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Seit 2006 neu im Impfplan: Pneumokokken und Meningokokken

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Seit 2006 neu im Impfplan: Pneumokokken und Meningokokken

» Kinder impfen

In den vergangenen Jahren wurden die empfohlenen Impfungen für Babys und Kleinkinder immer mehr: Erst die Impfung gegen Windpocken, dann wurden 2006 zusätzliche Impfungen gegen Pneumokokken und Meningokokken in den Impfplan aufgenommen. Viele Eltern fragen sich seitdem: Ist das denn alles nötig und sinnvoll?

Sowohl Meningokokken als auch Pneumokokken sind bekapselte Bakterien, denen das kindliche Immunsystem in den ersten Lebensjahren noch nicht gewachsen ist. Deswegen erkranken gerade die Kleinsten besonders häufig und schwer. Ist Ihr Kind älter als zwei Jahre und wurde es, weil diese beiden Impfungen damals noch nicht offiziell empfohlen waren, nicht dagegen geimpft, ist ein Nachholen einer Impfung gegen Pneumokokken nicht erforderlich. Die Impfung gegen Meningokokken ist unabhängig vom Alter für alle Kinder sinnvoll, wird aber bei Kindern ohne Grunderkrankungen ab dem zweiten Geburtstag nicht mehr von allen Krankenkassen erstattet. Fragen Sie also am besten zuvor bei Ihrer Kasse nach.

Impfung gegen Meningokokken

Meningokokken sind die häufigsten Erreger einer bakteriellen Hirnhautentzündung (Meningitis). Es erkranken überwiegend Kinder unter fünf Jahren, wobei Säuglinge in den ersten Lebensmonaten am stärksten gefährdet sind. Auch unter antibiotischer Behandlung stirbt noch immer jedes zehnte erkrankte Kind. Zusätzlich bleiben bei 10 bis 19 Prozent der Überlebenden Folgeschäden wie Krampfanfälle, Entwicklungsstörungen, Taubheit oder Lähmungen zurück. Meningokokken sind bekapselte Bakterien, die besonders für Kinder unter zwei Jahren ein Problem darstellen. Durch die Kapsel weisen sie unterschiedliche antigene Eigenschaften auf und lassen sich daher in sechs verschiedene Serogruppen einteilen. Bedeutsam sind in Deutschland allerdings nur die Gruppen B und C. Leider gibt es gegen Meningokokken der Gruppe B, die ca. drei Viertel der Meningokokken-
Infektionen ausmachen, keinen Impfstoff. Gut ein Viertel der Kinder erkrankt jedoch durch Erreger der Gruppe C (2006 waren es 55 von 197 Kindern unter zehn Jahren mit Meningokokken-Meningitis), gegen die Ihr Kind geimpft werden kann.
Nach einmaliger Impfung gesunder Kinder über zwölf Monate wurde mit den zur Verfügung stehenden Impfstoffen eine Schutzwirkung von knapp über 90 Prozent (mit den Impfstoffen Meningitec® und Menjugate®) bis 100 Prozent (unter NeisVac-C®) erreicht. Der Schutz soll lebenslang anhalten, wobei die tatsächliche Dauer des Schutzes bislang nicht wirklich bekannt ist. Verlaufsuntersuchungen der Antikörpertiter zeigen einen Abfall der schützenden Antikörper von 90 Prozent im ersten Jahr auf etwa 60 Prozent in der Zeit danach. Bei Kindern mit Immundefekten kann durch eingeschränkte Antikörperbildung die Schutzrate ohnehin deutlich niedriger liegen.
Nebenwirkungen treten bei etwa 20 Prozent der Geimpften in Form von Lokalreaktionen an der Impfstelle auf. Mehr als 10 Prozent der Behandelten reagierten nach der Impfung mit Fieber und Reizbarkeit. Außerdem wurden Schläfrigkeit, Benommenheit sowie vermehrtes Weinen bei Säuglingen und Kleinkindern beobachtet. Der Impfstoff selbst kann nach heutigen Erkenntnissen jedoch keine Meningitis auslösen.

Mein Tipp:

Die Impfung gegen Meningokokken sollte wegen verminderter Antikörperbildung (dadurch möglicherweise weniger Schutzwirkung) nicht zusammen mit der Fünffach- bzw. Sechsfachimpfung und nicht gleichzeitig mit der Impfung gegen Pneumokokken gegeben werden. Bei gleichzeitiger MMR-Impfung wurden in Studien außerdem verminderte Antikörpertiter gegen Mumps und Röteln beobachtet.

Impfung gegen Pneumokokken sinnvoll?

