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Mama du bist doof!

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Verfasst am: 04.05.2010 [22:25]
Nicol
Fleißiger Helfer
Themenersteller
Dabei seit: 23.04.2008
Beiträge: 13
"Du bist bloed, spinnst du..."
Wie reagiert man am besten auf solche Saetze/Wutausbrueche?
Meine Tochter (3Jahre) sagt es immer dann zu mir, wenn ich ihr etwas verbiete oder wenn ich mit ihr schimpfe. Ist also eigentlich "nur" ihre Art, ihrer Wut Luft zu machen.
Trotzdem glaube ich nicht, dass ignorieren oder darauf mit "Na und" antworten und gelassen bleiben immer das Richtige ist.
Soll ich sie bestrafen und wenn ja, wie?
Sie in ihr Zimmer schicken und eine Auszeit verlangen hat wenig Erfolg gezeigt. Sie macht sich nicht viel daraus und spielt dann halt mit ihren Spielsachen.
Manchmal tut es ihr hinterher leid und sie entschuldigt sich oder verspricht mir, dass sie es nicht wieder sagen wird, was natuerlich nicht klappt.
Hat jemand einen Tip?
Gruss, Nicol
Antworten Profil
Verfasst am: 05.05.2010 [00:02]
AndreaSchmelz
Super-Nanny
Dabei seit: 31.03.2008
Beiträge: 1610
Liebe Nicol,
es ist verständlich, dass Ihre Tochter (jetzt auch gerade in der Trotzphase) sich eingeschränkt fühlt, wenn sie etwas nicht darf, und sich wütend äußert. Sie sollten sie nicht dafür bestrafen, dass sie ihre Emotionen zum Ausdruck bringt. Sie müssen sich aber auch nicht immer wieder anhören, dass Sie "doof" sind.

Sagen Sie Ihrer Tochter z.B., dass Sie verstehen können, dass sie sich ärgert, wenn sie etwas nicht darf oder nicht bekommt. Bekräftigen Sie aber, dass Sie bei Ihrer Meinung bleiben (evtl. nochmal kurz erklären, warum) und dass Sie nicht als "doof", "blöd" oder Ähnliches tituliert werden wollen. Zeigen Sie Ihrer Tochter, wie sie ihrer Wut angemessen Luft machen kann (z.B. in ein Kissen boxen, mit den Füßen stampfen) oder bieten Sie ihr an, dass sie in ihrem Kinderzimmer über Sie schimpfen darf (bei geschlossener Zimmertüre), Sie sich das aber nicht anhören wollen.

Setzt Ihre Tochter ihre Beschimpfungen trotzdem fort, bringen Sie sie entweder ruhig in ihr Kinderzimmer mit dem Satz: "Da darfst du schimpfen, so viel du willst." und machen die Türe zu. Oder Sie verlassen den Raum, in dem Ihre Tochter steht und schimpft, und ziehen sich zurück.

Je weniger Sie sich aufregen und je mehr Ihre Tochter lernt, ihrer Wut auf andere Weise Luft zu machen, umso eher werden die Beschimpfungen wieder vorbeigehen. Reagieren Sie hingegen stark auf die Ausbrüche Ihrer Tochter, macht das die ganze Sache nur interessanter.

