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Identitätssuche in der Pubertät: Warum es jetzt so wichtig ist, authentisch zu sein

Authentizität zeigen

Viele Auseinandersetzungen zwischen Eltern und ihren pubertierenden Kindern basieren auf tiefer liegenden Beziehungskonflikten. Wer sich im Umgang mit Jugendlichen authentisch verhält, kann besser mit ihm in Kontakt treten. Lesen Sie hier, warum es für Jugendliche so wichtig ist, ein authentisches Gegenüber zu haben, und wie Sie an Ihrer Authentizität arbeiten können. 

Expertenrat von 
Felicitas Römer, Paar- und Familientherapeutin

Der Begriff der Authentizität ist in den letzten Jahren zu einem Modewort avanciert, gilt sie doch seit einiger Zeit als Schlüssel zu einer gelungenen Erziehung. Dennoch kursieren sehr viele Missverständnisse um dieses große Wort. Authentisch sein bedeutet so viel wie unverstellt, echt und glaubwürdig zu handeln. Das heißt, dass das, was der Mensch denkt und fühlt, und das, was er tut, miteinander in Einklang stehen und daher von anderen als Ehrlichkeit und Aufrichtigkeit erlebt werden.

Sie kennen das: Ein Vater, der sich zu Hause nie um seine Kinder kümmert, aber ein teures Buch über Kindererziehung schreibt, ist weniger glaubwürdig als jemand, der eine schwere Krankheit durchgemacht hat und nun anderen Betroffenen hilft. Wir vertrauen eher jemandem, der überzeugend und glaubwürdig ist, als jemandem, der künstlich oder „aufgesetzt“ wirkt und das, was er „predigt“, selber gar nicht lebt. Wer Bescheidenheit von anderen einfordert, selbst aber ein reiches und verschwenderisches Leben führt, wird als Heuchler erlebt.

Authentisch zu  sein heißt also auch, die eigene Haltung glaubwürdig zu leben und zu vertreten. Haltung und Handeln eines authentischen Menschen stimmen in vielen Lebensbereichen überein. Deswegen werden als authentisch erlebte Menschen auch gerne als Vorbilder gesehen.

5 Missverständnisse: Was „authentisch sein“ nicht bedeutet

Entgegen weit verbreiteter Missverständnisse bedeutet „authentisch sein“ hingegen nicht:

  1. Immer einfach spontan und unreflektiert „aus dem Bauch heraus“ zu agieren. Zu oft ist unsere Intuition von Konventionen und eigenen Erfahrungen überlagert, die wir in unserer Kindheit gemacht haben.
  2. Immer alles unreflektiert so weiter zu machen wie bisher. Auch hier sind es oft Konventionen oder Trotzreaktionen, die unser Verhalten unbewusst steuern. So wollen Eltern es oft besser machen als ihre eigenen Eltern und agieren manchmal aus diesem  unbewussten Anti-Programm heraus an den tatschlichen Bedürfnissen der eigenen Kinder vorbei.
  1. Einfach zu sagen: „So bin ich halt nun mal, basta!“ Diese Haltung ist eher Ausdruck von Bequemlichkeit und Sturheit als von Authentizität. Der authentische Mensch steht zu seinen Gefühlen, geht aber auch immer mal wieder in sich, um seine Gefühle wahrzunehmen und zu reflektieren.
  2. Jemandem ständig völlig unzensiert die eigene Meinung um die Ohren schleudern zu dürfen. Oder Kinder bzw. andere Nahestehende ungefiltert mit den eigenen Gefühlen „zuzuschütten“ und immerzu Verständnis zu erwarten. Auch das hat eher etwas mit Rücksichtslosigkeit zu tun als mit Authentizität.
  3. Immer stark, souverän und klar sein zu müssen. Auch Menschen, die unsicher oder verwirrt sind, können authentisch sein: indem Sie das einfach zum Ausdruck bringen. Es ist besser, einem Kind gegenüber zu sagen „Ich weiß für dieses Problem im Moment auch keine Lösung“, als irgendetwas zu entscheiden, wovon man selbst nicht überzeugt ist. Eltern sind nicht allwissend, und das müssen Kinder und Jugendliche wissen dürfen.
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