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Gruppe von Schülern beim lernen
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Gemeinsam erfolgreich lernen

Stark im Team

Wenn sich der pubertierende Nachwuchs zum Lernen für eine Klassenarbeit mit Freunden verabredet, finden viele Eltern das erst einmal nicht so gut. Dahinter steht natürlich die nicht selten begründete Sorge, dass bei einem solchen Treffen alles andere außer Lernen stattfindet. Statt den Jugendlichen das gemeinsame Lernen jedoch auszureden, sollten Sie als Eltern eher dabei unterstützen, dass solche Verabredungen auch zu produktiven Ergebnissen führen. Denn gelingt das gemeinsame Lernen mit der Zeit, so profitiert Ihr Kind davon in der Regel mehr, als wenn es alleine lernt. Warum das so ist, lesen Sie im Folgenden. 

Expertenrat von 
Dr. Jan-Uwe Rogge, Familienberater und Bestsellerautor

Sicher ist nicht jeder Schüler gleichermaßen daran interessiert, zusammen mit Gleichaltrigen für die Schule zu lernen. Wenn Ihr Kind aber Lust dazu hat und einen guten Freund oder eine gute Freundin kennt, die ebenfalls Spaß daran hat, dann können die beiden mit der Zeit ein sehr erfolgreiches Lernteam werden. Im Wesentlichen zwei Gründe erklären, warum gemeinsames Lernen sinnvoll sein kann:

Grund 1: Das Gehirn lernt leichter und motivierter

Der erste Grund hat etwas mit der neurobiologischen Funktionsweise und Beschaffenheit unseres Gehirns zu tun:

Diese Abbildung zeigt, mit welchen Lern- und Wahrnehmungskanälen Menschen im Durchschnitt wie viele Informationen behalten können. Einerseits wird hier deutlich, dass Lernen immer dann effektiv wird, wenn mehrere Kanäle gleichzeitig am Lernen beteiligt sind. Andererseits – und das ist in unserem Zusammenhang wichtig – zeigt die Statistik, dass Ihr Kind bereits ca. 70 Prozent von dem behalten wird, was es einem Freund oder einer Freundin erklärt. Es gibt also für das menschliche Gehirn kaum eine bessere Lernstrategie als das gegenseitige Erzählen und Erklären. So bleibt der Lernstoff nicht nur besser im Gedächtnis haften, Ihrem Kind fällt bei einem solchen gemeinsamen Lernen auch schneller auf, was es noch nicht so gut verstanden hat. Hinzu kommt, dass man die Bedeutung von Spaß oder Freude beim Lernen für den Lernerfolg nicht unterschätzen sollte.

Das Gehirn lässt sich bereitwilliger und somit leichter auf einen Lernstoff ein, wenn die Atmosphäre fröhlich und entspannt ist. Der Lernstoff wird dann mit positiven Gefühlen assoziiert, was sich grundsätzlich auch positiv auf die Lernmotivation Ihres Kindes auswirkt. Das gemeinsame Lernen mit Freunden dauert vielleicht manchmal ein bisschen länger oder ist phasenweise auch unkonzentriert, kann im Endeffekt aber bessere Früchte tragen als verbissenes Alleinelernen.

Grund 2: Die Teamfähigkeit wird trainiert

Dieser Grund ist offensichtlich wichtig. Sicher gibt es Menschen, die eher dafür „gemacht“ sind, alleine für sich zu lernen. Aber auch diese Schüler müssen zunächst in der Klassen- und Schulgemeinschaft zusammen mit anderen Schülern arbeiten und auch später während ihrer Ausbildung sowie im Berufsleben mit ihren Mitmenschen auskommen. Abgesehen davon, dass die meisten Schüler es schlicht genießen, gute Freunde zu haben und unter Gleichaltrigen anerkannt zu sein, verlangt Teamarbeit Ihrem Kind aber doch einiges mehr an sozialer Kompetenz ab. Teamarbeit bedeutet nämlich:

  • Kommunikative Regeln berücksichtigen können, z.B. zuhören, ausreden lassen, fair kritisieren, wertschätzen, anerkennen etc.,
  • Kompromisse eingehen können, die Vorstellungen müssen abgeglichen werden,
  • Toleranz üben, nicht jeder kann oder weiß alles,
  • als Einzelner trotzdem Verantwortung übernehmen für das ganze Projekt,
  • planerische Kompetenz entwickeln, sodass sich die einzelnen Teammitglieder wirklich zeitlich und inhaltlich entlasten etc. 

