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Ständige Machtkämpfe

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Verfasst am: 04.03.2009 [21:09]
caprice73
Fleißiger Helfer
Themenersteller
Dabei seit: 29.08.2008
Beiträge: 13
Ich habe den Eindruck, mein Sohn (6 Jahre) entgleitet mir im Moment total und ich hab langsam keinen blassen Schimmer mehr, was ich tun soll...

Höhepunkt heute war, daß mir einer seiner Kumpels gesteckt hat, daß er auf dem Schulweg (angestiftet von einem Schulkameraden, der seit gestern wieder mit ihnen läuft) heute morgen die Hauptverkehrsstraße vor der Ampel einfach überquert hat, um eben diesem Kumpel hinterherzurennen. Diese Kreuzung ist der Knackpunkt auf dem Schulweg. 2 Hauptverkehrsstraßen, starker Berufsverkehr etc. Er weiß ganz genau, daß es absolut VERBOTEN ist, die dortige Ampel auch nur irgendwie zum umgehen.

Mir ist klar, daß das viele Kids machen. Hab selbst schon genug gesehen (auch Erstklässler) und das allein ist auch nicht das Problem, nur halt im Moment der Tropfen, der das Faß zum überlaufen brachte.

Im Moment haben wir hier fast täglich Machtkämpfe. Da gehts gar nicht um Diskussionen, sondern von seiner Seite aus einfach um Sieg und Niederlage. Oft im Straßenverkehr oder eben das er immer VOR seinem jüngeren Bruder sein muß (ist er es nicht, weil ich es nicht zulasse, benimmt er sich unmöglich), versucht jede Konsequenz zu umgehen, will NUR seinen Weg gehen. Das ist so nervenaufreibend.

Letztens war er fast soweit, daß er - trotz Verbots - sich angezogen hat und aus der Tür raus ist. Dann hatte er wohl Angst vor der eigenen Courage und blieb vorne an der Haustür stehen und traute sich nicht weiter. Aber das fand ich schon Hammer. Wie soll das weitergehen?

In der Schule hat er die ein oder andere Schwierigkeit in der - ich nenn es mal - sozialen Kompetenz (Quatsch machen, sich nicht immer an Regeln halten). Eigentlich nichts wirklich weltbewegendes lt. seiner Lehrerin, aber durchaus oft auch störend. Seit einigen Tagen erzählt er mir, alles sei paletti, er hätte keine Verweise und alles würde jetzt gut klappen, aber 2 h später sagt er mir dann: Ich will nicht mehr in die Schule, die mögen mich alle nicht!

Klar, kann ich die Lehrerin ansprechen, aber es frustriert mich einfach, daß ich nicht weiß, was ich ihm glauben soll. Vor allem, weil ich weiß, daß er bei seinen Schulkameraden eigentlich gut gelitten ist. Er hat viele Freunde, gut manche Mädchen sind etwas "pikiert" über sein oft wildes Verhalten, aber das ist in meinen Augen so ein altersgemäßes Verhalten wie ich es auch aus meiner Schulzeit noch kenne. Er polarisiert gern. Komme ich in die Schule, um dort beim Computerkurs zu helfen oder so, ist er oft umringt von 3-4 Mädchen. Wird er dann ZUUU cool, kommt dann bei denen wieder die "Zicke" raus und sie beschweren sich. Finde ich nicht weiter schlimm. Die Jungs mögen ihn alle. Er wird oft eingeladen und hat hier auch oft Besuch, also ist es einfach nicht so, daß ihn keiner mag.

Und das die Lehrer entsprechend reagieren, wenn er "stört", sollte ihm eigentlich klar sein. Das kennt er aus dem Kiga ja auch.

Ich hab den Eindruck, ich renne bei ihm nur gegen die Wand, als erreicht ihn alles, was ich ihm sage, einfach nicht. Er scheint mir unfähig zu sein, sich über sein eigenes Verhalten Gedanken machen zu können. Oder erwarte ich da von einem 6,5jährigen zuviel?

Er versucht halt - um zu einem Fazit zu kommen - mit allen Mitteln, sämtliche Grenzen, die ich ihm setze, zu durchbrechen und SEINEN Weg zu gehen. Und außer mit wirklich harten Strafen, hinter denen ich gar nicht wirklich stehe, weil es mir viel zu viel erscheint oder nicht situationsangemessen, komme ich bei ihm überhaupt nicht mehr weiter. Am Ende gehe ich schon als "Siegerin" vom Platz, fühle mich aber eher gegenteilig. Unser Verhältnis leidet da sehr drunter...

