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Ersatzschulen, Privatschulen und Ergänzungsschulen
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Ersatzschule und Ergänzungsschule: Warum Privatschule nicht gleich Privatschule ist!

Modelle der Privatschulen

Privatschulen können sich vor Anmeldungen kaum noch retten, und immer neue Bildungsinstitute entstehen dort, wo die Nachfrage groß ist. Eltern, die sich gegen die staatliche Schule entscheiden, haben inzwischen eine Reihe von Wahlmöglichkeiten. Lesen Sie hier, wo die Unterschiede zwischen den Konzepten der Ersatzschulen und der Ergänzungsschulen liegen. 

Expertenrat von 
Dipl.-Päd. Uta Reimann-Höhn, Lern- und Erziehungsexpertin

Ersatzschule oder Ergänzungsschule?

Schulen in freier Trägerschaft, also Privatschulen, unterscheiden sich in zwei rechtlichen Modellen. Zum einen gibt es die Ersatzschulen in freier – nicht öffentlicher – Trägerschaft. Sie entsprechen den bestehenden Schulformen (ersetzen sozusagen die staatlichen Schulen) und bieten grundsätzlich die gleichen Unterrichtsinhalte an wie öffentliche Schulen. Mit dem Besuch einer Ersatzschule erfüllen die Schülerinnen und Schüler die gesetzliche Schulpflicht.

Was sind Ersatzschulen?

Ersatzschulen

  • bedürfen der Genehmigung durch die örtlich zuständige Bezirksregierung,
  • entsprechen den öffentlichen Schulen wie Grundschule, Hauptschule, Realschule oder Gymnasium,
  • haben in der Regel das Recht, mit gleicher Wirkung wie öffentliche Schulen Zeugnisse auszustellen und unter Vorsitz einer staatlichen Prüfungsleitung Prüfungen abzuhalten,
  • stehen unter Aufsicht des Landes (die Schulaufsicht über Ersatzschulen wird von der für die entsprechenden öffentlichen Schulen zuständigen Schulaufsichtsbehörde ausgeübt),
  • müssen sich an die geltenden Lehrpläne halten.

Ersatzschulen erhalten pro Schüler einen Finanzausgleich vom Staat, der je nach Bundesland unterschiedlich ist, aber im Schnitt bei circa zwei Dritteln der Kosten liegt, die der Schüler an einer staatlichen Schule verursachen würde. Diesen Finanzausgleich erhalten die Schulen aber in der Regel frühestens drei Jahre nach ihrer Gründung. Einzige weitere Einnahmequelle für Ersatzschulen ist das Schulgeld der Eltern, das laut Grundgesetz so bemessen sein muss, dass „eine Sonderung der Schüler nach den Besitzverhältnissen der Eltern nicht gefördert wird“ (Quelle: Verband deutscher Privatschulverbände e.V.).

In Bayern und auch in vielen anderen Bundesländern wird zwischen anerkannten und genehmigten Ersatzschulen unterschieden. Nur staatlich anerkannte Ersatzschulen können die Abschlüsse Abitur oder mittlere Reife selbst abnehmen. Die Schülerinnen und Schüler staatlich genehmigter Ersatzschulen müssen diese Abschlüsse in externen Prüfungen durchführen. Bei einem Wechsel auf eine öffentliche Schule oder auf eine staatlich anerkannte Schule muss oft eine Aufnahmeprüfung abgelegt werden, weil die Zeugnisse nicht anerkannt werden.

Was ist eine Ergänzungsschule?

Ergänzungsschulen sind Schulen in freier Trägerschaft, die Unterrichtsinhalte anbieten, welche staatliche Schulen und Ersatzschulen so nicht kennen. Ergänzungsschulen sind schwerpunktmäßig im berufsbildenden Bereich für Auszubildende, aber auch im allgemein bildenden Bereich für alle Klassenstufen zu finden. Sie unterscheiden sich in allgemein bildende, berufsbildende, ausländische und internationale Ergänzungsschulen, erhalten keine staatliche Förderung, bieten keine staatlich anerkannten Abschlüsse, Prüfungen müssen extern vor staatlichen Prüfungskommissionen abgelegt werden, an anerkannten internationalen Ergänzungsschulen kann ausnahmsweise die Schulpflicht erfüllt werden. Eine Ausnahmegenehmigung des zuständigen Schulamts ist dann nicht erforderlich.

Welche Privatschulen besuchen deutsche Kinder am häufigsten?

Die meisten privaten Schulen werden von der katholischen Kirche betrieben, die es in allen Bundesländern gibt. Rund die Hälfte aller in Privatschulen unterrichteten Kinder besucht also eine katholische Schule. Direkt danach folgen die Privatschulen der evangelischen Kirche mit rund 76.000 Schülerinnen und Schülern in Deutschland. Ebenso „stark vertreten“ sind auch die Waldorfschulen, die es auf derzeit fast 80.000 Schulkinder bundesweit bringen. Weniger als 10% machen die restlichen Schultypen aus, die von Montessori über freie Alternativschulen, Deutsche Landerziehungsheime, Jena-Plan-Schulen, unterschiedlichste Elterninitiativen, internationale Schulen bis hin zu ganz neuen Konzepten reichen.

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Kommentare zu "Ersatzschule und Ergänzungsschule: Warum Privatschule nicht gleich Privatschule ist!"

  • Henrik schreibt am 04.08.2015

    Sehr geehrte Damen und Herren.

    Mich interresiert es, etwas über Gründungsvorraussetzungen von Privatschulen und Ergänzungsschulen zu wissen. Was genau ist eine Ergänzungsschule? Können die mir weiterhelfen?

    Mit freundlichem Gruß

    Henrik Lenkeit
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