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Mädchen untersucht das Ohr eines anderen Mädchens
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Mittelohrentzündung: Wiederholungsrisiko senken

Was tun bei einem chronischen Paukenerguss

Ist ein chronischer Paukenerguss die Ursache für eine der häufigsten Kinderkrankheiten, der Mittelohrentzündung, empfiehlt der Arzt meist Paukenröhrchen und die Entfernung der Rachenmandel. Müssen diese Operationen wirklich sein? 

Expertenrat von 

Besonders Säuglinge im ersten Lebensjahr und Kinder im Kindergartenalter Kindergarten-Kindzwischen vier und sechs Jahren haben mit Ohrenschmerzen zu kämpfen. Problematisch sind jedoch nicht nur wiederholte Mittelohrentzündungen, sondern auch der chronische Paukenerguss.

Warum muss ein chronischer Paukenerguss behandelt werden?

Ein Paukenerguss ist eine Ansammlung von Flüssigkeit hinter dem Trommelfell, also in der Paukenhöhle,wie das Mittelohr auch genannt wird. Bei jeder Mittelohrentzündung bildet sich ein Paukenerguss, der nach dem Abklingen der Entzündung über Wochen bis Monate hinweg bestehen bleiben kann. Ist er nach drei Monaten nicht wieder abgeklungen,wird er als chronisch bezeichnet. Der Erguss ist aber nicht nur die Folge, sondern oft auch die Ursache weiterer Mittelohrentzündungen.

Ein Paukenerguss ist nicht schmerzhaft, eventuell hat Ihr Kind ein leichtes Druckgefühl im Ohr. Die Flüssigkeitsansammlung behindert aber die Schwingung des Trommelfells, sodass eine Schwerhörigkeit entsteht. Dadurch kann das Hörvermögen um 20 bis 30 Dezibel vermindert sein. Zum Vergleich: Ein Schallschutz von 30 Dezibel lässt sich nicht einmal durch das Tragen von Ohropax erreichen! Betroffene Kinder verstehen ein in normaler Lautstärke geführtes Gespräch nicht mehr. Besteht ein beidseitiger Paukenerguss für längere Zeit, leidet darunter die normale Sprachentwicklung.

Wieso sind Mittelohrentzündung und Paukenerguss bei Kindern so häufig?

Das Mittelohr ist beim Gesunden ein luftgefüllter Hohlraum, der zwischen Trommelfell und Innenohr liegt (siehe Abbildung auf Seite 2). Für die Belüftung sorgt die Ohrtrompete (auch Tube oder Eustachische Röhre genannt), ein mit Schleimhaut ausgekleideter Verbindungsgang zwischen Rachenraum und Paukenhöhle. Über diesen „Luftkanal“ gelangt beim Schlucken und Gähnen Luft in die Paukenhöhle, und Flüssigkeit kann abfließen. Bei Säuglingen und Kleinkindern ist die Ohrtrompete noch sehr kurz.

Daher können Keime aus dem Nasen-Rachen-Raum leichter ins Ohr eindringen – es kommt zur akuten Mittelohrentzündung. Wie beim Schnupfen schwillt die Schleimhaut im Mittelohr und in der Ohrtrompete an – es bildet sich Sekret. Das nun im Mittelohr gestaute Sekret ist die Ursache der Ohrenschmerzen. Heilt die akute Mittelohrentzündung aus, bildet sich nach einigen Wochen auch der Paukenerguss zurück.

Mein Tipp
Dass Ihr Kind bei einer akuten Mittelohrentzündung vorübergehend schlecht hört, ist völlig normal. Hält diese Schwerhörigkeit danach jedoch länger als vier Wochen an, sollten Sie mit ihm zum Hals-Nasen-Ohrenarzt gehen.

10 bis 35 Prozent der Kinder (je nach Alter) leiden jedoch unter einer Belüftungsstörung der Paukenhöhle mit chronischem Paukenerguss. Die Ohrtrompete kann durch ständige Infekte oder eine Allergie dauerhaft zugeschwollen sein. Oft ist die Öffnung der Ohrtrompete durch Wucherungen der Rachenmandel (im Volksmund als „Polypen“ bezeichnet) verlegt.

Eine vergrößerte Rachenmandel ist meist die Folge wiederholter Atemwegsinfekte. Von einer dauerentzündeten Rachenmandel kann allerdings auch dann eine Gefahr ausgehen, wenn sie nicht vergrößert ist. Die Entzündung bzw. die Erreger können von der Rachenmandel über die Ohrtrompete immer wieder auf das Mittelohr übergreifen.

Ist die Ohrtrompete verschlossen, sammelt sich Sekret in der Paukenhöhle. Anfangs ist es noch dünnflüssig, es dickt jedoch mit zunehmender Krankheitsdauer immer stärker ein. Dieses zähflüssige Sekret ist der ideale Nährboden für Keime und somit für eine chronische Mittelohrentzündung.