Wie kann ich ihn erreichen?

Liebe Grüße

Nicole
Antworten Profil
Verfasst am: 05.03.2009 [11:04]
beere
Junior
Dabei seit: 25.02.2009
Beiträge: 6
Hallo Nicole,

Kann es vielleicht sein, daß Dein Sohn einfach nur um Aufmerksamkeit ringt? Vielleicht beschäftigst Du Dich; ohne es zu merken; mehr mit Deinem kleinen Sohn?
Frag ihn doch einfach mal, wieso er solche (gefährlichen) Dinge tut, wie zum beispiel einfach über eine stark befahrene Straße zu gehen? Ich würde ihm klar machen, was alles passieren kann...
Ich weis auch, daß es oft nicht so leicht ist, angekündigte Strafeb auch durchzusetzen... Mein Lebensgefährte hat auch einen 9 jährigen Sohn. Seit 5 Jahren leben wir zusammen. Ich habe von Anfang an das durchgezogen, was ich angekündigt habe. Kinder brauchen klare Grenzen... Auch wenn es machnmal sehr hart für Dich ist und Du Dich vielleicht als Rabenmutter fühlst. Kinder sind aber insgeheim "dankbar", wenn man ihnen Grenzen aufzeigt...

liebe Grüße
Jana
Antworten Profil
Verfasst am: 05.03.2009 [21:35]
AndreaSchmelz
Super-Nanny
Dabei seit: 31.03.2008
Beiträge: 1610
Liebe Nicole,
Sie schreiben, dass Ihr Sohn derzeit stark alle Grenzen austestet. Solche Phasen kommen bei allen Kindern immer wieder vor und sind eigentlich ganz normal, wenn auch anstrengend. Ihr Sohn ist mit 6,5 Jahren auch nicht immer in der Lage, die Konsequenzen seines Verhalterns zu erkennen bzw vorher zu bedenken.

Sie schreiben mehrmals, dass es um Machtkämpfe bzw. "Sieg und Niederlage" geht. Das ist immer eine ungute Situation, weil es grundsätzlich einen Verlierer gibt. Bevor Sie in den "Kampf" einsteigen, sollten Sie sich von Ihrem Sohn erklären lassen, warum ihm etwas besonders wichtig ist und versuchen, Kompromisse auszuhandeln - damit jeder "ein bisschen Gewinner" sein kann.

Natürlich wird er Ihnen erzählen, dass er z.B. zum Aufräumen einfach keine Lust hat. Dann sollten Sie aus Ihrer Sicht (möglichst in einer Ich-Botschaft wie "Ich ärgere mich, wenn ich im Wohnzimmer auf dem Boden immer wieder auf Spielzeug trete.") schildern, was Sie an der Unordnung so stört. Und dann sollten Sie eine Abmachung treffen, wann und wie Ihr Sohn (vielleicht mit Ihrer Hilfe) aufräumen sollte. Klappt es trotzdem nicht, müssen logiosche Konsequenzen folgen.

Im Fall mit dem Schulweg, wo er nicht wie vereinbart an der Ampel die Straße überquert hat, könnte das beispielsweise bedeuten, dass Sie ihn eine Woche lang wieder zur Schule begleiten. Das dürfte vor seinen Freunden eher "uncool" rüberkommen und ihn vielleicht dazu bewegen, sich besser an die Vereinbarung zu halten.

Wenn es immer wieder Probleme mit Regeln und Grenzen gibt, können die Tipps in diesen Beiträgen helfen: www.elternwissen.com/erziehung-entwicklung/erziehung-tipps/art/tipp/erziehungs-tipps-gegen-ungehorsam.html und www.elternwissen.com/erziehung-entwicklung/erziehung-tipps/art/tipp/kindererziehung-1-2-3-methode.html

Herzliche Grüße und gute Nerven!
Ihre
Andrea Schmelz

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Antworten ProfilWWW
Verfasst am: 11.03.2009 [08:56]
DiMartin
Newbie
Dabei seit: 15.12.2008
Beiträge: 4
Hallo meine Liebe,

mein Sohn wird jetzt auch 6 Jahre. Die Phase kenn ich auch, wenn auch nicht so krass.
Ich habe eine gute Lösung gefunden, indem ich mich mehr mit ihm beschäftigt habe. Vor allem müssen diese Jungs mal wieder runter kommen... ich gehe ab und zu in den Wald mit ihm und zeig ihm viel (z.B. was man hören kann, wenn man ganz still ist, oder eine Wiese, wo ganz viele Kanninchen sind, oder Stöcke sammeln...fahrrad fahren...) In der Zeit suche ich auch das Gespräch mit ihm. Dann ist er echt offen. Ich ermutige ihn auch dazu, mir Dinge zu erzählen, die ich vielleicht nicht so toll finde und zeige ihm, das ich nicht böse bin, sondern einfach nur mit ihm liebevoll darüber rede.