Ihr Kind lernt zusammen mit seinen Freunden also nicht nur gehirngerecht und effektiv, sondern es sammelt zusätzlich auch noch eine große Portion Erfahrung im Bereich „Teamarbeit“. Doch bis zu diesem „Idealzustand“ ist es für manche Schüler mitunter ein weiter Weg. Statt aber gleich ganz das gemeinsame Lernen mit Gleichaltrigen zu lassen, lohnt es sich, genauer hinzusehen und zu überlegen, warum das Zusammenlernen zu Hause vielleicht noch nicht gut genug gelingt. Die Gründe hierfür können ganz verschieden sein, z.B.:

Das gemeinsame Lernen zu Hause wird durch keinen Lehrer organisiert oder angeleitet. Sich nachmittags nun selbst zu organisieren und selbst zu disziplinieren fällt vielen Schülern verständlicherweise nicht leicht. Das zu lernen, ist aber eine wichtige Aufgabe und Herausforderung für Ihr Kind!

Oder das Arbeitsteam stimmt nicht?! Bevor Ihr Kind für das nächste gemeinsame Lernen gleich auf den besten Freund oder die beste Freundin zurückgreift, sollte es einen Moment lang überlegen, ob die beiden auch als Arbeitsteam zusammenpassen.

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Regeln für das gemeinsame Lernen:

Die folgenden Tipps helfen aus unterschiedlichen Gründen allen Typen, beim gemeinsamen Lernen konzentrierter und organisierter zur Sache zu gehen:

Regel 1: Einen zeitlichen Rahmen festlegen

Damit sich Ihr Kind zeitlich nicht verzettelt, sollte die Dauer der gemeinsamen Arbeitszeit vorab festgelegt werden, z.B. zwei Stunden. Steht nicht „unendlich“ viel Zeit zur Verfügung, fällt es in der Regel leichter, sich auf das Arbeiten zu konzentrieren.

Regel 2: Die Themenmenge muss überschaubar sein

Wenn sich der Lernstoff zu allzu hohen, scheinbar „unbezwingbaren“ Bergen aufstaut, dann frustriert das nur. Die Gefahr, dass Schüler dann gar nicht ins Lernen kommen, sondern auch gemeinsam eher Vermeidungs- als Lernstrategien „auspacken“, ist groß. Daher ist es sinnvoll, wenn Schüler pro Arbeitstreffen nur ein oder zwei überschaubare Themenbereiche bearbeiten.

Regel 3: Den Ablauf des gemeinsamen Lernens strukturieren

Möchte sich Ihr Kind zusammen mit einem Freund oder einer Freundin z.B. auf die nächste Klassenarbeit in Biologie vorbereiten, dann macht es Sinn, diese umfangreichere Arbeitszeit zunächst vorzuplanen. Drei Tage à zwei Stunden gemeinsames Lernen könnten dann folgendermaßen strukturiert sein:

1. Tag: Beide Schüler haben jeweils einen Themenbereich zu Hause vorbereitet und tragen ihn sich nun gegenseitig vor. Anschließend klären und beantworten sie Fragen und sichern ihre Ergebnisse z.B. auf Karteikarten oder in Schaubildern. Weitere Themen werden untereinander aufgeteilt.

2. Tag: Zunächst werden die Themen vom ersten Tag wiederholt. Anschließend werden die neuen Themenbereiche wie an Tag 1 aufgearbeitet.

3. Tag: Idealerweise dient dieser Tag nur der Wiederholung in Form von gegenseitiger Erklärung der Inhalte. Sinnvoll ist es, wenn zusätzlich Fragen überlegt und ausgearbeitet werden, die in der Klassenarbeit vorkommen könnten.

Regel 4: Wichtige Gesprächs- und Feedbackregeln festlegen

Vor allem wenn Ihr Kind mit mehreren Freunden gemeinsam lernt, ist es wichtig, dass vorab die Kommunikationsregeln festgelegt werden. Diese sollten eigentlich selbstverständlich sein, aber es kann nicht schaden, noch einmal gemeinsam daran zu erinnern, z.B.:

 

  • ausreden lassen und aufmerksam zuhören
  • Anmerkungen, Bemerkungen, Hinweise etc. nur zum Thema
  • Positives Feedback: Was gefällt mir? Was habe ich verstanden? Was verstehe ich noch nicht? Wo sehe ich Schwierigkeiten, wie können wir sie lösen? Wer hat welche Ideen? Wie kann ich dir helfen? Etc.

 

Elterntipp: Unterstützen Sie bei der Teamarbeit!

Wenn Referate, Klassenarbeiten oder mündliche Vorträge gut gelingen, dann gelingt offensichtlich auch das Zusammenlernen Ihres Kindes mit Freunden – auch wenn der äußere Anschein das vielleicht zunächst nicht vermuten lässt. Sind die Arbeitsergebnisse hingegen schlecht, dann sollten Sie gemeinsam mit Ihrem Kind das Arbeitsteam und den Ablauf der gemeinsamen Arbeit überdenken. „Verkneifen“ Sie sich dabei den „pädagogischen Zeigefinger“ oder Vorwürfe im Sinne von: „Siehst du, habe ich doch gleich gesagt …“ Stellen Sie besser Fragen, auf die Ihr Kind dann selbst eine Antwort finden kann: „Was funktioniert beim Lernen mit Ben gut?“ „Wo gibt es Probleme?“ „Welche Lösung fällt dir ein?“etc.

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