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Junge liest ein Buch, dessen Seiten leuchten
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Buchvorstellung im Deutschunterricht

Lust auf Lesen

Ferienzeit ist Lesezeit. Das gilt sicher nicht für alle Schüler, aber viele Kinder und Jugendliche finden in den langen Sommerferien (wieder) ausreichend Zeit und Ruhe, um sich dem ein oder anderen Buch zu widmen. Manche verschlingen in dieser Zeit auch richtige Bücherberge – vorzugsweise mehrere Bände einer Serie. Lehrer nutzen dies häufig dafür, um zum Schuljahresbeginn mithilfe von Buchvorstellungen im Deutschunterricht auch die Klassenkameraden für die Lektüre zu begeistern. Wahrscheinlich ist diese Form der Motivation sogar eine der besten. Denn was weckt die Lust am Lesen mehr, als wenn Schüler andere Schüler neugierig machen auf „besondere“ Geschichten? Wie Ihrem Kind eine solche Buchvorstellung gut gelingen kann, lesen Sie im Folgenden Beitrag. 

Expertenrat von 

Eine gute Buchvorstellung hängt im Wesentlichen von drei Dingen ab: von der Auswahl des passenden Buches, der sachkundigen Vorbereitung und guten Strukturierung sowie der anschaulichen und überzeugenden Präsentation.

1. Ein geeignetes Buch auswählen

Nicht selten zweifeln gerade pubertierende „Vielleser“ daran, ob ihr persönlicher Lesegeschmack oder ihre aktuellen thematischen Vorlieben bei den Klassenkameraden überhaupt auf Interesse bzw. Verständnis treffen. Jugendliteratur befasst sich mit Themen, die mitten im Leben, Denken und Empfinden der Jugendlichen verankert sind. Einen Roman über Liebe, Trennung, Sexualität, Trauer, Tod, Mobbing, Außenseiter etc. zu lesen, fasziniert, darüber vor der Klasse referieren zu müssen, beschämt aber möglicherweise. Ihr Kind sollte sich in diesem Fall also gut überlegen, ob seine Buchauswahl auch bei den Mitschülern auf Interesse stößt und ob es ohne Hemmungen über den Buchinhalt reden kann. Schüler, die eher weniger lesen, stehen oft vor einem anderen Problem. Ihnen stellt sich die Frage, welches Buch sie noch schnell lesen sollten, um überhaupt ein Buch vor der Klasse vorstellen zu können. Gehört Ihr Kind eher zu dieser Schülergruppe, dann können ihm die folgenden drei Internettipps bei der Auswahl des richtigen Jugendbuches behilflich sein. Die Vorteile: Ihr Kind bekommt vorrangig gute bzw. aktuell ausgezeichnete Bücher empfohlen und es kann sich bei der thematischen Auswahl des Buches selbst orientieren. Vielleicht kommt Ihr Kind so ja doch noch auf den Geschmack des Bücherlesens.

Internet-Tipps:

  • www.djlp.jugendliteratur.org
  • www.bildungsserver.de/Kinder-und-Jugendliteratur-Fach beitraege-Leseempfehlungen-Online-Lesetexte-2444.html
  • www.stiftunglesen.de/leseempfehlungen.html

2. Richtig informieren und strukturieren

Eine Buchvorstellung ist einerseits „Werbung“ für das jeweilige Buch, andererseits aber auch bis zu einem gewissen Punkt Information über das Buch. Durch eine Buchvorstellung soll Ihr Kind also die Neugier seiner Klassenkameraden wecken und sie auf den Geschmack bringen, das Buch selbst zu lesen. Zusätzlich erwarten die Lehrer von Ihrem Kind, dass es die Klasse aber auch so weit über das Buch und seine Geschichte informiert, dass seine Ausführungen nachvollziehbar sind, wichtige Personen, Konflikte, Botschaften etc. verstanden werden. Das ist nicht immer leicht, kann aber wie folgt gelingen:

Was Ihr Kind über das Buch wissen sollte

Je mehr Ihr Kind neben dem Inhalt sonst noch über das Buch weiß, umso besser kann es einschätzen, was für seine Zuhörer von Bedeutung und Interesse sein könnte. Deshalb sollte Ihr Kind bei der Vorbereitung seiner Buchvorstellung versuchen, auch folgende Fragen Antworten zu finden.

  • Wer ist der Autor?
  • Gibt es im Buch autobiografische Anlehnungen z.B. an Figuren, Erlebnisse, Orte etc.?

Struktur und Ablauf einer Buchvorstellung

Folgende wichtige Punkte sollte Ihr Kind für seine Buchvorstellung vorbereiten:

Allgemeine und besondere Informationen zum Buch

  • Titel
  • Autor
  • Textgattung (z.B. Roman)
  • Verlag, Auflage, Preis etc.

Der Inhalt

  • Beschreibung und Charakterisierung der Hauptpersonen
  • Zeit
  • Ort
  • Aufbau und Abfolge der Handlung. (Hier gut abwägen, welche Infos wichtig sind und welche weggelassen werden müssen, um Spannung und Neugier zu erzeugen.)
  • Probleme, Konflikte und Botschaft des Buches

Die Sprache

  • Sprachlicher Aufbau, Auffälligkeiten, Redebeispiele einzelner Personen etc.
  • Typische Stellen

Lesebeispiele

  • Textstellen, die neugierig machen
  • Botschaft des Buches als Zitat etc.

Eigene Meinung und Empfehlung

  • Warum ist dieses Buch besonders zu empfehlen?