Pneumokokken rufen Erkrankungen wie Lungen-, Mittelohr- und Hirnhautentzündung hervor. Die Pneumokokken-Meningitis ist bei Kindern die zweithäufigste Form der bakteriellen Hirnhautentzündung. In Deutschland erkranken daran pro Jahr zwischen 200 und 300 Kinder. Bis zu 10 Prozent von ihnen sterben und weitere 15 bis 20 Prozent behalten bleibende Schäden wie Taubheit oder Gehirnschäden zurück. Pneumokokken sind wie die Meningokokken bekapselte Bakterien, von denen es über 90 verschiedene Serotypen gibt. 20 davon sind verantwortlich für 90 Prozent der Infektionen beim Menschen.
Durch den Impfstoff Prevenar® wird bei Säuglingen und Kleinkindern unter zwei Jahren eine gute Schutzwirkung erzielt. Der Impfstoff ist 7-valent, das heißt, er wirkt gegen sieben verschiedene Serotypen, die in Deutschland 60 bis 70 Prozent aller schweren Infektionen wie Meningitis und Lungenentzündung ausmachen sollen. Allerdings wurde der Impfstoff für nordamerikanische Verhältnisse konzipiert, sodass Kritiker einwenden, dass vier der zehn in Europa häufigsten Serotypen im Impfstoff gar nicht enthalten sind. Die Erfolgsmeldungen dieses Impfstoffs, der die sieben Serotypen abdeckt, die in Nordamerika über 80 Prozent der schweren Erkrankungen bei Kindern ausmachen, müssen vor diesem Hintergrund betrachtet werden! Es gibt bisher keine kontrollierten klinischen Studien zur Schutzwirkung von Prevenar® in Europa.
In Amerika zeigten sich beachtliche Impferfolge: Die Rate an schweren Pneumokokken-Erkrankungen ging bei Kindern in den ersten fünf Lebensjahren um 65 bis 72 Prozent zurück, darunter bis zu 88 Prozent der pneumokokkenbedingten Hirnhautentzündungen. Es mussten 40 Prozent weniger Kinder mit Lungenentzündung stationär behandelt werden. Die Häufigkeit von Mittelohrentzündungen reduzierte sich bei den geimpften Kindern je nach Studie um 6 bis 28 Prozent. Es ist allerdings möglich, dass in Zukunft andere Serotypern der Pneumokokken, die nicht im Impfstoff enthalten sind, an Bedeutung gewinnen und der Impfeffekt daher geringer ausfallen könnte. Dafür gibt es in den USA, wo die Pneumokokkenimpfung seit 2000 generell empfohlen wird, auch schon erste Anzeichen, jedoch noch nicht in nennenswertem Umfang.
Als positiver Nebeneffekt dieses Impfstoffes zeigte sich, dass geimpfte Kinder zu 50 Prozent seltener Asthma entwickeln als ungeimpfte Kinder.
Nebenwirkungen treten bei 20 bis 30 Prozent der Geimpften in Form von Lokalreaktionen an der Impfstelle sowie Fieber und grippeähnliche Beschwerden auf.

Mein Tipp:

Lassen Sie Ihrem Kind die Impfung gegen Pneumokokken besser nicht zusammen mit der Sechsfachimpfung (bzw. Fünffachimpfung plus Hepatitis-B-Impfung) geben. In Studien wurde eine deutliche Zunahme von Fieberreaktionen (bei bis zu 40 Prozent der Kinder) bei gleichzeitiger Impfung mit Infanrix® hexa beobachtet. Außerdem zeigte sich in klinischen Studien bei gleichzeitiger Impfung eine verminderte Immunreaktion auf Keuchhusten und Kinderlähmung. Auch eine gleichzeitige Impfung gegen Meningokokken ist wegen verminderter Antikörperbildung nicht sinnvoll.

Derzeit ist ein neuer, 11-valenter Pneumokokkenimpfstoff in der klinischen Erprobung. Damit könnten weitere in Europa häufige Serotypen abgedeckt werden, wodurch die Effektivität der Pneumokokkenimpfung zunehmen dürfte. Der Impfstoff Pneumovax® 23 deckt 23 Serotypen ab, die für ca. 90 Prozent aller Pneumokokken-Erkrankungen verantwortlich sind, darunter alle Typen, die eine Meningitis verursachen können. Der Impferfolg bei Erwachsenen beträgt 90 bis 95 Prozent (keine Daten für Kinder verfügbar), der Impfschutz hält fünf bis acht Jahre. Auffrischimpfungen sollten frühestens nach fünf Jahren gegeben werden, da häufig ausgeprägte Lokalreaktionen beobachtet wurden. Es gibt allerdings nur wenige Erfahrungen über die Verabreichung von mehr als einer Auffrischimpfung.

Mein Tipp:

Mehr zum Thema Impfungen gegen Meningokokken- und Pneumokokken mit Informationen darüber, wer wann welche Impfung erhalten sollte u.v.m. finden Sie in unserem Spezialreport „Impf-Wissen für Eltern“, den Sie unter www.elternwissen.com/shop/gesundheit-erziehung/spezialreport-impf-wissen.html bestellen können.

 

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