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Vorschulkind macht Riesentheater im Kindergarten (lang)

Autor Nachricht
Verfasst am: 05.05.2008 [11:46]
Dorothee
Junior
Themenersteller
Dabei seit: 05.05.2008
Beiträge: 8
Hallo,

meine Tochter ist sechs Jahre und 4 Monate alt und wird im August eingeschult. Sie geht in den Kindergarten seit sie drei Jahre alt ist. Der Kindergarten ist wirklich toll, die Kinder werden gestärkt und gefördert und die Erzieherinnen sind sehr engagiert, liebevoll und kompetent. Bis vor kurzem ist sie jeden Tag richtig gerne hingegangen. Kam mit Bastelarbeiten, neuen Liedern, Gedichten, tollen Ausflugserlebnissen zurück. Ich kann mich nicht erinnern, dass wir mal ernsthaft die "Ich-will-nicht-in-den-Kindergarten"-Diskussion hatten. Neulich hatten wir das letzte Elterngespräch und ihre beiden Erzieherinnen waren voll des Lobes darüber wie schlau, hilfsbereit, wissbegierig, konzentriert, sportlich etc. sie ist. In der Bildungsdokumentation (gibt's in NRW, weiß nicht, ob andere Bundesländer das auch machen) hat sie in allen Bereichen die volle Punktzahl.

Seit ungefähr drei Wochen will sie nicht mehr in den Kindergarten, weint beim hinbringen und beim abholen. Wenn man sie fragt, warum, sagt sie nur, ihr sei da langweilig. Aber zu Langeweile passt dieses unglaubliche Theater nicht, das sie aufführt. Kann ja sein, dass der Kindergarten sie nicht mehr besonders fordert, aber kann das wirklich der Grund für diesen Terror sein?

Ihre Erzieherin sagte mir, dass sie sich schnell beruhigt, wenn ich außer Sichtweite bin. Aber sie entzieht sich konsequent allen Aktivitäten, weigert sich, mit den anderen zum Turnen zu gehen, bastelt nicht mit, möchte nicht mit anderen spielen, alles Dinge, die sie bisher mit großer Begeisterung und auch gut gemacht hat. Sie sitzt dann in der Ecke und tut sich leid. Angebote von anderen Kindern aus der Gruppe lehnt sie ab. Nur wenn eine Erzieherin sich ausschließlich mit ihr beschäftigt, ihr eine (exklusive) Vorschulaufgabe gibt oder Karten spielt, macht sie mit. Es darf aber kein anderes Kind mitspielen.

Einen Tag lang haben wir sie zu Hause behalten, da saß sie den ganzen Tag auf dem Sofa und hat sich völlig zufrieden Bilderbücher angeschaut, während wir arbeiteten.

Wir hatten sie auch schon ein paar Tage zur Oma in Ferien geschickt, weil wir dachten, sie braucht vielleicht mal eine Zeit Abstand und verwöhnt werden. Die Oma hat jede Menge toller Sachen mit ihr gemacht, Vergnügungspark, Ponyreiten usw. Das wird alles konsumiert, und danach fängt sie wieder an zu weinen. Nach drei Tagen wollte sie wieder nach Hause. Seither ist wieder alles beim alten. Allerdings haben wir nach vielen langen Gesprächen mit den (auch langsam etwas ratlosen) Erzieherinnen beschlossen, dass es keine weiteren Ausnahmen gibt. Wir müssen arbeiten , sie muss in den Kindergarten. Ihr kleiner Bruder (3 Jahre) geht übrigens in denselben Kindergarten seit er 2 ist und auch sehr gerne.

Heute morgen kam dann der bisherige Höhepunkt: Sie hat sich geweigert, ihre Schuhe anzuziehen um zum Kindergarten zu gehen. Erst als mein Mann ihr drohte, dass sie dann ohne Schuhe in den Kindergarten müsse, bekam sie Angst um ihre neue Strumpfhose und zog die Schuhe an. Der Weg zum Kindergarten war ein einziges Desaster, sie heulte den ganzen Weg und ließ sich nicht dazu bringen, in ihre Gruppe zu gehen. Die Erzieherin sagte mir, ich solle gehen. Ich ging also nach Hause, meine Tochter stand tränenüberströmt vor ihrer Gruppe und schrie: "Mamaaaa, bitte, bitte nicht!" Ich kann gar nicht sagen, wie ich mich gefühlt habe. Es war schrecklich.

