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So können Sie mit der Worst Case-Methode die Kreativität fördern

Mit guten Lernmethoden kreativ sein

Normalerweise sind Kinder besonders einfallsreich und kreativ, aber bei den Hausaufgaben oder beim Lernen nutzen sie diese Fähigkeit oft nicht und können nicht kreativ sein. Mit der „Worst-Case-Methode“ stelle ich Ihnen hier eine Möglichkeit vor, mit der Sie bei Ihrem Kind Kreativität fördern können. 

Expertenrat von 
Dipl.-Päd. Uta Reimann-Höhn, Lern- und Erziehungsexpertin

Die Worst-Case-Methode (schlimmster Fall) – auch Umkehrmethode oder Kopfsteh-Technik genannt – ist eine von Edward de Bono ins Leben gerufene Lernmethode zum Kreativität fördern und zur Lösung von Problemen. Sie funktioniert am besten in einer Gruppe von Personen, die kreativ sein wollen und sich alle mit der gleichen Frage beschäftigen, kann aber durchaus auch allein sehr effektiv angewendet werden. Schon Grundschüler verstehen die Vorgehensweise zum Kreativität fördern und finden Spaß daran, ihre Aufgabe einmal etwas anders zu betrachten, denn diese Lernmethode hilft wirklich beim kreativ sein und dabei, systematisch nach Ideen und Lösungen zu suchen. Kern der Worst-Case-Methode ist es, die Frage oder das Problem aus einem neuen Blickwinkel zu betrachten. Dabei wird die ursprüngliche Fragestellung auf den Kopf gestellt, um neue Perspektiven zu eröffnen und die Kreativität zu fördern.

Auf den Kopf gestellt zum kreativ sein

In vielen unterschiedlichen Situationen kann die Worst-Case-Methode den Blick auf die Aufgabenstellung erweitern und zu guten Erfolgen für die Kreativität führen. Stellen Sie sich beispielsweise vor, die Klasse Ihres Kindes soll zum nächsten Schulfest einen Kuchenverkauf organisieren. Nun müssen die Kinder kreativ sein und selber überlegen, was für dieses Ereignis wichtig ist. Aber anstatt in diese Richtung zu denken, könnte die Klasse als Übung zum Kreativität fördern auch überlegen, was den Kuchenverkauf zu einer Katastrophe machen könnte. Zum Beispiel:

  • Es sind nicht genug Kuchen da.
  • Es steht niemand am Verkaufstisch.
  • Das Wechselgeld fehlt.
  • Die Kuchen sind matschig und schmecken nicht.
  • Keiner kommt Kuchen kaufen, weil der Stand so einen schlechten Platz erhalten hat.

Zum Kreativität fördern die Katastrophe umgekehrt denken

Aus diesen Überlegungen heraus wird leicht ersichtlich, was für ein Gelingen des Schulfestes wichtig ist. Die Klasse muss

  • dafür sorgen, dass genügend Kuchen gebacken werden (Brief an alle Eltern schreiben mit Rückantwort),
  • den Verkauf planen (einzelne Schüler dafür einteilen),
  • Wechselgeld vorher besorgen,
  • die Kuchen kalt stellen, damit sie frisch und fest bleiben (eventuell Kühlschrank nötig),
  • einen Platz für den Stand wählen, an dem viele Eltern automatisch vorbeikommen.

Ablauf der Worst-Case-Methode zum Kreativität fördern

Dieses Prinzip funktioniert natürlich nicht nur im Unterricht, sondern auch bei den Hausaufgaben zum kreativ sein. Weitere Themen könnten beispielsweise sein:

  • Wie spare ich am besten Strom im Alltag? (Umkehrung: Wie verbrauche ich am meisten Strom?)
  • Was brauche ich, um ein gutes Referat vorzubereiten? (Umkehrung: Wie sieht ein schlechtes Referat aus?)
  • Wie behandle ich mein Haustier, damit es ihm gutgeht? (Umkehrung: Was muss ich tun, damit mein Haustier schnell stirbt/verendet?)
  • Was kann ich tun, damit die Umwelt nicht beschädigt wird? (Umkehrung: Was kann ich tun, damit ich der Umwelt so viel Schaden wie möglich zufüge?)

Im Folgenden stelle ich Ihnen die einzelnen Schritte der Worst-Case-Methode vor und verbinde diese dann jeweils mit einem Beispiel aus dem schulischen Alltag, damit Sie mit Ihrem Kind Kreativität fördern können. Um die Methode selber anzuwenden beziehungsweise Ihrem Kind zu vermitteln, können Sie dann die Themen beliebig verändern.

Schritt 1 zum Kreativität fördern: Genaue Fragestellung erläutern

Stellen Sie sich vor, Ihr Kind muss als Hausaufgabe in der 3. oder 4. Klasse einen Aufsatz zum Thema „Das hilft bei Angst vor Tieren“ schreiben. Dazu muss es kreativ sein. Sehen Sie sich gemeinsam mit Ihrem Kind die Aufgabenstellung genau an und stellen Sie sicher, dass Ihr Kind sie auch verstanden hat. Dabei hilft es, die Aufgabe mit eigenen Worten kurz nachzuformulieren.

