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Junge mit Handy
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Mediensucht bei Teenagern: Das sind die ersten Anzeichen!

So erkennen Sie eine Mediensucht

Zwei Drittel aller 12- bis 19-Jährigen besitzen mittlerweile ein Smartphone. Die meisten sind permanent online – in der Stadt, in Cafés und in öffentlichen Verkehrsmitteln. Der Großteil telefoniert, sendet Nachrichten, schaut Videos oder hört Musik – am besten alles gleichzeitig. Dieses Bild ist schon längst zur Normalität geworden. Die Frage, wie viel Medienkonsum noch gesund ist, beschäftigt wahrscheinlich auch Sie als Eltern. Eine Antwort auf Ihre Fragen möchten wir in diesem Beitrag geben. 

Expertenrat von 

Der Fachverband Medienabhängigkeit e. V., der unter anderem von Experten der Medizinischen Hochschule Hannover, vom Mainzer Universitätsklinikum, von Fach- und Landesstellen sowie von der Stiftung Medien- und Onlinesucht gegründet wurde, kämpft um eine Anerkennung der Mediensucht als Krankheit. Mediensüchtigen soll ermöglicht werden, wie etwa bei Glücksspielsucht Hilfe auf Krankenschein in Anspruch zu nehmen. Nach neueren Untersuchungen sollen in Deutschland über 2 Millionen Menschen mediensüchtig sein. Besonders Jungen sind oft gefährdet, die meist Online-Rollenspielen verfallen und dort eine zweite Persönlichkeit „ausleben“. Aber auch viele Mädchen zeigen Suchttendenzen, wobei sie überwiegend in sozialen Netzwerken Kontakte und Anerkennung suchen.

Die größte Suchtgefahr für Teenager geht von Computerspielen aus

Das Kriminologische Forschungsinstitut Niedersachsen (KFN) führt an, dass fast jeder zehnte 15-Jährige in Deutschland exzessiv am Computer spielt und dabei mehr als 4,8 Stunden täglich vor dem Monitor sitzt. Etwa 5 Prozent der User weisen Symptome einer Abhängigkeit in Form von Entzugserscheinungen wie Unruhe, Nervosität, Unzufriedenheit, Gereiztheit und Aggressivität häufig auf.

Suchtforscher an der Berliner Charité fanden heraus, dass bei Computerspielen schnell eine Abhängigkeit entstehen kann, wenn das Gehirn auf Dauer bestimmten Belohnungsreizen ausgesetzt wird. Diese Reize führen im Vorderhirn zu einer Ausschüttung des Glückshormons Dopamin und damit wie beim Konsum von Drogen zu einem entsprechenden Glücksgefühl. Sich ständig wiederholende Belohnungsreize führen dann laut Forschern schließlich zu einem sogenannten Suchtgedächtnis, das jeglichen Bezug zur Realität verschwinden lässt. Sind die Jugendlichen erst mal abhängig, verlieren sie schnell die Kontrolle über ihre Zeit, vernachlässigen Freundschaften, Hobbys und natürlich auch die Schule.

Achtung: Kinder mit ADHS sind besonders anfällig!

Kinder mit ADHS sind nach Einschätzung von Ärzten besonders anfällig für Mediensucht. Der exzessive Konsum von Fernsehen und Videospielen sei bei diesen Kindern etwa dreimal so stark ausgeprägt wie bei ihren Altersgenossen. Laut Ärzten reagieren Kinder mit ADHS viel impulsiver auf Reize und greifen sofort zu, wenn ihnen eine Belohnung angeboten wird. Solchen Kindern kommt deshalb der Belohnungsmechanismus der PC-Spiele leider sehr entgegen. Zusätzlich fanden die Forscher heraus, dass Kinder mit ADHS durch regelmäßiges Computerspielen gute Fertigkeiten im Erkennen von Nebensächlichkeiten entwickeln. Da solche Kinder jedoch im Alltag und in der Schule sowieso schon große Schwierigkeiten haben, Wichtiges von Unwichtigem zu unterscheiden, trainieren sie am PC leider noch zusätzlich ihre Aufmerksamkeit für Unwichtiges.

Fünf Tipps bei einer drohenden Mediensucht

Die folgenden fünf Tipps sollen Ihnen vor allen Dingen helfen, es erst gar nicht zu einer Mediensucht kommen zu lassen.