Herzliche Grüße
Ihre
Andrea Schmelz

Antworten ProfilWWW
Verfasst am: 22.07.2010 [20:38]
pfalzheidi
Junior
Dabei seit: 05.05.2008
Beiträge: 5
Liebe Fr. Dr. Schmelz,
wir haben ein ganz ähnliches Problem, was allerdings noch weiter geht, denn im Kinderzimmer bleibt unsere Tochter (3,5 J.)dann nicht sondern kommt wieder raus und im schmlimmsten Fall fängt sie dann zu wüten an. Brüllt und schlägt und lässt sich überhaupt nicht beruhigen. Sie tritt dann auch gegen Türen und dass so doll, dass ich manchmal denke jetzt geht die Tür kaputt. Wie reagiert man denn in diesem Fall? Wut kanalisieren ist ja gut und schön, aber was wenn sie sich nicht kanalisieren lässt? Weggehen bringt auch nichts, sie kommt dann einfach hinterher...Wir sind echt ratlos.
Vielen Dank für einen Rat,
herzliche Grüße
pfalzheidi
Antworten Profil
Verfasst am: 22.07.2010 [22:40]
AndreaSchmelz
Super-Nanny
Dabei seit: 31.03.2008
Beiträge: 1610
Liebe pfalzheidi,
wenn Ihre Tochter nicht im Kinderzimmer bleibt, können Sie sich nur direkt vor der Kinderzimmertüre postieren und sie postwendend, wenn sie rauskommt, wieder zurückbringen. Das ist zwar mega-mühsam, aber wenn man sein Kind nicht einschließen will (und davon rate ich ab, das könnte Ängste auslösen), kann man die Konsequenz der Auszeit im Kinderzimmer nur so durchsetzen.

Sollte Ihre Tochter derart zu wüten beginnen, dass Sie befürchten, sie verletzt sich selbst oder macht etwas kaputt, können Sie Ihr zunächst noch einmal etwas zum Abreagieren anbieten (Boxsack, ins Kissen boxen, mit den Füßen stampfen, mit Kochlöffel auf Topf trommeln) und wenn Sie auch damit nicht mehr an sie rankommen, würde ich sie in letzter Konsequenz festhalten, damit nichts passiert.

Setzen Sie sich dazu mit ihr auf den Boden, da kann sie Sie am wenigsten verletzen, wenn sie um sich schlägt und tritt. Setzen Sie sich hinter Ihre Tochter (Rücken des Kindes an Ihrem Bauch) und halten Sie die Hände fest. Treten geht mit auf dem Boden ausgestreckten Beinen nicht besonders gut, sodass hier weniger Verletzungsgefahr besteht als wenn Sie mit ihr auf einem Stuhl sitzen. Reden Sie nicht ständig auf Ihre Tochter ein, weil sie dann vermutlich noch wütender wird. Sagen Sie nur in gewissen Abständen, dass Sie sie erst loslassen können, wenn sie sich wieder beruhigt hat. Sie wollen nämlich nicht von ihr verletzt werden und Sie wollen auch nicht, dass sie etwas kaputt macht.

Es kann sein, dass Sie beim ersten Mal eine ganze Weile mit ihr auf dem Boden sitzen müssen, aber Ihre Tochter wird bald verstanden haben, dass es schneller geht, wenn sie sich wieder beruhigt.

Noch ein Buchtipp: "Anna und die Wut" von Christine und Christiane Nöstlinger (Sauerländer 2010; 33 Seiten; 12,90 Euro). Die kleine Anna hat auch ganz schlimme Wutanfälle und lernt mit Hilfe ihres Opas, damit umzugehen. Das Bilderbuch eignet sich für Kinder ab drei Jahren.

