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Unterforderter Junge im Schulunterricht
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Unterforderung in der Schule

So helfen Sie Ihrem Kind

Tut Ihr Kind sich sehr leicht mit dem Lernstoff, begreift es sehr schnell und widmet sich von sich aus Themen, die nicht altersentsprechend sind? Dann ist es wahrscheinlich im Unterricht unterfordert. Ich zeige Ihnen Wege auf, wie Sie auf die Unterforderung Ihres Kindes eingehen und sein beschleunigtes Lernen sinnvoll unterstützen können. 

Expertenrat von 
Annette Holl, Grundschullehrerin

Beispiel 1: Viel zu tun am Nachmittag

Martina, Schülerin in der 3. Klasse einer Kollegin, hat eine sehr schnelle Auffassungsgabe. Im Zeugnis hat sie in sämtlichen Fächern eine 1. Da sie ihre Hausaufgaben in Rekordgeschwindigkeit erledigt, bleibt ihr viel Zeit zum Spielen und Lesen. Außerdem spielt sie Klavier, geht ins Leistungsturnen und ist Mitglied im Schachklub.

Kinder, denen die Schule leicht von der Hand geht, sind nicht zwangsläufig unterfordert. Oftmals sind sie glücklich, weil sie viel Zeit für ihre anderen Interessen und Neigungen haben.

Ist Ihr Kind also ausgeglichen und fällt in der Schule nicht negativ auf, dann gönnen Sie ihm das! Lassen Sie es seine nicht vollständig ausgelasteten Ressourcen für Aktivitäten im musischen, künstlerischen oder sportlichen Bereich nutzen. Sorgen Sie außerdem für eine anregende häusliche Umgebung:

  • Stellen Sie ihm Kinderlexika und Sachbücher zur Verfügung.
  • Geben Sie ihm Bücher oder Hörspiele, die für eine ältere Zielgruppe gedacht sind.
  • Machen Sie gemeinsam Denk- und Knobelspiele und nutzen Sie Lernapps.
  • Abonnieren Sie ein Kinder-Wissensmagazin (z.B. Dein Spiegel, Zeit LEO, Geolino). 

Mein Tipp:

Kinderakademien oder Kinderunis (z.B. die Hector-Akademien in Baden-Württemberg, die Kinderakademie Fulda, die Kinderuni Bonn oder Tübingen) machen besonders interessierten Grundschülern intellektuell anspruchsvolle Angebote. Vielleicht können Sie mit etwas Fahraufwand auch Ihr Kind zu einem Workshop oder einer Vorlesung bringen? Die Hörbücher aus der „Kinder-Uni“-Reihe können eine Alternative für zu Hause sein.

Beispiel 2: Aufgaben mit Niveau

In meiner Klasse ist Luisa, eine aufgeweckte Erstklässlerin mit vielen Freundinnen. Bei Schuleintritt konnte sie lesen und bis 20 rechnen. Mit der Zeit schluderte sie ihre Aufgaben häufig unordentlich hin. Ich strich Aufgabenfelder in Mathe und ließ sie mit der Schreibschrift starten. Inzwischen arbeitet Luisa wieder sorgfältig und konzentriert.

Kommt Ihr Kind unzufrieden von der Schule nach Hause, weil es „wieder nichts Neues gelernt hat“, fühlt sich aber in seiner Klassengemeinschaft wohl? Dann reicht es nicht aus, die Arbeitsmenge zu vergrößern. Ihr Kind benötigt qualitativ anderes Futter als seine Klassenkameraden. Sprechen Sie baldmöglichst mit seinem Lehrer und überlegen Sie gemeinsam, wie ihm geholfen werden kann.

  • Vielleicht kann er zugunsten von Sach- und Knobelaufgaben Übungsseiten in Mathematik großzügig streichen?
  • Ein Kind mit sehr guter mathematischer Begabung kann die Zahlenraumerweiterung sowie das Erlernen der Multiplikation und Division mit entsprechendem Material selber vornehmen.
  • Vielleicht bekommt Ihr Kind mehr Wahlmöglichkeiten bei den Aufsatzarten?
  • Die Länge und der Schwierigkeitsgrad der Diktate lassen sich erhöhen. (Dann muss überlegt werden, wie es möglich gemacht wird, dass Ihr Kind seine benoteten Diktate zu einem anderen Zeitpunkt schreibt als seine Klassenkameraden.)
  • Ihr Kind könnte sein detailliertes Sachwissen bei Projekten oder in Referaten einbringen.
  • Fragen Sie nach den vom Bundesministerium für Bildung und Forschung ausgeschriebenen Schüler-Wettbewerben
Soziale Intelligenz: Die 7 Punkte Checkliste für echte Kinder-Freundschaften

 

Beispiel 3: Gähnende Langeweile und lautes Auftreten

Mika, der Sohn einer Freundin, kasperte im Unterricht herum, lachte seine „doofen“ Mitschüler aus und mache keine Hausaufgaben, weil er nichts üben wollte, was er „doch sowieso schon kann!“. Seine Klassenlehrerin riet zum Überspringen einer Klasse, was die optimale Lösung war. Schon nach kurzer Zeit war Mika ein ausgeglichener Junge.

Zeigt Ihr Kind neben kognitiver Unterforderung auch Verhaltensauffälligkeiten und hat wenig Anschluss an seine Klassenkameraden, macht das Überspringen einer Klasse Sinn. Da es ein gravierender Eingriff in die Schullaufbahn Ihres Kindes ist, müssen Sie in Absprache mit dem Lehrer und der Schulleitung genau planen.

Sinnvoll ist das Überspringen der zweiten Klasse. Das dritte Schuljahr bietet sich weniger an, weil dort viel neuer Stoff eingeführt wird und es spätestens jetzt Noten in allen Fächern gibt. Auch der Sprung von Klasse 3 direkt in die weiterführende Schule ist nutzbringend.

  • Es sollte sich zunächst um eine vorläufige Maßnahme handeln, die nach einer vereinbarten Zeitspanne (zwei bis sechs Wochen) von Ihrer und auch von Seiten des neuen Klassenlehrers aus wieder rückgängig gemacht werden kann.
  • Seien Sie sich darüber im Klaren, dass Ihr Kind in der neuen Klasse möglicherweise „nur“ durchschnittliche Leistungen bringen wird oder sogar Lernprobleme hat. Vielleicht ist dann eine Rückkehr in die alte Klasse sinnvoll.

Im besten Fall verschwindet das auffällige Verhalten Ihres Kindes, weil es nun adäquat gefordert ist. Evtl. verschlimmert sich sein Verhalten aber auch, weil die Unterforderung nicht ausschlaggebend für seine Auffälligkeiten war.

Mein Tipp:

Erkundigen Sie sich, welche Bedingungen an der Schule Ihres Kindes gegeben sind, um es optimal zu unterstützen (z.B. Gibt es andere Kinder, die eine Klasse übersprungen haben? Gibt es eine Klasse, in der in offenen Lernformen unterrichtet wird?). Bleiben Sie hartnäckig, wenn der Lehrer Ihres Kindes Ihre Fragen abtut! Ziehen Sie ggf. einen Schulpsychologen oder eine Beratungsstelle hinzu und lassen Sie einen IQ-Test machen.

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