Gestaltung eines Plakates, alternativ einer Beamer-Präsentation

  • Bild von Buchcover
  • Bild von Autor
  • Bilder, die zu bestimmten inhaltlichen Passagen des Buches passen, Stimmungen wiedergeben etc.
  • knappe Übersicht über alle wichtigen Infos aus allen Bereichen, z.B. als Mindmap
  • Wie wurde das Buch von den Lesern, wie von den Kritikern aufgenommen?

Der Ablauf der Buchvorstellung vor der Klasse könnte dann z.B. folgendermaßen ablaufen:

1. Opener (Eröffnung und Geschmackmacher)

Z.B.: Vorlesen einer spannenden Textstelle, um die Neugier der Zuhörer gleich von Anfang an zu wecken.

2. Einleitung

  • Vorstellung des Buchcovers, Titel, Erscheinungsjahr etc.
  • Persönlicher Bezug zum Buch, z.B: Ich habe den Roman zum Geburtstag geschenkt bekommen und war so begeistert davon, dass ich ihn an einem Tag durchgelesen habe.

3. Hauptteil

  • Wichtiges und Interessantes zum Autor (s.o.), Auflagenzahl, Textgattung etc.
  • Ort, Zeit, Aufbau
  • Wiedergabe der Handlung mit ausgewählten Textstellen als Leseprobe, aber Achtung! Nicht alles verraten, sondern Neugier schaffen, offene Fragen stellen.
  • ·         Parallel Infos, Bilder, offene Fragen, zentrale Konflikte, Botschaft etc. mit Plakat oder Beamer veranschaulichen.

4. Eigene Meinung und Empfehlung

Aus welchen Gründen ist das Buch lesens- bzw. empfehlenswert? Z.B.:

  • aktuelles Thema,
  • spannende, ungewöhnliche Geschichte,
  • ansprechende Charaktere,
  • gute Sprache, gut lesbar etc.

5. Schluss

Hier gibt es je nach Buch verschiedene Möglichkeiten die Präsentation durch einen guten Schluss abzurunden, z.B.

  • einen Hörbuchausschnitt, gelesen vom Autor selbst,
  • selbst eine spannende Textstelle vorlesen und dann an passender Stelle abbrechen,
  • Aufgreifen eines der zentralen Zitate des Buches und anschließende Diskussion etc.

3. Anschaulich und lebendig präsentieren

Selbst das spannendste Buch kann wie eine Schlaftablette wirken, wenn bei seiner Vorstellung einfach nur Fakten „runtergerattert“ werden. Eine gute Buchvorstellung lebt hingegen davon, dass sie dem Publikum die Handlung und Charaktere möglichst lebendig näherbringt, und – so gut wie möglich – auch Stimmungen des Buches vermittelt. Die Zuhörer sollen ein wenig „eintauchen“ können in die Geschichte des Buches und so Lust auf mehr bekommen. Das gelingt Ihrem Kind am besten, wenn es:

  • die wichtigsten Charaktere präzise beschreibt, z.B. mithilfe von Adjektiven wie „schön“, „verrückt“, „sensibel“,
  • durch Leseproben punktuell in die Geschichte eintaucht,
  • Spannung und Interesse erzeugt, indem es offene Fragen formuliert,
  • durch Bilder, z.B. vom Autor, von verschiedenen Buchcovern, evtl. weiteren passenden Bildern Stimmungen des Romans einfängt,
  • und mithilfe einer Beamerpräsentation oder eines gut lesbaren und ansprechend gestalteten Plakates den Ablauf und die wichtigsten Inhalte der Buchvorstellung veranschaulicht.

Unser Tipp: Bewusst eine positive Körpersprache einsetzen

Ob Ihr Kind selbst Spaß an seiner Buchvorstellung hat und sich dabei locker und sicher fühlt, spüren seine Klassenkameraden sofort. Über seine Körpersprache sendet es nämlich (meist unbewusst) eindeutige Nachrichten an sein Publikum. Wichtig zu wissen: Je selbstbewusster und positiver Ihr Kind dabei vor der Klasse steht, umso überzeugender und freundlicher wirkt es und die Aufmerksamkeit seiner Zuhörer ist ihm ziemlich sicher. Extreme Unsicherheit und „Fluchtverhalten“ (z.B. durch zu schnelles oder leises Reden), halbherziges Runterreißen des Vortrags und ein genervter Gesichtsausdruck bewirken hingegen, dass auch die zuhörenden Schüler den Vortrag nicht ernst nehmen. Meist wird es dann in der Klasse schnell unruhig oder laut. Da Körpersprache nicht nur die innere Befindlichkeit widerspiegelt, sondern auch die innere Verfassung positiv beeinflussen kann, sollte Ihr Kind für seinen Vortrag folgende körpersprachlichen Signale trainieren:

  • Haltung: ein fester, sicherer Stand, bei dem beide Füße gleichermaßen belastet sind. Eine aufrechte (Brust raus, Bauch rein), aber dennoch lockere Körperhaltung. Beim Reden nicht verstecken, z.B. hinter einem Tisch, nicht die „kalte“ Schulter zeigen, sondern offen und dem Publikum zugewandt reden.
  • Mimik: ein (nicht übertrieben) freundlicher Gesichtsausdruck, der passend zum erzählten Inhalt ernst, nachdenklich etc. werden kann. Blickkontakt zum Publikum halten!
  • Gestik: mindestens eine Hand sollte frei sein – Karteikarten als Redemanuskript helfen dabei, sodass die andere Hand frei gestikulieren kann.
  • Stimme: deutlich, (nicht zu) laut, angemessenes Tempo mit gut überlegten Sprechpausen, um Spannung zu erzeugen, Zuhörern Zeit zum Nachdenken zu lassen etc., variieren der Tonlage, z.B. bei Fragen Stimme heben, etc.

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