Herzliche Grüße und gute Nerven!
Ihre
Andrea Schmelz

Antworten ProfilWWW
Verfasst am: 26.07.2010 [12:01]
Adine
Fleißiger Helfer
Dabei seit: 14.10.2008
Beiträge: 16
Hallo,
ich habe das gleiche Problem mit meinem Sohn (4 1/2 J.), ich selber kann ihn eigentlich gar nicht festhalten, weil er alles versucht (beißen und mit dem Kopf gegen mein Gesicht stoßen - wenn ich ihn rücklings festhalte)um loszukommen. Auszeit funktioniert auch gar nicht, weil er entweder wieder zurück kommt oder an dem Ort (Flur, Kinderzimmer) alles verwüstet. Ich habe ihn in der Not auch schon kurz vor die Tür gesetzt und zugemacht (hatte dabei kein gutes Gefühl) aber im Treppenhaus kann er nicht viel kaputt machen und ich habe noch eine kleine Tochter um die ich mich auch kümmern muss.
Die Auslöser für die Wutanfälle sind oft Kleinigkeiten und man kann sich ausrechnen, wann es am schlimmsten ist (wenn er müde und hungrig vom Kindergarten kommt). Trotzdem bin ich manchmal ratlos und ehrlichgesagt auch selber oft ziemlich wütend, weil es so anstrengt! Ich fände es auch ok wenn er rumschreien und rumstampfen würde, die Wut an sich soll er ja loswerden, aber nicht gegen mich und Gegenstände aggressiv werden. In dem Moment hilft leider Kissenboxen o.ä. gar nicht, er sieht dann einfach rot! Ich rede mit ihm darüber wenn er sich beruhigt hat und schlage ihm solche Sachen vor, aber wenn er wieder mal in Rage geraten ist - kommt nichts an ihn heran. Im Kindergarten ist er übrigens ein eher zurückhaltendes Kind, dass sich viel anpasst - ich vermute, dass er manchmal zu Hause angestaute Wut loswerden möchte und Kleinigkeiten das Fass zum überlaufen bringen - kann das sein?
Das war ein langer Beitrag, aber es musste mal raus!
LG,Adine
Antworten Profil
Verfasst am: 26.07.2010 [17:03]
AndreaSchmelz
Super-Nanny
Dabei seit: 31.03.2008
Beiträge: 1610
Liebe Adine,
wenn Ihr Sohn bei einer Auszeit ständig wieder aus dem Zimmer rauskommt, könnne Sie ihn nur konsequent immer wieder zurückführen. Da er bei einer Auszeit eventuell auch das Zimmer verwüstet, können Sie ihn nur in einen Raum bringen, in dem er nichts kaputt machen kann. Falls es in Ihrer Wohnung keinen mehr oder minder spärlich möblierten Gang oder Vorplatz gibt, in dem er sich relativ problemlos austoben kann, würde ich persönlich (wenn es gar nicht mehr anders geht) vermutlich auch in der Not aufs Treppenhaus zurückgreifen. Versuchen Sie aber vorher grundsätzlich, ihm ein Ventil für seine Wut zu geben. Sprechen Sie seine Zerstörungswut an: "Ich sehen, du bist so wütend, dass du etwas kaputt machen willst. Hier hast du eine Zeitung, die darfst du zerreissen, zerknüllen und herumwerfen."

Bei schweren Wutanfällen kommen Sie an Ihren Sohn vermutlich gar nicht ran und Beruhigungsversuche scheitern in der Regel. Wenn er wirklich die Einrichtung demoliert, ist die logische Konsequenz, dass Sie ihn nicht in der Wohnung lassen können.

Sofern solche schlimmen Wutanfälle nur gelegentlich auftreten, sollten Sie versuchen, mögliche Auslöser (Müdigkeit, Hunger) im Auge zu behalten und rechtzeitig gegenzusteuern. Kommen solche Wutanfälle allerdings häufiger vor, empfehle ich Ihnen psychologische Unterstützung, etwa durch eine Beratung in einer Erziehungsberatungsstelle (Adressen unter www.bke.de).

Ratschläge gegen Wutanfälle und aggressives Verhalten finden Sie auch hier:
www.elternwissen.com/erziehung-entwicklung/erziehung-tipps/art/tipp/wutanfaelle-bei-kindern-1.html
www.elternwissen.com/erziehung-entwicklung/erziehung-tipps/art/tipp/wutanfaelle-bei-kindern.html
www.elternwissen.com/erziehung-entwicklung/erziehung-tipps/art/tipp/so-reagieren-sie-richtig-wenn-ihr-kind-aggressiv-ist.html

Herzliche Grüße
Ihre
Andrea Schmelz

Antworten ProfilWWW


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