Ihrem Sohn zu verstehen, dass Sie zwar seine Gefühle nachempfinden können, dass sein aggressives Verhalten aber trotzdem nicht akzeptabel ist. Etwa: „Hör auf mich zu hauen! Ich kann verstehen, dass du ärgerlich bist, weil du noch spielen möchtest. Trotzdem ist es jetzt Zeit für das Abendessen.“
Geben Sie nicht nach, wenn Ihr Sohn auf Sie losgeht. Natürlich dürfen Verbote oder Regeln diskutiert werden und Sie dürfen auch einmal etwas zurücknehmen. Es ist allerdings sehr ungünstig, wenn dies nach einem tätlichen Angriff Ihres Kindes passiert. Das lernt daraus nämlich, dass man Mami durch Hauen dazu bringen kann, nachzugeben und seinen Wünschen zu entsprechen. Und solch eine erfolgreiche Strategie wird Ihr Kind gerne beim nächsten Mal wieder anwenden, sodass die Angriffe immer häufiger auftreten werden.
Wenn Angriffe auf Sie trotz meiner Ratschläge nicht weniger werden, sollten Sie psychologische Hilfe in Anspruch nehmen. Sie können sich an die nächstgelegene Erziehungsberatungsstelle wenden (Adressen unter www.bke.de unter „Für Ratsuchende“).
Alles Gute und herzliche Grüße
Ihre
Andrea Schmelz
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