1. Überlegen Sie genau, wie viel Sie Ihrem Kind zumuten möchten!

Natürlich darf Ihr Kind in der Liga der modernen Medien mitspielen, doch entscheidend ist letztlich das Maß. Sie müssen schließlich auch nicht jeden Modetrend mitgehen. Machen Sie sich (und bitte auch den Großeltern oder Verwandten) bewusst, dass Sie Ihrem Kind (und natürlich auch Ihrem Geldbeutel) mit den ständigen Neuanschaffungen alles andere als einen Gefallen tun. Natürlich verlieren neue Dinge irgendwann ihren Reiz: Ihr Kind wird jedoch in der Summe immer mehr Medien konsumieren sowie weniger Zeit zum Lernen, Bewegen und für direkte soziale Kontakte haben. Und natürlich besteht die Gefahr, dass so Suchttendenzen eher verstärkt werden. Hier gilt also auch der bekannte Grundsatz „Weniger ist mehr“.

2. Beobachten Sie Ihren Teenager!

Manche Kinder sind für Mediensucht anfälliger als andere. Beobachten Sie, wie sich Ihr Kind beim Fernsehen, bei Videospielen oder vor dem Computer verhält:

  • Beendet es ein Spiel selbstständig?
  • Geht es danach direkt zu einer Betätigung ohne Medien über, oder sucht es anschließend eine neue mediale Herausforderung?
  • Würde es stundenlang vor dem Computer oder der Spielekonsole aushalten?
  • Übernimmt Ihr Kind Ticks aus dem Computerspiel, wie beispielsweise Räuspern, ruckartige Bewegungen, Augenzucken oder andere nervöse Gesten, in den Alltag?
  • Kommt Ihr Kind auch mal mehrere Tage (beispielsweise im Urlaub oder bei einem Wochenendausflug) ohne Medienkonsum aus?

3. Sprechen Sie mit Ihrem pubertierenden Kind über Mediensucht!

Es gibt keine ideale, widerspruchsfreie und vor allem reibungslose Medienerziehung. Das ist genauso normal wie bei anderen Erziehungsfragen auch. Versuchen Sie aber, Widersprüche nicht zu verdecken, sondern im Gespräch mit den Kindern und Jugendlichen offen zu diskutieren und auszuhandeln. Dadurch wird allen Beteiligten deutlich, dass Medienerziehung ein gegenseitiger und gemeinsamer Lernprozess ist. Je dynamischer und offener solch ein Prozess abläuft, umso eher nähert man sich an. Das Gespräch wird umso erfolgreicher verlaufen, je besser Sie informiert sind. Dann ist es auch möglich, über Sinn und Unsinn eines bestimmten Videospiels bzw. einer App zu diskutieren oder Ihr Kind davon zu überzeugen, dass die neue Spielekonsole verhältnismäßig wenige Neuerungen bringt.

4. Reflektieren Sie Ihr eigenes Verhalten!

Was viele Eltern allzu gerne verdrängen, ist ihre Vorbildfunktion. Wenn Sie Ihre Freizeit am liebsten vor dem Fernseher verbringen und auch am Wochenende keine Gelegenheit vor dem Smartphone oder Tablet ungenutzt lassen, hat das natürlich auch Auswirkungen auf den Medienumgang Ihres Kindes. Fragen Sie sich deshalb ganz ehrlich: Wie steht es um meinen eigenen Medienkonsum?

5. Informieren Sie sich über Medien!

Wir leben nunmal in einem Medienzeitalter. Computer, Handy und mobile Endgeräte sind aus dem Alltag kaum noch wegzudenken. Daher ist es wichtig, dass sich Eltern diesen Herausforderungen gemeinsam mit ihren Kindern stellen und sich über die Chancen und Gefahren informieren.

Unser Tipp: Machen Sie eine Verzichts-Übung mit Ihrem Kind!
Sollten Sie sich nach dem Kurz-Check noch nicht sicher sein, kann diese Übung helfen: Ihr Kind soll eine Woche auf jedweden Medienkonsum verzichten. Beobachten Sie in dieser Zeit, wie sich Ihr Kind „verändert“.

 

 

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