Der Weg vom Kindergarten dauert keine zehn Minuten. Als ich wieder zu Hause ankam, kam mir mein Mann schon entgegen und sagte, die Erzieherin habe angerufen, unsere Tochter hätte sich sofort beruhigt und habe aufgehört zu weinen, alles ok.

Hat irgendjemand ein ähnliches Problem? Ich bin so unsicher, wie ich mich verhalten soll. Auf der einen Seite hat sie natürlich rausgefunden, dass sie auf diese Art sehr viel Aufmerksamkeit und Sonderbehandlung erreicht. Auf der anderen Seite habe ich Bedenken, dass sie irgendeine Angst hat, die sie mir nicht sagen kann oder will. Ich mache mir auch Sorgen, dass sie dieses Muster (sich verweigern, alles blöd finden) kultiviert und in der Schule so weiter macht. Auf die Schule hat sie sich bisher immer gefreut und konnte es gar nicht erwarten. Aber von Schule will sie in letzter Zeit auch nichts mehr hören. Kennt das jemand und kann mir einen Rat geben?

Vielen Dank schon mal und viele Grüße

Dorothee
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Verfasst am: 06.05.2008 [09:08]
miesemuckel
Quelle der Weisheit
Dabei seit: 02.05.2008
Beiträge: 59
Hallo Dorothee,

das klingt ja wirklich schrecklich! Ich wünschte, ich könnte Euch irgendeinen nützlichen Tipp geben, aber da habe ich auch nichts parat. Fest steht wohl allgemein, dass der Übergang von KiTa in die Grundschule ein sehr aufwühlender Schritt für die Kinder ist. Vielleicht hat Eure Tochter diese Schwingungen aufgefangen und reagiert mit einer "dunklen Angst", ohne das genau in Worte fassen zu können. Vielleicht könnt Ihr zuhause (über Pfingsten, das sind ja dann ein paar freie Tage) mal in Ruhe versuchen, ob sie ihre Gefühle bezüglich des Kindergartens/Schule malen möchte. Vielleicht kommt ja da was Verwertbares bei heraus. Oder vielleicht ein "Rollenspiel" mit der ganzen Familie unter Einbeziehung von Puppen/Stofftieren, um einfach spielerisch herauszufinden, was genau sie bedrückt... Sowas in der Art würde ich versuchen, wenn es meine Tochter wäre. Gute Ergebnisse erzielt man übrigens auch mit einer Unterstützung durch Bachblüten, hier gibt es z.B. eine spezielle Mischung gegen "Trennungsschmerz", das kann ich sehr empfehlen. Ob es allerdings in der derzeitigen Situation hilft, vermag ich auch nicht zu sagen, aber schaden kann sowas nie icon_smile.gif Ich wünsche Euch, dass Ihr einen Zugang zu Eurer Tochter findet und sie Euch zeigen kann, wo genau ihr derzeitiges Problem liegt.

Liebe Grüße und alles Gute!!!
Antworten Profil
Verfasst am: 06.05.2008 [12:54]
Dorothee
Junior
Themenersteller
Dabei seit: 05.05.2008
Beiträge: 8
@miesemuckel:

Vielen Dank für Deine einfühlsame Antwort. Malen ist eine super Idee. Das werde ich auf jeden Fall probieren. Bachblüten bekommt sie schon.

Mir geht's heute auch schon wieder besser, denn als ich sie gestern nachmittag abgeholt habe, war sie zum ersten mal seit langem ganz aufgeräumt und vergnügt.

Heute war ich von Anfang an ganz konsequent, habe mich auf keine Diskussionen eingelassen und ihr einfach signalisiert, dass es das normalste von der Welt ist, dass wir jetzt zum Kindergarten gehen. Obwohl sie ein bisschen gemotzt und geweint hat, ging's heute viel besser. Puh!

Ich glaube, dadurch, dass ich mir solche Sorgen um sie gemacht habe, sie ständig gefragt habe was los sei und ihr lauter Ausnahmen gestattet habe, habe ich sie noch mehr verunsichert.

Außerdem wollte sie gestern plötzlich ganz viel über meine Schulzeit wissen und wie das für mich damals war. Das ist eine gute Möglichkeit, ihr von der Schule zu erzählen und ihr nach und nach die Ängste zu nehmen.

Vielleicht ist ja gestern der Knoten geplatzt.

Danke noch mal und viele Grüße

Dorothee
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