So können Sie Mittelohrentzündungen vorbeugen

  • Stillen Sie Ihr Baby mindestens vier Monate lang. Gestillte Kinder haben ein dreimal geringeres Risiko, an einer Mittelohrentzündung zu erkranken.
  • Lassen Sie Ihr Kind rauchfrei aufwachsen. Kinder, die mitrauchen müssen, haben ein um 60 Prozent höheres Risiko für Mittelohrentzündungen. Säuglinge, die auf dem Rücken schlafen, leiden seltener unter Mittelohrentzündungen als Bauchschläfer (wir berichteten in Heft 8/03).
  • Verzichten Sie auf den Schnuller. Eine finnische Studie zeigt, dass Kinder, die den Schnuller auch tagsüber im Mund haben, um 33 Prozent häufiger unter Mittelohrentzündungen leiden. Geben Sie Ihrem Kind den Schnuller – wenn überhaupt – nur zum Schlafen.
  • Lassen Sie Ihr Kind bei Schnupfen die Nase hochziehen. Schnäuzt Ihr Kind nämlich kräftig durch beide Nasenlöcher, kann das erregerhaltige Nasensekret durch den erzeugten Überdruck über die Ohrtrompete bis ins Mittelohr gelangen. Beim Hochziehen wird das Sekret hingegen geschluckt, und die enthaltenen Erreger werden durch die Magensäure unschädlich gemacht.
  • Nicht mit noch feuchten Haaren ins Freie gehen. Verzichten Sie bei Erkältungen auf Schwimmbadbesuche und waschen Sie Ihrem Kind in der kalten Jahreszeit am besten abends die Haare, da es dann nicht mehr hinausgeht.
  • Lassen Sie Ihr Kind in der nasskalten Jahreszeit nicht ohne Kopfbedeckung aus dem Haus. Wichtig sind Stirnband oder Mütze besonders bei kaltem Wind.
  • Bei wiederholten Mittelohrentzündungen sind Impfungen gegen Pneumokokken, Grippeviren und Haemophilus influenzae Typ B (HiB) sinnvoll (wir berichteten in Heft 11/03). Die genannten Erreger sind typische Auslöser einer akuten Mittelohrentzündung.

Welche Maßnahmen Sie versuchen sollten, bevor Sie einer Operation zustimmen

Bei einem chronischen Paukenerguss muss einerseits die Belüftung der Paukenhöhle verbessert sowie andererseits das oft zähflüssige Sekret verflüssigt und zum Abfließen gebracht werden. Folgende Maßnahmen sind sinnvoll:

  • abschwellende Nasentropfen 3- bis 4-mal täglich, jedoch nicht länger als acht bis 14 Tage, Mein Tipp: Verwenden Sie kein Nasenspray, sondern eine Pipette. Legen Sie Ihr Kind zur Verabreichung der Tropfen hin oder lassen Sie es den Kopf zurücklegen, damit die Tropfen an die Rachenhinterwand zu den Öffnungen der beiden Ohrtrompeten gelangen.
  • Medikamente zur Schleimverflüssigung wie z. B. die pflanzlichen Sinupret®-Tropfen oder Ambroxol, etwa in Mucosolvan® Kindersaft (Dosierung siehe Packungsbeilage),
  • Rotlichtbestrahlungen zweimal täglich auf Wange und Ohr (Abstand mindestens 50 Zentimeter!) verbessern die Durchblutung,
  • antibiotische Behandlung bei bakteriellen Entzündungen im Nasen-Rachen-Raum, z. B. im Falle eines eitrigen, grüngelben Schnupfens,
  • möglichst oft zuckerfreien Kaugummi kauen lassen, sofern Ihr Kind das bereits beherrscht, ohne den Kaugummi zu verschlucken (ab etwa drei bis vier Jahren; Kauen öffnet die Ohrtrompete!),
Mein Tipp
Lassen Sie Ihr Kind bei jedem Schnupfen möglichst oft Kaugummi kauen, da durch die verbesserte Belüftung der Paukenhöhle eine Mittelohrentzündung eventuell vermieden werden kann. 
  • Spielerischer Druckausgleich mit dem Nasenballon (geeignet ab etwa vier Jahren): Ihr Kind muss dazu mehrmals täglich einen medizinischen Luftballon mit einem definierten Öffnungsdruck über einen Ansatzstutzen mit der Nase aufblasen. Diese Nasenballons sind unter dem Namen Otovent® oder Otobar® in Apotheken erhältlich und können vom Arzt verschrieben werden.
  • Eine homöopathische Konstitutionsbehandlung ist oft sehr hilfreich,muss aber immer von einem ausgebildeten Homöopathen durchgeführt werden.
  • Lassen Sie einen Allergietest machen! Ist eine Allergie z. B. gegen Hausstaubmilben, Schimmelpilze oder (gar nicht so selten!) Kuhmilch Auslöser der Schleimhautschwellung in der Ohrtrompete, nützt selbst eine Operation wenig. Dann muss das auslösende Allergen gemieden werden, also die Wohnung saniert oder Kuhmilch und Milchprodukte weggelassen werden.

Wann ist eine Operation erforderlich?

Haben alle genannten Maßnahmen keine Besserung gebracht, ist bei Vorliegen einer der folgenden Bedingungen ein operativer Eingriff zu empfehlen:

  • beidseitiger chronischer Paukenerguss über mehrere Monate (Gefahr der gestörten Sprachentwicklung aufgrund der Schwerhörigkeit),
  • gehäufte Mittelohrentzündungen (mehr als drei Ohrenentzündungen in sechs bzw. mehr als vier in zwölf Monaten),
  • ständig behinderte Atmung aufgrund einer Vergrößerung der Rachenmandel (siehe Test).
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