Dann habe ich noch etwas erfunden, was echt angeschlagen ist. Ich habe einen Kinderkalender gekauft, den ich in sein Zimmer gehangen hab, und einen Block selbstklebende bunte Punkte (oder Sterne). Wir haben 4 Dinge rausgesucht, an denen er arbeiten könnte. Bei uns wäre das "beim 1.Mal hören (bei klaren Anweisungen)", "keine Wutausbrüche, sondern ruhig seine Argumente vorbringen", "Essen (zumindest probieren)" und der letzte Punkt "aufräumen". Bei Dir mag es vielleicht andere Punkte geben, die man gemeinsam erarbeiten kann.
Diese Punkte werden jeden Abend vor dem zu Bett gehen besprochen. Und ich frage ihn auch nach seiner Meinung und es ergeben sich sehr schöne kurze Gespräche. Er darf dann immer die Smilys rein malen, wenn es gut geklappt hat.
Er ist seid dem sooo motiviert, dass er immer wieder seine Smilys zählt. Hat er sich die Woche über echt angestrengt, machen wir was besonders schönes mit ihm am Wochenende. Letztes Wochenende sind wir zur Eisdiele spaziert und er durfte sich ein Eis mit 3 Bällchen aussuchen.
Ich lobe ihn immer sehr, dass er sich so bemüht und dass ich mich so sehr über seinen Erfolg freue. Ich sage ihm auch, dass er stolz auf sich selber sein kann icon_biggrin.gif .

Seid her haben wir wirklich wieder ne Menge spass miteinander. Er lernt auch, dass man selber was an seiner Situation ändern kann. Es ist ein schönes Gefühl stolz auf sich sein zu können.
Das hilft viel besser als in einen Kreislauf von Kritisieren und Strafen (in dem ich selber auch schon gesteckt hab)... das frustiert beide Seiten nur banghead.gif
Man könnte jetzt noch einen Schritt weiter gehen und auch für sich selber einen solchen Kalender mit Punkten zu erstellen und Dein Sohn gibt Dir Punkte bei ausgewählten Dingen, an denen Du arbeiten kannst... so zeigt man, dass auch Erwachsene sich anstengen müssen und sich dann auch über sich selber freuen können. Ich hoffe, meine Erfahrung hat Dir etwas geholfen, denn es ist wirklich nervenaufreibend. Dir und Deinem Sohn wünsche ich viel Glück.
Antworten Profil
Verfasst am: 12.03.2009 [09:51]
caprice73
Fleißiger Helfer
Themenersteller
Dabei seit: 29.08.2008
Beiträge: 13
Vielen Dank für die ganzen Anregungen.

Seit unserem Gespräch über den Vorfall mit der Straße läuft es ganz gut. Das Gespräch verlief sehr ruhig und auch bei meinem Sohn hatte ich den Eindruck, daß das was ich sagen wollte, wirklich zu ihm durchgedrungen ist.

An mangelnder Aufmerksamkeit liegt es bei uns denke ich nicht. Sein jüngerer Bruder ist im Gegensatz zu ihm sehr, sehr ruhig und fordert viel weniger Zeit von mir als er. Ich beschäftige mich wirklich viel mit ihm - nicht nur im negativen icon_wink.gif

Das mit den Smileys hatten wir schon 2x versucht, aber nach einer Weile ist das keine Motivation mehr bei uns. Am Anfang klappt alles super, aber dann ist es ihm wieder unwichtig.

Was ich in den letzten Tagen festgestellt habe, daß ihm Körperkontakt zu mir oder seinem Vater sehr wichtig ist. Er kommt allerdings von sich aus nur selten zum Kuscheln. Biete ich es ihm an, kommt er sofort und kuschelt sich zu mir. Das mußte ich auch erst lernen. Dadurch das er so dominant und wild ist, hatte ich eher den Eindruck, daß er einfach kein Kuschler ist. Natürlich gabs Zärtlichkeiten zwischen uns, aber nicht in solch großem Ausmaß. Aber wenn ich ihm quasi das Schmusen anbiete und er das auch annimmt, bleibt er von sich aus viel ruhiger und wir kommen auch besser zusammen aus.

Liebe Grüße

Nicole
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