„Ich soll einen Aufsatz darüber schreiben, wie es ist, Angst vor Tieren zu haben, und was dagegen hilft.“

Schritt 2 zum Kreativität fördern: Brainstorming (Gedankensammlung)

In diesem Schritt geht es darum, beim kreativ sein so viele Einfälle und Ideen rund um das Thema „Angst vor Tieren“ zu sammeln. Lassen Sie Ihrem Kind dazu viel Zeit, damit keine wertvollen Ideen als Kreativität verloren gehen. Alle Einfälle werden kommentarlos notiert, am besten auf ein übersichtliches, großes Blatt Papier. Dafür eignen sich sehr gut Flipchart-Blöcke (ca. 1 m x 65 cm, kariert oder blanco ab ca. 5€, z.B. bei http://www.schoenherr.de), die während der gesamten Schulzeit immer wieder wertvolle Hilfe leisten können, weil Ideen und Notizen der Kreativität auf ihnen übersichtlich gesammelt und dargestellt werden können. In unserem Beispiel könnten folgende Einfälle beim kreativ sein zusammengetragen werden:

  • große Hunde sind besonders bedrohlich, aber auch Pferde oder Spinnen
  • Kinder und Erwachsene haben Angst vor Tieren
  • man könnte Hunde verbieten
  • Spinnen ausrotten mit Insektengift
  • Fliegengitter vor alle Fenster machen
  • Hunde nur noch an sehr kurzen Leinen führen dürfen
  • Hunden das Beißen wegzüchten
  • Pferde kann man meiden, das ist leicht
  • viel über die Tiere lernen, damit man die Angst verliert
  • selber einen Hund anschaffen
  • Training gegen Angst vor Spinnen machen
  • ein Spray gegen Hunde dabei haben
  • ein Zimmer immer gut putzen, damit keine Spinnen in den Ecken sind

Die besten Argumente dieser Ideensammlung beim Kreativität fördern werden nun zusammengestellt und diskutiert – kompletter Unsinn wird aussortiert. Bei manchen Aufgaben ist es auch sinnvoll, eine Rangfolge beim kreativ sein zu entwickeln (in diesem Fall ist das unnötig).

Schritt 3 zum Kreativität fördern: Was kann im schlimmsten Fall passieren?

Nun wird die Frage oder das Problem umgekehrt, wobei Ihr Kind sich beim kreativ sein den schlimmsten Fall, der eintreten könnte, vorstellen soll. Das wäre hier, mit seiner Angst Tag für Tag konfrontiert zu werden.

Wie kann erreicht werden, dass alle Menschen ständig Angst vor Tieren haben?

Dabei kommt der eigentliche Clou der Methode beim Kreativität fördern zum Tragen. Jede gute gesammelte Idee des schlimmsten Falls (worst case) wird nun wieder in ihre Gegenlösung übertragen. Sie dient also als Lösungsansatz für die ursprüngliche Aufgabe. Dadurch, dass das Problem von unterschiedlichen Seiten betrachtet wird, werden Denkblockaden aufgehoben und mehr Lösungen gefunden als ohne Anwendung der Umkehr-Technik. So kann man mit der Lernmethode die Kreativität fördern.

Das sieht dann so aus:

Worst CaseSinnvolle Umkehrung

Alle Familien müssen einen Hund haben, auch wenn jemand große Angst vor Hunden hat.

In einer Familie wird ein Hund nur angeschafft, wenn alle Mitglieder sich dafür aussprechen, damit niemand Angst haben muss.

Insektenspray wird nicht mehr hergestellt oder verkauft, die Spinnen vermehren sich überall schnell.

In jeder Wohnung kann mit Insektenspray (z.B. Insekten-Hai/biologisch abbaubar) die Invasion von Spinnen und anderen Insekten nahezu ausgeschlossen werden.

Autos werden abgeschafft, alle müssen reiten, die Stadt ist voller Pferde.

Jeder kann Pferden aus dem Weg gehen, da sie sich nur in einem bestimmten Umfeld bewegen können. In der Stadt tauchen sie in der Regel nicht auf.

Fliegengitter für Fenster werden verboten, alle Insekten krabbeln in die Wohnungen.

In jeder Wohnung kann mit Fliegengittern die Invasion von Insekten nahezu ausgeschlossen werden.

Es gibt nur noch große, gefährliche Hunde, die gerne Menschen beißen.

Bei der Züchtung von Hunden sollte darauf geachtet werden, dass diese gutmütig sind und nicht beißen. Andere Hunde sollten verboten werden.

Das Geschwisterkind bekommt ein Terrarium mit Vogelspinnen, und manchmal reißen welche aus.

Exotische Tiere wie Vogelspinnen sollten in Wohnungen künftig verboten werden. Auf jeden Fall müssen alle Familienmitglieder solch einem Kauf zustimmen.

Schritt 4 zum Kreativität fördern: Der abschließende Aufsatz

Mit ein wenig Zeit und Spaß am Nachdenken entstehen so eine ganze Reihe von guten Ideen beim kreativ sein. Je mehr Personen sich an der Worst-Case-Methode zum Kreativität fördern beteiligen, desto umfangreicher wird auch das Ergebnis sein. Aus den möglichen Einfällen können nun die besten herausgesucht und zu einem stimmigen, kreativen Aufsatz zusammengesetzt werden.

Mein Tipp
Falls Ihrem Kind nicht nur Kreativität zum Aufsatzschreiben fehlt, sondern es auch mit der Rechtschreibung Schwierigkeiten hat, empfehle ich Ihnen mein aktuelles Rechtschreibtraining  „Sicher richtig schreiben“, das Sie auf unserer Internetseite  beziehen können.

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Kommentare zu "So können Sie mit der Worst Case-Methode die Kreativität fördern"

  • Tobias schreibt am 18.04.2016

    Gute Tag,
    gibt es eine Quellenangabe zu dieser Methode ? Woher stammen diese Informationen ?

    LG
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